Wahlprüfsteine und Positionen zur Bayerischen Landtagswahl 2023

Die Wahlprüfsteine sollen zu zentralen Fragen der Mobilität Antworten und Orientierung für die Wahlentscheidung bei der Bayerischen Landtagswahl 2023 geben.
Die Wahlprüfsteine sollen zu zentralen Fragen der Mobilität Antworten und Orientierung für die Wahlentscheidung bei der Bayerischen Landtagswahl 2023 geben.© Nicht veröffentlichen

Am 8. Oktober wird in Bayern gewählt. Die Bürger im Freistaat sind mit ihrer Stimme aufgefordert, die Weichen für die Zukunft Bayerns zu stellen. Damit wird auch entschieden, welche Richtung unser Freistaat bei der Mobilität einschlagen wird.

Mit diesen Wahlprüfsteinen möchten wir zu zentralen Fragen der Mobilität Antworten und Orientierung für die Wahlentscheidung geben – darin zu finden: Unsere Einschätzung als ADAC als auch Erkenntnisse aus einer repräsentativen Mobilitätsbefragung der bayerischen Bevölkerung, vor allem aber die Positionen der Parteien.*

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Wahlprüfsteine und Positionen zur Bayerischen Landtagswahl 2023
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*Wir haben alle aktuell im Landtag vertretenen Parteien angefragt und gebeten, zu sieben verkehrs- und tourismuspolitischen Fragen Stellung zu beziehen. Die entsprechenden Antworten sind in unveränderter Form in unseren Wahlprüfsteinen wiedergegeben. Für den Inhalt der Antworten sind ausschließlich die jeweiligen Parteien verantwortlich.

Wie lässt sich der Umwelt- und Klimaschutz in der zukünftigen Mobilität konkret umsetzen?

Das sagt der ADAC

Umwelt- und Klimaschutz sind zentrale Themen bei der Betrachtung der zukünftigen Mobilität. In der Verkehrspolitik sind dafür in den nächsten Jahren innovative Lösungen gefragt. Als ADAC bekennen wir uns klar zu nachhaltiger Mobilität und effizienter CO2-Reduktion. Dafür muss vor allem der Umstieg auf emissionsfreie Neufahrzeuge gefördert werden. Der Ausbau der Schnellladeinfrastruktur muss voranschreiten. Für den Fahrzeugbestand gilt es, nachhaltigere Lösungen zu finden, etwa durch das klimaneutrale Betanken von Bestandsfahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Eine Befragung der bayerischen Bevölkerung macht deutlich, dass auch aus Sicht der Bürger nachhaltige Mobilität noch stärker gefördert werden muss.

Das sagt Bayern

Maßnahmen zur Umsetzung von Umwelt- und Klimaschutz
ADAC Mobilitätsbefragung 2023: Hierbei handelt es sich um eine repräsentative Online-Befragung von 2.112 Bürgern zwischen 18 und 79 Jahren, durchgeführt Anfang Mai durch das Institut für Sozialwissenschaft GmbH (infas) // Angaben in Prozent; +/- 100 Prozent aufgrund von Mehrfachnennungen, Rundungsdifferenzen oder Ergebnisselektion© ADAC Südbayern

Geht es nach den bayerischen Bürgern wünschen diese sich mehr Anreize für einen Umstieg auf nachhaltigere Mobilitätsformen statt Verbote und Verteuerungen. Allem voran wünschen sie sich den weiteren Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel sowie der Ladeinfrastruktur für alternative Antriebe und finanzielle Zuschüsse für Fahrzeuge mit alternativen Antriebsformen. Denn auch wenn Umweltgesichtspunkte bei 28 % der Befragten die Wahl des Verkehrsmittels beeinflussen, ist die Bereitschaft begrenzt, persönliche Einschränkungen zum Wohle des Umwelt- und Klimaschutzes in Kauf zu nehmen. Während unter den 18–29-Jährigen 40 % zu Einschränkungen bereit sind, sind es bei den höheren Altersgruppen lediglich zwischen 27 % und 33 %.

