E-Auto im Alltagstest

Oliver Reidegeld testet zwei Wochen ein E-Auto
∙ © ADAC Hessen-Thüringen

Viele Verbraucher überlegen derzeit, ob es sich lohnt, auf ein Elektroauto umzusteigen. Doch nicht jeder hat die Möglichkeit, ein solches Fahrzeug über einen längeren Zeitraum Probe zu fahren. Zudem sind viele skeptisch: Genügt die Reichweite im Alltag? Wie lange dauert der Ladevorgang unterwegs? Welche Kosten entstehen?

Oliver Reidegeld, Pressesprecher des ADAC Hessen-Thüringen, ist für zwei Wochen auf ein E-Auto umgestiegen, um Antworten auf diese Fragen zu finden und hat den Familien-Diesel gegen einen Mini, rein elektrisch betrieben, ausgetauscht. Seinen Erfahrungsbericht lesen Sie hier:

Erster Eindruck: E-Auto fahren, macht Spaß

ADAC E-Auto Mini
Der Testkandidat: ein elektrisch angetriebener Mini mit ADAC-Branding ∙ © ADAC Hessen-Thüringen

Auffälligster Unterschied – der Stromer ist deutlich kleiner. Statt eines VW Tiguan steht nun ein Mini in der Einfahrt. Er bietet aufgrund der kleinen Batterie nominell 170 Kilometer Reichweite und verzichtet auf die Fondtüren drei und vier. Die Kinder müssen sich also hinter den umgeklappten Vordersitzen auf ihre Plätze begeben. Der Fahreindruck des E-Autos ist dafür spritzig. Dank direktem Antrieb surrt der Mini an jeder Ampel als erster davon.

Pendeln super, Laden ausbaufähig

E-Auto lädt mit Ladekabel
Wie lange das Laden eines E-Autos dauert, hängt davon ab, wie groß und leer die Batterie ist und mit welcher maximalen Leistung geladen wird. ∙ © ADAC Hessen-Thüringen

Die Fahrt zur Arbeit und wieder zurück ist mit einer Akkuladung problemlos machbar. Bei 90 Kilometer Strecke hin und zurück kann ich auch kleine Umwege in Kauf nehmen. Bloß das Laden ist eine Herausforderung. Um nicht stundenlange Wartezeiten an der heimischen Steckdose in Kauf zu nehmen, bin ich auf öffentliche Ladestationen angewiesen. In meiner Heimatstadt gibt es davon ganze vier Stück – und die sind oft belegt. Also doch zu Hause per Schuko-Adapter laden. Und das dauert. Rund 18 Stunden bis der Akku des Elektroautos wieder die volle Kapazität hat. Der Grund: Eine typische Haushaltsleitung ist nicht für die hohe Stromlast beim Laden ausgelegt. Die Elektronik des Ladegeräts regelt auf haushaltstypische Ströme herunter, damit die Leitung nicht überlastet wird. Die Lösung: Wer künftig auf einen reinen Stromer setzen möchte, sollte zusätzlich in eine Wallbox investieren. Das Laden geht hiermit deutlich schneller und sicherer vonstatten. Mieter brauchen hier allerdings das Einverständnis des Vermieters – wenn eine Installation überhaupt möglich ist.

Elektrisch, stressfrei und gemütlich

E-Auto Display
Das Display an einer E-Ladesäule ∙ © ADAC Hessen-Thüringen

Wer die angezeigte Reichweite beim E-Auto auch wirklich fahren will, muss den rechten Fuß zügeln. Zwar schafft das Fahrzeug problemlos 150 km/h (dann riegelt die Elektronik ab), ich kann aber förmlich zusehen, wie die Kapazitätsanzeige auf dem Display in die Tiefe rauscht. Entspannter geht es sowieso im Stadtverkehr und auf der Landstraße. Das Fahrzeug fällt positiv auf, erzeugt keine lokalen Emissionen und genießt beim Parken auf speziell ausgewiesen Parkplätzen Vorrang. Längere Strecken muss ich mit dem Elektroauto jedoch ein wenig planen. Mithilfe einer App kann ich mir die nächsten verfügbaren Ladestationen anzeigen lassen. Dort sehe ich ob diese frei ist, welche Ladekapazität diese hat und welcher Steckertyp verwendet wird.

Mangelnde Preistransparenz beim Laden

E-Auto in Parkbucht
Das E-Auto an einer öffentlichen Ladestation: Die Preisanzeige ist auf den ersten Blick nicht sichtbar. ∙ © ADAC Hessen-Thüringen

Was ich nicht sehe – die Kosten. Hierfür muss ich mich schon direkt an der Ladesäule schlau machen. Zwar habe ich eine Ladekarte gestellt bekommen, die Kosten sind jedoch nicht sofort einsehbar. Hier müssen die Anbieter noch nachlegen – kein Vergleich jedenfalls zu den großformatigen Preisschildern an jeder Tankstelle. Zudem haben Verbraucher es oft schwer, sich im Tarifdschungel zurechtzufinden. Fixpreise, Minutenpreise oder Bezahlung nach Verbrauch. Hier muss dringend ein einheitliches System her. Auf langen Fahrten sind Schnellladestationen praktisch, die mit 100 Kilowatt und mehr den Akku druckbetanken. Innerhalb von 20 Minuten kann es weiter gehen; die Kosten sind aber deutlich höher, als bei herkömmlichen Ladestationen.

Fazit: Ein Elektroauto hat Vorteile

Nach zwei Wochen gebe ich den Mini wieder ab. Im Alltag hat mir vor allem der für eine vierköpfige Familie mangelnde Platz zu schaffen gemacht. Aber das liegt am Autotyp und nicht an der Antriebsart. Um die Frage vieler Leser zu beantworten: Ja, ich würde mir ein reines Elektroauto anschaffen. Dank Fördergeldern und geringen Wartungskosten, ist dieses meist günstiger als ein vergleichbarer Verbrenner. Mit Kapazitäten von 300 bis 400 Kilometern sind nahezu sämtliche Strecken im Alltag zu bewältigen. Trotzdem: Langstreckenfahrer werden nach wie vor auf den sparsamen Diesel setzen. Und auch andere Antriebe sind noch in der Entwicklung. Es bleibt also spannend.

Weitere Infos zu Elektromobilität und E-Autos lesen Sie hier.

Oliver Reidegeld
Redakteur ADAC Hessen-Thüringen
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