Schlangenbisse: Was Sie vor der nächsten Fernreise wissen sollten

• Lesezeit: 5 Min.

Von Brit Neuhaus

Feedback

Ein australischer Inlandtaipan
Der australische Inlandtaipan ist die giftigste Schlange der Welt – aber nicht die gefährlichste© iStock.com/Ken Griffiths

Wer in tropischen Regionen Urlaub macht, kann auf Giftschlangen treffen. Wie gefährlich eine Schlangenart tatsächlich ist, hängt jedoch nicht allein von ihrem Gift ab.

  • Besonders riskant: Schlangen in besiedelten Gebieten

  • Mit den giftigsten Arten kommen Menschen selten in Kontakt

  • Nach einem Biss schnellstmöglich ins Krankenhaus

Wie viele Giftschlangen gibt es auf der Welt?

Weltweit gibt es ungefähr 3500 Schlangenarten, darunter etwa 600 giftige und nur 50, deren Gift für den Menschen tödlich ist. Die Tiere mit den stärksten Giften leben in Australien sowie den tropischen Regionen Asiens, Afrikas, Mittel- und Südamerikas.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden rund 5,4 Millionen Menschen jährlich von einer Schlange gebissen. Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr zwischen 138.000 und 500.000 Menschen an den Folgen von Schlangenbissen.

Die giftigste Schlange der Welt

Die mit Abstand giftigste Schlange der Welt ist der Inlandtaipan, auch Westlicher Taipan genannt. Das hochwirksame Toxin des in Australien beheimateten Tieres stört die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskulatur, hemmt die Blutgerinnung und zerstört rote Blutkörperchen und Muskelzellen.

Das Gift, das bei einem einzigen Biss übertragen wird, ist so stark, dass es mehr als 100 Menschen töten könnte. Dennoch geht bisher kein einziger Todesfall offiziell auf das Konto der hochgiftigen Schlange.

Warum die giftigste Schlange nicht die gefährlichste ist

Der scheue Inlandtaipan lebt abgeschieden in den trockenen und heißen Wüstengegenden des australischen Hinterlands. Begegnungen mit Menschen sind daher sehr selten. Das Gleiche gilt für zahlreiche andere hochgiftige Schlangen, die aufgrund ihres Lebensraums kaum jemals mit dem Menschen in Kontakt kommen oder als wenig angriffslustig gelten.

Was tun nach einem Schlangenbiss?

Wenn Sie von einer Schlange gebissen wurden, sollten Sie folgende Dinge beachten:

  • Entfernen Sie sich langsam von dem Tier

  • Meiden Sie jede unnötige Bewegung, damit Sie den Blutfluss verlangsamen

  • Berühren Sie die Wunde möglichst nicht

  • Halten Sie die betroffenen Körperteile möglichst ruhig und entfernen Sie einengende Gegenstände wie Ringe und Armreifen

  • Suchen Sie umgehend das nächstgelegene Krankenhaus auf

Sowohl als betroffene Person als auch als Begleiter sollten Sie

  • versuchen, nicht in Panik zu geraten

  • die Schlange keinesfalls angreifen

  • die Wunde auf keinen Fall aussaugen, auswaschen etc.

  • nicht eigenständig Medikamente einnehmen oder verabreichen.

Die fünf gefährlichsten Schlangen der Welt

Zu den gefährlichsten Schlangen zählen vor allem Arten, die in dicht besiedelten Gebieten leben, sich dem Menschen gegenüber angriffslustig verhalten und zum Teil sehr schnell und ohne Vorwarnung zubeißen.

Besonders gefährlich: Die Gemeine Sandrasselotter

eine gemeine Sandrasselotter
Die Gemeine Sandrasselotter ist die für den Menschen gefährlichste Schlange© iStock.com/ePhotocorp

Den Spitzenplatz unter den gefährlichsten Schlangen der Welt belegt die Gemeine Sandrasselotter. Sie ist von West- und Nordafrika sowie dem Mittleren Osten bis nach Indien und Sri Lanka verbreitet. Ohne umgehende ärztliche Behandlung verläuft ein Biss meist innerhalb weniger Stunden tödlich.

Die Östliche Braunschlange

eine östliche Braunschlange
Die Östliche Braunschlange hat ein unauffälliges Erscheinungsbild© iStock.com/Ken Griffiths

Die in Australien und Neuguinea lebende, unauffällig braun gefärbte Schlange gilt als zweitgiftigste der Welt. Obwohl das Gift schwächer ist als das des Inlandtaipans, ist das tagaktive Tier für den Menschen wesentlich gefährlicher, da es sich auch in Siedlungsgebieten aufhält. Bei Begegnungen mit dem Menschen reagiert die Östliche Braunschlange oft mit einem spontanen Angriff. Das Gift hemmt die Blutgerinnung und führt zu einer Muskellähmung.

