ADAC Kampagne #handyweg

Hauptdarstellerin Kati Karenina mit Handy am Steuer
Der ADAC Nordrhein hat unter dem Motto #handyweg – Dein Leben: Mehr als eine Story. eine Kampagne gegen Handyablenkung am Steuer gestartet. Zielgruppe sind vor allem junge Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren. Im Mittelpunkt steht ein emotionales Video mit YouTuberin Kati Karenina aus Köln. Das Video wird nicht nur via Social Media verbreitet, sondern künftig auch in 1000 Partnerfahrschulen des Regionalclubs gezeigt und erreicht damit ca. 100.000 Führerscheinanwärter pro Jahr. „Gerade bei Jugendlichen ist das Handy aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der Wunsch nach ständiger Erreichbarkeit und die Angst, etwas zu verpassen, verleiten dazu, dann auch im Auto ‚online‘ zu sein und sich mit dem Handy zu beschäftigen. Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h aber nur zwei Sekunden lang unachtsam ist, legt schon 28 Meter im totalen Blindflug zurück“, betonte Andrea Schmitz, Vorstand des ADAC Nordrhein.

Hintergrund

  • Junge Erwachsene (18 bis 24 Jahre) gehören nach wie vor zu den besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Risikofaktoren sind u.a. mangelnde Fahrroutine, Selbstüberschätzung, Alkohol am Steuer und Ablenkung
  • Laut einer Online-Umfrage (Kantar TNS, 2017) nutzen 48 Prozent aller Verkehrsteilnehmer ihr Mobiltelefon, um im Straßenverkehr privat erreichbar zu sein
  • Experten gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen durch Ablenkung verursacht wird
  • Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h nur zwei Sekunden lang unachtsam ist, legt fast 28 Meter im Blindflug zurück
  • Laut ADAC/ÖAMTC-Studie: 76 Prozent der Fahrer hätten vor einem plötzlich auftretenden Hindernis nicht mehr bremsen können

Drei Fragen an NRW-Innenminister Herbert Reul 

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Herbert Reul
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul. Foto: Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen
Warum liegt Ihnen das Thema Handy-Ablenkung am Steuer so am Herzen?
Herbert Reul: Ablenkung im Straßenverkehr durch Smartphones und andere Geräte ist ein ernstes Thema. Experten gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen durch Ablenkung verursacht wird. Bei vielen dieser Unfälle werden Menschen verletzt oder sogar getötet. Dieser Preis ist mir deutlich zu hoch. Deswegen gehen wir so konsequent dagegen vor.

Wieso unterschätzen viele Autofahrer die Gefahren?
Weil sie unterschätzen, mit welchem Tempo sie im Auto unterwegs sind. Schon der kurze Blick auf das Handy bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern bedeutet 30 Meter Blindflug. Jedem muss klar sein, dass er sich und andere damit in Lebensgefahr bringt.

Wie lässt sich das Problem in den Griff bekommen?
Erstens durch Aufklärung. Wir dürfen nicht nachlassen, den Menschen die möglichen Folgen von Telefonieren oder Chatten beim Fahren klarzumachen. Deshalb bin ich dankbar, dass sich hier auch der ADAC engagiert. Und zweitens durch Kontrollen. Ablenkung im Straßenverkehr ist einer der Schwerpunkte bei der Verkehrsüberwachung der nordrhein-westfälischen Polizei. Allein im ersten Halbjahr 2019 haben wir mehr als 70.000 Autofahrer mit dem Handy erwischt. Viele haben offenbar immer noch nicht begriffen, dass sie damit leichtfertig Menschenleben aufs Spiel setzen.

Behind the scenes: Glasscherben aus Silikon

Hauptdarstellerin Kati Karenina vor dem Videodreh in der Maske
Hauptdarstellerin Kati Karenina in der Maske vor dem Videodreh. Foto: Christopher Köster

Damit das Video zur Kampagne #handyweg so authentisch aussieht, ist ein aufwendiger Dreh nötig. Ein Besuch am Filmset.

Mit Brustgurt und Seil am Oberkörper sitzt die YouTuberin Kati Karenina im Auto, ihr Handy in der Hand. Am anderen Ende des Seils steht Stunt-Koordinator Carl Stück und zählt runter: „Drei, zwo, eins…“ Plötzlich knallt es, Glasscherben aus Silikon fliegen in Katis Auto, ihr nachgebauter Airbag explodiert und Carl zieht sie mit einem Ruck am Seil Richtung Beifahrersitz. Ein heftiger Unfall, perfekt inszeniert.

Dazu gehören auch die zwei überdimensionalen Fernseher, die in der Halle der Produktionsfirma Action Concept in Hürth stehen. Sie sind neben und hinter Katis Auto platziert, auf den Bildschirmen läuft die vorher abgedrehte Fahrt. Im Video zur ADAC Kampagne „#handyweg – Dein Leben: Mehr als eine Story.“ sieht es später so aus, als wäre Kati wirklich durch Köln gefahren. Carl und seine Kollegen kennen sich aus: Seit 1996 produziert Action Concept die Erfolgsserie „Alarm für Cobra 11“, dazu viele weitere Actionfilme und -serien.

Nur kurz nach dem Unfall wird Kati geschminkt. Eine klaffende Wunde an der rechten Schläfe, Kunstblut läuft ihr die Wange herunter. „Vielleicht etwas viel“, sagt die Visagistin, „aber ich finde, es sieht richtig stark aus.“ Ein letztes Mal setzt sich Kati ins Auto, für die Einstellung direkt nach dem Unfall.
Knapp sechs Stunden dauert der Dreh, 13 Personen sind am Set – für 50 Sekunden Video. Aber am Ende sieht es täuschend echt aus und alle sind sehr zufrieden.