A45 bei Lüdenscheid: Jahrelange Sperrung – Das müssen Autofahrer wissen

Die Talbrücke Rahmede der A45 ist gesperrt und muss neugebaut werden.
Die Talbrücke Rahmede der A45 ist gesperrt und muss neugebaut werden. ∙ © Autobahn Westfalen

Die Autobahn A45 bei Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen ist seit dem 2. Dezember 2021 gesperrt. Grund dafür sind massive Schäden an der Talbrücke Rahmede. Die Schäden sind so massiv, dass die Brücke komplett neugebaut werden muss. Die Sperrung der A45 dauert deshalb mehrere Jahre an. Das müssen Autofahrer über die Sperrung wissen.

Für den Nord-Süd-Verkehr hat die A45-Sperrung zwischen Lüdenscheid-Nord und Lüdenscheid starke Auswirkungen. Der ADAC hat Informationen zusammengestellt, was Autofahrer nun beachten müssen und was die Sperrung für die anderen Strecken in Nordrhein-Westfalen bedeutet.

A45 gesperrt: Was ist der aktuelle Stand der Sperrung?

Am Freitag, 7. Januar 2022, teilte die Autobahn GmbH mit, dass die Schäden an der Talbrücke Rahmede so gravierend sind, dass ein Abbruch und Neubau der Brücke notwendig sind. Die Arbeiten dauern laut Autobahn GmbH mehrere Jahre, die Verantwortlichen hoffen auf eine Bauzeit von fünf Jahren.

Die 45 ist bis auf Weiteres gesperrt.
Die Talbrücke Rahmede der A45 bleibt monatelang gesperrt. ∙ © Autobahn Westfalen

Nach ersten Prüfungen war zunächst der Plan, die Talbrücke mithilfe einer Not-Verstärkung nach drei bis vier Monaten zumindest wieder für den Autoverkehr freizugeben. Für Lkw sollte der Abschnitt weiterhin gesperrt bleiben. Doch nach weiteren Untersuchungen im Dezember steht nun fest: Die 53 Jahre alte Brücke kann nicht mehr saniert werden. "Bis eine neue Brücke fertig gebaut ist, kann der A45-Streckenabschnitt zwischen Lüdenscheid-Nord und Lüdenscheid nicht befahren werden, weder von Lkw noch von Pkw", teilte Elfriede Sauerwein-Braksiek, Leiterin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH, mit.

Wie lange dauert der Neubau?

"Wir hoffen, dass die neue Brücke in fünf Jahren steht“, so Sauerwein-Braksiek am 7. Januar. Wie schnell eine neue Brücke steht, hängt maßgeblich davon ab, wie zügig die alte entfernt werden kann. Dafür muss nun zunächst geprüft und entschieden werden, wie die alte Brücke abgebrochen werden kann: entweder gesprengt oder kleinteilig abgebaut.

Für den Neubau der kaputten Autobahnbrücke auf der A45 bei Lüdenscheid will das Bundesverkehrsministerium keine Sonderrechte einräumen. Der Verkehrsausschuss des Bundestags hat sich aber für einen schnellen Ausbau der Rahmede-Talbrücke ausgesprochen.

A45 gesperrt: Wie kann ich Sperrung umgehen?

Der Verkehr der gesperrten Talbrücke Rahmede wird seit dem 2. Dezember über Umleitungen durch das Stadtgebiet von Lüdenscheid geführt. Die Umleitungsstrecken zur A45 sind sehr stark belastet. Die Stadt Lüdenscheid hat alle Baustellen auf den Umleitungen U16 und U39 aufgehoben und die Ampelschaltung angepasst, damit der Verkehr besser abfließt.

Auto- und Lkw-Fahrer im Fernverkehr werden gebeten, die Stelle weiträumig zu umfahren. Das bedeutet in Richtung Süden ab dem Westhofener Kreuz über die A1 und über die A3. In Richtung Norden kann der Fernverkehr schon ab Frankfurt auf die A3 ausweichen, der Verkehr aus dem Siegerland kann über das Kreuz Olpe-Süd über die A4 auf die A3 bei Köln gelangen. Wer die Möglichkeit hat, sollte der Sperrung noch weiter ausweichen und über die A7 und die A44 fahren. Die Verantwortlichen wollen versuchen, die Umleitung des Verkehrs noch weiter zu optimieren.

