ADAC Pannenstatistik 2018

19.4.2018

Alle acht Sekunden rückten die Gelben Engel im vergangenen Jahr aus, um Pannenhilfe zu leisten. Welche Modelle am häufigsten liegen geblieben sind und welche Bauteile am meisten betroffen waren, verrät die aktuelle ADAC Pannenstatistik

Illustration zur ADAC Pannenstatistik 2018

Können Sie sich noch an Montag, den 23. Januar 2017, erinnern? Im besten Fall haben Sie vor dem wohlig warmen Kachelofen ein Buch gelesen oder aus dem Fenster gesehen und die frostige Winterlandschaft betrachtet. Wenn Sie Pech hatten, saßen Sie aber zähneklappernd in Ihrem Auto und haben vergeblich versucht, den Motor zu starten.

Falls Ihr Anlasser streikte, waren Sie damit nicht allein. Denn der Wintereinbruch bei eiskalten minus 18 Grad versetzte vielen älteren Batterien den Todesstoß. An diesem Rekordtag mussten die Gelben Engel und ihre Mobilitätspartner exakt 21.943-mal ausrücken, um stromlosen oder liegen gebliebenen Mitgliedern zu helfen. Im gesamten Jahr waren es rund vier Millionen Einsätze. Insgesamt kamen die 1762 Gelben Engel so im letzten Jahr auf 53,9 Millionen Kilometer. Gäbe es eine Straße bis zum Mond, wären die Pannenhelfer 70-mal hin- und wieder zurückgefahren.

So beeindruckend die Zahlen auch sind: Interessant ist natürlich, welche Modelle besonders häufig liegen geblieben sind – und warum. Hauptsorgenkinder waren in diesem Jahr wieder die Batterien: Knapp 40 Prozent aller Pannen wurden von leeren oder defekten Akkus ausgelöst. Zwar halten Batterien im Schnitt fünf bis sechs Jahre, aber auch jüngere Modelle machen oft schlapp, weil viele elektrische Verbraucher Energie saugen oder das Batteriemanagement unzureichend ausgelegt ist. Doch manche Hersteller haben dieses Problem eben besser im Griff als andere.

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Die häufigsten Pannenursachen

Grafik zu den Pannenursachen 2017

Schlappe Akkus und Defekte am Motor (Einspritzung, Zündung, Sensoren) sorgten für die meisten Einsätze. Die Grafik zeigt den Anteil der Pannenursachen in Prozent (gerundet).

Die Autos in Deutschland sind im Schnitt 9,4 Jahre alt

Grundsätzlich gilt: je älter das Auto, desto höher das Pannenrisiko. Durchschnittlich haben Pkw in Deutschland 9,4 Jahre auf dem Buckel. Liegt die Pannenwahrscheinlichkeit bei einem drei Jahre alten Auto noch bei 1,7 Prozent, steigt sie nach 13 Jahren auf 7,1 Prozent. Erst ab dem Youngtimer-Alter (20 Jahre) sinkt die Pannenzahl wieder, weil die alten Schätzchen besser gepflegt und weniger gefahren werden.

Auffällig: Wie bereits im letzten Jahr kommen relativ viele Pannen auf Fahrzeuge aus dem Erstzulassungsjahr 2009 – das Jahr der Abwrackprämie. Ein möglicher Grund: Damals wurden viele Kleinwagen gekauft, die aus Sparsamkeitsgründen weniger häufig zum Kundendienst gebracht wurden als teurere Fahrzeuge. Aber natürlich gibt es auch bei denen zuverlässige Autos, wie die baugleichen Trios Toyota Aygo / Citroën C1 / Peugeot 107 und VW up! / Seat Mii / Škoda Citigo zeigen. In der Tabelle unten sehen Sie, welche Modelle in den einzelnen Fahrzeugklassen besonders zuverlässig und welche  pannenanfällig waren.

Hier finden Sie die ausführliche ADAC Pannenstatistik 2018 mit allen Details für insgesamt 112 Modelle von 25 Marken.

