Novus One: Elektro-Moped und -Motorrad in einem
Von Redaktion

Die Novus One ist ein sehr ungewöhnliches Elektro-Zweirad. In ihm stecken gleichzeitig eine 50er und eine 125er – die Software macht's möglich. Fahrbericht, Bilder, Infos, Daten, Preis.
Reichweite bis zu 135 Kilometer, Akku nicht herausnehmbar
Dank Carbon sehr niedriges Gewicht, aber sehr hoher Preis
Sportliche Fahrleistungen, einfaches Handling
Der Anspruch ist hoch, der Preis auch: Firmenchef René Renger will mit seinem Erstling namens Novus One nicht weniger als "die urbane Mobilität neu definieren". Dazu hat er mit seinem früheren Kommilitonen Marcus Weidig ein ungewöhnliches Elektro-Zweirad entwickelt.
Das zu rund 95 Prozent aus europäischen Zutaten bestehende Gefährt aus Braunschweig ist nicht nur für Zweirad-erfahrene Menschen gedacht. Es soll auch solche ansprechen, die mit dieser Art der Fortbewegung bisher nichts am Hut bzw. am Helm hatten.
"First Time Rider" nennt man bei Novus die Spezies, der ein Auto zu groß, ein Motorrad zu schwer und ein E-Bike zu langsam ist. Zudem muss sie über ein ordentlich gefülltes Bankkonto verfügen. Denn aktuell, mit den ersten 100 Exemplaren der "Founders Edition", startet die Preisliste bei stolzen 25.347 Euro. Viel Geld. Und was bekommt man dafür?
Ein Lightbike mit E-Antrieb

Novus bezeichnet sein erstes Produkt als Lightbike. Sprich: Es soll die Leichtigkeit und Simplizität eines Pedelecs mit der Leistung eines Motorrads und der Agilität eines Rollers kombinieren. Laut seinen Vätern begründet es damit eine komplett neue Fahrzeugkategorie.
Auffallendste technische Besonderheit: Käuferinnen oder Käufer erwerben sozusagen zwei Zweiräder in einem. Denn das One gibt es einmal als 45-km/h-Moped der Klasse L1e. Es lässt sich aber ganz einfach per Software-Update "over the air" in eine 125er der Klasse L3e verwandeln – und zurück. Für die 50er-Variante reicht in Deutschland der Autoführerschein der Klasse B. Für die offene Version ist der A1-, B196- oder A2-Schein nötig.

Fürs Geld bekommt man aber auch eine Menge Carbon. Der teure, leichte und widerstandsfähige Werkstoff wird nicht bloß für den nur 5,2 Kilo schweren, Y-förmig gestylten Monocoque-Rahmen verwendet, der der One ihr spezielles Aussehen verleiht. Er kommt auch an den sonstigen Komponenten des Zweirads, wie den Felgen, zum Einsatz und sorgt für den rundum leichten Auftritt.
Wenig Leistung, viel Drehmoment

Aber genug der Theorie, jetzt wird endlich gefahren. Die Novus One ist schlank, hochbeinig (Sitzhöhe: 90 Zentimeter) und leicht zu bedienen: Mit dem Smartphone oder der Schlüsselkarte einschalten, den gewünschten der drei Fahrmodi von Cruise bis Sport einstellen, am Griff rechts drehen, schon geht es voran.
Der speziell für die One entwickelte Radnabenmotor in der Carbonfelge hinten gibt ein leise sirrendes Geräusch von sich – und ab geht die Post. Zunächst noch mit der gebotenen Zurückhaltung, um das Fahrgefühl auf dem nur 121 Kilo leichten Kraftbolzen zu erkunden. Aber dann zunehmend flotter: Die Nominalleistung der offenen Version liegt zwar nur bei überschaubaren und gesetzeskonformen 15 kW/20 PS. Aber die kurzfristig verfügbare Peakleistung beträgt immerhin 25 kW/34 PS.
Und damit lässt sich fahrdynamisch einiges anfangen, gerade auf einem elektrifizierten Zweirad, das sein komplettes Drehmoment, im Sportmodus 300 Newtonmeter, ansatzlos auf die Straße bringt. 1,9 Sekunden verspricht Novus für den Sprint aus dem Stand auf 50 km/h, und so fühlt sich ein Power-Start auch an.
Beim Ampelsprint ist man jedenfalls immer sehr weit vorne dabei. Auch erkennbar ambitionierte Autofahrer in kräftigen SUVs haben bei unserer Ausfahrt keine Chance. Bei Bedarf zieht die One unnachgiebig ab, auch jenseits der Stadtgrenzen geht es mit Nachdruck weiter voran. Erst bei 130 km/h ist Schluss.
Elektro-Reichweiten der Novus One: 110 und 135 Kilometer

