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Der ADAC

Steinewerfer: Wie reagiere ich richtig?

Gebrochene Windschutzscheibe
Glück im Unglück: Hier hat ein Stein die Windschutzscheibe getroffen, aber nicht durchschlagen ∙ © iStock.com/rvimages

„Vorsicht, auf der A8 werfen Personen Gegenstände auf die Fahrbahn!“ So oder ähnlich werden Autofahrer im Verkehrsfunk gewarnt, wenn Unbekannte Steine von Brücken auf die Fahrbahn werfen und so den Verkehr massiv gefährden. Hier lesen Sie, ob Sie sich schützen können, und wie Sie sich in solchen Gefahrensituationen richtig verhalten.

2018 musste die ADAC Verkehrsredaktion 491 Warnmeldungen dieser Art an die Autofahrer weitergeben. Besonders viele dieser Gefahren-Meldungen aus der Verkehrsdatenbank wurden für Strecken in Bayern ausgegeben, gefolgt von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Allein für die A1, die über 749 Kilometer von Heiligenhafen nach Saarbrücken führt, gab es 38 Steinewerfer-Meldungen in der Datenbank.

Das Phänomen des Steinewerfens auf Autobahnen ist nicht neu. Seit Jahrzehnten kommt es immer wieder zu derartigen Vorfällen, nicht selten mit tödlichem Ausgang. Wie viele Menschen genau bei diesen Attacken zu Schaden gekommen sind, ist allerdings unbekannt. Es gibt dafür keine offiziellen Zahlen

Wie reagiere ich richtig?

Nach Expertenansicht ist es schwierig, sich wirksam zu schützen. Auf keinen Fall sollten Sie hektisch bremsen oder ausweichen, sobald Sie jemanden auf einer Brücke sehen. Das kann im Zweifel zu noch mehr schlimmen Unfällen führen. Sofern möglich, sollten Sie bei Unsicherheit die Geschwindigkeit langsam reduzieren und die Spur sicher wechseln. Behalten Sie auch den Seitenstreifen im Auge, um notfalls auf diesen ausweichen zu können.

Wird eine „Steinewerfer-Meldung“ im Radio gesendet, ist die Gefahr in der Regel bereits gebannt, da der Täter inzwischen geflüchtet sein dürfte. Man sollte ruhig und sicher weiter fahren.

Was Sie nicht machen sollten: übermäßig oder in Panik nach der entsprechenden Brücke und dem möglichen Attentäter suchen. Dies lenkt zu sehr ab!

Was tun die Behörden, um solche Anschläge zu verhindern?

Eine wirksame und praktikable Methode, solche Anschläge zu verhindern, gibt es bislang nicht. Brücken mit hohen Gittern, Zäunen oder Netzen auszustatten wäre nach Expertenansicht bei 39.619 Brücken allein an Bundesfernstraßen ein extrem kostspieliges Unterfangen. Ob die Täter davon abgeschreckt werden, darf zudem bezweifelt werden. Im Übrigen darf nicht übersehen werden, dass die Zahl der Attacken im Verhältnis zum Verkehrsaufkommen eher gering ist.

Warum werfen Menschen Steine von der Brücke?

Die Psychologen sind sich einig: Die Täter handeln in der Regel ohne Tötungsabsicht. Oft passieren die Attacken aus einer Laune heraus, das heißt, eher zufällig. Nicht selten ist Alkohol im Spiel. Steinewerfer sind fast immer Jugendliche, die häufig in Gruppen auftreten. Gerade im Jugendalter liegt solchen impulsiven und gesellschaftsschädigenden Verhaltensweisen häufig der Wunsch nach Abgrenzung zugrunde, aber auch mangelnde Selbstkontrollfähigkeit. Gefühle wie Frust oder Benachteiligung können nicht angemessen kompensiert und toleriert werden. Ohne die Konsequenzen des Handelns ausreichend bemessen zu können, geht es den Tätern eher um den kurzfristigen Lustgewinn beim Brechen sozialer und moralischer Tabus.

Was kann ich tun, wenn ich Steinewerfer beobachte?

Wer während der Fahrt auf einer Brücke Menschen entdeckt, die Steine oder andere Gegenstände auf die Fahrbahn werfen, sollte seine Beobachtung umgehend der Polizei melden. Das ist allerdings schwierig: Den Unterschied zwischen Passanten und möglichen Steinewerfern erkennen Sie meist erst kurz vor der Brücke oder auch gar nicht.

Wie werden Steinewerfer bestraft?

Steinewerfer werden in der Regel wegen (versuchten) Mordes und vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilt. Das bedeutet mehrere Jahre Gefängnis. Ein paar Beispiele:

Eine der schlimmsten Taten ereignete sich im Februar 2000 in Darmstadt. Damals töteten drei Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren durch Steinwürfe auf Autos zwei Frauen und verletzten fünf weitere Personen. Die Täter wurden später wegen versuchten Mordes zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Eine ähnliche Attacke sorgte am Ostersonntag 2008 bundesweit für Schlagzeilen. Damals warf ein 31-jähriger Heroinabhängiger einen Holzklotz von einer Autobahnbrücke bei Oldenburg. Eine 33 Jahre alte Frau wurde vor den Augen ihres Mannes und ihrer beiden Kinder erschlagen. Der Täter soll aus Frust gehandelt haben, weil es ihm an diesem Tag nicht gelungen sei, an Heroin zu kommen. Er wurde später zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes, dreifachen versuchten Mordes und vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilt.

Im September 2016 hatte ein damals 36-jähriger Mann einen schweren Betonpflasterstein auf einen A7-Abschnitt in Baden-Württemberg geworfen. Der Wagen einer vierköpfigen Familie fuhr über den Stein, überschlug sich mehrfach. Ein Kind wurde aus dem Auto geschleudert, alle vier wurden schwer verletzt. Die Mutter ist bis heute auf den Rollstuhl angewiesen. Der Steinewerfer wurde vom Landgericht Ellwangen zu neuneinhalb Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt.