Mitsubishi L200: Testfahrt im überarbeiteten Pick-up

28.8.2019

Der neue Mitsubishi L200 kostet mindestens 29.690 Euro und damit 2500 Euro mehr als sein Vorgänger. Kann der Pick-up dann auch mehr? Testfahrt, Daten, Bilder.

Mitsubishi L200 Wagen in Orangerot im Gelände
Mitsubishi L200: Bulliges Arbeitstier mit kantiger Front und großer Ladepritsche
  • Kein Blender: Der L200 bleibt ein Arbeitstier mit Allradantrieb
  • Neuer Dieselmotor mit 150 PS erfüllt Euro 6d-TEMP
  • Neues Assistenzsystem: Übersieht der Fahrer einen Poller, fährt der L200 nicht los

 

Wo hört alt auf, wo fängt neu an? Für Mitsubishi ist der Fall klar, die Verantwortlichen sprechen stolz vom neuen L200. Schließlich seien 51 Prozent des Pick-ups, der in diesen Tagen zu den Händlern rollt, neu. Heißt im Umkehrschluss aber: Fast die Hälfte ist noch alt.

Immerhin: Bei der Überarbeitung hat sich Mitsubishi nicht nur auf die übliche Facelift-Kosmetik beschränkt, sondern auch in die Technik eingegriffen. Das merkt man auch am Preis: Der aktualisierte L200 kostet mindestens 29.690 Euro und damit 2.500 Euro mehr als sein Vorgänger.

 

Es gibt keinen Einzelkabiner mehr

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Mitsubishi L200 Double Cab seitlich
5,30 Meter Länge für hohen Nutzwert 

Zu haben ist der L200 weiterhin als Club Cab mit einer halben Fondtür und zwei hinteren Notsitzen oder für 1800 Euro Aufpreis als vollwertiger Viertürer und Fünfsitzer Double Cab, wobei die Rückbank mit der steilen Lehne auch hier besser als Ablage zu gebrauchen ist; die Einzelkabine ganz ohne Rückbank ist aus dem Programm geflogen.

Die Gesamtlänge ändert sich durch die Kabinenwahl nicht, der Mitsubishi misst immer stolze 5,30 Meter, was die Parkplatzsuche in der Stadt nicht gerade einfach macht. Allerdings variiert die Ladefläche zwischen 1,85 und 1,52 Metern. Die maximale Ladebreite liegt bei 1,47 Metern.

An der Ladefläche selbst konnten die Designer nicht viel feilen, also haben sie sich umso intensiver um die Front gekümmert: Die Motorhaubenkante ist vier Zentimeter höher geworden, dadurch wirkt der Pick-up bulliger. Und er orientiert sich jetzt am Design seiner Geschwister ASX, Eclipse Cross und Outlander. Verglichen mit dem rundlichen Vorgänger sieht der Japaner jetzt deutlich lifestyliger aus.

Arbeitstier mit Leiterrahmen und Blattfedern

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Mitsubishi L200 Wagen in Orangerot Dashboard
Mitsubishi L200: Viel hartes Plastik im Innenraum

Das allerdings war nicht das vorrangige Entwicklungsziel, denn der L200 will weiterhin kein Abenteuer-Accessoire für Stadtbewohner sein, sondern ein echtes Arbeitstier. Das merkt man unter anderem dem Innenraum an, der zwar mit neuen Instrumenten aufwartet und mit einem zeitgemäßen Smartphone-Anschluss bestückt werden kann, aber in Sachen Gestaltung (klobige Schalter), Materialauswahl (viel Hartplastik) und Wohlfühl-Ambiente nicht an Pick-up-Beaus wie Mercedes X-Klasse oder VW Amarok herankommt.

Und die Sitze sind zwar neu, doch schon nach wenigen Kilometern merkt man, dass sie nicht für die Langstrecke gemacht sind.

Auch der robuste Unterbau eignet sich eher für Einsätze auf der Baustelle, im Wald oder am Strand statt für die Fahrt von Flensburg nach Oberammergau. Nach wie vor setzt Mitsubishi auf Leiterrahmen und Blattfedern, allerdings gönnen die Ingenieure dem Pick-up an der Hinterachse jetzt eine Feder mehr. Zusammen mit der erhöhten Federrate vorne und einer insgesamt steiferen Karosserie liegt der Mitsubishi nun zumindest einen Hauch verbindlicher auf der Straße, über Trambahnschienen und Schlaglöcher hoppelt er aber wie gehabt ziemlich ruppig.

