Vorschriften für Straßen und Verkehrssituationen

Illegale Autorennen

13.3.2018

Seit 2017 gelten illegale Autorennen als Straftat und nicht mehr als Ordnungswidrigkeit. Wir erklären, was als illegales Autorennen zählt und welche Strafen drohen.

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Immer wieder sind Raser innerorts mit bis zu 150 km/h unterwegs. Damit gefährden sie nicht nur sich selbst. 
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Illegale Autorennen: Gesetzliche Regelungen

Illegale Autorennen können verschiedene Formen haben:

  • Unerlaubtes gegeneinander Fahren auf einer längeren Strecke
  • Beschleunigungsrennen von Ampel zu Ampel
  • Rennen alleine gegen die Uhr


Grundsätzlich gilt: Wer aufgrund eines illegalen Autorennens verurteilt wird, dem wird in der Regel die Fahrerlaubnis entzogen. Zudem kann auch das Tatfahrzeug eingezogen werden.

Eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahre oder eine Geldstrafe drohen, wenn jemand

  • ein illegales Autorennen ausrichtet oder durchführt,
  • daran teilnimmt oder 
  • mit nicht angepasster Geschwindigkeit grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen.

 

Wer dabei andere Menschen oder Gegenstände von bedeutendem Wert gefährdet, muss bei fahrlässiger Begehung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Handelt derjenige vorsätzlich, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.

Werden dabei Menschen getötet oder schwer verletzt, beträgt die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre.

Wie die gesetzliche Regelung in der Praxis umgesetzt wird, wird sich erst bei konkreten Urteilen zeigen. 

Lesen Sie hier das Urteil des Kammergerichts Berlin: Autofahrer vergleichen die Beschleunigung ihrer Fahrzeuge.

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Im Einsatz gegen illegale Autorennen

Rennstrecke: Der Zittauer Ring führt als Einbahnstraße rund um die Altstadt

Immer wieder sterben unbeteiligte Passanten oder Autofahrer, weil Halbstarke sich in Köln, Stuttgart oder München illegale Autorennen liefern. Im sächsischen Zittau wird der Stadtring als Rennstrecke missbraucht. Jetzt greift die Polizei durch: Mit verstärkten Kontrollen will sie diesem Wahnsinn ein Ende setzen. Ein Besuch bei den Einsatzkräften.

Freitagabend am Zittauer Stadtring: Es sind dieselben Autos, die immer wieder ihre Runden drehen. Laut röhren die Wagen auf, wenn die Fahrer Gas geben. An roten Ampeln und den beiden fest installierten Radargeräten bremsen sie ab, um anschließend wieder zu beschleunigen. Hinter dem Steuer sitzen junge Männer, sie fühlen sich unbeobachtet. "Permanente Kontrollen sollen den Rasern die Lust nehmen, die Innenstadt als illegale Rennstrecke zu benutzen", sagt Polizeidirektor Carsten Weber.

Die SoKo Ringraser wurde 2017 gegründet

Der Leiter des Polizeireviers Zittau-Oberland bespricht mit einigen Kollegen, verdeckten Ermittlern und Mitarbeitern der Bußgeldstelle den Ablauf der Aktion, die gleich beginnen soll. Seit Mitte 2017 nimmt die Ermittlungsgruppe "Ringraser" die Adrenalinjunkies in der Stadt am Dreiländereck verstärkt ins Visier. Denn immer wieder haben sich die Anwohner beschwert. "Bei gutem Wetter gibt es vor allem in den Abend- und Nachtstunden Klagen über übermäßigen Lärm, wenn Fahrzeuge mit Vollgas um die Stadt fahren", sagt Polizeioberkommissar Kai Schöne.

Ein Polizeibeamter im verdeckten Einsatz.