Der Umgang mit dem Lightbike gestaltet sich sehr simpel. ABS-abgesichert gebremst wird mit den zwei Hebeln am Lenker. Die Fahrmodi und die drei Rekuperationsstufen lassen sich an einem Wippschalter rechts einstellen. Mehr ist eigentlich nicht zu tun, um die dynamischen Fähigkeiten des Leichtkraftrades voll auskosten zu können.
Wie in einer Sänfte ist man mit der Novus nicht unterwegs – das Fahrwerk setzt mit seiner speziellen Monogabel mit 100 Millimetern Federweg vorne und der 130-Millimeter-Schwinge hinten auf gesunde Härte. Angesichts der maximalen Reichweite von 135 Kilometern der gedrosselten Pure-Version und den 110 Kilometern der offenen Variante im städtischen Verkehr und entsprechend weniger auf Landstraßen oder gar Autobahnen steht das Komfort-Thema aber nicht unbedingt im Vordergrund.
Deutlich wichtiger ist in diesem Fall neben der Leistung das Handling. Und hier punktet die One auf ganzer Linie: Dank der tief unten im Rahmen angebrachten Batterie lässt sich das Bike auch unter Schrittgeschwindigkeit noch problemlos manövrieren. In Kurven legt sich die Fuhre mit minimalem Kraftaufwand fast von allein – ein deutlicher Vorteil gegenüber Elektro-Bikes mit schweren Akkus anstelle der üblichen Benzintanks. Und eine Eigenschaft, die speziell Zweirad-Einsteigern zugutekommt.
Ladegerät ist immer dabei

Apropos Akku: Der Stromspeicher der One fasst laut Novus 6,2 kW/h, er hängt zum Laden an einer 230-Volt-Steckdose, mit dem Standardladegerät mit 2 kW, ein optional erhältlicher Lader schafft 3 kW. Macht rund 3,5 oder 1,5 Stunden Ladezeit für die Füllung von 0 bis 80 Prozent.
Ein wichtiger Punkt für künftige Nutzer: Die Batterie ist nicht entnehmbar, das Bike muss also zur Steckdose kommen können. Aber dafür kann die One ihr Ladegerät problemlos selbst transportieren. Denn in die große Öffnung in der Rahmenmitte passt ein maßgeschneiderter "Ladekoffer" oder wahlweise eine spezielle Tasche, die sich auch als Rucksack verwenden lässt.
Fazit: Exklusivität ist garantiert

Aber diese Möglichkeiten werden Novus-One-Fahrer vermutlich nur in Ausnahmefällen nutzen. Denn mit "Luftloch" in der Mitte sieht das Zweirad wesentlich besser aus. Das Aussehen wird wohl neben den technischen und fahrdynamischen Fähigkeiten des deutschen Newcomers ein entscheidender Kaufgrund sein.
Mit der Novus fällt man angenehm auf. Trotzdem wird ihr enorm hoher Preis eine massenhafte Verbreitung zuverlässig verhindern. Das heißt: Exklusivität ist garantiert.
Novus One: Technische Daten und Preis
| Technische Daten (Herstellerangaben) | Novus One |
|---|---|
Motor | Radnaben-Elektromotor im Hinterrad; 15 kW/20 PS Dauerleistung; 25 kW/34 PS Spitzenleistung; 300 Nm max. Drehmoment, Reichweite laut Hersteller: max. 110 km im Stadtverkehr; Batteriekapazität: 6,2 kWh; Ladezeit 0–80 %: max. 3,5 Stunden |
Maße und Gewichte | Radstand 1,32 m / Höhe 1,08 m / Breite 0,79 m; Gewicht 121 kg |
Fahrleistungen | Höchstgeschwindigkeit 130 km/h |
Preis | ab 25.347 Euro |
Text: Rudolf Huber