Wirtschaftsbericht 2020

ADAC Zentrale Turm vor bayrischem weißblauem Himmel und blühendem Ast im Vordergrund
ADAC Zentrale MünchenApril 2019 ∙ © ADAC/Carolin Erbe

Nach Jahren des stetigen Mitgliederzuwachses hat sich der Mitgliederbestand im Pandemiejahr geringfügig um 27.000 auf 21,2 Millionen Mitglieder reduziert. Für die im April neu eingeführte Premium-Mitgliedschaft haben sich im Berichtsjahr 2020 rund 70.000 Mitglieder entschieden. Diese Entwicklungen wirken sich unmittelbar auf die Rahmenbedingungen für den SE Konzern aus.

Zum Bilanzstichtag halten der Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V. 57,74 %, die ADAC Stiftung 25,10 % und die ADAC Erste RC Beteiligungsgesellschaft mbH 17,16 % der Anteile an der ADAC SE.

Geschäftsverlauf

Aus Sicht der Unternehmensleitung verlief die Entwicklung des Konzerns im Geschäftsjahr 2020 trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie insgesamt zufriedenstellend.

Insbesondere Tochtergesellschaften, die ihre Dienstleistungsangebote rund um Reise- und individuelle Mobilität der Mitglieder im Bereich Freizeitgestaltung anbieten, spürten die weltweiten Lockdown-Auswirkungen in Form von teils sehr deutlichen Umsatz- und Ertragsrückgängen.

Die ergriffenen Gegenmaßnahmen umfassten unterstützende Elemente wie die Flexibilisierung von Arbeitsstätten, kurzfristig wirksame Kosteneinsparungen und auch teilweise die grundsätzliche Anpassung von Geschäfts- und Betriebsmodellen.

Generell konnten die Umsatz- und Ertragseinbußen einzelner Tochtergesellschaften durch Einsparungen aufgrund reduzierter Dienstleistungen sowie deutlich geringeren Schadenkosten in der ADAC Versicherungsgruppe mehr als ausgeglichen werden.

Der Konzern verzeichnete so gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzrückgang in Höhe von 99,5 Mio. € (-8,8 %) auf 1.025,9 Mio. €.

Die größten Auswirkungen ergaben sich in den Luftfahrt Services im Wesentlichen aufgrund des Verkaufs der ADAC Luftfahrt Technik GmbH (mittlerweile ADAC Heliservice GmbH) an die ADAC Luftrettung gGmbH zur strategischen Bündelung entsprechender Aktivitäten im
Vorjahr mit einem Rückgang um 33,0 Mio. € (-40 %) auf 49,4 Mio. €.

Auch das Geschäftsfeld Automotive Services weist im Vorjahresvergleich einen Umsatzrückgang in Höhe von 13,4 Mio. € (-17,9 %) auf 61,5 Mio. € aus. Im Wesentlichen geht dieser auf gesunkene Fallmengen in den Assistance-Leistungen zurück.

Das Geschäftsfeld Autovermietung, das ADAC Mitgliedern u.a. Rabatte bei führenden Autovermietern gewährt, zeigte im Berichtsjahr einen deutlichen Einbruch aufgrund der weltweiten Ausgangsbeschränkungen, der Schließung von Außengrenzen und des Erliegens touristischer Aktivitäten. Der Umsatz verringerte sich um 18,5 Mio. € (-49,6 %) auf 18,8 Mio.€.

Das Geschäftsfeld Reise entwickelte sich im Vorjahrsvergleich hingegen mit einer leichten Steigerung um 1,0 % auf 10,6 Mio. €, da vor allem die Erlöse mit dem ADAC Camping- und Stellplatzführer (inklusive App) deutlich ausgebaut werden konnten.

Die Versicherungsbeiträge stiegen um 3,6 % von 760,0 Mio. € auf insgesamt 787,6 Mio. € an. Die Umsatzsteigerungen betrafen im Wesentlichen die Sparte Rechtsschutz und die Erlöse aus der Versicherungsvermittlung.

Die versicherungstechnischen Rückstellungen weisen einen leichten Anstieg von 21,4 Mio. € (+2,8 %) auf und betragen zum Stichtag 801,7 Mio. €. Dieser Effekt ist auf eine Rückstellung für Beitragsrückerstattungen in Höhe von 93,3 Mio. € zurückzuführen. Zudem ist der Verkauf der ARISA Assurances S.A., Luxemburg berücksichtigt. Dieser spiegelt den Fokus der strategischen Ausrichtung der Geschäftsaktivitäten auf Wachstumspotenziale im Inland wider.

Die ADAC SE erbringt weiterhin vielfältige Dienstleistungen wie beispielsweise Personalverwaltung, Finanzbuchhaltung, Jahresabschlusserstellung und Datenschutz für verbundene Unternehmen inklusive ADAC e.V. und ADAC Stiftung sowie deren Beteiligungen. Die Umsatzerlöse haben sich erwartungsgemäß um 12,8 Mio. € (+15,7 %) auf 94,1 Mio.€ erhöht. Ursächlich hierfür sind im Wesentlichen gestiegene IT-Dienstleistungen an den ADAC e.V.

Der Umsatz der übrigen Geschäftsfelder verringerte sich aufgrund des Verkaufs der ADAC HEMS Academy GmbH ebenfalls an die ADAC Luftrettung gGmbH im Vorjahr sowie der
planmäßigen Einstellung des Zeitschriftengeschäfts erwartungsgemäß auf 3,9 Mio.€ (-95,1%).

Vermögenslage

Die Konzernbilanzsumme erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 36,0 Mio. € auf 1.703,1 Mio. €. Der Anstieg resultiert dabei im Wesentlichen aus dem Anstieg des Finanzanlagevermögens (+3,1 %) und der Guthaben bei Kreditinstituten (+31,4 %). Dagegen verminderten sich die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände um 33,5 %.

Das Konzerneigenkapital hat sich im Vergleich zum Vorjahr im Wesentlichen aufgrund des geringeren Konzernjahresüberschusses und der Ausschüttung an die Gesellschafter von 483,5 Mio. € auf insgesamt 457,2 Mio. (-5,4%) € verringert.

Die Rückstellungen haben sich insgesamt um 81,8 Mio. € (+7,4 %) auf 1.188,9 Mio. € erhöht.

Die Verbindlichkeiten haben sich im Vorjahresvergleich deutlich um 20,6 Mio. € (-27,1 %) auf 55,4 Mio. € vermindert.

Ertragslage und Konzernjahresüberschuss

Das Ergebnis vor Steuern stieg im Geschäftsjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 30,2 Mio.€ auf 112,4 Mio. €.

Der Anstieg ist im vor allem auf den um 38,0 Mio. € (9,0 %) deutlich verbesserten Rohertrag (Umsatzerlöse – Materialaufwand) sowie die Verringerung der Personalaufwendungen um 13,9 Mio. € (-6,1 %) zurückzuführen. Des Weiteren ist ein um 5,6 Mio. € (37,6 %) verbessertes
Finanzergebnis zu verzeichnen. Gegenläufig verringerten sich die sonstigen betrieblichen Erträge um 26,2 Mio. € (-53,1 %).

Es wurde ein Konzernjahresüberschuss in Höhe von 36,4 Mio. € erzielt (-11,9 %). Ursächlich für den Rückgang sind im Wesentlichen steuerliche Effekte des Geschäftsjahres 2020 auf der Ebene der ADAC SE sowie deren Tochtergesellschaften.