Audi A7 Sportback im ADAC Test

6.6.2019

Mit überraschendem Design unterscheidet sich der neue A7 Sportback deutlich von seinem Vorgänger. Trotz fließender Formen bietet er viel Platz – und hört auch noch aufs Wort. Der ADAC hat den 286 PS starken A7 50 TDI getestet.

  • Knapp fünf Meter langes viertüriges Coupé als A8-Alternative
  • Testverbrauch des 286 PS starken A7 50 TDI: 6,8 Liter/100 km
  • Hoher Fahrkomfort, aber auch sehr hoher Preis

 

Wer den Ingolstädtern bisweilen vorgeworfen hat, ihre Modelle seien langweilig und verwechselbar, der hat den neuen A7 Sportback noch nicht gesehen. Der unterscheidet sich sichtbar vom Vorgänger: unter anderem durch die bissigen Matrix-LED-Laserlicht-Scheinwerfer, den tiefgezogenen Single-Frame-Kühlergrill, das geschärfte Blechkleid und das durchgehende Leuchtenband zwischen den Rücklichtern.

Dass er aus der Masse heraussticht, liegt vor allem am Bruch mit der zeitgeistigen Formensprache, den schon die erste Generation gewagt hat. Statt das Heck keilförmig ansteigen zu lassen und dem Fahrzeug die so oft zitierte "Dynamik im Stand" auf den Leib zu schneidern, wird der 4,97 Meter lange Wagen nach hinten hin eher flacher.

Der Platz hinten leidet unter der Coupé-Form

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Die fließende Optik erinnert an die Formensprache einer Jacht

Diese fließende, jachtartige Optik geht zumindest vorn nicht zu Lasten des Platzangebots: Der Fahrersitz lässt sich für knapp zwei-Meter- Fahrer zurückschieben, die Kopffreiheit würde gar für 2,10 Meter große Menschen reichen. Die Innenbreite ist ebenso großzügig bemessen.

Auf den Rücksitzen würde die Beinfreiheit, wenn die Vordersitze für 1,85 m Insassen eingestellt sind, Mitfahrer bis rund zwei Meter erlauben. Die Kopffreiheit reicht aber "nur" für Personen bis gut 1,80 Meter – die coupéartige Dachlinie ermöglicht nicht mehr. Alternativ zum viersitzigen Standardmodell kann auch wie beim Testwagen eine Rückbank mit drei Sitzplätzen geordert werden.

Das Kofferraumvolumen kann sich sehen lassen. 430 Liter lassen sich nach den Messungen des ADAC unter der Hutablage verstauen. Bis zum Dach passen 545 Liter oder zehn Getränkekisten hinein. Legt man die Rücksitzlehnen um, bietet der Audi bis zur Fensterunterkante und den Vordersitzen 790 Liter Stauraum. Belädt man hinter den Vordersitzen das komplette Auto bis unter das Dach, stehen 1280 Liter zur Verfügung.

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Der Audi A7 Sportback hört aufs Wort

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Modernes Cockpit: Keine Tasten mehr, dafür drei Displays

Vom A8 übernommen hat der A7 Sportback das neue Bedienkonzept, das kaum mehr klassische Tasten nutzt und dafür mit drei großen Displays arbeitet. Eins hinterm Lenkrad dient als digitales Kombiinstrument, in der Mittelkonsole thront der klassische Infotainment-Bildschirm, und darunter hat ein weiterer Touchscreen Einzug gehalten, über den unter anderem die Klimaanlage gesteuert wird. Bei Bedarf wird das dritte Display zum Touchpad für die handschriftliche Eingabe eines Navigationsziels.

Im Alltag ergeben sich durch das neue Bedienkonzept im Vergleich zum bisherigen MMI mit Drehdrücksteller kaum Vorteile. Aufgrund der Touchbedienung ist eine zielgenaue Betätigung stets erforderlich und die niedrig positionierten Bildschirme führen zu einer starken Blickabwendung. Aufgrund des immensen Umfangs braucht man eine ganze Weile, bis man sich vollumfänglich mit dem System auskennt.

Alternativ versteht der A7 das gesprochene Wort: Statt vordefinierte Befehle auswendig lernen zu müssen, kann der Fahrer normal mit dem Audi plaudern. Auf den Hinweis "Mir ist kalt“ dreht das System die Temperatur höher, und wer ihm sagt "Ich habe Hunger“ bekommt Vorschläge, welche Restaurants sich in der Nähe befinden.

Unharmonischer Dieselmotor mit 286 PS

Der getestete V6-Dieselmotor kommt als 50 TDI quattro auf eine stolze Leistung von 210 kW/286 PS. Klingt nach einer souveränen Art der Fortbewegung, was aber nur zum Teil stimmt. Die Fahrleistungen an sich sind zumindest  über jeden Zweifel erhaben: 5,7 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und eine Spitze von 250 km/h sind Werte, die auch einen Sportwagen zieren würden.

Doch die Art der Kraftentfaltung ist derart unharmonisch, dass einem der Spaß schnell vergeht. Besonders beim Anfahren oder nach dem Herunterschalten genehmigt sich der Audi zu viel Zeit, in der erst einmal gar nichts passiert. Um dann – wenn der ungeduldige Fahrer stärker aufs Gaspedal tritt – brachial nach vorn zu stürmen, gern auch mit quietschenden Reifen.

Das hat wohl auch Audi erkannt und diesen Motor für das 2020er Modell vorerst ausgemustert. Was vielleicht auch an den nur durchschnittlichen Abgaswerten liegen könnte. Im anspruchsvollen ADAC Autobahnzyklus waren die Stickoxidemissionen leicht erhöht. Testverbrauch: 6,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer.

48-Volt-Technik serienmäßig

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Auf Testfahrt: Motorwelt-Autor Michael Gebhardt

Lobenswert ist die ausgesprochen gute Geräuschdämmung (gemessene 65,1 dB bei 130 km/h) und die 48-Volt-Unterstützung: Den Platz des Anlassers übernimmt ein Riemen-Starter-Generator. So kann der A7 Sportback zum einen problemlos segeln, also mit ausgeschaltetem Motor dahin rollen, und zum anderen Energie zurückgewinnen.

Komfortabel auch die Fahrwerksauslegung. Nicht weniger als vier verschiedene Fahrwerke stehen zur Wahl, beim Testwagen war eine Luftfederung verbaut. Generell liegt der A7 immer satt auf der Straße, die Erschütterungen von Kanaldeckeln schluckt er mit bemerkenswerter Leichtigkeit – trotz der 20 Zoll großen Testbereifung.

Serienmäßig an Bord ist der Allradantrieb, extra bezahlen muss man dagegen die Allradlenkung. Die ist mit 1900 Euro zwar kein Schnäppchen, macht sich aber schon nach der ersten Kurve bezahlt. Unterhalb von 60 km/h lenken die hinteren Räder bis zu fünf Grad gegenläufig zu den vorderen, was den Wendekreis um über einen Meter reduziert.

Bei höherem Tempo drehen sich alle Räder in die gleiche Richtung, was dem Fünf-Meter-Schiff eine ausgesprochene Handlichkeit verschafft. Im kurvigen Geläuf gibt sich der Ingolstädter dann fast so agil wie ein Kompakter mit kurzem Radstand. Und wer noch mal die gleiche Summe in das Luftfeder-Fahrwerk investiert, kann nicht nur ausgesprochen sportlich ums Eck zirkeln, sondern auch ganz bequem über schlechten Asphalt gleiten.

Fazit

Unter dem Strich ist der A7 ein Designerstück auf Rädern für alle, die einen individuellen Auftritt schätzen. Perfekt ist er aber nicht, vor allem wegen seines unharmonischen Antriebs.

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht herunterladen.

Technische Daten (Herstellerangaben)
Audi A7 Sportback 50 TDI quattro tiptronic
Motor 6-Zylinder-Turbodiesel, 210 kW/286 PS, 2967 cm3, 620 Nm bei 2250 U/min
Fahrleistungen 5,7 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 250 km/h
Verbrauch 7,0 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß: 184 g/km
Maße L 4,97 / B 1,91 / H 1,42 m
Kofferraumvolumen 535 – 1390 l
Preis 67.150 €

ADAC Messwerte (Auszug)
Überholvorgang 60-100 km/h 3,4 s 
Bremsweg aus 100 km/h 32,1 m 
Wendekreis 11,3 m                    
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest 6,8 l Diesel/100 km , 214 g CO2/km (well-to-wheel) 
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) *** 
Reichweite 925 km
Innengeräusch bei 130 km/h    65,1 dB (A)                    
Leergewicht / Zuladung 2058 / 477 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch  430 / 790 / 1280 l

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,1
Karosserie/Kofferraum 2,3
Innenraum 2,1
Komfort 1,6
Motor/Antrieb 1,3
Fahreigenschaften 1,6
Sicherheit  1,4
Umwelt/Ecotest 3,4

 

  • Das hat uns gefallen: Vorbildliche Verarbeitung und Qualitätsanmutung. Gelungener Kompromiss aus Agilität und Komfort
  • Das hat uns nicht gefallen: Sehr teuer in Anschaffung und Unterhalt. Nicht standesgemäßer Antrieb

Text: Michael Gebhardt, Jochen Wieler. Fotos: Audi.

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Kontakt zur Redaktion:  redaktion@adac.de