Wenn Kinder aufs Fahrrad steigen, sollten sie stets einen Helm tragen, um bei einem Sturz geschützt zu sein. Doch nicht alle Helme sind gleich gut, wie ein von ADAC und Stiftung Warentest gemeinsam durchgeführter Test von 18 Fahrradhelmen beweist. Kein Fahrradhelm kommt über "befriedigend" hinaus Hoher Kaufpreis garantiert keinen besseren Schutz Testsieger ist der günstigste Helm Die Auswahl an Fahrradhelmen für Kinder ist enorm groß. Doch welcher Helm ist gut? Dieser Frage sind der ADAC und die Stiftung Warentest nachgegangen. 18 Helme mussten sich in den drei Kategorien Unfallschutz, Handhabung und Schadstoffgehalt beweisen. Wichtigstes Kriterium im Test ist mit einem Anteil von 55 Prozent an der Gesamtnote der Unfallschutz. Schließlich ist das der Grund, warum Helm tragen generell so wichtig ist. Im Falle eines Sturzes oder Unfalls kann ein Fahrradhelm schwere Kopfverletzungen mildern oder ganz verhindern. Die gute Nachricht: Die 18 Kinder-Fahrradhelme im Test bieten alle grundsätzlich genügend Schutz, um das Verletzungsrisiko im Ernstfall deutlich zu reduzieren. Doch perfekt ist keiner der getesteten Helme. Bei jedem Modell gibt es Kritikpunkte, sodass kein Helm ein gutes Gesamtergebnis erreichen konnte. Die beste Bewertung beim Unfallschutz und auch im gesamten ADAC Urteil (2,6) erhielt der günstigste Kinder-Fahrradhelm: Crivit von Lidl. Am schlechtesten hingegen schnitten sowohl im Gesamtergebnis (beide ADAC Urteil 3,6) als auch im Unfallschutz die Fahrradhelme von Abus und Melon ab – sie liegen mit einem Kaufpreis von über 70 Euro sogar im höheren Preissegment. Dennoch gilt: Jeder Fahrradhelm ist besser als gar kein Helm. Testsieger ist der Kinder-Fahrradhelm Lidl Crivit Insgesamt hat das Modell Crivit von Lidl mit dem ADAC Urteil 2,6 am besten abgeschnitten. Der Testsieger überzeugte besonders beim Unfallschutz. Ausschlaggebend sind auch sein geringes Gewicht und die sehr gute Sichtbarkeit im Dunkeln inklusive aktivem Rücklicht. Weil jedoch die Handhabung lediglich befriedigend ist und der Tragekomfort sogar nur als ausreichend bewertet wird, reicht es insgesamt nicht für eine bessere Gesamtnote. Mit dem Kaufpreis von rund 15 Euro ist er der günstigste Helm im Test. Dicht dahinter mit dem ADAC Urteil 2,7 teilen sich der Fahrradhelm Nutz 2.0 KinetiCore von Lazer und der Kinderhelm Oyo von Uvex den zweiten Platz. Testverlierer: Kinder-Helme von Melon und Abus Erwähnenswert ist beim Kinder-Fahrradhelm Melon das insgesamt schlechte Abschneiden beim Unfallschutz, besonders die schwachen Werte bei den Stoßdämpfereigenschaften im Schläfenbereich zeigen Verbesserungsbedarf. Auch die Sicherheit von Riemen und Schloss fällt mit einer nur ausreichenden Bewertung negativ auf. Die Gurtenden sind nicht gesichert, wodurch sich einzelne Verschlussteile lösen können. Ein Mikroschlupf am Gurtband bzw. am Verschluss führt dazu, dass der Gurt während des Fahrens regelmäßig nachgestellt werden muss. Der Abus YouDrop mit dem gleichen ADAC Testurteil von 3,6 zeigt zudem Schwächen beim Unfallschutz im Bereich Erkennbarkeit im Dunkeln. Ergebnisse im Überblick: 18 Fahrradhelme für Kinder Beim Klick auf die Zeile des entsprechenden Helms erhalten Sie weitere Informationen. Intensiv geprüft: Schutz vor Kopfverletzungen Für die Bewertung in der Kategorie Unfallschutz spielt der Schutz vor Kopfverletzungen eine große Rolle. Insgesamt zeigte sich im Test, dass bei 12 von 18 Fahrradhelmen die Stoßdämpfungseigenschaften im Schläfenbereich die größte Schwachstelle