"Laufen wird einfacher, wenn man es gemeinsam macht"

ADAC Blog

Joyce Hübner macht einen Freudensprung beim ADAC Marathon in Hannover
Voller Power: Joyce Hübner beim ADAC Marathon Hannover 2023© Norbert Wilhelmi

120 Marathons in rund 140 Tagen – das war das Ziel von Lauf-Influencerin und ADAC Marathon-Teilnehmerin Joyce Hübner (35) aus Berlin.

Beim ADAC Marathon Hannover im März hat sie ihren Lauf live auf TikTok ausgestrahlt. Im Sommer war Joyce Hübner dann auf ihrer selbst geplanten Marathon-Tour unterwegs. Begleitet wurde sie von ihrem Freund Sven, der sie auf der Strecke aus dem Auto heraus versorgte. Bis September ist sie einmal rund um Deutschland gelaufen. Der gelernten Immobilienökonomin ging es dabei nicht um Rekorde, sondern um die Erlebnisse auf der Strecke. Das Interview ist während ihrer Deutschland-Umrundung entstanden.

ADAC Redaktion: Sie sind im März als eine von über 19.000 Teilnehmenden den ADAC Marathon Hannover gelaufen. Verraten Sie uns Ihre Zielzeit?

Joyce Hübner: Ehrlich gesagt weiß ich meine Endzeit gar nicht mehr. Beim ADAC Marathon wollte ich vor allem die Leute über Social Media mitnehmen, ihnen das besondere Feeling so einer Laufveranstaltung zeigen, den Austausch mit den anderen Läuferinnen und Läufern genießen. Da spielen Bestzeiten keine Rolle für mich. Die Stimmung am Streckenrand war wirklich großartig, ich hatte mega viel Spaß.

Warum nehmen Sie an solchen Laufveranstaltungen teil?

Mir kommt es nicht darauf an, mich mit anderen zu messen. Ich stecke mir meine eigenen Ziele. Ich laufe sehr gerne bei Laufveranstaltungen, feiere aber eher das ganze Drumherum. Laufen wird einfacher, wenn man es gemeinsam macht. Man kommt ins Gespräch, trifft Menschen jeglicher Couleur. Laufen verbindet einfach.

ADAC Marathon Hannover

Der nächste ADAC Marathon Hannover* findet am 14. April 2024 statt. Am Rande der Laufveranstaltung erwartet die Teilnehmenden ein vielfältiges Rahmenprogramm für Groß und Klein.

Derzeit absolvieren Sie fast täglich einen Marathon auf Ihrer unglaublichen Tour, bei der Sie in 140 Tagen die deutschen Landesgrenzen ablaufen wollen. Das sind rund 5200 Kilometer! Wie kommt man denn auf so eine Idee?

Gemeinsam mit Freunden. Laufen ist ein großer Bestandteil meines Lebens und in meinem Freundeskreis teilen viele mein Hobby. Wir tauschen uns regelmäßig über den Laufsport und herausragende Sportlerinnen und Sportler dieser Welt aus. Irgendwann sagten wir uns, dass man nicht erst über den Atlantik fliegen muss, um sich besonderen Herausforderungen wie dem New-York-Marathon zu stellen. So ist die Idee entstanden, einmal rund um Deutschland zu laufen. Dann schätzten wir erstmal grob die Distanzen und die Idee, in 120 Marathons Deutschland zu umrunden, war geboren. Es geht mir aber nicht um einen Rekord. Ich will Spaß haben, mein eigenes Land kennenlernen und so viele Menschen wie möglich auf der Strecke treffen.

Die lachende Marathonläuferin Joyce Hübner an einem Grenzpfeiler
Entlang der deutschen Grenze: Joyce Hübner absolviert fast täglich einen Marathon© Joyce Hübner

Außer mit Ihrem Freund, der Sie mit dem Auto begleitet sind Sie auf Ihrer Tour vornehmlich alleine auf der Straße. Was ist der Unterschied zu Laufveranstaltungen wie dem ADAC Marathon: Was treibt Sie an, welche Ziele stecken Sie sich?

Mein Ziel ist es, das komplett zu schaffen. Ich bin relativ ehrgeizig und stur. Wenn ich etwas will, dann ziehe ich das durch. Es ist schon anstrengend, sich jeden Morgen zu motivieren. Wenn man sich erstmal eingelaufen hat, dann sind 60 bis 70 Prozent lediglich Kopfsache. Natürlich habe ich auch mal Schmerzen, aber da muss man sich einfach überwinden. Es gibt Tage, da tut mir alles weh. Ich steige auf einen Berg und denke, jetzt geht es nicht mehr. Aber dann stehe ich oben und blicke in die Weite, auf eine unfassbar schöne Landschaft. Das motiviert mich. Genauso wie die Menschen, denen ich begegne, die mich anfeuern und mir ihre Geschichten erzählen.

Sie freuen sich also über Laufbegleitung?