Was bedeutet die A45-Sperrung für die Region?

Dass der Verkehr von der Autobahn abgeleitet und durch das Lüdenscheider Stadtgebiet geführt wird, bedeutet für die Anwohner eine hohe Belastung. Auch für die Wirtschaft entsteht durch die großen Zeitverluste durch die Umwege ein Schaden.

„Die aktuelle Situation rund um die A 45 ist für den Märkischen Kreis und die anliegenden Städte und Gemeinden sowie für die gesamte Region ein Worst-Case-Szenario. Für unsere heimische Wirtschaft ist die A45 die Lebensader. Auch für sie ist die Sperrung ein schwerer Schlag. Es droht der Verlust Tausender Arbeitsplätze", hatte Marco Voge (CDU), Landrat des Märkischen Kreises bei einer Krisensitzung im Dezember gesagt. Sauerwein-Braksiek versprach Anfang Januar, dass die Umleitungsstrecken weiter optimiert werden, um die Belastung für die Menschen in und um Lüdenscheid so weit wie möglich zu minimieren.

A45 Sperrung: Was bedeutet das für den Kölner Ring und NRW?

"Der Worst Case ist eingetreten. Jetzt dürfen nicht einmal mehr Autos über die Brücke fahren. Die A 45 ist damit für viele Jahre komplett durchtrennt. Es gibt keine nahe Alternativroute für den Fernverkehr", sagt ADAC Verkehrsexperte Prof. Dr. Roman Suthold. "Es ist zu befürchten, dass Auto- und Lkw-Fahrer sich auf den ohnehin stark belasteten Autobahnen A1, A3, A4 und A46 in den kommenden Jahren auf noch mehr Staus einstellen müssen."

Der Worst Case ist eingetreten. Jetzt dürfen nicht einmal mehr Autos über die Brücke fahren. Und es gibt keine nahe Alternativroute für den Fernverkehr.

Roman Suthold, Verkehrsexperte ADAC Nordrhein©ADAC Nordrhein/Christopher Köster

Der Verkehr rund um den Kölner Ring ist jetzt schon durch Baustellen und Sperrungen am Limit. Nun kommt noch der umgeleitete Verkehr der gesperrten A45 hinzu. Vor der Sperrung passierten täglich 64.000 Fahrzeuge die A45-Talbrücke, davon 13.000 Lkw. Das bedeutet deutlich vollere Autobahnen ab dem Westhofener Kreuz in Richtung Süden. Und ab dem Kreuz Olpe-Süd in Richtung Westen und ab Köln-Ost in Richtung Norden.

Nach Angaben der Autobahn GmbH hat besonders der Lkw-Verkehr auf den Ausweichrouten A1, A3 und A4 seit der Sperrung zugenommen. Im Vergleich zu den beiden Kalenderwochen vor der Sperrung nahm der Schwerverkehr in der ersten Woche nach der Sperrung um rund 13 bis rund 18 Prozent zu.

Wie wird über die Sperrung informiert?

Neben dem Verkehrsfunk weist die Autobahn GmbH schon ab dem Kreuz Lotte-Osnabrück im Norden und ab Frankfurt im Süden auf die Sperrung hin. Auch Blechbeschilderungen oder auch mobile LED-Tafeln wurden aufgestellt. Darüber hinaus wurde ein Flyer in sieben Sprachen digital und an Raststätten verteilt, um auf die Umleitungsstrecken hinzuweisen. Außerdem werden die Lkw-Fahrer per CB-Funk mehrsprachig auf den Zulaufstrecken auf die Sperrung der A45 hingewiesen.

Laut Autobahn GmbH ist der Lkw-Verkehr auf der A45 im Zulauf auf die Sperrung um bis zu 60 Prozent zurückgegangen.

A45-Brücke: Warum wurde die Talbrücke Rahmede gesperrt?

Bei der Überprüfung der Brücke wurden zunächst Verformungen in der Stahlwand festgestellt, die die Tragfähigkeit der Brücke beeinflussen können. Ein Expertenteam hat bei weiteren Untersuchungen im Dezember jedoch weitere gravierende Schäden an der Brücke festgestellt.

