DruckenPDF

- Gefahr Sommergewitter? -

Blitzschutz am Pkw, Cabrio und Wohnmobil

Blitz-Entladungen - seit jeher ein beeindruckendes, aber auch furchteinflößendes Naturspektakel. Mit dem Aufkommen von Ganzstahl-Autokarosserien vor gut 100 Jahren gab es für Autofahrer Entwarnung. Warum das so ist und wie man Gewitter schadlos übersteht lesen Sie hier.

  • Wie entstehen Blitze?

    Bei Gewitterlagen laufen in Wolken intensive Reibungsprozesse ab, verursacht durch Luftströmungen, Temperaturunterschiede und Eiskristalle. Als Folge bilden sich Überschüsse und Defizite an Elektronen, sogenannte „positive und negative Ladungen“. Diese haben das Bestreben, eine ausgeglichene Verteilung wiederherzustellen.

    Überschreitet die Ladungsanhäufung in einer Gewitterwolke eine kritische Größe, kommt es zum plötzlichen Ausgleich - zwischen Wolke und Wolke, eventuell aber auch zwischen Wolke und Erde. Erkennbar ist dieser Vorgang an einem Lichtblitz und dem folgenden „Donner“, dem Geräusch der explosionsartig erhitzten Luft.


  • Der "Faradaysche Käfig"
    Bei Blitzentladungen entstehen Spannungen bis zu einigen hundert Millionen Volt mit Strömen zwischen 10.000 und 20.000 Ampere (Haushalts-Stromnetze sind auf maximal 15-25 Ampere bei 250 Volt Spannung ausgelegt). Also: Höchste Gefahr für den Menschen außerhalb seines mit Blitzableitern gesicherten Hauses? Für Fußgänger oder Zweiradfahrer ja, die Insassen von Autos haben es aber, bei Beachtung einiger Verhaltensregeln, deutlich besser.
    Die wissenschaftliche Begründung hierfür verdanken wir dem Engländer Faraday. Dieser war schon lange vor der Erfindung des Automobils darauf gekommen, dass der Aufenthalt innerhalb eines Blechgehäuses, das aber auch die Gitterstruktur eines "Käfigs" haben kann, beim Blitzeinschlag unbedenklich ist, und zwar solange, wie eine Berührung des Metalls von Innen ausgeschlossen wird. Wer dies "live" erleben will, kann es im Deutschen Museum in München tun (und sich anschließend das Original des allerersten Autos, des "Benz Patent-Motorwagens" ansehen, der, als motorisierte offene Holzkutsche, keinesfalls als "blitzgeschützt" gelten kann).
    Wie wichtig es ist, sich unter den Schutz eines "Käfigs" zu begeben, zeigen gehäuft Fälle aus den besonders blitzreichen letzten Jahren. Zu Einschlägen kam es sogar aus heiterem Himmel - Personen, die sich im Freien aufhielten, wurden völlig unvermutet getroffen. Ob nun der Himmel in diesen Fällen tatsächlich so "heiter" war oder nicht doch die bekannte, gefühlte Gewitterstimmung im Anrollen war: Man sollte sich schon bei ersten Anzeichen eines kommenden Gewitters so verhalten, wie in den folgenden Ratschlägen dargestellt. Merke: Es muss nicht erst Winden und Gießen, bevor es gefährlich wird!