Unbedingt! Jede und jeder kann mitlaufen, oder mich mit Fahrrad, Scooter oder was auch immer begleiten. Auf einem Pferd war bisher noch niemand dabei, aber das kann ja noch kommen. Eigentlich habe ich täglich mindestens einen Mitläufer oder eine Mitläuferin, oft auch kleine Gruppen. Das ist richtig schön, weil wir viel Zeit dafür haben, uns unsere Lebensgeschichten zu erzählen. Viele laufen am Ende länger mit als sie eigentlich vorhatten. Ich erfahre einiges über die Umgebung und bin einfach beeindruckt, dass mich so viele unterstützen. Dank Social Media, das hat in diesem Fall etwas sehr Verbindendes.

Und dann begleitet Sie ja ab und an die Bundespolizei. Wie kam es denn dazu?

Ja, das ist eine nette Anekdote. Am vierten Lauftag gerieten mein Freund ich in eine Verkehrskontrolle. Wir haben in unserem Auto die Rücksitze ausgebaut, um das Gepäck besser verstauen zu können. Das sieht natürlich eigenartig, ja vielleicht sogar verdächtig aus. Einer der Polizisten hat mich tatsächlich als die 'Deutschlandtour-Läuferin' erkannt. Daraufhin hat dann einer der Pressesprecher der Bundespolizei von meiner Aktion erfahren. Und so begleiten mich nun ab und an Polizisten und Polizistinnen.

Über Joyce Hübner

Als @runninggirl.joyce nimmt die 35-jährige Berlinerin ihre Community mit auf ihre Laufstrecken. Seit sie 2016 am Berliner Halbmarathon teilgenommen hat, kann sie sich ein Leben ohne den Laufsport nicht mehr vorstellen. "Wer einmal ein Runners High erlebt hat, weiß, wovon ich spreche", schwärmt sie. Auch in diesem Jahr werden sie und ihr Freund Sven wieder live über TikTok vom ADAC Marathon in Hannover berichten. Ihre Marathon-Reise rund um Deutschland kann man auf https://joyce-huebner.com/deutschlandumrundung-120-marathons* sehen. Im Februar 2024 will sie Mallorca in elf Marathons umrunden: https://joyce-huebner.com/mallorca-umrundung-marathon*.

Wie viele Laufschuhe haben Sie dabei?

Zwölf Paar, ich wechsle jeden Tag durch. Auch der Schuh muss sich erholen.

Und wie erholen Sie sich?

Ich lege regelmäßig Regenerationstage ein und gehe dann auch mal zur Physiotherapie. Außerdem achte ich auf ausreichend Dehnung, Schlaf und Kalorien. Ich esse für mein Leben gern, einer der Gründe, warum ich überhaupt mit dem Laufen als sportlichen Ausgleich angefangen habe. Aber hier auf der Tour ist das fast schon stressig, weil ich täglich eine bestimmte Anzahl an Kalorien zuführen muss.

Haben Sie einen bestimmten Ernährungsplan?

Nein, ich bin da ganz entspannt. Ich esse das, was es vor Ort gibt – ob Vollkornbrot oder Weizenbrötchen. Während des Laufs gibt es schon mal Flüssignahrung. Am Abend muss ich dann zugreifen, zwei Portionen sollten es schon sein. Eigentlich bin ich eine Naschkatze, aber meine Lust auf Süßes ist gerade gar nicht mehr groß. Ich wähle lieber gesunde und vollwertige Lebensmittel.

Was raten Sie all jenen, die zum ersten Mal einen Marathon laufen wollen?

Bereitet euch in Ruhe vor und steckt euch keine zu hohen Ziele. Es ist zum Beispiel überhaupt keine Schande, auch mal zu gehen. Man muss nicht immer im Laufschritt bleiben, lieber einen Gang herunterschalten, dafür aber im Ziel ankommen. Das hätte ich gerne vor meinem ersten Marathon gewusst.

Wann und wo war das?

Die Marathonläuferin Joyce Hübner an einem Grenzstein im Abendlicht
Marathonläuferin Joyce Hübner unterwegs© Joyce Hübner

Der Berlin Grunewald Run 2018. Den bin ich still und heimlich gelaufen, habe keinem davon erzählt. Damals habe ich mir selbst viel abverlangt, war sehr leistungsorientiert. Nach dem Lauf konnte ich mich erstmal drei Tage nicht mehr bewegen. Ich habe einige Zeit gebraucht, um darüber hinwegzukommen, dass Leistung und Schnelligkeit nicht entscheidend sind. Heute laufe ich lieber locker und entspannt. Dann bin ich vielleicht mal eine Stunde länger unterwegs, erlebe aber wiederum eine Stunde länger etwas Schönes.

Was kommt als Nächstes, wenn Sie Deutschland erstmal umrundet haben?

Ich habe schon einige Ideen, die ich mir alle notiere. Die Liste ist lang. Ich versuche aber, noch nicht zu viel zu planen. Jetzt muss ich erstmal die restlichen Etappen hinter mich bringen. Aber eines ist sicher: Das wird nicht das letzte Abenteuer für mich gewesen sein.

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