AdBlue: Dieselzusatz bald knapp und teurer?

Ein Auto tankt an der Tankstelle AdBlue
Der Preis für saubere Abgase: Steigende Kosten für AdBlue ∙ © imago images/Sven Simon

AdBlue könnte in Deutschland knapp und auch teurer werden. Dies betrifft zahlreiche Dieselfahrerinnen und -fahrer, die den Harnstoff-Zusatz für ihr Auto benötigen. Was ADAC Fachleute empfehlen.

  • Hohe Gaspreise beeinflussen AdBlue-Produktion

  • Mineralölwirtschaft will Lieferungen aufrecht erhalten

  • ADAC: Das ist beim Lagern von AdBlue zu beachten

Besitzer von neueren Dieselfahrzeugen müssen neben Kraftstoff regelmäßig AdBlue tanken, denn ohne das Abgasreinigungsmittel bleiben die Autos stehen. Der Zusatz, den man an Tankstellen zapft oder im Baumarkt im Kanister kauft, könnte allerdings schon bald knapp und auch teurer werden.

Für Dieselfahrerinnen und -fahrer wäre das schon der zweite Preis-Schock nach den aktuellen Spritpreisen auf Rekordniveau. Von einer AdBlue-Knappheit wären zahlreiche Fahrer neuerer Diesel-Pkw der Abgasnormen Euro 5 und vor allem 6 betroffen, deutschlandweit etwa zehn Prozent aller Fahrzeuge. Bei Lkw der Normen Euro V und VI ist ein SCR-Kat mit Harnstoff-Einspritzung seit 2008 vorgeschrieben.

AdBlue: Warum der Nachschub bald fehlen könnte

Schuld an der AdBlue-Verknappung und damit möglichen Verteuerung sind die hohen Gaspreise in Deutschland. Da Gas für die Herstellung von Ammoniak, dem Grundstoff für AdBlue, benötigt wird, haben erste Chemie-Werke wie etwa der Branchenriese BASF die Produktion gedrosselt.

In Italien hat bereits das erste Werk, das AdBlue herstellt, die Produktion ausgesetzt. Hierzulande beobachtet der Mineralölwirtschaftsverband e.V. (MWV) die Situation bereits mit erhöhter Aufmerksamkeit: "Eine Versorgungslücke bei AdBlue ist uns aktuell nicht bekannt. Wir sind uns allerdings der Situation bewusst. Diese beobachten unsere Mitgliedsunternehmen sehr genau und haben Vorkehrungen getroffen, um die Lieferungen aufrechterhalten zu können. Wie sich die Situation bezüglich Preisen und Versorgung weiter entwickelt, ist schwierig abzuschätzen", so ein MWV-Sprecher.

Bevor eine Verknappung tatsächlich eintritt und viele Dieselfahrer ohne AdBlue nicht mehr mit ihren Fahrzeugen fahren können, muss nach Ansicht des ADAC die Industrie auch bei hohen Gaspreisen eine Versorgung mit AdBlue sicherstellen.

AdBlue-Vorräte können für Vielfahrende lohnend sein

ADAC Technik-Fachleute raten Besitzerinnen und Besitzern betroffener Dieselfahrzeuge, abhängig vom Verbrauch abzuwägen, ob sich ein Vorrat an AdBlue für sie lohnt oder nicht. Letztendlich hängt dies vom Verbrauch des jeweiligen Fahrzeugs und der Fahrstrecke des Einzelnen ab. Der AdBlue-Verbrauch liegt bei etwa drei bis fünf Prozent des Kraftstoffverbrauchs. Für Vielfahrer kann sich möglicherweise ein AdBlue-Vorrat rentieren. Die meisten Autofahrer müssen AdBlue jedoch nur ein- bis zweimal im Jahr nachfüllen.

Allein die Preissteigerung von AdBue ist jedoch nach Ansicht des ADAC kein guter Grund, um den Zusatzstoff lange daheim zu lagern. Hier stehen die Preissteigerung und Einsatzmengen im Pkw und der notwendige Aufwand der Lagerung nicht immer im Verhältnis.

AdBlue lagern: Das sollten Diesel-Besitzer beachten

Will man AdBlue dennoch zu Hause lagern, ist Folgendes zu beachten:

  • Der Zusatz ist unbedingt vor direkter Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 30 °C zu schützen und sollte an einem gut belüfteten Platz gelagert werden.

  • Gut sind Lagertemperaturen zwischen minus 5 °C und plus 20 °C.

  • Ab minus 11,5 °C gefriert AdBlue, kann aber nach dem Auftauen wieder ohne Qualitätsverlust verwendet werden.

  • AdBlue zersetzt sich im Laufe der Zeit auf natürliche Weise zu Ammoniak. Der Prozess ist von der Lagertemperatur abhängig. Bei Lagertemperaturen unter plus 25 °C beträgt die Haltbarkeit mindestens 18 Monate, bei Temperaturen bis plus 30 °C mindestens 12 Monate.

  • AdBlue sollte nicht mit anderen Substanzen in Berührung kommen. Bereits geringste Verunreinigungen können das AdBlue unbrauchbar machen bzw. das SCR-System schädigen. Deshalb zum Umfüllen von AdBlue in Tanks niemals alte Diesel- oder Ölkanister verwenden.