KVB, Wasserbusse, Seilbahnen: ADAC über Zukunft des ÖPNV in Köln

Die Seilbahn in Köln: Ein zukünftiges Verkehrsmittel für den ÖPNV?
Die Seilbahn in Köln: Ein zukünftiges Verkehrsmittel für den ÖPNV?© adobestock / Tom Bayer

Wie sieht die Zukunft des ÖPNV in Köln aus? Gibt es irgendwann Wasserbusse, Seilbahnen und einen autonom fahrenden ÖPNV? Wo liegen aktuelle Probleme bei den KVB. Prof. Dr. Roman Suthold, Leiter des Fachbereichs „Verkehr und Umwelt“ beim ADAC Nordrhein, spricht über Probleme und Lösungen beim Verkehr in Köln.

KVB, Wasserbusse, Seilbahn: Wie sieht in Köln der ÖPNV der Zukunft aus?


Prof Dr. Roman Suthold über…

…die Achillesferse der KVB: „Köln hat sich für
eine Mischung aus U-Bahn und Straßenbahn entschieden. Das ist für sich genommen
schon eine große Herausforderung. Es muss nur einer falsch parken, dann kann
das ganze Stadtbahnsystem zum Erliegen kommen. Das ist ein großer Nachteil gegenüber
getrennten Systemen mit reiner U-Bahn wie beispielsweise in London. Außerdem
braucht Köln eine Lösung, um mehr ÖPNV-Kapazitäten auf der Ost-West-Achse zur
Verfügung zu stellen – egal ob unter- oder oberirdisch.“

…Wasserbusse und Seilbahnen für Köln: „Köln braucht den
Mut, neue Systemkomponenten wie Wasserbus- oder Seilbahnsysteme nicht nur zu
diskutieren, sondern sie zu integrieren. Das bestehende Verkehrssystem läuft am
Limit. Mit Wasserbussen kann die Fahrzeit im ÖPNV, zum Beispiel zwischen Porz und
Rodenkirchen oder Mülheim und Innenstadt, stark verkürzt werden. Eine Seilbahn
wäre beispielsweise zwischen Deutz und Hauptbahnhof eine Option.“

Prof. Dr. Roman Suthold ist Verkehrsexperte beim ADAC Nordrhein. © ADAC Nordrhein/Christopher Köster

…Versäumnisse bei der Planung neuer Veedel: „Ich fordere für
Köln, dass erst der ÖPNV-Anschluss realisiert wird und dann Häuser auf die
grüne Wiese gesetzt werden. Widdersdorf ist fast schon europaweit das absolute
Negativbeispiel. Hier ist zwar eine Trasse vorgesehen, aber bis die Straßenbahn
kommt, vergehen wohl leider noch viele Jahre. Die Menschen, die in Widdersdorf
wohnen, sind genervt, weil sie, zumindest vor Corona, morgens um 7.30 Uhr schon
vor ihrer Haustür im Stau gestanden haben. Wie es geht, zeigt Wien mit der
Seestadt. Hier wird erst der ÖPNV-Anschluss gebaut und dann der Stadtteil
entwickelt.“

…autonom fahrende Züge und Busse im ÖPNV: „Die Deutsche Bahn prüft
schon den Einsatz autonom fahrender Züge. Das ist auch im ÖPNV-Bereich durchaus
möglich. Die Vorstellung, dass ein Operator nicht mehr in der Bahn oder im Bus
sitzt, sondern vielleicht in einer Zentrale auf mehrere Displays schaut, ggf.
eingreift und die Fahrzeuge fernsteuert, halte ich durchaus für realistisch.
Noch kommt das in Köln durch das Mischsystem aus U-Bahn und Straßenbahn aber
wohl nicht in Frage. Oberirdisch teilt sich die Bahn die Straße mit anderen
Verkehrsträgern und hat keine eigene Strecke. Das macht die Ausgangslage
komplexer.“

Steckbrief Prof. Dr. Roman Suthold

Prof. Dr. Roman Suthold (48) ist seit 2004 beim ADAC und seit 2006 Leiter des Fachbereichs „Verkehr und Umwelt“ beim ADAC Nordrhein. Der gebürtige Kölner lehrt zudem als Honorarprofessor an der Hochschule Fresenius (Köln) zum Thema „Mobilitätsmanagement“ und ist als Lehrbeauftragter an der Hochschule Bochum („Verkehrssysteme und -konzepte“) tätig. Seine Spezialgebiete sind Mobilität in Ballungsräumen, kommunale Verkehrsplanung und Digitalisierung im Mobilitätsbereich.

…Chancen und Risiken von Fahrdiensten wie Uber: „Solche
Fahrdienste sind in Deutschland, anders als in den USA, noch sehr stark
eingeschränkt. Das wird aber nicht dauerhaft so bleiben. Mit der kürzlich
beschlossenen Novelle des Personenbeförderungsgesetzes gibt es inzwischen eine
eigene Rechtsgrundlage für neue digitale Mobilitätsanbieter. Zukünftig werden
öffentliche Verkehrsangebote, zum Beispiel der KVB, durch private
On-Demand-Dienste ergänzt. Das kann zu weniger Privatfahrzeugen und damit
weniger Verkehr führen, allerdings nur, wenn nicht auch bisherige ÖPNV-Nutzer,
Fahrradfahrer und Fußgänger auf die neuen Angebote umsteigen. Dann würde sich
die Lage noch verschlimmern.

…den Flickenteppich bei App-basierter Mobilität: „Der Weg von A
nach B lässt sich heute schon komplett mit dem Smartphone organisieren.
ÖPNV-Ticket kaufen, E-Bike leihen, Carsharing buchen – das geht alles digital.
Oft braucht man dazu leider noch verschiedene Apps. Der Kunde wünscht sich aber
einen Ansprechpartner, eine App, die alle Mobilitätsangebote bündelt. Das
Problem sind die Unternehmen selbst, die ihre direkte Kundenschnittstelle
behalten wollen und Angst haben, zu reinen Zulieferern degradiert zu werden.
Deshalb müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die verhindern, dass
einzelne Unternehmen einen großen Wettbewerbsvorteil bekommen und alle anderen
den Kontakt zum Kunden verlieren. Es braucht eine unabhängig betriebene Plattform,
wo Daten gesammelt und ausgetauscht werden. Dazu gibt es auch eine
entsprechende Initiative des Bundes.“

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