A42-Brücke bei Essen bis Frühjahr 2024 gesperrt: Das müssen Autofahrende wissen

Symbolbild Brückenschäden
Die A42 bleibt zwischen Essen und Bottrop für mehrere Monate wegen Brückenschäden gesperrt.© AdobeStock/ Mike Bender

Das nächste Brücken-Drama in NRW betrifft diesmal das Ruhrgebiet: Die A42 ist gesperrt, weil auf der Brücke über den Rhein-Herne-Kanal zwischen zwischen Essen und Bottrop schwere Schäden entdeckt wurden. Wie lange die Sperrung nach aktuellem Stand dauert und was Autofahrer wissen müssen, lesen Sie hier.

  • Brücken-Vollsperrung bis Frühjahr 2024 für alle Fahrzeuge

  • Zukunft für Lkw-Verkehr bleibt ungewiss; Einsatz von Schrankenanlage geplant

  • ADAC kritisiert Kommunikation der Autobahn GmbH gegenüber Städten und Land NRW

Bis mindestens zum Frühjahr 2024 bleibt die A42 zwischen den Anschlussstellen Essen-Nord und Bottrop-Süd für alle Verkehrsteilnehmer gesperrt. Einen genauen Termin gab die Autobahn GmbH bisher nicht bekannt. Grund für die Sperrung ist die marode Brücke über dem Rhein-Herne-Kanal: Bei einer Analyse durch Gutachter waren zuletzt schwerwiegende Schäden festgestellt worden.

Ob die Brücke für Lkw überhaupt wieder freigegeben wird, ist bislang unklar. Man hofft, dass ab dem Frühjahr nach Installation einer Schrankenanlage – wie z.B. auf der Leverkusener Brücke der A1 oder der A43 bei Herne – der Autoverkehr wieder über die Brücke fahren kann und der Schwerlastverkehr dort gestoppt wird.

Eine „A42-Taskforce“ erörtert im Zwei-Wochen-Turnus sämtliche verkehrlichen Belange infolge der erfolgten Sperrung der A42 zwischen Bottrop und Essen und versucht nach Angaben der Autobahn GmbH, die Lenkung des Umleitungsverkehrs so verträglich wie möglich zu gestalten. Die beteiligten Städte und Fachbehörden werden die Situation rund um die gesperrte Brücke regelmäßig bewerten und auf Basis der gemachten Erfahrungen weiter optimieren, hieß es Ende Januar.

Wieso ist die Brücke auf der A42 bei Essen und Bottrop so plötzlich gesperrt worden?

Bereits Mitte Dezember 2023 wurde der Abschnitt auf der wichtigen Ost-West-Verbindung im Ruhrgebiet für mehrere Tage gesperrt, um die Brücke zu prüfen. Am Samstag, 15. Dezember, sollte sie für den Verkehr wieder freigegeben werden, doch aufgrund der Mängel entschied sich die Autobahn GmbH dagegen.

"Dass die 53 Jahre alte Brücke stark sanierungsbedürftig ist, war allen Verantwortlichen klar", sagt Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC in NRW. "Der Neubau ist bereits in Planung – man hatte natürlich gehofft, dass die Brücke bis dahin durchhält." Täglich sind auf der Strecke rund 85.000 Fahrzeuge unterwegs – eine Belastung, für die die Brücke nicht ausgelegt sei.

ADAC Verkehrsexperte Prof. Dr. Roman Suthold

In NRW müssten pro Jahr circa 90 Brücken saniert werden, um zumindest den Verfall zu stoppen. Im Jahr 2022 waren es 43.

Roman Suthold, Verkehrsexperte ADAC Nordrhein©ADAC Nordrhein e.V. / Johannes Giewald

Der ADAC kritisiert zudem die Kommunikation rund um die Sperrung. "Die Autobahn GmbH darf das Ergebnis und die damit verbundenen Auswirkungen der Brücken-Untersuchung nicht verzögert an die betroffenen Städte sowie an das Land NRW weitergeben", sagt Suthold. "Die Situation an der A45 rund um Lüdenscheid hat gezeigt, dass auch die Kommunen schnell im Bilde sein müssen, um Strecken für den Umleitungsverkehr abseits der Autobahn bestmöglich einzurichten. Hier geht es auch um den Schutz für betroffene Anwohnerinnen und Anwohner."

Welche Umleitungen können Autofahrende für die A42-Sperrung bei Essen und Bottrop nutzen?

