#digitalesForum: Urlaub in Krisenzeiten – wohin entwickelt sich der Tourismus?

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Rückblick ADAC Talk: Reisen in bewegten Zeiten – quo vadis Tourismus?

Vertreter aus Politik und Wirtschaft diskutierten am 9. Dezember beim Live-Talk des ADAC Mittelrhein die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen der Reisebranche.

Erst die Pandemie, dann der Ukraine-Krieg, jetzt die Wirtschaftskrise – kaum eine Branche ist so stark von diesen geopolitischen Entwicklungen betroffen wie der Tourismus, der mit rund drei Millionen Beschäftigten zu Deutschlands wichtigsten Wirtschaftszweigen gehört.

Die Herausforderungen sind enorm und waren es auch schon vor diesen Krisen.

Was müssen Reisende aktuell wissen? Wie kommt der Tourismus aus dieser Krise?

Welche Unterstützung bedarf es seitens der Politik?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen gaben am Freitag, 9. Dezember (12 Uhr) beim interaktiven Live-Talk des ADAC Mittelrhein e.V.:

Dagmar Bleile, Vorstand Verband der Fährschifffahrt und Fährtouristik e.V.

Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz e.V.

Dr. Ellen Madeker, Head of Public Policy für DACH, CEE & Russland, Airbnb

Marcel Mayer, Geschäftsführer Berge & Meer Touristik GmbH

Claudia Müller, Koordinatorin der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus

Dr. Achim Schloemer, Vorstand Touristik ADAC Mittelrhein e.V.

Sabine Winkhaus-Robert, Geschäftsführerin Mosellandtouristik GmbH

Zu Beginn stellte Christian Heilmann, Senior Manager bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, die aktuellen Entwicklungen zu den Auswirkungen der Inflation auf den Tourismus 2023 anhand von zwei Umfragen aus Mai und November diesen Jahres vor.

Urlaub trotz Inflation: Sparen bei Aufenthaltsdauer & Komfort

Von 1.000 Befragten bewertet nur jeder Dritte seine finanzielle Situation positiv. Preissteigerungen werden von der großen Mehrheit als Belastung empfunden. 84% seien aktuell über die steigenden Preise besorgt und 49% bewerten ihre finanzielle Situation nicht gut (Mai: 85% / 30%), aber: für 62% der Befragten bleibt der Urlaub trotz Preissteigerungen eine Option (Mai: 55%), dabei möchten allerdings 63% die Anzahl der jährlichen Urlaube reduzieren.

„Die Reiselust im Inland ist da, aber der Rotstift wird bei Unterkunft und Transportmittel angesetzt“, so Heilmann. So kommen für 60% Ferienwohnungen oder andere Angebote mit Selbstversorgung öfters in Frage als beispielsweise die Buchung einer Hotelübernachtung. Auch die individuelle Reise mit dem eigenen Pkw ist stärker gefragt als beispielsweise eine Flugbuchung. Darüber hinaus werden 63% die Anzahl der Urlaube (Mai: 51%) und 60% die Länge der Urlaube (Mai: 44%) reduzieren. Den Komfort oder den Umfang von Aktivitäten im Urlaub wollen 60% reduzieren (Mai: 47%).

Anders verhält es sich im Ausland, wo nach Angaben von Heilmann eine Trendumkehr zu verzeichnen ist: weniger Urlauber wollen weniger sparen. So kommen eine günstige An- und Abreise oder Angebote mit Selbstversorgung nur für 35% der Befragten infrage.

Die gesamte Präsentation der Studie finden Sie hier in der Aufzeichnung (ab 24:20 Min):

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Einen kleinen Auszug der Diskussion finden Sie hier:

Claudia Müller, Koordinatorin der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus

„Der Preis steht beim Verbraucher im Vordergrund. Der Trend geht zu einem längeren Urlaub, weniger Kurzurlaube und mehr Selbstversorgung. Mit der Plattform Nationale Tourismusstrategie müssen wir die Strukturen stärken, wettbewerbsfähig machen und die Branche klimaneutral, nachhaltig und zukunftsfähig aufzustellen.“

Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz e.V.