  • Geschlossene Pkw
    Im Regelfall sitzen wir in Autos mit einer geschlossenen Blechkarosserie, die dann auch ganz exakt dem beschriebenen "Käfig"-Prinzip entspricht – selbst dann, wenn im Dachbereich großflächige Glasfelder vorhanden sind. Demnach: Alles ganz gefahrlos? Einige Dinge sollte man schon beachten: Als Parkplatz während eines Gewitters keine gegenüber der Umgebung erhöhte Punkte aussuchen, Fenster und Schiebedach schließen, alle Antennen, soweit möglich, einziehen (könnte im Fall des Falles kritisch für die angeschlossenen elektronischen Geräte und deren Verkabelung sein), das Handy nur ohne Außenantenne betreiben. Im Innenraum sollte man keine Metallteile, die mit der Karosserie in Verbindung stehen, berühren, was bei der heutzutage üblichen Kunststoffauskleidung kaum ein Problem darstellen dürfte.
    Wenn nun, was in der Praxis aber extrem selten vorkommt, ein Blitz tatsächlich einschlägt, dann sind für die Insassen, verursacht durch die Blend- und Knallwirkung, Schreckreaktionen denkbar. Für das Auto läuft es unter Umständen nicht ganz so gut ab: Bei Versuchen in Hochspannungs-Labors ("echte" Blitzautos sind erfreulicherweise selten aufzutreiben) konnte man Brandspuren am Lack (punktförmig an den Ein- und Austrittsstellen) sowie quer über die Reifenflanken (entsprechend dem Blitz-Verlauf zum Erdboden) feststellen.

  • Cabriolets
    Erste Maßnahme, auch wenn der Hinweis überflüssig klingt: Cabrio-Verdeck schließen (und zwar umgehend, auch wenn die Gewitterfront noch in weiter ferne steht). Dann allerdings funktioniert auch hier das Prinzip des Herrn Faraday: In nahezu jeder Verdeck-Konstruktion gibt es zur Querversteifung "Spriegel" (Stangen) aus Metall, die einen Einschlag über Karosserie und Reifen zum Boden ableiten. Auch Windschutzscheibenrahmen, Überrollbügel und Verdeck-Mechanik wirken hier vorteilhaft mit.
    Dies belegen auch Labor-Simulationen: Demnach sind Brandspuren im Verdeckstoff nicht immer auszuschließen, für die als Insassen ausgewählten Versuchspuppen waren die Folgen aber völlig unbedenklich. Meldungen, dass es im realen Unwettergeschehen für Cabrio-Passagiere einmal schlimm ausgegangen wäre, existieren folgerichtig auch nicht.
  • Wohnmobile und Wohnwagen

    Eine Aluminium-Außenhaut oder eine Kunststoff-Beplankung auf einem Metall-Gerippe (vereinzeltes Konstruktions-Prinzip bei Freizeitmobilen, aber auch bei frühen Modellen des Renault Espace und beim "Trabbi") wirken ebenfalls wie ein "Faradayscher Käfig". Kritisch könnten allenfalls reine Kunststoff-Gehäuse, wie Wohnmobile in GFK-Bauweise, sein. Über Blitzopfer, darauf muss man deutlich hinweisen, wurde aber auch hier nie berichtet. Als guter Blitzableiter würde sich ein metallischer Dachgepäckträger anbieten, der dann freilich über Kabel und Erdspieß mit dem Erdboden verbunden werden muss.

    Gewitter im Anmarsch – das sollte man als Camper unbedingt beachten:

    • Sicheren Aufenthalt bietet die (in jedem Fall „metallische“) Fahrerkabine

    • Alkoven meiden

    • Fenster, Türen, Hub- und Klappdächer schließen

    • nicht mit dem Kopf in den Bereich des Daches kommen

    • keine metallischen Teile der Einrichtung anfassen

    • also auch nicht Geschirr spülen oder duschen

    • 230-V-Kabel außen am Wagen abziehen (Gefahr der „Überspannung“)


  • Zelte

    Das Zelt bietet keinen Schutz - trotz Metallgestänge. Schlägt der Blitz in das Gestänge ein, überspringt und durchschlägt er isolierte Stellen, z. B. den Zeltboden, und fließt meist ungleichmäßig verteilt über die Zeltstangen in die Erde ab. Um die Zeltstangen herum bilden sich dabei im Erdreich Spannungstrichter mit der Gefahr der sog. „Schrittspannung“ für den Zelter.

