Erste Testfahrt im Audi A8 mit Staupilot-Funktion

30.4.2019

Der neue Audi A8 ist das erste Serienfahrzeug, das „Level 3“ des automatisierten Fahrens bietet. Das Problem: Er darf es noch nicht. Der ADAC hat den Audi A8 getestet. Plus: Bilder, Daten, Testergebnisse

  • Der Audi A8 ist das erste Auto, das hochautomatisiert nach Level 3 fahren kann
  • Testverbrauch des 286 PS starken A8 50 TDI: 7,3 l Diesel/100 km
  • Viel Platz im edlen Innenraum; nur noch digitale Instrumente

 

Am Nachmittag sind wir mit dem neuen Audi A8 unterwegs auf der Autobahn. Es herrscht zähflüssiger Verkehr, das ist ganz schön nervig. Doch dann erscheint im Display der Hinweis: "Staupilot verfügbar". Jetzt kann es losgehen. Alle Rahmenbedingungen passen, und der Audi traut sich zu, allein weiterzufahren. Für den Mann (oder die Frau) hinter dem Steuer heißt das: Er muss nur noch die „AI“-Taste im Armaturenbrett drücken und kann entspannt die Hände in den Schoß legen.

Und tatsächlich – der Audi A8 hält den Abstand zum Vordermann, lenkt, bremst und beschleunigt automatisch. Der Fahrer kann sich derweil einen Film ansehen, E-Mails beantworten oder am Entertainmentsystem herumspielen.

Was sein Auto macht, braucht er nicht zu überwachen. Das ist der große Unterschied zu den bisherigen – teilautomatisierten – Systemen, die schon nach wenigen Sekunden darauf bestehen, dass die Hände wieder ans Lenkrad müssen.

Bei zähflüssigem Verkehr wird der Staupilot aktiv

Der neue A8 gilt als das erste Auto weltweit, das hochautomatisiert nach Level 3 fahren kann und somit der Konkurrenz ein Stück voraus ist. Und das – so ist unser Eindruck – macht er auch recht gut. Ist das der Durchbruch zum autonomen Fahren?

Nein, aber ein erster Schritt. Der Automatikmodus funktioniert ausschließlich unter bestimmten Bedingungen: nur auf der Autobahn und nur bei zähflüssigem Verkehr unter 60 km/h bzw. bei Stau. Daher heißt das System auch Staupilot. Passen alle Voraussetzungen, bietet das Fahrzeug von sich aus an, das Steuer zu übernehmen.

Löst sich der Stau auf, wird der Fahrer aufgefordert, wieder selbst zu fahren. Erst über einen Warnton und Hinweise im Display, dann deutlich spürbarer mit einem Bremsruck: Zehn Sekunden bleiben dem Fahrer insgesamt, um den Computer abzulösen. Tut er das nicht, geht das System davon aus, dass der Fahrer dazu nicht in der Lage ist – der A8 bleibt mit Warnblinkanlage stehen und setzt einen Notruf ab.

Das Gesetzt lässt das System noch nicht zu

So schön sich das anhört: Kaufen kann man den Staupiloten noch nicht. Zwar erlaubt das deutsche Straßenverkehrsgesetz mittlerweile hochautomatisiertes Fahren, doch das europäische Zulassungsrecht hinkt hinterher. Es regelt, wie ein Auto technisch beschaffen sein muss. Momentan darf der Computer nur bis 10 km/h komplett ans Steuer. Erst wenn die EU-Vorgabe steht, kann Audi das System anbieten. Doch das dürfte noch länger dauern.
    
Bis dahin kann sich der betuchte Besitzer ganz altmodisch chauffieren lassen – mit echtem Fahrer an Bord. Dafür bietet die Oberklasselimousine ideale Extras: In der 5,30-Meter-Langversion lassen sich rechts hinten bequem die Füße hochlegen. Aus dem Vordersitz klappt eine kleine Bank aus, die die Füße massiert und wärmt. Mit elektrisch verstellbaren Einzelsitzen hinten, zwei herausnehmbaren Tablets, edlem Holz und Leder kann der Fond zur Luxuslounge ausgebaut werden – vorausgesetzt man hat das nötige Kleingeld und will rund 12.000 € extra investieren. Wie bei Audi üblich, kostet das meiste, was schön und interessant ist, saftige Aufpreise. Und das bei einem Grundpreis von 93.550 € für die Standardversion. Die lange Variante A8 L gibt es ab 97.050 Euro.

Audi verspricht tolle Extras – nur wo sind sie?

Davon abgesehen gibt der neue A8 die perfekte Luxuslimousine. In der vierten Generation ist er zum rollenden Salon mutiert, der nun sanfter federt, die Geräusche gekonnt filtert und sich mit Allradlenkung überraschend handlich dirigieren lässt. Außerdem ist er Audis erstes Modell, das vorwiegend über Touchscreens bedient wird. Der bisherige Dreh-Drück-Steller wurde ausgemustert.