sind. Im ADAC Test werden die Stoßdämpfungseigenschaften von Kinder-Fahrradhelmen strenger geprüft, als es die gültige Norm DIN 1078 vorschreibt. Dafür untersucht der ADAC jedes Helm-Modell nicht nur einmal, sondern gleich an sechs baugleichen Exemplaren. Insgesamt werden 18 Fallversuche pro Modell durchgeführt – mit unterschiedlichen Aufprallwinkeln. So wird umfangreich überprüft, wie zuverlässig ein Fahrradhelm den Kopf eines Kindes bei verschiedenen Sturzsituationen schützt. Die Erkenntnis: Ein hoher Kaufpreis garantiert keinen besseren Schutz vor Kopfverletzungen. Denn der teuerste Helm im Test – das Modell von POC für 100 Euro – hat die schlechtesten Ergebnisse bei den Stoßdämpfungseigenschaften. Ebenso schlechte Stoßdämpfungseigenschaften haben die Fahrradhelme von Puky und Fischer. Der günstigste Helm hingegen – Crivit von Lidl für rund 15 Euro – erzielte hier den besten Wert im gesamten Test. Neben Lidl/Crivit überzeugen auch die Fahrradhelme von KED, Cratoni und Specialized mit guten Ergebnissen beim Schutz vor Kopfverletzungen. Wichtig: Sichtbarkeit im Dunkeln Enorm wichtig für die Sicherheit im Verkehr ist die Erkennbarkeit der Fahrradhelme bei Dunkelheit durch Reflektoren oder Beleuchtungseinrichtungen wie LEDs. In dieser Unterkategorie des Unfallschutzes fielen die Ergebnisse im Test sehr unterschiedlich aus. Ein überzeugendes Beispiel sind hier mit Reflexionsstreifen versehene Gurtbänder, die einen sehr starken Effekt auf eine bessere Sichtbarkeit im Dunkeln haben. Auch hier fällt der günstigste Fahrradhelm von Lidl/Crivit positiv auf. Er bietet nicht nur eine sehr gute Reflexion, sondern verfügt sogar über ein integriertes aktives Rücklicht. Ein aktives Licht ist grundsätzlich sinnvoll, muss jedoch vor der Fahrt eingeschaltet werden, um seinen Zweck zu erfüllen. Häufig werden solche Rücklichter mit Knopfzellen betrieben, die nach dem Entladen ausgetauscht werden müssen. Beim Fahrradhelm von Specialized ist das jedoch nicht möglich: Die Batteriezellen des integrierten Rücklichts lassen sich nicht wechseln, ohne das gesamte Licht zu beschädigen. Ein gutes Beispiel ist dagegen das Kinder-Fahrradhelm-Modell von Cratoni. Die LED-Beleuchtung ist über einen USB-C-Anschluss wiederaufladbar und somit auch sehr umweltfreundlich. Keine Sichtbarkeit im Dunkeln zeigten neben dem Modell von Bell auch die Fahrradhelme von Decathlon und Uvex. Nur eine ausreichende Bewertung erreichten in dieser Kategorie die Modelle von Abus, Alpina, Cube, Lazer, Giro, KED und Specialized. Insgesamt sind damit 10 von 18 Fahrradhelmen für Kinder im Straßenverkehr schlecht sichtbar. Das ist kaum nachvollziehbar, zumal sich die Sichtbarkeit mit einfachen Mitteln deutlich verbessern ließe. Welche Fahrradhelm-Größe passt? Für den Praxistest wurden sechs mitfahrende Kinder und sechs selbst fahrende Kinder gemeinsam mit ihren Eltern einbezogen. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass bei Fahrradhelmen neben dem Tragekomfort vor allem die Passform des Helms entscheidend ist. Neben der Passform ist bei allen Fahrradhelmen auch die Größenabdeckung der einzelnen Modelle sehr unterschiedlich. Viele Hersteller decken mit ihren Modellen nur einen begrenzten Kopfumfang ab. So ist der Fahrradhelm von Decathlon beispielsweise erst ab einer Kopfgröße von 52 Zentimetern erhältlich, während der Giro-Helm nur bis zu einem Kopfumfang von 53 Zentimetern angeboten wird. Lediglich die Hersteller der Fahrradhelme von Cube und Woom bieten hier fast die gesamte