Hydraulischer Abgleich: Pflicht, Kosten und Förderung

• Lesezeit: 5 Min.

Von Hilda Arnold

Feedback

Ein Klempner repariert einen Thermostat mit der Rohrange
Beim hydraulischen Abgleich sorgen Fachhandwerker dafür, dass alle Heizkörper dieselbe Heizwassermenge erhalten und gleich warm werden© Shutterstock/Andrey_Popov

Ein hydraulischer Abgleich der Heizung kann viel Geld einsparen – oft bis zu 15 Prozent der Heizkosten. Für wen die Maßnahme Pflicht ist und welche Förderungen es gibt.

  • Was ein hydraulischer Abgleich der Heizung im Haus bringt

  • Was die Effizienzmaßnahme kostet und wann sie sich lohnt

  • Für wen das Verfahren Pflicht ist und wie es gefördert wird

Was ist ein hydraulischer Abgleich?

Der hydraulische Abgleich ist ein Verfahren zur Optimierung von Heizungsanlagen. Dabei wird die Durchflussmenge des Heizwassers für jeden Heizkörper auf den individuellen Wärmebedarf des Raumes abgestimmt. Das sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der Wärme auf alle Heizkörper im Haus.

Bei älteren Heizungssystemen, also vor allem im Altbau, verteilt sich die Wärme oft ungleichmäßig. Heizkörper in der Nähe der Heizungspumpe bekommen zu viel Wasser ab und werden zu heiß, während die am weitesten entfernt liegenden Heizkörper nur lauwarm werden – egal wie weit man das Thermostat aufdreht.

Hydraulischer Abgleich, Heizleistung optimieren, Geld sparen
Durch einen hydraulischen Abgleich lässt sich die Vorlauftemperatur absenken, alle Heizkörper werden mit derselben Durchflussmenge an Heizwasser versorgt und gleichmäßig warm© ADAC

Wie funktioniert der hydraulische Abgleich?

Ein Fachbetrieb führt beim hydraulischen Abgleich folgende Schritte durch.

  • Heizlast berechnen: Der Experte berechnet den individuellen Wärmebedarf für jeden Raum (je nach Raum- und Heizkörpergröße, der Dämmung und weiteren Faktoren).

  • Heizkörperventile einstellen: An den Heizkörpern werden voreinstellbare Eckventile so justiert, dass nur die benötigte Menge an Heizwasser durchfließt.

  • Pumpe und Vorlauftemperatur anpassen: Die Leistung der Heizungspumpe und die Vorlauftemperatur des Heizkessels werden an den neuen, optimierten Bedarf angepasst.

Kann man einen hydraulischen Abgleich selbst durchführen?

Man kann den hydraulischen Abgleich nicht selbst durchführen, sondern muss einen Heizungsfachbetrieb damit beauftragen. Denn dieses Verfahren erfordert umfassende Berechnungen per Spezialsoftware.

Hydraulischer Abgleich: Verfahren A und B

Zur Berechnung des Wärmebedarfs gibt es zwei Methoden:

  • Bei Verfahren A wird nur grob geschätzt.

  • Bei Verfahren B berechnet der Installateur die Heizlast exakt Raum für Raum.

Ein Installateur überprüft eine moderne Gasheizung
Positiver Effekt beim hydraulischen Abgleich: Die Heizungspumpe kann oft auf eine niedrigere Stufe eingestellt werden© Stefan Gruber

Verfahren A ist weniger aufwendig, aber auch viel ungenauer. Daher ist Verfahren B für die Förderprogramme des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Heizungsmodernisierung Pflicht.

Insgesamt dauert ein hydraulischer Abgleich inklusive präziser Berechnung und Ausführung rund sechs bis sieben Stunden – je nachdem ob zum Beispiel zusätzlich voreinstellbare Thermostatventile eingebaut werden müssen.

Hydraulischer Abgleich bei Fußbodenheizung

Eine Fußbodenheizung wird in einem neuen Gebäude installiert
Bei der Fußbodenheizung justieren Heizungstechniker am zentralen Verteiler die korrekte Wassermenge für jeden Raum© Eduard Gopicev

Auch bei einer Fußbodenheizung ist der hydraulische Abgleich für eine gleichmäßige Wärmeverteilung und einen effizienten Betrieb wichtig. Der wesentliche Unterschied zum Verfahren bei Heizkörpern: Die Einstellung erfolgt zentral am Heizkreisverteiler statt an den Heizkörperthermostaten.

Auch hier berechnet der Fachbetrieb zunächst die Heizlast. Auf dieser Basis justiert er am zentralen Verteiler für jeden einzelnen Heizkreis die exakte Durchflussmenge an Wasser − meist an kleinen Durchflussanzeigern, den Topmetern. Dies garantiert eine gleichmäßige Wärmeverteilung ohne kalte Zonen, verhindert Energieverschwendung und senkt die Heizkosten.

Was bringt ein hydraulischer Abgleich?

Ein hydraulischer Abgleich der Heizung kann Ihre jährlichen Heizkosten um bis zu 15 Prozent senken. Denn die Heizungspumpe arbeitet danach effizienter und die Vorlauftemperatur lässt sich absenken. Bei jährlichen Heizkosten von 2000 Euro macht das zum Beispiel bis zu 400 Euro Ersparnis pro Jahr aus.