Das Stahlgerüst weist nicht nur Verformungen und Beulen auf, viele Bereiche des Stahls sind stark korrodiert und haben Risse. Das Endergebnis: Die Brücke kann nicht saniert werden, ein kompletter Neubau ist notwendig. „Deswegen war die Entscheidung richtig, die Brücke im Dezember zu sperren, so schwerwiegend das für die Menschen in der Region, für Spediteure und Pendler ist“, sagte Sauerwein-Braksiek. Die großen Verkehrsmengen, aber vor allem auch die gestiegenen Gewichte in den vergangenen Jahrzehnten, seien die wesentlichen Gründe für den heutigen Zustand der 53 Jahre alten Brücke.

"Die Situation zeigt, wie dramatisch sich der Zustand der Brückeninfrastruktur in wenigen Jahren verschlechtern kann. Die Talbrücke Rahmede hat 2017 noch die Note drei bekommen und ist jetzt ein Totalausfall", sagt ADAC Verkehrsexperte Suthold. "Brückenprüfungen sollten aufgrund der angespannten Situation zeitlich noch engmaschiger durchgeführt werden als es das Regelwerk vorsieht."

Duisburg, Leverkusen – nun Lüdenscheid: Warum sind so viele Brücken in NRW in schlechtem Zustand?

Viele Autobahnbrücken, auch in Nordrhein-Westfalen, wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren gebaut. Damals hat man Prognosen aufgestellt, wie viel Verkehr in Zukunft über die Brücken fahren wird. Der Lkw-Verkehr ist in den letzten Jahrzehnten allerdings enorm gestiegen. Und Lkw belasten Brücken deutlich stärker als Autos: Ein 40-Tonner belastet eine Brücke so sehr wie 60.000 Autos.

Für die heutige Verkehrslast sind die Brücken daher nicht konzipiert worden, deswegen kommt es immer wieder zu Problemen. "Die Prognosen der Vergangenheit gelten nicht mehr. Der Zustand der Brücken aus den 60er und 70er Jahren verschlechtert sich offenbar noch schneller als man bisher gedacht hat", sagt ADAC Fachmann Suthold.

Experten hatten schon Anfang der 2000er gesagt, dass Brücken und Tunnel der 60er und 70er bald saniert werden müssen. Das Bundesverkehrsministerium hat aber trotz politischem Druck aus Nordrhein-Westfalen erst ab 2016 ausreichend Finanzmittel zur Verfügung gestellt. „Die Politik muss weiter massiv in die Erhaltung und Erneuerung von Brücken investieren. Brücken sind die Achillesferse der Straßeninfrastruktur. Es darf jetzt nicht zu einem Domino-Effekt kommen, wo in NRW eine Brücke nach der anderen für Lkw oder sogar Pkw gesperrt werden muss“, sagt Suthold. Ähnlich gebaute Brücken der A45 wurden laut Autobahn GmbH derzeit neben den üblichen Kontrollen zusätzlich auf Schäden untersucht. "Bisher sind uns keine Brücken bekannt, die in solch einem Zustand sind."

Wie häufig werden Brücken kontrolliert?

Brückenbauwerke in Deutschland werden regelmäßig gemäß entsprechender Norm (DIN 1076) durch Fachleute geprüft. Alle sechs Jahre findet eine Hauptprüfung durch speziell ausgebildete Bauwerksprüfingenieure statt. Einfache Prüfungen erfolgen alle drei Jahre. Zudem sind jährlich Kontrollbesichtigungen durch die zuständigen Straßen- und Autobahnmeistereien durchzuführen. Zusätzlich erfolgen zweimal jährlich Beobachtungen im Hinblick auf augenscheinliche Schäden. Die Bauwerke werden nach den Kriterien Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit bewertet.

Der ADAC hat keinen Anlass, an der regelmäßigen und sorgfältigen Überprüfung der Straßenbrücken in Deutschland durch die zuständigen Straßenbaubehörden zu zweifeln. Aus Sicht des ADAC gibt es keine Hinweise, dass deutsche Autobahnbrücken von einem spontanen Einsturz wie zum Beispiel 2018 in Genua bedroht sind.

Laura Harlos
Redakteurin ADAC Nordrhein
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