Geblieben sind an der Hinterachse die Trommelbremsen, dafür wurden die Scheiben vorn vergrößert. Schließlich müssen unbeladen schon knapp zwei Tonnen Gewicht in Zaum gehalten werden.

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Der 150-PS-Diesel verbraucht knapp 10 Liter

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Mitsubishi L200 Wagen in Orangerot Heck
Große Bodenfreiheit: Der L200 braucht Gelände nicht zu scheuen

Für den Antrieb des L200 sorgt ein neuer 6d-TEMP-Diesel mit 2,3 statt bisher 2,4 Liter Hubraum. Das bisherige Aggregat war wahlweise mit 154 PS oder 181 PS zu haben, der neue fährt zunächst immer mit 110 kW/150 PS vor. Das reicht, um den L200 für seine Einsatzzwecke ordnungsgemäß zu bewegen; kaum ein Handwerker wird schließlich mit voll beladener Ladefläche einen Kavalierstart an der Ampel hinlegen oder schneller als 174 km/h fahren wollen.

Dass der laut knurrende Vierzylinder einen kräftigen Tritt aufs Gas benötigt, ehe er seine komplette Kraft von 400 Newtonmeter bereitstellt, ist verschmerzbar, der Verbrauch auf unserer ersten Testrunde von knapp zehn Litern leider nicht unüblich. Verwaltet wird das Drehmoment beim Club Cab immer händisch, für die Doppelkabine steht eine Sechsgang-Automatik zur Wahl.

Der Trumpf im Ärmel des L200 ist nach wie vor der Allradantrieb. Bei der Basis-Version muss dieser noch zugeschaltet werden, doch bieten die Japaner ab der zweiten Ausstattung (ab 34.890 Euro) auch einen permanenten Allradantrieb an. Vorteil: Anders als bei den günstigeren Zuschaltsystemen kommt es damit bei Kurvenfahrten nicht zu Verspannungen im Antriebsstrang.

 
Technische Daten (Herstellerangaben) Mitsubishi L200
Motor 2,3-Liter-Turbodiesel, 110 kW/150 PS, 400 Nm bei 1750 U/min
Fahrleistungen 0–100 km/h: k. A., Spitze 174 km/h
Verbrauch 9,7 l Diesel/100 km; 254 g CO2/km
Maße L 5,30 / B 1,82 / H 1,78 m, Radstand 3,00 m
Preis ab 29.650 Euro

 

Um abseits des Geländes trotzdem etwas Sprit sparen zu können, lässt sich der Antrieb der Vorderräder per Drehregler abschalten. Mit dem Permanent-Allrad bekommt der Double-Cab-L200 eine Geländeuntersetzung und spezielle Offroad-Fahrmodi. Für beide Antriebs-Versionen steht eine 100-Prozent-Sperre für die Hinterachse zur Verfügung.

Erkennt der L200 einen Poller, fährt er nicht los

So ausgerüstet lässt sich mit dem L200 tatsächlich ziemlich unwegsames Gelände erobern. Weil der Weg dorthin aber meist über normale Straßen führt, haben die Japaner bei den Onroad-Assistenzsystemen nachgebessert: Totwinkel- und Querverkehr-Warner überwachen das Umfeld, und der Notbremsassistent greift ein, ehe es kracht.

Ganz neu ist das "Ultrasonic Misacceleration Mitigation System", zu Deutsch: die Fehlbeschleunigungs-Verhinderung. Erkennt der L200 beim Anfahren, egal ob vorwärts oder rückwärts, ein Hindernis – zum Beispiel einen großen Stein oder einen Poller auf dem Parkplatz –, fährt er nicht los. Gut: Das System lässt sich bei Bedarf abschalten, sonst könnte im Gelände das Weiterkommen mitunter ziemlich schwer werden.

 

Text: Michael Gebhardt/SP-X. Fotos: Mitsubishi Motors.

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