Vorlauftemperatur kurz erklärt

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des heißen Wassers, das von der Heizungsanlage zu den Heizkörpern oder zur Fußbodenheizung fließt – je höher sie ist, desto wärmer werden die Heizkörper bzw. der Fußboden.

Der hydraulische Abgleich wirkt sich auch positiv auf die Lebensdauer der Heizungsanlage aus, da Pumpe, Ventile und Leitungen weniger verschleißen. Solange alles reibungslos funktioniert, sparen Sie sich teure Ausgaben für eine neue Heizung. Alle Räume werden außerdem gleichmäßig warm. Das beugt Schimmelbildung vor und trägt zum Werterhalt der Immobilie bei. Auch störende Fließgeräusche verschwinden.

In sehr alten, unsanierten Altbauten ist der hydraulische Abgleich energetisch oft weniger wirksam als in gut gedämmten Häusern. Studien zeigen, dass die Einsparungen dort gering ausfallen – wenn nicht gleichzeitig eine effizientere Pumpe installiert und die Vorlauftemperatur des Heizkessels an den neuen, optimierten Bedarf angepasst wird. Es lohnt sich, zusätzlich vorab Rohrleitungen und beispielsweise die Kellerdecke zu dämmen.

Kosten und Amortisation eines hydraulischen Abgleichs

  • In älteren Einfamilienhäusern kostet ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren A etwa 650 bis 850 Euro.

  • Ein Verfahren B inklusive genauer Berechnung kostet rund 650 bis 1200 Euro. Der Preis hängt jeweils von der Anzahl der Heizkörper und dem Zustand der Ventile ab. Müssen Ventile oder zusätzlich die Heizungspumpe ausgetauscht werden, fallen Mehrkosten an.

Und wann rechnet sich die Maßnahme? Die Ausgaben für einen hydraulischen Abgleich amortisieren sich in der Regel nach drei bis fünf Jahren. Mit staatlicher Förderung geht es noch schneller.

Förderung für den hydraulischen Abgleich

Der hydraulische Abgleich wird als Einzelmaßnahme zur "Heizungsoptimierung" im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gefördert.

  • Förderhöhe: Sie erhalten einen Zuschuss von 15 Prozent auf die förderfähigen Kosten. Diese sind pro Wohneinheit auf maximal 60.000 Euro bzw. pro Wohngebäude auf insgesamt 600.000 Euro begrenzt.

  • Zusatz-Bonus: Wenn der hydraulische Abgleich Teil eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) ist, steigt die Förderung auf insgesamt 20 Prozent.

  • Voraussetzungen: Ihre Heizungsanlage muss in jedem Fall älter als 2 Jahre und darf maximal 20 Jahre alt sein, die Arbeiten müssen von einem Fachunternehmen durchgeführt werden.

  • Antragstellung: Bevor Sie den Auftrag vergeben, müssen Sie den Antrag online beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) stellen.

Übrigens: Im Rahmen dieses Förderprogramms ist nicht nur der hydraulische Abgleich förderfähig, sondern sämtliche Maßnahmen zur Optimierung bestehender Heizungsanlagen, wie etwa der Austausch von Heizungspumpen oder die Dämmung von Rohrleitungen.

Tipps und Infos rund ums Wohnen und Haus. Kostenlos vom ADAC

Wann lohnt sich der hydraulische Abgleich besonders?

Ein hydraulischer Abgleich lohnt sich besonders in diesen Fällen, vor allem im Altbau.

Eine Wärmepumpe draussen an der Hauswand
Nach dem Einbau einer Wärmepumpe sorgt erst ein hydraulischer Abgleich für einen effizienten Betrieb der neuen Heizung© iStock.com/Natalja Dietrich
  • Ungleichmäßige Wärmeverteilung: Einige Räume werden nicht richtig warm, andere sind überhitzt.

  • Hohe Heizkosten: Die Heizungspumpe muss auf sehr hoher Stufe laufen, um die gewünschten Raumtemperaturen zu erreichen, und verbraucht viel Strom. Auch die Vorlauftemperatur ist hoch und verursacht Zusatzkosten.

  • Heizungstausch: Beim Einbau einer neuen Heizung, insbesondere einer Wärmepumpe, ist der Abgleich unerlässlich für einen effizienten Betrieb.

  • Energetische Sanierung: Nach einem Fenstertausch oder einer Fassadendämmung verändert sich die Heizlast des Gebäudes – ein hydraulischer Abgleich passt das Heizsystem daran an.

  • Störende Geräusche: Heizkörper oder Rohre pfeifen, gluckern oder rauschen.

Hydraulischer Abgleich: Pflicht oder Empfehlung im Altbau?

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) regelt die Pflicht zum hydraulischen Abgleich.

  • In Ein- und Zweifamilienhäusern: Hier gibt es keine gesetzliche Pflicht, aber der hydraulische Abgleich wird als eine der effektivsten Maßnahmen zur Heizkostenersparnis empfohlen.

  • In Mehrfamilienhäusern: Bei einem Austausch der Heizung in Gebäuden mit sechs oder mehr Wohneinheiten muss ein hydraulischer Abgleich laut Gesetz erfolgen.

  • Voraussetzung für Förderungen: Alle Bundesförderprogramme von BAFA und KfW setzen einen hydraulischen Abgleich voraus, auch bei Ein- oder Zweifamilienhäusern.

  • Auch beim Umstieg auf eine Wärmepumpe ist ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren B bisher im Gebäudeenergiegesetz vorgeschrieben.