Die "Tatort"-Stars Neuhauser und Krassnitzer im Interview

Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser untersuchen einen Wunderbaum hinter der Frontscheibe eines roten Ford Mustangs BJ 1966
Spurensicherung: Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer in einem Ford Mustang, Baujahr 1965 ∙ © ADAC Motorwelt/Urban Zintel

Im exklusiven ADAC Motorwelt-Interview ermitteln Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer in Sachen Mobilität in der Stadt und auf dem Land. Eine Leseprobe aus dem aktuellen Clubmagazin, das in allen Netto-, teilnehmenden Edeka-Filialen und in ADAC Geschäftsstellen gratis erhältlich ist.

Ein Parkhaus in der Nähe des Wiener Praters. Nicht weit entfernt drehen Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer. Seit 2011 stehen die beiden als Majorin Bibi Fellner und Chefinspektor Moritz Eisner für den ORF-"Tatort Wien" gemeinsam vor der Kamera. Gerade entsteht die neue "Tatort"-Folge "Pumpen", die am Sonntag, 6. September, um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen ist. In der Drehpause kommt das Ermittler-Duo zu einem Gespräch vorbei. Als Adele Neuhauser das Parkdeck betritt und den Ford Mustang, Baujahr 1965, entdeckt, gibt es kein Halten mehr. Sekunden später sitzt sie hinter dem Steuer, startet den Motor. Harald Krassnitzer hat es das Tandem angetan, er dreht sofort einige Runden. Das wirft Fragen auf.

ADAC Motorwelt: Frau Neuhauser, wenn Herr Krassnitzer ein Auto wäre, welches Modell wäre er?
Neuhauser
: Ein schöner, alter MG. Der ist wie Harry: pfiffig, schnell, stilvoll und immer mit Bodenhaftung. Weil Harry außerdem luftig im Kopf ist, wäre er auf jeden Fall ein Cabrio.
Krassnitzer: Ein alter MG ist verdammt reparaturanfällig.
Neuhauser: Ein bisschen basteln gefällt dir doch, Harry.

Was für ein Auto wäre Frau Neuhauser, Herr Krassnitzer?
Krassnitzer
: Ein Concept Car. Sie vereint alles in sich – vom Sportwagen bis hin zur luxuriösen Familienkutsche. Ich spüre Geborgenheit, Sicherheit, Erhabenheit. Natürlich gibt es Adele nur in der Vollausstattung, inklusive Ledersitzen und gescheiter Audioausstattung. Sie hat aber auch Anteile eines Renault R4: dieses Einfache, Schlichte und Gerade.

Frau Neuhauser, als Bibi Fellner waren Sie im "Tatort" lange in einem Pontiac Firebird unterwegs – einer Zuhälterflunder, wie Sie, Herr Krassnitzer, in der Rolle des Kommissars Moritz Eisner immer sagten. Nun fahren Sie einen Škoda. Vermissen Sie das Auto von früher?
Neuhauser
: Auf jeden Fall. Ich habe schon eine Beziehung zu Autos, auch privat. Ein gutes Auto hat einen Charakter und ein Gesicht. Der Pontiac war so einer, auch wenn er unangenehm zu fahren war: Er versprach mehr, als er hielt. Aber wir hatten ihn inhaltlich irgendwann abgearbeitet, darum durfte er sterben. Das aktuelle Modell ist leider ein gesichtsloses Dienstfahrzeug.

Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser auf Tandem in Parkhaus Donaumarina in Wien
Fahrrad-Fans: Die "Tatort"-Ermittler auf einem Tandem ∙ © ADAC Motorwelt/Urban Zintel

Im "Tatort" sitzen immer Sie am Steuer, Frau Neuhauser. Wer ist privat der bessere Fahrer?
Neuhauser
: Leider muss ich aufrichtig gestehen, dass das der Harry ist.
Krassnitzer: Ich bin der Meinung, dass Adele sehr viel umsichtiger fährt.

Ich bin immer neidisch auf "Tatort"-Kommissare, die finden überall sofort einen Parkplatz. Das muss für Sie nach Drehschluss hart sein: Als Privatperson heißt es für Sie ebenfalls Runden drehen.
Neuhauser
: Das stimmt. Aber es wäre auch recht langweilig, wenn Harry und ich im "Tatort" 90 Minuten lang einen Parkplatz suchen, oder?
Krassnitzer: Aber selbst, wenn es keinen gäbe, dann wäre eben Gefahr im Verzug, nicht wahr, Adele? Dann parken wir mit Warnlicht auf dem Gehweg. Aber im Ernst: Klar ist Wien wie alle großen Städte überfrachtet von Autos, von zu großen Autos. Zum Glück ist das im Wandel.

Sie wohnen in Wuppertal, Herr Krassnitzer. Wie ist es dort?
Krassnitzer: Die Stadt ist kleiner, aber besser ist es da auch nicht. Wir alle wissen doch, wie selten wir das Auto nutzen, meist steht es. Bei Adele steht es manchmal so lang, dass die Reifen platt sind.
Neuhauser: Ich fahre nicht mehr Auto in Wien. Das ergibt einfach keinen Sinn.