    Ein weiteres Risiko ergibt sich durch die Nähe zum Blitzstrom führenden Zeltgestänge. Wenn der menschliche Körper besser geerdet ist als die benachbarte Zeltstange, kann es zu einem Funkenüberschlag und damit zu einem Stromfluss über den Körper kommen. Man sollte deshalb vor dem Gewitter das Zelt verlassen und - wenn möglich - ein Fahrzeug oder Gebäude aufsuchen. Andernfalls ist folgendes zu beachten:

    • Zeltwand und -gestänge nicht berühren
    • Sich in Zeltmitte - möglichst entfernt vom Zeltgestänge - in Kauerstellung hinhocken.
    • Auf keinen Fall auf den blanken Boden, sondern möglichst auf trockener Luftmatratze oder Campingliege mit Metallgestänge setzen und dabei das Metall und den Boden nicht berühren.
    • Eventuell in das Zelt führende Stromkabel entfernen.
    • Plastikteller oder Gummikapseln an den Gestängefüßen zur besseren Erdung entfernen.

    Einen wirksameren Schutz würde ein Drahtgeflecht unter dem Zeltboden darstellen. Dieses ist zu verbinden mit den Zeltstangen, die wiederum durch eine auf dem Boden liegende Metallringleitung verknüpft sind. Zusätzliche metallische Zeltstangen lassen sich zum Gestängekasten ausbilden. Je dichter das Gestänge wird, umso mehr wird der Zeltinnenraum freigehalten von elektrischen und magnetischen Feldern. 


  • Zweiradfahrer
    Hier gibt es nur eine Empfehlung (wie allgemein für Fußgänger auch): Exponierte Stellen und die Nähe zu hohen Objekten (Bäume, Masten) meiden, nach Möglichkeit unter Brücken o. ä. Schutz suchen, Abstand von der Maschine halten, im freien Feld eine "Kauerstellung" (Füße beisammen!) einnehmen.
  • Fazit
    Gefährlich für motorisierte Verkehrsteilnehmer sind bei Gewitter vorrangig schlechte Sicht, Hagelschauer, Windböen, Aquaplaning, abgerissene Äste und andere Hindernisse auf der Fahrbahn. Auch die Statistiken nennen regelmäßig als "Blitzopfer" Fußgänger, Wanderer, Sportler, Arbeiter in Außenbereichen, aber eben keine motorisierten Verkehrsteilnehmer. Trotzdem ist es ganz gut zu wissen, wie Blitzschläge auf Fahrzeuge wirken und was man beachten sollte.

Weitere interessante Themen für Sie

Bedienkonzepte

Mehr Funktionen, mehr Ablenkung? Wir haben das Ablenkungspotenzial verschiedener Funktionen untersucht. Mehr

Nie ohne ESP

Wie wichtig es ist, beim Kauf auf das Fahrstabilisierungs-System ESP zu achten, zeigt der unser Test mit fatalen Folgen. Mehr

Verkehrs- und Unfallstatistiken

Hier finden Sie Zahlen, Grafiken und Entwicklungen aus der Verkehrsstatistik. Mehr

Fachinformationen

Fachinformationen

Aktuelle Fachinformationen zu den verschiedensten Verkehrsthemen, recherchiert von unseren Fachexperten Mehr
Zwei Klicks für mehr Datenschutz
Bitte aktivieren Sie die Buttons, bevor Sie Ihre Empfehlung an Facebook, Twitter oder Google+ senden.
Hinweis: Durch Aktivieren der Buttons werden Informationen an Facebook, Twitter oder Google+ ins Ausland übertragen.
Details zum Datenschutz bei Nutzung der Gefällt-Mir-Buttons



– Mitgliedschaft –

Mitgliedervorteile

Zeigen Sie Ihre ADAC Clubkarte und profitieren Sie weltweit von zahlreichen Ermäßigungen für ADAC Mitglieder. Mehr




Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität