Audi A7 Sportback: Erster Fahrbericht

8.2.2018

Mit überraschendem Design unterscheidet sich der neue A7 Sportback deutlich von seinem Vorgänger. Trotz fließender Formen bietet er viel Platz – und hört auch noch aufs Wort. Wie gut er sich im Vergleich zu seinen Rivalen Mercedes CLS Coupé, BMW 6er Gran Coupé und Jaguar XF fährt, zeigt unsere erste Testfahrt in Südafrika. Dazu: technische Daten, Fakten und Preise

Erst kürzlich hat Audi den neuen A8 vorgestellt, eine Oberklasse-Limousine, die alles andere in den Schatten stellt – zumindest theoretisch: Der A8 kann autonom auf Level-3-Niveau fahren, er lässt sich ferngesteuert ein- und ausparken, und Parkrempler sowie verkratzte Räder gehören der Vergangenheit an, weil der Wagen automatisch bremst, wenn man zu eng um die Kurve will oder dem Bordstein zu nahekommt.

In der Praxis allerdings kann das noch kein Kunde nutzen, denn die Funktionen sind entweder nicht serienreif oder der Gesetzgeber hat sie noch nicht freigegeben. Daher gibt es statt der AI-Taste (für artificial intelligence, also künstliche Intelligenz) auf dem Mitteltunnel vorerst nur einen Blindschalter.

Dieses Stück Plastik ohne Funktion hat auch der neue A7 Sportback, denn das elegante, viertürige Coupé wird wie sein Technikspender A8 ebenfalls in die schöne neue Autonomiewelt eintauchen – irgendwann. Und deshalb betont Audi beim A7 lieber das außergewöhnliche Design als Fähigkeiten, die noch nicht erhältlich sind.

Der Audi A7 ist kein bisschen langweilig

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Die fließende Optik erinnert an die Formensprache von Jachten

Wer den Ingolstädtern bisweilen vorgeworfen hat, ihre Modelle seien langweilig und verwechselbar, der hat den neuen A7 Sportback noch nicht gesehen. Der unterscheidet sich sichtbar vom Vorgänger: unter anderem durch die bissigen Matrix-LED-Laserlicht-Scheinwerfer, den tiefgezogenen Single-Frame-Kühlergrill, das geschärfte Blechkleid und das durchgehende Leuchtenband zwischen den Rücklichtern.

Dass er aus der Masse heraussticht, liegt vor allem am Bruch mit der zeitgeistigen Formensprache, den schon die erste Generation gewagt hat. Statt das Heck keilförmig ansteigen zu lassen und dem Fahrzeug die so oft zitierte "Dynamik im Stand“ auf den Leib zu schneidern, wird der 4,97 Meter lange Wagen nach hinten hin eher flacher.

Diese fließende, jachtartige Optik geht erfreulicherweise nicht zu Lasten des Platzangebots: Selbst mit knapp zwei Metern Körpergröße hat man in Reihe zwei genug Raum nach vorn und oben; nur die Lehne der zwei- oder auf Wunsch dreisitzigen Rückbank steht zum entspannten Lümmeln etwas zu aufrecht. Verstellen lässt sie sich nicht, dafür kann das gesamte Möbel flachgelegt werden. So wächst der mit 535 Litern ohnehin stattliche und dank der großen Klappe gut zu beladende Kofferraum auf bis zu 1390 Liter an.

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Der Sportback hört aufs Wort

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Modernste Cockpit-Technik: Keine Tasten mehr, dafür jede Menge Displays

Vom A8 übernommen hat der A7 Sportback das neue Bedienkonzept, das kaum mehr klassische Tasten nutzt und dafür mit drei großen Displays arbeitet. Eins hinterm Lenkrad dient als digitales Kombiinstrument, in der Mittelkonsole thront der klassische Infotainment-Bildschirm, und darunter hat ein weiterer Touchscreen Einzug gehalten, über den unter anderem die Klimaanlage gesteuert wird. Bei Bedarf wird das dritte Display zum Touchpad für die handschriftliche Eingabe eines Navigationsziels.

