Fahrerflucht oder Unfallflucht – welche Folgen ein Kratzer haben kann

14.8.2019

Ein Zettel an der Windschutzscheibe reicht nicht, wenn man ein anderes Auto angerempelt hat. Wer nach einem Parkrempler wegfährt, begeht Unfallflucht, im Volksmund auch Fahrerflucht genannt. Eine Straftat mit drastischen Folgen: Geldstrafe, Punkte, Fahrverbot oder sogar Führerscheinentzug. 

Auto mit abgefahrenem Außenspiegel nach Unfallflucht
Foto: ©iStock.com/Alex

Wer einfach wegfährt, ohne den Schaden zu melden, begeht eine Straftat

Nur ein bisschen verschätzt, das andere Auto wird leicht berührt – ein paar Kratzer an der Seite. Der Fahrer hat es aber eilig. Also klemmt er einen Zettel mit einer Entschuldigung und seiner Telefonnummer hinter den Scheibenwischer und fährt weg. Gut gemeint, aber völlig falsch. Wer nicht auf den Geschädigten wartet oder die Polizei ruft begeht unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. Und damit eine Straftat nach § 142 Strafgesetzbuch (StGB).

Typische Fälle der Unfallflucht mit Sachschaden sind in der Praxis Parkrempler oder abgefahrene Seitenspiegel. Wer den Schaden angerichtet hat, meldet sich bei der Polizei. Dann wird die Angelegenheit wie ein normaler Verkehrsunfall behandelt. Hier gibt es in der Regel eine mündliche Verwarnung oder ein Bußgeld.

Wer nach dem Unfall einfach verschwindet, bekommt mindestens zwei Punkte

Ganz anders sieht die Sache aus, wenn sich der Fahrer aus dem Staub macht und ermittelt wird: Je nach Schadenshöhe drohen bei Unfallflucht neben einer Geldstrafe mindestens zwei Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg, ein Fahrverbot oder sogar die Entziehung der Fahrerlaubnis nicht unter sechs Monaten.

Bei kaum einem Verkehrsdelikt ist die Unwissenheit größer: Viele glauben, dass der Zettel oder die Visitenkarte an der Scheibe genügt. Wieder andere Fahrer bagatellisieren den Schaden nach dem Motto "es war doch nur ein kleiner Kratzer". Und schließlich gebe es diejenigen, die nicht bemerkt haben wollen, dass sie ein Auto angefahren haben.

Kfz-Haftpflicht holt sich das Geld vom Verursacher zurück

Folgen von Unfallflucht: Neben Geldstrafe, Punkten, Fahrverbot oder Führerscheinentzug droht Ärger mit der Versicherung. Die Kfz-Haftpflicht zahlt zwar zunächst den Schaden des anderen, aber sie holt sich das Geld bis zu einer Höhe von 5000 Euro bzw. bis zu € 10.000,- bei zusätzlich festgestelltem Alkoholeinfluss vom Verursacher zurück. 

Außerdem müsse der Unfallflüchtige für seinen Schaden selbst aufkommen. Denn die Kasko-Versicherung streicht meistens die Leistung komplett. Das darf die Versicherung oft auch dann, wenn das Verfahren wegen geringer Schuld gegen Geldauflage eingestellt wird. 

Unfallopfer bleiben oft auf dem Schaden sitzen, wenn der Verursacher nicht auffindbar ist

Wenn der Täter nicht erwischt wird, kann es für die Opfer teuer werden. Sie bleiben oft auf ihrem Schaden sitzen. Denn hier springt nur eine Vollkasko-Versicherung ein. Allerdings abzüglich der Selbstbeteiligung. Und beim Schadensfreiheitsrabatt werden auch die Opfer zurückgestuft.

Fazit: Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat mit großen Auswirkungen.


Text: Juristische Zentrale