„Wir sind in einer multiplen Krisenzeit unterwegs. Wir brauchen die politische Unterstützung und einen Rettungsschirm für die Winterzeit insbesondere mit Blick auf die Energiekosten. Der Vergleichszeitraum darf dabei nicht die Zeit sein, in der wir fünf Monate geschlossen waren, sondern er muss seitens der Politik auf 2019 oder 2022 gelegt werden, da sonst viele Betriebe die Herausforderung der steigenden Gas- und Strompreise nicht bewältigen können.“

Dr. Ellen Madeker, Head of Public Policy für DACH, CEE & Russland, Airbnb

„20 Prozent des Airbnb-Geschäfts sind Reisen von einem Monat oder länger, wobei das Wort Reisen neu zu bewerten ist. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zunehmend, Stichwort Workation: Die Menschen suchen nach besonderen Orten, an denen sie für eine Zeit leben und arbeiten können. Die Trends zu Nachhaltigkeit und Natur und das Bedürfnis nach lokalen Erlebnissen, historisch bedeutsamen Orten und Gastfreundschaft sind präsenter denn je.“

Marcel Mayer, Geschäftsführer Berge & Meer Touristik GmbH

„Die Ungewissheit über die Instrumente der Energiepreisbremse führt bei den Verbrauchern zur Verzögerungen bei der Urlaubsplanung. Diese Unsicherheiten spüren wir vor den wichtigsten Buchungsmonaten Januar bis März, daher meine Forderung an die Politik: wir brauchen Klarheit bei der Tourismusstrategie der Bundesregierung sowohl im Inlands- als als auch im Auslandstourismus. Wir in der Branche hoffen, dass die Politik nun verstärkt mit uns in den Dialog tritt."

Dagmar Bleile, Vorstand Verband der Fährschifffahrt und Fährtouristik e.V.

„Die Corona-Pandemie hat den Trend zu erdgebundenen Reisen, sprich Reisen mit dem eigenen Fahrzeug und damit auch die Überfahrt im Pkw auf einer Fähre deutlich verstärkt. Dabei spielt aus Verbrauchersicht auch das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Es gibt inzwischen keine einzige Fähre in Europa, die mit Schweröl unterwegs ist. Alle fahren mit sauberen Marine-Diesel, so dass die Fähre eine sehr umweltfreundliche Anreisemöglichkeit darstellt.“

Dr. Achim Schloemer, Vorstand Touristik ADAC Mittelrhein e.V.

Die Nachhaltigkeit muss integraler Bestandteil und Kern unseres Produktes sein. Die Aspekte Sicherheit und Nachhaltigkeit sind für unsere Kunden und Mitglieder wichtig. Da stehen wir als vertrauensvoller und verlässlicher Partner zur Seite. Abseits dessen müssen Themen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung, Innovationsförderung und Nachhaltigkeit jetzt noch beschleunigt und umsetzungsorientierter auf die Agenda.“

Sabine Winkhaus-Robert, Geschäftsführerin Mosellandtouristik GmbH

„Die Digitalisierung im Tourismus hat gerade während der Pandemie einen Schub erfahren, wobei sie eine Daueraufgabe ist. Wir müssen vernetzter rangehen, dafür bedarf es an Unterstützung auf Landes- und Bundesebene. Mit Unterstützung des Landes haben wir das Digitalisierungsmanagement in den einzelnen Regionen gestartet: von der Entwicklung von Open-Data-Strategien über Content-Leitfäden bis E-Learning-Plattformen. Dieses Förderprogramm geht nur bis Mitte nächsten Jahres und wir benötigen dringend ein Verlängerung über 2023 hinaus.“

Über das #digitaleForum

Zuschauer fragen, Experten antworten – das #digitaleForum ist unser neuer interaktiver Live-Talk mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien zu aktuelle Themen, die bewegen.

Über diese Themen diskutierten unsere Experten bereits:

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