Alternativ versteht der A7 das gesprochene Wort: Statt vordefinierte Befehle auswendig lernen zu müssen, kann der Fahrer normal mit dem Audi plaudern. Auf den Hinweis "Mir ist kalt“ dreht das System die Temperatur höher, und wer ihm sagt "Ich habe Hunger“ bekommt Vorschläge, welche Restaurants sich in der Nähe befinden.

Damit der Hunger notfalls schnell gestillt werden kann, fährt der Audi zunächst mit zwei recht kräftigen Motorisierungen vor. Als Diesel mit der neuen Bezeichnung 50 TDI (ab 66.300 Euro) und als 55-TFSI-Benziner (ab 67.800 Euro). Der aktuellen Diesel-Kritik kann der Selbstzünder sein Euro-6d-TEMP-Zertifikat entgegenhalten, das ihm niedrige Schadstoffemissionen auch im realen Fahrbetrieb (RDE-Messmethode) bescheinigt.

Allerdings will der Dreiliter-V6 nicht so recht zum Sportback passen. Das liegt weniger an der Kraft – davon ist mit 286 PS und 620 Newtonmeter ausreichend vorhanden –, als vielmehr an der kleinen Gedenksekunde, die sich die Kombination aus Dieselmotor und Achtgang-Automatik gönnt, wenn der Fahrer aufs Gas tritt, um danach umso ruppiger die ganze Power auf die Kurbelwelle zu stemmen. Deutlich harmonischer ist die Kraftentfaltung des ebenfalls drei Liter großen 340-PS-Ottos, der seine 500 Newtonmeter Drehmoment von einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verwalten lässt.

48-Volt-Technik serienmäßig

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Auf Testfahrt in Südafrika: Motorwelt-Autor Michael Gebhardt

Beiden gemein sind neben rund fünfeinhalb Sekunden Sprintzeit und 250 km/h Vmax die ausgesprochen gute Geräuschdämmung und die 48-Volt-Unterstützung: Den Platz des Anlassers übernimmt ein Riemen-Starter-Generator. So kann der A7 Sportback zum einen problemlos segeln, also mit ausgeschaltetem Motor dahin rollen, und zum anderen deutlich mehr Energie zurückgewinnen. Das soll den Verbrauch im Idealfall um 0,7 Liter pro 100 Kilometer senken; der Benziner konsumiert im Durchschnitt wenigstens 6,8 Liter, der Diesel 5,5 Liter Kraftstoff. 

Bei beiden serienmäßig an Bord ist der Allradantrieb, extra bezahlen muss man dagegen die Allradlenkung. Die ist mit 1900 Euro zwar kein Schnäppchen, macht sich aber schon nach der ersten Kurve bezahlt. Unterhalb von 60 km/h lenken die hinteren Räder bis zu fünf Grad gegenläufig zu den vorderen, was den Wendekreis um über einen Meter reduziert.

Bei höherem Tempo drehen sich alle Räder in die gleiche Richtung, was dem Fünf-Meter-Schiff eine ausgesprochene Handlichkeit verschafft. Im kurvigen Geläuf gibt sich der Ingolstädter dann fast so agil wie ein Kompakter mit kurzem Radstand. Und wer noch mal die gleiche Summe in das Luftfeder-Fahrwerk investiert, kann nicht nur ausgesprochen sportlich ums Eck zirkeln, sondern auch ganz bequem über schlechten Asphalt gleiten.


Technische Daten
Audi A7 Sportback 55 TFSI quattro
Motor 6-Zylinder-Turbo-Benziner, 250 kW/340 PS, 2995 cm3, 500 Nm bei 1370–4500 U/min
Fahrleistungen 5,3 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 250 km/h
Verbrauch 6,8 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 154 g/km
Maße L 4,97/B 1,91/H 1,42 m
Kofferraumvolumen 535–1390 l
Preis 67.800 €, Baureihe ab 66.300 €

 

Text: Michael Gebhardt. Fotos: PR.

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