Tops und Flops des Jahres

Klasse Tops *
Flops **
Kleinstwagen


Chevrolet Spark

Citroën C1

Opel Agila

Peugeot 107

Seat Mii

Škoda Citigo

Toyota Aygo

VW Fox

Fiat 500 (2014)

Fiat Panda (2011-13)

Smart fortwo (2015)

Kleinwagen

Mitsubishi Colt in silber steht auf Parkplatz.

Audi A1

Ford Fusion

Mazda 2

BMW Mini

Mitsubishi Colt

Mitsubishi Space Star

Opel Mokka

Toyota Yaris

Hyundai i20 (2011-14)

Dacia Sandero (2013)

Untere Mittelklasse

Roter 1er BMW fährt an Glasfassade vorbei.

Audi A3

Audi Q3

BMW 1er

BMW 2er

BMW X1

Mazda CX-5

Mercedes A-Klasse

Mercedes B-Klasse

Mercedes CLA-Klasse

Mercedes GLA-Klasse

Mitsubishi ASX

Škoda Rapid

Toyota Auris

VW Beetle

Citroën Berlingo (2010, 12)

Dacia Logan (2013)

Ford Kuga (2010-11)

Honda Civic (2011)

Hyundai i30 (2008-09)

Kia Cee'd (2009, 11-12)

Mazda 3 (2012)

Nissan Qashqai (2014-15)

Peugeot 308 (2010-11)

Renault Scénic (2015)

Mittelklasse

Blauer Audi Q5 fährt durch Wüste.

Audi A4

Audi A5

Audi Q5

BMW 3er

BMW 4er

Ford Mondeo (2008, 10)

Ford S-Max (2008-09, 15)

Opel Insignia (2013-15)

Obere Mittelklasse

Blauer Audi A6 steht auf Asphalt.

Audi A6

BMW 5er

Mercedes E-Klasse (2009)

Kleinbusse

Silberner Ford Transit steht vor der Allianz Arena.

Kein Fahrzeug
Fiat Ducato (2014)

* Modelle, deren Pannenkennziffer in allen Jahren relativ niedrig und gut waren
** Modelle, deren Pannenkennziffer in mindestens einem Jahr relativ hoch, also schlecht waren

Anhand der Pannenstatistik lässt sich auch ein Problem klären, das in diversen Internetforen heiß diskutiert wird: Bleiben VW-Schummeldiesel (besonders oft wird der Golf VI genannt), die zur Nachrüstung mit den Software-Updates in der Werkstatt waren, häufiger liegen? Tatsächlich könnte ein schneller Blick in die ADAC Pannenstatistik diese Vermutung bestätigen, denn Pannen mit der Abgasrückführungsanlage (AGR) sind beim Golf VI im Jahr 2017 signifikant angestiegen.

Doch das genauere Hinsehen auf die Pannenhistorie beweist: Der EA189-Diesel hat dieses Problem vor allem im 1.6-l-Golf schon viel länger. Bereits bevor Mitte 2016 damit begonnen wurde, das Software-Update aufzuspielen, fielen die Pannenzahlen wegen defekter AGR-Ventile unverhältnismäßig hoch aus. Die AGR-Ventile in dem VW-Motor waren wenig langzeittauglich und erreichen deshalb jetzt als Verschleißteile das Ende ihrer Lebenszeit.

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Probleme mit der Abgasrückführung

Die Grafik zeigt, wie sich die Anzahl der Pannen wegen des Abgasrückführungssystems entwickelt hat

Bei Golf VI und Opel Zafira häufen sich Pannen wegen der Abgasrückführung. Gut dagegen die Mercedes A-Klasse. Die Grafik zeigt den Anteil der AGR-Pannen an allen Pannen in Prozent.

Ein reines VW-Thema sind mangelhafte Abgasrückführungsanlagen ohnehin nicht. Auch bei Dieselmotoren von Opel im Astra J oder dem Zafira der zweiten Generation häufen sich im Alter die AGR-Pannen. Dass es auch besser geht, zeigen problemlose Mercedes-Motoren oder das Nachfolgemodell Golf VII, deren Systeme praktisch keine Auffälligkeiten haben. Es lohnt sich also, zweimal hinzuschauen.

 

Text: Jochen Wieler. Fotos: Martin Hangen, PR. Illustrationen: Totto Renna. (acfo)

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