Welches Navi-System ist das beste?

06.09.2016

Navi

Je nach Verwendung kommen unterschiedliche Navi-Systeme für Sie infrage.

Wer sich für sein Auto einen elektronischen Lotsen an Bord holen will, hat die Wahl: Vom 50 Euro billigen Navi-Gerät beim Discounter bis zum Festeinbau im Neuwagen für 3000 Euro ist alles drin. Und wer ein Smartphone hat, kann sich Karten-Apps von Anbietern wie Here, Google Maps oder Scout sogar kostenlos runterladen – Routenführung inklusive. Nur, welches System ist das richtige?


Tatsächlich funktionieren alle Systeme nach dem gleichen Prinzip. Anhand der (kostenlosen) Signale der GPS-Satelliten bestimmen die Geräte ihren Standort und errechnen mithilfe von digital gespeicherten oder internetbasierten Landkarten den Weg zum eingegebenen Ziel. Die theoretische Standort-Genauigkeit liegt bei 20 Metern. Eine hilfreiche Sprachausgabe zur Zielführung haben alle Geräte.


Die generellen Unterschiede sind technisch bedingt. Beispiel GPS-Empfang: Ist der durch Hochhäuser oder in Tunneln gestört, nutzen Festeinbauten (gibt's auch zum Nachrüsten) zur Orientierung weitere Informationen wie das Tachosignal. Beispiel gespeicherte Karte: Ist die veraltet, kann das Gerät den Standort nicht anzeigen – ein klarer Vorteil für Smartphones, die ihr Kartenmaterial aktuell aus dem Internet ziehen. Doch was passiert, wenn kein Datenempfang möglich oder dieser zu teuer ist, z. B. im Ausland? Dafür sollte ein Offline-Betrieb möglich sein.


Und ganz wichtig: Die Funktion der Verkehrsinformation für die Stauumfahrung. Der nicht sehr genaue Radio-TMC (Traffic Message Channel) ist bei mobilen Navis und einfachen Festeinbauten Standard. Doch besser sind bei Geräten mit SIM-Karte die Live-Traffic- oder Echtzeit-Dienste, die auf der Karte den aktuellen Verkehrsfluss metergenau farbig darstellen können. 


Welches System für wen am besten geeignet ist – die Übersicht: 


Festeinbau-Navi
Das Luxusmodell
System
  • beste Integration im Auto
  • ist ohne Kabelsalat mit Komponenten wie Radio oder Bordcomputer abgestimmt und wird mit den gleichen Bedienelementen (z. B. Spracheingabe) gesteuert
  • nutzt die Radiolautsprecher
Technik
  • ist in puncto Rechengeschwindigkeit nicht immer auf dem neuesten Stand
  • oft ist die Geräteauswahl pro Automodell eingeschränkt
  • standardmäßig wird TMC zur Stauinformation genutzt, doch mit integrierter SIM-Karte können auch Echtzeit-Verkehrsdaten angezeigt werden
Kosten
  • zwischen 500 und 3000 Euro – je nach Hersteller
  • notwendige Karten-Updates meist sehr teuer
Geeignet für
  • Vielfahrer, die großen Wert auf einfache Bedienung legen und Kabelsalat hassen
Bewertung

gute Integration im Auto
Steuerung über gewohnte Bedienelemente
verständliche Ansagen
keine störenden Kabel für Strom oder Antenne

teuer und oft nur im Systemverbund erhältlich
meist teure Updates
geringe Modellvielfalt
oft veraltete Technik



Apple CarPlay
Nur fürs iPhone
System
  • CarPlay wurde vom Smartphone-Hersteller Apple für die Nutzung des iPhones im Auto entwickelt und benötigt dort eine CarPlay-Schnittstelle (meist Aufpreis)
  • auf dem Armaturen-Display erscheinen wenige iTunes-Apps wie "Karten" (Navigation), die dann über die Sprachsteuerung oder das bordeigene Infotainmentsystem bedient werden
Technik
  • iPhone muss (noch) per USB-Buchse mit dem Auto verbunden werden
  • Apple bestimmt – und nur sehr wenige Apps erscheinen, darunter die für Telefon, Nachrichten, Music oder Spotify
  • für die Navigation kann nur die Apple-Karte genutzt werden
Kosten
  • keine
Geeignet für
  • iPhone-Nutzer (ab iOS 7) im passenden Auto, die iPhone-Basisfunktionen problemlos nutzen wollen
Bewertung

stets aktuelle Karte
Echtzeitdaten mit guter Stauumfahrung
Adresskontakte nutzbar
Telefon- und Musikfunktion

nur Stauanzeige (kein Verkehrsfluss)
Akku wird schnell leer
Kabelverbindung
Crash-sichere Halterung notwendig
Datenkosten
Roaming Ausland