Wie sind Sie denn privat unterwegs?
Neuhauser
: Das kommt drauf an, wo ich hin will: Möchte ich raus aus dem Steinmeer Stadt, brauche ich das Auto schon, weil ich abbiegen können möchte, wo es mir gefällt. Wie ist das bei dir, Harry?
Krassnitzer: Leider ist das alternative Angebot – zumindest außerhalb der Städte – noch nicht so, wie es sein müsste. Sei es die Taktung der Züge, die Abstimmung der Verkehrsverbände untereinander oder die Anzahl der Busverbindungen.

Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser knien über Tatort bei dem ein mit Kreide aufgemaltes Fahrrad zu sehen ist
Eingespieltes Duo: Seit 2011 ermitteln Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer im ORF-"Tatort Wien" ∙ © ADAC Motorwelt/Urban Zintel

In vielen Großstädten gibt es seit letztem Sommer E-Scooter zum Leihen. Sind Sie schon mal mit einem unterwegs gewesen?
Neuhauser
: Nein, die sind mir zu unsicher und zu schnell. Ich bin ohnehin der Meinung, dass zwei Drittel der Leute, die damit unterwegs sind, sich komplett überfordern und über ihre Verhältnisse fahren.
Krassnitzer: Und ich finde sie sehr instabil in Kurven, bei Randsteinen oder auf unebener Straße, aufgrund ihrer kleinen Räder. Außerdem sehen ältere Menschen einfach nur albern auf so Dingern aus, erst recht ein alter Mann wie ich.

In dieser Motorwelt-Ausgabe gibt es den Schwerpunkt Fahrrad. Viele Leute haben in der Stadt Angst, Rad zu fahren wegen des Verkehrs. Können Sie das nachvollziehen?
Neuhauser
: Kommt auf die Stadt an. In Berlin, wo ich öfters bin, da mein Sohn dort lebt, hätte ich mit dem Fahrrad auch ein Problem. Aber Wien ist ausgesprochen fahrradfreundlich, da gibt es so viele tolle Wege zu fahren! Man muss halt auf die Straßenbahnschienen achten.

Fahren Sie Rad, Herr Krassnitzer?
Krassnitzer
: Ich bin in Wien fast nur mit dem Rad oder öffentlich unterwegs. Wussten Sie, dass man hier für 365 Euro im Jahr alles nutzen kann? Das finde ich klasse! Ich habe übrigens ein normales Fahrrad, kein E-Bike, das fände ich komisch: Wenn ich mit dem Rad fahre, braucht es auch den Bewegungsanteil. Außerdem wäre bei mir die Gefahr zu groß, dass ich beim kleinsten Hügel doch die Unterstützung zuschalte, weil ich zu bequem werde. Aber nichts gegen E-Bikes, die sind schon eine geniale Erfindung.

Was glauben Sie, wie der Verkehr in Großstädten in zehn Jahren aussieht?
Neuhauser
: Auf jeden Fall nicht autofrei. Die Menschheit entwickelt sich geistig viel zu langsam, als dass es so schnell ginge. Aber ich hoffe, dass es diese Menge an Riesenschlitten und SUVs nicht mehr gibt, die in der Stadt keiner braucht. Ich denke aber, dass dann der öffentliche Nahverkehr so ausgebaut ist, dass Pendler besser in die Stadt und hinaus kommen. In 20 Jahren, da mag es anders aussehen mit der autofreien Stadt.

Krassnitzer: Alle reden ja gerade von Elektroautos als Lösung. Mich verwundert es schon, dass wir nicht auch über Übergangstechnologien diskutieren, warum wir nicht viel stärker über die effizientere Gestaltung klassischer Verbrennungsmotoren nachdenken. Da gäbe es technische Möglichkeiten, auf eine Emission nahe null zu kommen. Das wäre die perfekte Lösung fürs Land. Abgesehen davon, dass der ökologische Fußabdruck des E-Autos durch die Batterieproduktion alles andere als umweltfreundlich ist.

Klingt nicht so, als würden Sie die ersten Kommissare im Elektroauto sein …
Neuhauser
: Na ja, Harry, überleg mal, wie gut wir mit so einem leisen Auto verdeckt ermitteln könnten? Da hört uns keiner, wenn wir kommen!

Sie ermitteln abwechselnd in der Stadt und auf dem Land, an Orten also, die für viele Sehnsuchtsorte sind. Sehen Sie die Schönheit der Natur überhaupt noch?
Neuhauser
: Oh ja, wir sehnen uns nach den Dreharbeiten auf dem Land.
Krassnitzer: Auf jeden Fall! Auch weil da der Kontrast so gut funktioniert: die wunderbare Landschaft kombiniert mit den Abgründen der menschlichen Seele.
Neuhauser: Auf dem Land spielt es sich gleich anders, so im Freien, in der Natur. Verbrecherjagd dort hat etwas Kindliches im Sinne von Räuber und Gendarm.

Dann verraten Sie den Lesern doch mal ein paar Österreich-Geheimtipps.
Krassnitzer
: Nö.
Neuhauser: Na sicher nicht! Abgesehen davon ist ganz Österreich eine Postkarte. Aber fahren Sie doch mal nach Wien, die Stadt ist wirklich toll. Wenn ich abends durch die Straßen gehe, denke ich jedes Mal aufs Neue: Was für ein Geschenk, dass ich hier leben darf!

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