Bandbreite an Helmen für Kinder aller Altersklassen an. Cube hat als einziger Anbieter im ADAC Test die vier Helmgrößen in XXS, XS, S und M (Kopfumfang von 44 bis 57 Zentimeter) in seinem Portfolio, Woom punktet mit den drei Helmgrößen XS, S und M (Kopfumfang 46 bis 57 Zentimeter). Wie die Grafik zeigt, bieten nur die Hersteller Puky, Melon, KED und Fischer Modelle an, die für Kinder mit größeren Kopfumfängen (bis zu 58 Zentimeter) geeignet sind. Und nur das Modell von Decathlon hat einen Fahrradhelm in Größe M für einen Kopfumfang von bis zu 59 Zentimetern im Angebot. Fazit & Forderungen an die Hersteller Leider beobachtet der ADAC in den letzten Jahren keine bis wenig Weitentwicklung bei Fahrradhelmen, dennoch sind viele Helme sehr teuer. Sowohl bei den Stoßdämpfungseigenschaften als auch bei der Ausstattung der Helme für Kinder ist kaum Innovation zu sehen. Fazit dieses Tests: Die Hersteller müssen mehr in den Unfallschutz investieren, und folgende Aspekte sollten auch stärker berücksichtigt werden. Der Schutz vor Kopfverletzungen muss insbesondere im Bereich der Schläfen verbessert werden. Die Sichtbarkeit im Dunkeln durch Reflektoren sollte deutlich ausgebaut werden, denn 10 von 18 Helmen schnitten im Test lediglich mit "ausreichend" ab oder schlechter. Das Gurtsystem der Fahrradhelme für Kinder darf sich im praktischen Einsatz nicht durch Mikroschlupf lockern. Eine seitliche Einstellbarkeit der Gurte sollte immer möglich sein, um die Gurtführung optimal an die Kopfform des Kindes anpassen zu können. Eine Sicherung an den Gurtenden sollte stets gegeben sein, denn das vermindert das Risiko, dass sich der Verschluss versehentlich ausfädelt. Die Batterie der LED-Beleuchtung muss einfach austausch- oder aufladbar sein. Da das Drehrad zur Größenverstellung häufig benutzt wird, sollte es einfach bedienbar und gut erreichbar sein. Praxis-Tipps: Das ist zu beachten Da jede Kopfform individuell ist, empfiehlt es sich, den Helm vor dem Kauf anzuprobieren. So lassen sich Passform und Einstellmöglichkeiten des Helms überprüfen und ein Fehlkauf vermeiden. Generell lohnt es sich zu prüfen, welche Größen der Helm abdeckt, denn Kindern kann ein Fahrradhelm mit einer geringen Spannbreite beim Kopfumfang schnell zu klein werden. Um eine möglichst gute Sichtbarkeit zu gewährleisten, sollte der Helm mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet sein. Zusätzlich sollte der Helm auch über reflektierende Elemente an der gesamten Helmschale sowie im Kinnriemen verfügen. Reflexionsstreifen können auch nachträglich angebracht werden. Zudem erhöht ein helles Design in auffälligen Farben die Sichtbarkeit. Jeder Helm muss nach einem Sturz ersetzt werden, da dabei nicht sichtbare Schäden entstanden sein können. Dadurch könnte die Schutzfunktion des Helms teilweise oder vollständig beeinträchtigt sein. Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann. Auch der schlechteste Helm im Test kann im Ernstfall Leben retten, wenn er richtig getragen wird. Daher gilt: Immer mit Helm Rad fahren und den Fahrradhelm richtig aufsetzen und anpassen. Video: So sitzt der Fahrradhelm richtig Nur wenn der Helm gut sitzt und perfekt eingestellt ist, kann er seinen Zweck optimal erfüllen. Die Wahl eines passgenauen Kopfschutzes ist also enorm wichtig. Im folgenden Video "Fahrradhelm richtig einstellen" wird gezeigt, wie es geht. So hat der ADAC getestet Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar. Fachliche Beratung: Matthias Zimmermann, ADAC Technik Zentrum