Android Auto
Nur für Android-Smartphones
System
  • die Android-Auto-App ist eine Google-Anwendung, die herstellerunabhängig alle neueren Android-Smartphones mit der Android-Schnittstelle des Kfz-Systems (Aufpreis) und dem Display verbindet
  • es ist für die weit verbreiteten Android-Smartphones klar die bessere Alternative zum veralteten Mirror-Link-System und nutzt Google Maps mit einer grafisch schönen, farbigen Verkehrsfluss-Anzeige
Technik
  • auch bei Android Auto wird das Handy per USB mit dem Auto verbunden
  • nur wenige Apps (z. B. Telefon, Musik, Nachrichten) sind zur Nutzung freigegeben
  • zu Google Maps gibt es keine Alternative
Kosten
  • keine
Geeignet für
  • alle Android-Smartphone-Nutzer (ab Android 5.0) im passenden Auto, die mit den Basisfunktionen leben können
Bewertung

stets aktuelle Karte
farbige Echtzeit-Verkehrsflussanzeige
gute Stauumfahrung
Adresskontakte nutzbar
Telefon- und Musikfunktion

Akku wird schnell leer
Kabelverbindung
Crash-sichere Halterung notwendig
Datenkosten
Roaming im Ausland



Smartphone-Apps
Gibt's auch kostenlos
System
  • alle Navigations-Apps wie die vorinstallierten Karten von Apple oder Google, aber auch anderer Anbieter wie TomTom, Navigon oder Here leiten zuverlässig ans Ziel
  • Sprachausgabe ist Standard
  • Ablesbarkeit der Karten hängt von der Größe des Displays ab
  • wichtig ist die Crash-sichere Haltung (nicht im direkten Sichtfeld)
  • bei Bedarf Kabel zur Stromversorgung
Technik
  • die Apps ziehen ihre Karten datenhungrig ständig aus dem Internet, liefern dafür Echtzeitdaten
  • einige lassen sich auch offline verwenden, dann aber ohne Live-Traffic-Funktion
  • keine Radio-Stummschaltung – und die Handylautsprecher klingen oft mau
Kosten
  • unterschiedlich
  • es gibt auch gute kostenlose Apps
Geeignet für
  • vor allem Gelegenheitsfahrer oder Wenignutzer
Bewertung

online stets aktuelle Karte mit Echtzeitdaten zur Stauumfahrung
mit Offline-Funktion kostenfreier Einsatz im Ausland

ohne Stromverbindung wird der Akku schnell leer
Crash-sichere Halterung notwendig
evtl. Antenne notwendig
Datenkosten
offline keine Verkehrsinfos



Mobiles Navi-Gerät
Der Klassiker
System
  • eine einfache und schnelle Lösung, die auch in verschiedenen Fahrzeugen genutzt werden kann
  • wichtig ist eine Crash-sichere Befestigung per Saugfuß (nicht im direkten Sichtfeld) oder am Lüftungsgitter
  • funktioniert ohne Kosten im europäischen Ausland, auch oft mit TMC
Technik
  • mit vorinstallierten Karten (oft mit Tempolimit-Angaben) im Prinzip wie beim Festeinbau, aber ohne Anbindung ans Auto (Tachosignal, Lautsprecher)
  • teurere Geräte mit integrierter SIM-Karte oder Smartphone-Link liefern auch Echtzeitdaten
  • metallbedampfte Scheiben können den GPS-Empfang vereinzelt stören
Kosten
  • 50 bis 500 Euro – je nach Ausstattung
Geeignet für
  • alle, die es unkompliziert mögen
  • praktisch zur Verwendung im Familienfuhrpark
Bewertung

keine laufenden Kosten
meist "lebenslanges" Karten-Update
oft mit integrierter Freisprecheinrichtung
einfache Bedienung

Crash-sichere Halterung notwendig
Karten-Updates meist nur über Computer
keine direkte Anbindung ans Auto
evtl. Kabel für Strom/Antenne


Quelle: ADAC Motorwelt 9/2016, Text: Thomas Kroher


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