Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Produkte
Mitgliedschaft
Der ADAC

Aktion "Toter Winkel": ADAC Nordrhein fordert Abbiegeassistenten für alle Lkw

Bis zu den Sommerferien lernen mehr als 300 Grundschulklassen das Phänomen „Toter Winkel“ kennen. ∙ © Thomas Banneyer

Der ADAC Nordrhein, die Stadt Köln und die Kölner Polizei haben auf dem Heumarkt die
Verkehrssicherheitsaktion „Toter Winkel“ 2020 gestartet. Rund 300 Grundschüler aus zwölf 4.
Klassen konnten dabei auf dem Fahrersitz eines Lkw Platz nehmen und erleben, wie die Mitschüler im „Toten Winkel“ verschwanden.

„Es ist unglaublich, dass wir uns immer noch über den ‚Toten Winkel‘ unterhalten müssen. Abbiegeassistenten gehören als Serienausstattung in jeden Lkw und jeden Bus.“

Prof. Dr. Roman Suthold vom ADAC Nordrhein.

Das Problem: Die EU schreibt solche Systeme erst ab 2024 für alle neu zugelassenen Lkw und Busse vor, für neue Fahrzeugtypen gilt die Pflicht ab 2022. „Das darf keine Ausrede sein. Hersteller, die aktuell neue Lkw oder Busse auf den Markt bringen, aber auf diese lebensrettenden Systeme verzichten, nur weil sie erst in einigen Jahren vorgeschrieben sind, handeln unverantwortlich“, kritisiert der Verkehrsexperte.

Die Unfallforschung der Versicherer (UdV) geht davon aus, dass elektronische Abbiegeassistenten 60 Prozent der Unfälle mit getöteten oder schwer verletzten Radfahrern in Deutschland verhindern könnten. Die Systeme sollten laut ADAC Nordrhein den Fahrer nicht nur akustisch warnen, sondern im Gefahrenfall auch automatisch bremsen. Der Mobilitätsclub fordert Fahrzeughersteller und Zulieferer dazu auf, schnell praxistaugliche und zuverlässige Lösungen auf den Markt zu bringen.

Schüler sollen sensibilisiert werden

„Der Fokus bei der Ausrüstung mit Abbiegeassistenten darf nicht allein auf Neufahrzeuge gerichtet werden, sondern muss auch die Nachrüstung der Bestandsflotte umfassen“, betont Suthold. Unfälle zwischen Lkw und Fußgängern oder Radfahrern ereignen sich überwiegend innerorts. Gerade im Stadtverkehr sind in den Flotten häufig noch ältere Nutzfahrzeuge anzutreffen, zum Beispiel Baufahrzeuge oder Müllwagen. Diese zeigen in der Unfallstatistik eine erhöhte Auffälligkeit. „Es geht nicht darum, die Verantwortung an gefährlichen Abbiegepunkten auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu übertragen, sondern die Schüler mit der Aktion ‚Toter Winkel‘ für brenzlige Situationen zu sensibilisieren“, erläutert Suthold.

Der ADAC Nordrhein begrüßt die Anpassung der Straßenverkehrsordnung, dass Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen künftig nur noch mit Schrittgeschwindigkeit abbiegen dürfen. Bau- und Verkehrsbehörden sollten bei Kreuzungen auf gute Sichtbeziehungen zwischen den Verkehrsteilnehmern achten. Versetzte Grünphasen für motorisierte Fahrzeuge und Fußgänger/Radfahrer können ebenfalls Gefahrenpunkte entschärfen.

Bis zu den Sommerferien lernen im Rahmen der Aktion mehr als 300 Grundschulklassen das Phänomen „Toter Winkel“ kennen. Ideengeber für das gemeinsame Verkehrssicherheitsprogramm war 2009 die Stadt Köln. Seitdem haben über 2500 Klassen an der Verkehrssicherheitsaktion „Toter Winkel“ teilgenommen.

„Aktion Abbiegeassistent“

Der ADAC unterstützt die „Aktion Abbiegeassistent“ des Bundesverkehrsministeriums. Das Ziel: Verbände, Unternehmen und Behörden verpflichten sich, ihre Bestandsflotten nachzurüsten und Neufahrzeuge möglichst nur mit Abbiegeassistenten zu bestellen. 2019 hatte das Ministerium ein Förderprogramm über fünf Millionen Euro für die Nachrüstung von Lkw und Bussen aufgelegt. Dieser Fördertopf sowie zusätzliche fünf Millionen Euro waren allerdings nach kurzer Zeit ausgeschöpft. Für 2020 sind dennoch erneut nur zehn Millionen Euro vorgesehen. „Das reicht nicht aus. Die Fördersumme und damit die Anzahl der geförderten Fahrzeuge sollte deutlich erhöht werden“, empfiehlt Suthold.

Die ADAC Forderungen im Überblick

  • Abbiegeassistenten sollten zur Serienausstattung gehören – schon vor der gesetzlichen Verpflichtung.

  • Abbiegeassistenten sollten künftig mit einem Notbremssystem gekoppelt werden.

  • Die Fehlerrate in der Erkennung sollte so gering wie möglich sein, um die Akzeptanz und die Nutzung durch den Fahrer zu erhöhen.

  • Ein verbautes Kamera-Monitor-System mit Objektmarkierung ist hilfreich, damit der Fahrer den Grund der Auslösung sehen kann.

  • Die Förderung für die Nachrüstung von Abbiegeassistenten sollte erheblich ausgeweitet werden, um rasch eine Durchdringung der Bestandsfahrzeuge zu erreichen.

  • Eine Überwachung direkt vor dem Fahrzeug deckt eine weitere Gefahrensituation ab.

  • Trotz parkenden Fahrzeugen oder Begrünung zwischen
    Fahrspur und Radweg sollte das Abbiegeassistenzsystem den ungeschützten Verkehrsteilnehmer erkennen.