Dennoch ist der A8 offensichtlich noch nicht ganz fertig entwickelt. Einige interessante Extras wurden schon zum Verkaufsstart 2017 angekündigt, sind aber immer noch nicht lieferbar. Der A8 soll Parkrempler vermeiden, indem er automatisch bremst oder um einen übersehenen Poller herumlenkt.

Außerdem soll er sich von außen via Handy starten und fernbedient in die Garage zirkeln lassen. Auch einen bequemeren Einstieg ermöglicht das Oberklassemodell erst im nächsten Jahr, indem es beim Öffnen der Tür die Karosserie um ein paar Zentimeter anhebt.

Schade, denn genau solche Innovationen machen den Pfiff einer Luxuslimousine aus. Auch die Auswahl der Motoren ist mit einem Diesel (286 PS) und einem Benziner (340 PS) noch immer sehr eingeschränkt.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Audi A8 50 TDI quattro tiptronic.

Technische Daten (Herstellerangaben) Audi A8 50 TDI quattro (getestete Version) Audi A8 55 TFSI quattro
Motor  Sechszylinder-Turbodiesel, 2967 cm3, 210 kW/286 PS, 600 Nm bei 1250 U/min
Sechszylinder-Turbobenziner, 2995 cm3, 250 kW/340 PS, 500 Nm bei 1370 U/min
Fahrleistungen
5,9 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze 5,6 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze
Verbrauch  5,6 l Diesel/100 km, 148 g CO2/km
7,8 l Super/100 km, 177 CO2/km
Maße  L 5,17 / B 1,95 / H 1,47 m
L 5,17 / B 1,95 / H 1,47 m
Kofferraum  505 l  505 l 
Leergewicht 2050 kg 2005 kg
Preis 93.550 € 95.150 €

ADAC Messwerte (Auszug) A8 50 TDI quattro tiptronic
Überholvorgang 60-100 km/h 3,8 s 
Bremsweg aus 100 km/h 33,2 m 
Wendekreis 11,6 m                    
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest 7,3 l Diesel/100 km , 229 g CO2/km (well-to-wheel) 
Reichweite 985 km
Innengeräusch bei 130 km/h    62,3 dB (A)                    
Leergewicht / Zuladung 2128 / 562 kg
Kofferraumvolumen  440

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,1
Karosserie/Kofferraum 2,6
Innenraum 1,9
Komfort 1,2
Motor/Antrieb 1,2
Fahreigenschaften 1,7
Sicherheit  1,2
Umwelt/EcoTest 4,0

 

  • Das hat uns gefallen: Vorbildliche Verarbeitungsqualität. Hoher Komfort. 
  • Das hat uns nicht gefallen: Sehr teuer in Anschaffung und Unterhalt. Nur wenig Auswahl bei Motoren. Technische Innovationen noch nicht zu haben
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Die fünf Levels des automatisierten Fahrens im Überblick

Zoom-In
Voraussetzung für automatisiertes Fahren sind Sensoren, Radar und Kameras

Level 0: „Driver only“, der Fahrer fährt selbst, lenkt, gibt Gas, bremst etc.
Level 1: Bestimmte Assistenzsysteme helfen bei der Fahrzeugbedienung (u.a. ACC).
Level 2: Teilautomatisierung. Automatisches Einparken, Spurhaltefunktion, allgemeine Längsführung, beschleunigen, abbremsen etc. werden von den Assistenzsystemen übernommen (u.a. Stauassistent).
Level 3: Hochautomatisierung. Der Fahrer muss das System nicht dauernd überwachen. Das Fahrzeug führt selbstständig Funktionen wie das Auslösen des Blinkers, Spurwechsel und Spurhalten durch. Der Fahrer kann sich anderen Dingen zuwenden, wird aber bei Bedarf innerhalb einer Vorwarnzeit vom System aufgefordert die Führung zu übernehmen. Diese Form der Autonomie ist auf Autobahnen technisch machbar. Der Gesetzgeber arbeitet darauf hin, Level-3-Fahrzeuge zuzulassen. Erste Fahrzeuge dieser Automatisierungsstufe gibt es schon, die Level-3-Funktionen jedoch erst ab 2019 aufgrund fehlender ECE-Homologation.
Level 4: Vollautomatisierung. Die Führung des Fahrzeugs wird dauerhaft vom System übernommen. Werden die Fahraufgaben vom System nicht mehr bewältigt, kann der Fahrer aufgefordert werden, die Führung zu übernehmen.
Level 5: Kein Fahrer erforderlich. Außer dem Festlegen des Ziels und dem Starten des Systems ist kein menschliches Eingreifen erforderlich.

Text: Jochen Wieler. Fotos: Audi AG.

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