Die Brillenschlange

Eine Brillenschlange
Ihren Namen hat die Brillenschlange dem typischen Muster ihres Nackenschilds zu verdanken© LenSoMy

Die auch als Asiatische Kobra bezeichnete Schlange zählt zu den vier gefährlichsten Tieren Indiens. Da sie landwirtschaftlich genutzte Flächen besiedelt, sind Begegnungen mit dem Menschen keine Seltenheit. Hinzu kommt, dass das Gift der Schlange schon nach nur zwei Stunden zum Tod führen kann.

Die Schwarze Mamba

Eine schwarze Mamba
Die Schwarze Mamba ist extrem schnell und ihr Biss fast immer tödlich© iStock.com/StuPorts

Die in Süd- und Ostafrika angesiedelte Schwarze Mamba hält sich vor allem in bewaldeten Savannengebieten auf und gilt als die drittgiftigste Schlange der Welt. Begegnungen mit dem Menschen sind zwar nicht sehr häufig, allerdings ist die Schlange mit bis zu 20 Stundenkilometern schnell. Ihr Gift kann nach dem Biss innerhalb von nur 15 Minuten zum Tod führen.

Die Kapkobra

Eine Kapkobra
Die Farbe der Kapkobra unterscheidet sich je nach Region© iStock.com/Wirestock

Die in Südafrika, Botswana und Namibia lebende Schlange gilt als leicht reizbar, hält sich häufig in menschlicher Nähe auf und ist in Südafrika für die meisten Schlangenbisse verantwortlich. Das Gift stört die Nervenfunktion und ist unbehandelt mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich.

Giftige Schlangen in Deutschland

In Deutschland gibt es lediglich zwei Giftschlangen: Die Aspisviper und die Kreuzotter. Beide Arten gelten als sehr scheu und greifen Menschen in der Regel nur an, wenn sie bedrängt werden. Der Biss der Aspisviper ist zwar schmerzhaft, aber für einen gesunden Menschen nicht tödlich.

Das Gleiche gilt für das Gift der Kreuzotter. Vorsicht ist allerdings bei Kindern, älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen geboten: Sie können auf Schlangengifte empfindlich reagieren.

Blindschleichen und schwarze Ringelnattern

Entgegen hartnäckigen Gerüchten ist die in Deutschland weitverbreitete Blindschleiche weder eine Schlange noch giftig. Das gilt auch für eine schwarze Schlangenart, die in Deutschland immer häufiger gesichtet wird. Dabei handelt es sich nicht um eine eingewanderte Art, sondern um eine ungiftige heimische Ringelnatter. Die schwarze Farbe einiger Tiere geht auf eine Veränderung im Erbgut zurück.

Kletterer von Aspisviper gebissen

Im September 2026 kam es im Schweizer Jura zu einem ungewöhnlichen Zwischenfall: Ein Kletterer wurde von einer Aspisviper in die Hand gebissen. Da die betroffene Hand stark anschwoll, musste der Mann mittels Rettungshubschrauber aus dem schwer zugänglichen Gelände geborgen werden, ansonsten hatte er aber Glück im Unglück. Der Biss der Aspisviper ist zwar schmerzhaft, aber für einen gesunden Menschen nicht tödlich.

Giftige Schlangen in Europa

Als besonders giftig gelten die Nordiberische Kreuzotter, die Europäische Hornotter, die Kleinasiatische Bergotter, die Milosviper und die Levanteviper. Ein Biss der Milosviper und der Levanteviper ist für Menschen lebensbedrohlich. Tödliche Verläufe nach einem Biss der Kleinasiatischen Bergotter und der Europäischen Hornotter sind möglich, aber selten.

SchlangeVorkommen

Kreuzotter

Weite Teile Europas, auch Nordeuropa

Aspisviper

Südeuropa, nördlichstes Verbreitungsgebiet ist Deutschland

Stülpnasenotter

Spanien, Portugal

Europäische Hornotter

Österreich, Schweiz, Südosteuropa, Schwarzmeerregion

Wiesenotter

Italien, südlicher Balkan, Ungarn, Frankreich

Steppenotter

Ukraine, Nordkaukasus, Kasachstan, südliches Russland

Kaukasusotter

Kaukasus, Nordostanatolien, Schwarzmeerregion

Westliche Kaukasusotter

Westlicher und nördlicher Kaukasus

Waldsteppenotter

Ukraine, westliches Russland, ggf. Rumänien

Kleinasiatische Bergotter

Nördliches Griechenland, Türkei

Milosviper/-otter

Ägäis

Levanteviper/-otter

Nordkaukasus, südliches Russland

Halysviper/-otter

Kaspisches Meer, Transkaukasus, Russland

Westliche Eidechsennatter

Frankreich, Portugal, Spanien

Östliche Eidechsennatter

Östlicher Mittelmeerraum, Kaukasus

Europäische Katzennatter

Kroatien, Montenegro, Albanien, Griechenland, Bulgarien, westliche und südliche Türkei

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.