Parteipositionen

Haben Sie eine Vorstellung davon, wie sich das Mobilitätsverhalten der bayerischen Bevölkerung bis 2030 ändern wird?

Das sagt der ADAC

Die Lösung der Mobilität der Zukunft liegt nicht darin, die Verkehrsmittel gegeneinander auszuspielen. Der Individualverkehr mit dem Auto macht heute wie in Zukunft den höchsten Anteil an der Mobilität aus. Denn man darf nicht verdrängen: In vielen Lebenssituationen gibt es schlicht keine Alternative zum Auto. Dies gilt insbesondere, aber nicht ausschließlich, für die Menschen auf dem Land. Daher gilt es, den Individualverkehr nachhaltiger zu gestalten. Die Devise für die Zukunft muss klar lauten: Mobilität wandeln, aber mobil bleiben!

Das sagt Bayern

Wahl des Verkehrsmittels und Einflussfaktoren
ADAC Mobilitätsbefragung Bayern 2023; Angaben in Prozent; +/- 100 Prozent aufgrund von Mehrfachnennungen, Rundungsdifferenzen oder Ergebnisselektion© ADAC Südbayern

Das Auto ist nach wie vor Verkehrsmittel Nummer 1 in Bayern. Für die Zukunft geht rund ein Drittel der Befragten davon aus, den ÖV und das Rad häufiger zu nutzen, während in ungefähr gleichem Maße die Nutzung des Kfz zurückgehen wird. Lediglich 16 % können sich vorstellen, künftig komplett auf ein Kfz zu verzichten. Dabei nannte ein Viertel der Befragten ihr gestiegenes Umwelt- und Klimaschutzbewusstsein als Grund für die veränderte Verkehrsmittelwahl. Mehr als die Hälfte der Befragten hält das Auto mangels adäquater Alternativen auch künftig für unverzichtbar. So ist und bleibt die Verfügbarkeit auch das entscheidende Kriterium für die Verkehrsmittelwahl (71 %) gefolgt von den Faktoren Schnelligkeit (57 %) und Zuverlässigkeit (56 %).

Parteipositionen

Wie positionieren Sie sich zu den Themen Nachhaltigkeit und Mobilitätskosten?

Das sagt der ADAC

Mobilität ist die Grundlage von gesellschaftlicher Teilhabe und wirtschaftlichem Wohlstand. Für uns als ADAC ist klar: Um eine nachhaltige Mobilitätsveränderung in der Gesellschaft zum Erfolg zu führen, darf Mobilität kein Luxusgut werden. Vielmehr muss sie auch in Zukunft für alle Menschen sicher und bezahlbar sein. Das ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Nur so lassen sich Kompromisse für Lösungen finden, die von allen Betroffenen akzeptiert werden. Ziel muss ein effektives Miteinander der Verkehrsmittel sein, in dem jedes seine Stärke optimal ausspielen kann. Nachhaltige und bezahlbare Mobilität, dies ist auch der Wunsch der Menschen im Freistaat.

Das sagt Bayern

Mobilitätskosten
ADAC Mobilitätsbefragung Bayern 2023; Angaben in Prozent© ADAC Südbayern

Die Mehrheit der Bürger in Bayern ist sich einig, dass Mobilität in der Zukunft nachhaltiger werden muss. Geht es nach der bayerischen Bevölkerung, darf sie sich jedoch nicht wesentlich verteuern. So lehnen 63 % deutliche Preissteigerungen ab. Für knapp die Hälfte der Bevölkerung ist die Kostenfrage zudem der entscheidende Faktor für die Wahl des Verkehrsmittels. Lediglich 7 % geben an, Mobilität dürfe zukünftig auch mehr kosten.

Parteipositionen

Sind Neubauprojekte in der Verkehrsinfrastruktur notwendig und wie sind sie zu priorisieren?

