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Der ADAC

Der RRX – ein Jahrzehnteprojekt

RRX Halt am Bahnhof
© Kompetenzcenter Marketing NRW (KCM) Dominik Obertreis

In vielen Bahnhöfen sieht man ihn bereits täglich: den Rhein-Ruhr-Express, kurz RRX. Er soll in NRW die Mobilität der Reisenden und Pendler nachhaltig verbessern. Wie viele Linien gibt es? Wie viele kommen noch dazu? Welche Städte sind angebunden? Warum ist das Projekt in NRW so wichtig und könnte sogar als überregionales Vorbild dienen? Ein Überblick.

Es ist das größte Schieneninfrastrukturprojekt in Nordrhein-Westfalen, viele sprechen sogar vom wichtigsten Projekt des 21. Jahrhunderts. Auf sieben Linien soll der Rhein-Ruhr-Express (RRX) in zehn Jahren die Metropolen des Landes miteinander verknüpfen, auf der Kernstrecke zwischen Köln und Dortmund soll sogar alle 15 Minuten ein RRX fahren. Einige Linien sind bereits auf Schienen unterwegs.

RRX-Linien, die schon fahren

  • RRX 2 (RE 11): Seit Dezember 2018 bringt der erste RRX Pendler zwischen Düsseldorf, dem Ruhrgebiet, Paderborn und Kassel an ihr Ziel. Der Zielnetzplan sieht vor, die Strecke Richtung Rheinland sogar über Köln bis nach Aachen zu erweitern.

  • RRX 5 (RE 5): Die zweite Linie verkehrt seit Juni 2019 zwischen Wesel, Duisburg, Düsseldorf, Köln und Bonn bis nach Koblenz in Rheinland-Pfalz. In ferner Zukunft soll sie aber nur zwischen Düsseldorf und Wesel verkehren.

  • RRX 6 (RE 6): Von der Linie profitieren erstmals seit Dezember 2019 Pendler aus dem Raum Westfalen: Sie verbindet Minden, Gütersloh, Hamm, Düsseldorf und fährt bis Köln/Bonn Flughafen. Der Zielnetzplan sieht allerdings vor, die Linie nicht mehr zwischen Minden und Flughafen, sondern zwischen Minden über Köln Messe/Deutz nach Koblenz verkehren zu lassen.

  • RRX 1 (RE 1): Seit Juni 2020 ist die vierte Linie zwischen Hamm, Dortmund, Düsseldorf und Aachen unterwegs. Künftig soll der RRX 1 allerdings nur von Dortmund nach Aachen gehen.

Diese Linien kommen noch auf die Gleise

  • RRX 3: Die Linie soll zwischen Münster und – als einzige Linie – Köln/Bonn Flug­ha­fen verkehren. Dabei soll sie nicht die klassische Strecke am Rhein und durch das Ruhrgebiet bedienen, sondern von Dortmund aus über das nördliche Ruhrgebiet (Gelsenkirchen, Oberhausen) und ab Düsseldorf die linksrheinische Schiene (Neuss und Dormagen) verlaufen. Der Startzeitpunkt ist noch nicht terminiert.

  • RRX 4: Die neue Linie soll im Dezember 2020 an den Start gehen und von Aachen über Mönchengladbach, Düsseldorf, Wuppertal und Hagen bis nach Dortmund fahren. Das endgültige Zielnetz sieht jedoch eine andere Strecke vor: von Ko­blenz über Köln, Düs­sel­dorf, Es­sen und Dort­mund bis nach Bie­le­feld.

  • RRX 7: Bislang gibt es auch für diese Linie noch keinen Starttermin. Die Strecke soll wie der heutige RE 2 zunächst die "klassische" Strecke von Düs­sel­dorf und Duis­burg nach Essen bedienen, dann aber nördlich über Gel­sen­kir­chen nach Müns­ter und Os­na­brück führen.

Geht es nach dem Bundesverkehrswegplan, wären alle sieben Linien im Jahr 2030 in diesem Netz unterwegs. ∙ © Nicht veröffentlichen

Darum ist der RRX für den Verkehr in NRW so wichtig

Der RRX bedient die Hauptschlagader von NRW, die Achse zwischen Rhein und Ruhr. Andere geplante Verkehrsprojekte, wie der um die Jahrtausendwende anvisierte Metrorapid als Transrapidstrecke im Ruhrgebiet, haben es nicht bis zur Umsetzung geschafft. „Über Jahrzehnte fehlte ein passendes Pendlerangebot auf den Schienen als Alternative zum Auto“, sagt ADAC Verkehrsexperte Prof. Dr. Roman Suthold. „Mit anderen Großprojekten hat das Land NRW viel Zeit vergeudet, daher ist es höchste Zeit, den RRX und sein Netz weiter voranzubringen.“

Ist das Projekt erst einmal realisiert, könnten die dichtere Taktung und die schnelle Verbindung auf NRWs Hauptachse für Pendler attraktiv sein. „Hochqualitativer Bahnverkehr sorgt dafür, dass Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen. Besonders für die, die ins Stadtzentrum müssen, ist der RRX eine interessante Alternative“, sagt Suthold. „Bleiben die neuen Bahnlinien zuverlässig, besteht die Chance, dass Pendlerverkehrsströme langfristig von den viel zu vollen Straßen auf den RRX umgeleitet werden.“

Fährt der RRX ab 2030 so wie geplant, inklusive breitem Streckennetz und hoher Taktung, könnte das Projekt auch überregional als Vorbild dienen. Denn bessere und schnellere Verbindungen in und zwischen Ballungsräumen sind auch für andere Bundesländer attraktiv.

Wann genau wird das RRX-Projekt fertig?

Eine Frage, die nicht genau zu beantworten ist. Der sogenannte Bundesverkehrswegeplan sieht vor, dass das Projekt bis 2030 abgeschlossen ist. Wie bei allen großen Bauprojekten wagen Projektverantwortliche aber nicht mehr als eine Prognose – denn Verzögerungen bei Planung und Bau sind nicht ausgeschlossen.

Für den Gleisausbau braucht es in jedem Fall noch zehn Jahre: Insgesamt baut die Deutsche Bahn für die neuen Linien 80 Kilometer neue Gleise und fast 200 Weichen ein oder um, errichtet mehr als 40 Kilometer neue Lärmschutzwände und plant Arbeiten an über 50 Brücken. Bei den Bahnhofsmodernisierungen ist ein Ende bereits in Sicht: Von 53 Bahnhöfen wurden bereits 37 Stationen für den RRX barrierefrei ausgebaut, 14 sind noch im Umbau.

Wie teuer wird das Projekt?

Für die 160 Stundenkilometer, auf die der RRX beschleunigt, muss der entsprechende Untergrund her: Rund 2,5 Milliarden Euro investiert der Bund in den Ausbau des Netzes. Der Um- und Ausbau der Bahnhöfe wird vom Land NRW finanziert (Volumen für alle Bahnhofssanierungen in NRW inklusive RRX bis 2023: eine Milliarde Euro). Die RRX-Fahrzeuge wurden gemeinsam von den drei NRW-Aufgabenträgern (NVR, NWL, VRR) sowie dem SPNV Nord in Rheinland-Pfalz bezahlt. Kosten: Rund 800 Millionen Euro.

Laura Harlos
Redakteurin ADAC Nordrhein
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