Im Visier: Adrenalinjunkies im Auto

Zuerst verlassen Zivilpolizisten die Dienststelle. Über Funk bleibt sie mit den Kollegen in Kontakt. Landkreismitarbeiter Martin Petters baut in einer Toreinfahrt des Reviers seine Radarfalle auf. Er stellt den Blitzer so ein, dass die Sensorik bei 84 Kilometern pro Stunde auslöst – ohne Blitz, um nicht aufzufallen. Hier sind 50 km/h erlaubt. "Manche fahren dreimal schneller", erklärt Polizeisprecher Thomas Knaup. Mit dem Abzug einer Toleranz geht es um jene, die um mindestens 31 km/h zu schnell unterwegs sind. Das heißt dann: ein Monat Fahrverbot, 160 Euro Bußgeld und zwei Punkte in Flensburg.

Die jungen Männer treffen sich an der Tanke

Das Funkgerät rauscht. Die Zivilstreife hat drei einschlägig bekannte Fahrzeuge an einer Innenstadt-Tankstelle entdeckt. Sie ist ein beliebter Treffpunkt für die Jugendlichen, von dort starten sie häufig zur Protzfahrt auf dem Ring. Bisher sind die Rennen ohne Verletzte und Sachschäden ausgegangen. Doch das muss nicht so bleiben. Außerdem "geht es um das Sicherheitsgefühl in Zittau", sagt Stadtsprecher Kai Grebasch.

Bei der letzten Geschwindigkeitskontrolle gingen der Ermittlungsgruppe drei jugendliche Raser ins Netz. Eine 21-Jährige und ein 24-Jähriger gaben sogar zu, ein Rennen gefahren zu haben. Das hatte Konsequenzen: Ihre Fahrerlaubnis mussten sie sofort abgeben, die Bußgeldbehörde verhängte ein einmonatiges Fahrverbot, 400 Euro Strafe und zwei Punkte. Etwaigen Nachahmern solle die rote Linie klar aufgezeigt werden, sagt Polizeisprecher Knaup. Seine "Zielgruppe" ist jung: Die meisten der Zittauer Raser haben ihre Fahrerlaubnis erst seit Kurzem in der Tasche.

Versteckt beobachten die Ermittler das Geschehen auf dem Ring.

In der Szene warnt man sich gegenseitig

In seinem Funkgerät knirscht es. Die "Petzen" – so nennen die Kollegen die Zivilfahnder humorvoll – melden, dass die Fahrzeuge losfahren. Die Autos umkreisen gemächlich den Ring. "Ich vergleiche Polizeiarbeit mit Angeln. Man muss Geduld haben, dann warten, und manchmal beißt einer an", sagt Polizeidirektor Carsten Weber beim Messstand in der Toreinfahrt des Polizeireviers.

Wer an dieser Stelle auffällt, kommt nicht weit. Auch etwa 200 Meter entfernt, in der nächsten Toreinfahrt, stehen Polizisten."Wir wissen, wer in den Autos sitzt", sagt Polizeikommissar Sebastian Kießling. Doch um den Tätern ein illegales Rennen nachzuweisen, reicht das Foto des Blitzers nicht. "Vor Gericht braucht es Beweise", sagt Polizeisprecher Knaup.

Aus diesem Grund haben sich die Zittauer Kollegen in dieser Nacht die Autobahnpolizei mit ihrem Videomessfahrzeug ins Boot geholt. Mit Front- und Heckkameras zeichnet der Škoda Verkehrsverstöße auf. Für Polizeihauptmeister Frank Scheibe und seinen Kollegen bleibt der Abend ruhig. Anscheinend hält das schlechte Wetter die Raser vom Gasgeben ab. Oder der Polizeieinsatz ist aufgeflogen. "Wir wissen, dass die Raser vor den illegalen Rennen Aufklärungsrunden drehen, um zu prüfen, ob Einsatzkräfte unterwegs sind", sagt Kai Schöne.

Gegen ein Uhr endet an der zweispurigen Einbahnstraße die Aktion. "Die Kontrollen und die Strafen sprechen sich herum. In den sozialen Netzwerken wird manche Stimme leiser", sagt Knaup. Sein Funkgerät krächzt ein letztes Mal, die Kollegen melden ihre Rückkehr ins Revier. Bald werden sie wieder die Leine nach den Ringrasern auswerfen. 

Text: Miriam Schönbach. Fotos: Jürgen Lösel. (acfo)