Das sagt der ADAC

Beim Mobilitätswandel spielen Infrastrukturprojekte eine entscheidende Rolle, dies gilt sowohl für den Erhalt bestehender Infrastruktur als auch für Neubauprojekte. Die Anstrengungen für eine bessere Infrastruktur in allen Verkehrsbereichen – Straße, Bahn, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr – dürfen daher nicht nachlassen. Bei der Priorisierung sollte man sich an der Verkehrsleistung der jeweiligen Verkehrsträger orientieren. Weder der Motorisierte Individualverkehr noch der Öffentliche Personennahverkehr allein sind in der Lage, allen Mobilitätsansprüchen zu genügen. Bayern ist als Flächenland auch weiterhin auf eine gut ausgebaute Straßeninfrastruktur angewiesen, um die Erreichbarkeit in allen Landesteilen sicherzustellen. Investitionen sind zudem wichtig, um Staus zu vermeiden und einen kontinuierlichen Verkehrsfluss zu ermöglichen, was wiederum Abgas- und Lärmemissionen verringert. Neben baulichen Maßnahmen kann eine intelligente Verkehrssteuerung einen wichtigen Beitrag leisten.

Das sagt Bayern

Priorisierung von Neubauprojekten
ADAC Mobilitätsbefragung Bayern 2023; Angaben in Prozent; +/- 100 Prozent aufgrund von Mehrfachnennungen und Rundungsdifferenzen© ADAC Südbayern

Über die Hälfte der bayerischen Bürger sieht Neubauprojekte im Verkehr als notwendig an, wobei der höchste Investitionsbedarf dem Ausbau des ÖPNV zugeschrieben wird. So gibt auch nur die Hälfte der Befragten an, dass ihr jeweiliger Wohnort gut an den öffentlichen Verkehr angebunden ist. 30 % sehen vordringlichen Investitionsbedarf beim Radverkehr und gut ein Drittel wünscht sich, dass alle Verkehrsbereiche bei Investitionen berücksichtigt werden.

Parteipositionen

Welchen zukünftigen verkehrspolitischen Fokus
wünschen Sie sich?

Das sagt der ADAC

Die Verkehrspolitik im Freistaat muss die Bedürfnisse in der Stadt wie auf dem Land gleichermaßen berücksichtigen. In den Städten gilt es, der zunehmenden Flächenknappheit zu begegnen und auf dem Land die Mobilität zu erhalten. In beiden Fällen brauchen die Menschen ein vielfältiges Angebot an attraktiven Mobilitätsoptionen, damit sie nachhaltig, vernetzt und multimodal mobil sein können. Dabei liegt die Lösung nicht darin, die Verkehrsmittel gegeneinander auszuspielen, sondern sie über bewährte marktwirtschaftliche Ansätze zu koordinieren, um den Nutzenden ein hochwertiges Angebot zu bieten. Nur auf diese Weise lassen sich nachhaltige Lösungen für alle Betroffenen finden. Eine verlässliche und nachhaltige Mobilität ist nur durch eine kluge Kombination aller Mobilitätsformen möglich.

Das sagt Bayern

Gewünschter verkehrspolitischer Fokus
ADAC Mobilitätsbefragung Bayern 2023; Angaben in Prozent; +/- 100 Prozent aufgrund von Mehrfachnennungen und Rundungsdifferenzen© ADAC Südbayern

Geht es um den zukünftigen verkehrspolitischen Schwerpunkt, wünscht sich die Mehrheit der bayerischen Bürger, dass alle Verkehrssektoren gleichermaßen berücksichtigt werden. Ganze 37 % wünschen sich einen Fokus auf den öffentlichen Verkehr, während sich 21 % für eine verstärkte Berücksichtigung des Radverkehrs aussprechen. Daneben besteht nach Ansicht der Befragten beim Thema Elektromobilität weiterhin großer Handlungsbedarf. Insbesondere die öffentliche Ladeinfrastruktur wird als unzureichend bewertet: Zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, dass es in ihrem Umfeld nicht genügend öffentliche Ladestationen gibt.

Parteipositionen

Wie kann man den Naherholungsgebieten helfen, die verkehrliche Belastung besser zu organisieren?