Großräumige Umleitung für alle Verkehrsteilnehmenden über die A2, A3, A40 und A45. Die A43 kann indes nur von Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen befahren werden.© OpenMapTiles, OpenStreetMap contributors

Die großräumigen Umleitungen für alle Verkehrsteilnehmenden führen über die anderen Ruhrgebietsautobahnen: Zentral dafür sind die beiden Ost-West-Routen, die A2 und die A40. 

Aus Westen kommend:

Die Umleitung führt über das A3-Kreuz Oberhausen-West auf die A2-Verbindung im Kreuz Oberhausen oder auf die Verbindung zur A40 im Kreuz Kaiserberg. Im Nahbereich werden die Fahrzeuge in Fahrtrichtung Oberhausen über die B224 zur A2 und dann zurück über die A516 umgeleitet.

Aus Osten kommend:

Die Umleitung führt über die A45 im Kreuz Dortmund-Nordwest zur A2 oder im Kreuz Dortmund-West auf die A40. Im Nahbereich Richtung Dortmund führt die Umleitung ab Bottrop-Süd über die Bottroper Straße und Sulterkamp zur B224 und dann nach Essen-Nord.

Leverkusen, Lüdenscheid – nun Essen: Warum sind so viele Brücken in NRW in schlechtem Zustand?

Viele Autobahnbrücken, auch in Nordrhein-Westfalen, wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren gebaut. Damals hat man Prognosen aufgestellt, wie viel Verkehr in Zukunft über die Brücken fahren wird. Vor allem der Lkw-Verkehr ist jedoch in den letzten Jahrzehnten enorm gestiegen. Und Lkw belasten Brücken deutlich stärker als Autos: Ein 40-Tonner belastet eine Brücke so sehr wie 60.000 Autos.

Für die heutige Verkehrslast sind die Brücken daher nicht konzipiert worden. Daher kommt es immer wieder zu Problemen. "Die Prognosen der Vergangenheit gelten nicht mehr. Der Zustand der Brücken aus den 60er und 70er Jahren verschlechtert sich offenbar noch schneller als man bisher gedacht hat", sagt ADAC Fachmann Suthold. Hinzu kommt: Experten gehen davon aus, dass in NRW 90 Autobahnbrücken pro Jahr saniert werden müssten, um zumindest den Verfall zu stoppen. Im vergangenen Jahr wurden allerdings gerade einmal 43 saniert.

Fachleute hatten schon Anfang der 2000er gesagt, dass Brücken und Tunnel der 60er und 70er bald saniert werden müssen. Das Bundesverkehrsministerium hat aber trotz politischem Druck aus Nordrhein-Westfalen erst ab 2016 ausreichend Finanzmittel zur Verfügung gestellt. „Die Politik muss weiter massiv in die Erhaltung und Erneuerung von Brücken investieren. Brücken sind die Achillesferse der Straßeninfrastruktur. Es darf jetzt nicht zu einem Domino-Effekt kommen, wo in NRW eine Brücke nach der anderen für Lkw oder sogar Pkw gesperrt werden muss“, sagt Suthold.

Ähnlich gebaute Brücken der A45 wurden laut Autobahn GmbH derzeit neben den üblichen Kontrollen zusätzlich auf Schäden untersucht. Ende Januar wurde bekannt, dass langfristig 60 Brücken der A45 neugebaut werden müssen. Der Verkehr soll während der Bauphasen weiterlaufen können.

Wie häufig werden Brücken kontrolliert?

Brückenbauwerke in Deutschland werden regelmäßig gemäß entsprechender Norm (DIN 1076) durch Fachleute geprüft. Alle sechs Jahre findet eine Hauptprüfung durch speziell ausgebildete Bauwerksprüfingenieure statt. Einfache Prüfungen erfolgen alle drei Jahre. Zudem sind jährlich Kontrollbesichtigungen durch die zuständigen Straßen- und Autobahnmeistereien durchzuführen. Zusätzlich erfolgen zweimal jährlich Beobachtungen im Hinblick auf augenscheinliche Schäden. Die Bauwerke werden nach den Kriterien Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit bewertet.

Der ADAC hat keinen Anlass, an der regelmäßigen und sorgfältigen Überprüfung der Straßenbrücken in Deutschland durch die zuständigen Straßenbaubehörden zu zweifeln. Aus Sicht des ADAC gibt es keine Hinweise, dass deutsche Autobahnbrücken von einem spontanen Einsturz wie zum Beispiel 2018 in Genua bedroht sind.

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