Das sagt der ADAC

Der Tourismus ist in Bayern von großer wirtschaftlicher Relevanz – und für den Bayerntourismus wiederum spielt die Erreichbarkeit touristischer Ziele eine zentrale Rolle. Um die Verkehrsbelastung der Hotspots zu reduzieren, muss die Besucherlenkung verbessert werden. Ein zentrales Instrument dafür ist die räumliche und zeitliche Entzerrung der Besucherströme. Dies kann beispielsweise durch Echtzeitinformationen zur aktuellen Auslastung sowie durchdachte Verkehrs- und Parkleitsysteme gelingen. Zudem sollten Alternativangebote zu touristischen Highlights entwickelt werden. Bayern bietet eine Vielzahl an weniger frequentierten Orten, die dennoch sehenswert sind und stärker vermarktet werden sollten.

Das sagt Bayern

Maßnahmen für nachhaltigeres Reisen
ADAC Mobilitätsbefragung Bayern 2023; Angaben in Prozent; +/- 100 Prozent aufgrund von Mehrfachnennungen und Rundungsdifferenzen© ADAC Südbayern

Umweltschutz und Tourismus schließen sich für die Mehrheit der bayerischen Bürger nicht gegenseitig aus. Etwa ein Viertel der Befragten befürwortet die Entlastung von Besucher-Hotspots durch Besucherlenkung und Limitierung der Besucherzahlen. Ebenfalls knapp 25 % halten den Ausbau von touristischen Wegeführungen und Leitsystemen für eine geeignete Maßnahme, um Klimaschutz und Reisen miteinander zu verbinden. Eine bessere Vernetzung von tourismusrelevanten öffentlichen Verkehrsmitteln verbunden mit einer hohen Benutzerfreundlichkeit wünschen sich 43 % der Befragten. Insgesamt stuft die Mehrheit der bayerischen Bevölkerung den öffentlichen Verkehr in deutschen Urlaubsorten als mindestens ausbaufähig ein: Jeweils rund die Hälfte erhofft sich hier Verbesserungen hinsichtlich Verlässlichkeit und Angebot.

Parteipositionen

Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um Reisen
umweltfreundlicher zu gestalten?

Das sagt der ADAC

Auch Reisen gilt es, in Zukunft umweltfreundlicher zu gestalten. Die beeindruckende bayerische Landschaft und eine intakte Natur sind wichtige Gründe, warum viele Menschen bei uns Urlaub machen. Umweltschutz ist damit auch eine Frage der Zukunftssicherung für den bayerischen Tourismus. Wir müssen Ressourcen schonen sowie stabile gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen fördern. Als ADAC bekennen wir uns ausdrücklich zum Klimaschutz sowie zu einem Tourismus im Einklang von Mensch und Natur, und plädieren dafür, neue Maßstäbe für eine erfolgreiche Tourismusentwicklung zu setzen: hin zu noch mehr (Lebens-) Qualität und Gemeinwohl. Auch hier sind innovative Lösungsansätze gefragt, damit Reisen noch nachhaltiger wird und gleichzeitig erschwinglich bleibt.

Das sagt Bayern

Zahlungsbereitschaft für Umwelt- und Klimaschutz bei Urlaubreise in Höhe von 1000 €
ADAC Mobilitätsbefragung Bayern 2023; Angaben in Prozent; +/- 100 Prozent aufgrund von Rundungsdifferenzen und Ergebnisselektion© ADAC Südbayern

Klima- und Umweltschutz sind der bayerischen Bevölkerung auch bei der Urlaubsplanung wichtig. Was die Kosten betrifft, wäre knapp ein Drittel der Befragten bereit, für einen besseren Umwelt- und Klimaschutz 5 bis 10 % mehr für eine Urlaubsreise zu zahlen. 7 % der Befragten würden sogar mehr als 10 % des Reisepreises zusätzlich zahlen. Darüber hinaus befürwortet knapp ein Drittel Maßnahmen zur Energieeffizienz im Hotel- und Gaststättenbereich. Und gut ein Viertel wünscht sich mehr umweltfreundliche Angebote bzw. mehr nachhaltig zertifizierte Angebote, die z.B. mit Umweltlabels gekennzeichnet sind.

Parteipositionen

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