Wachs oder Öl: Was ist die beste Wahl für die Fahrradkette?

• Lesezeit: 7 Min.

Von Roman Breindl

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Das Fahrrad wird frühlingsfit gemacht und die Kette gereinigt
Eine gewachste Fahrradkette ist sauber, schont die Ritzel und läuft ruhiger© iStock.com/FotoDuets

Viele Radfahrer schwören inzwischen auf Kettenwachs statt Öl für ihr Fahrrad – und das hat gute Gründe. Dabei hat das Wachsen der Fahrradkette nicht nur Vorteile.

  • Wachs ist sauber und langlebig

  • Mit Wachs mehr Effizienz für Sportler

  • Öl hilft Regenfahrern

Wachs auf der Kette ist eine echte Erleichterung für alle Vielfahrer und Sportler, denn im täglichen Gebrauch verdreckt die Kette nicht so stark. Das führt neben sauberen Hosen zu weniger zeitintensiver Wartung und zu einer längeren Haltbarkeit der stark beanspruchten Kette. Außerdem laufen gewachste Ketten ruhiger als geölte. Weil die gut gewachste Kette leiser und mit einem oft geringeren Reibungsverlust läuft, ist die damit erreichte Effizienzsteigerung gerade bei sportlichen Fahrern und Fahrerinnen beliebt.

Kette besser ölen oder wachsen?

Die haftende Eigenschaft von Öl führt dazu, dass sich schnell Staub, Schmutz und Metallabrieb anlagern. Daraus entsteht eine Art harte Schleif-Paste, die Kette und Ritzel spürbar verschleißt. Wachs trocknet dagegen zu einer trockenen, glatten Schicht, an der Schmutz kaum haftet. Der berüchtigte schwarze, ölige Schmutzfilm, der Ritzel und Kassette angreift, kann gar nicht entstehen. Ergebnis: Die Kette bleibt wesentlich sauberer. Damit erreichen viele Nutzer eine zwei- bis dreimal längere Haltbarkeit ihres gesamten Antriebs – ein klarer Vorteil, denn Ersatzteile wie Kette, Kassette und Kettenblätter sind in den vergangenen Jahren spürbar teurer geworden.

Auch eine gewachste Kette sollte regelmäßig gereinigt werden. Nach längeren Fahrten im Nassen empfiehlt es sich zudem, die Wachsschicht zu erneuern. Insgesamt ist der Pflegeaufwand jedoch deutlich geringer als bei geölten Ketten: Dort muss der typische schwarze Öl-Schmutz-Film immer wieder entfernt werden. Diese Mischung aus Kettenöl, Staub und Metallabrieb bildet eine zähe, hartnäckige Schicht, die sich nur mit hohem Reinigungsaufwand wieder beseitigen lässt.

Hat Kettenwachs Nachteile?

Allerdings ist der erste Umstieg auf Wachs aufwendig, da die meist vorgeölte Kette vollständig entfettet werden muss. Außerdem wäscht sich Wachs bei Nässe schneller ab als das fest anhaftende Öl. Im Winter setzt Streusalz einer gewachsten Kette zu. Rost kann schneller entstehen. Daher ist Kettenwachs für Alltagsräder in Regionen mit regelmäßigem Streusalzeinsatz nur eingeschränkt geeignet. Je nach Wachs empfehlen die Hersteller, alle 150 bis 400 Kilometer nachzuwachsen; bei Nässe halbieren sich die Werte.

Fahrradkette ölen

Das Fahrrad wird frühlingsfit gemacht und die Kette geölt
Wer viel im Regen unterwegs ist, bleibt besser beim Öl© iStock.com/Creative-Family

Das herkömmliche Öl ist vor allem für Regenfahrer sinnvoll, die täglich im Dauernass unterwegs sind. Denn das Öl hält sich robuster an der Kette, während Wachs verhältnismäßig schnell abgewaschen wird und neu aufgetragen werden muss. Auch Radfahrerinnen und -fahrer, die keine Zeit mit der Pflege und Wartung verbringen wollen, sollten an der einfachen Version Öl festhalten, denn das wird nur kurz aufgetragen. Daher setzen auch viele Anbieter von Sharing-Bikes und Leihrädern auf Öl. Denn bei wechselnden Nutzern ist nie klar, wer sich die Mühe des Wachsens macht. Öl bleibt die einfache, schnelle Lösung, besonders bei starker Nässe.

DIY: Schritt für Schritt auf Kettenwachs umstellen

Damit das Wachs richtig funktioniert, muss das Öl von den Kettengliedern und allen Zahnrädern und Ritzeln vollständig entfernt werden. Wachs haftet nur auf sauberem, entfettetem Metall. Bei dieser alltagstauglichen Variante kann die Kette auf dem Rad bleiben. Folgendes wird benötigt:

Das fahrrad wird frühlingsfit gemacht und die Kette geölt
Die Fahrradkette wird von allen Ölrückständen befreit© iStock.com/Creative-Family
  • Entfetter (z.B. Bremsenreiniger oder Fahrradkettenreiniger)

  • Bürste oder Lappen

  • Optional: Isopropanol

  • Flüssigwachs (Drip Wax)

Schritt 1: Kette grob reinigen

Die Kette kann auf dem Rad bleiben. Die Kette großzügig mit Entfetter einsprühen und zwei bis drei Minuten einwirken lassen. Dann mit einer Bürste und einem Lappen alle Ölreste abreiben. Gegebenenfalls mit einem in Isopropanol getränkten Lappen nachwischen.

Schritt 2: Mit Wasser nachspülen

Das Flüssigwachs gleichmäßig auf die trockene Kette tropfen. Dabei darauf achten, dass jedes einzelne Kettenglied benetzt wird. Das Wachs idealerweise über Nacht in einem trockenen Raum aushärten lassen. Am nächsten Tag das Hinterrad anheben und alle Gänge durchschalten oder einige Minuten fahren, damit sich das Wachs gleichmäßig verteilt.

Schritt 3: Wachsschicht auftragen

Nun eine zweite, dünnere Wachsschicht auftragen. Diese benötigt nur etwa 10 Minuten Trocknungszeit. Für besonders hohe Standzeiten kann der Vorgang wiederholt werden.

So lässt sich die Kette mit überschaubarem Aufwand auf Wachs umstellen. Das Verfahren eignet sich besonders für Alltagsräder und Pendler: Der Antrieb bleibt deutlich sauberer, läuft leiser und erreicht eine längere Lebensdauer.

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Wachs-Umstellung für Perfektionisten mit Hot Wax

Wer die maximale Lebensdauer und Sauberkeit für seine Kette wünscht, sollte etwas mehr Zeit investieren. Dieser Aufwand lohnt sich für Viel-, Rennrad- und Gravelbike-Fahrer und -Fahrerinnen. Folgendes ist dafür nötig:

Das Fahrrad wird frühlingsfit gemacht und die Kette glänzt wie neu nach dem Wachsen
Saubere Ritzel erhöhen die Lebensdauer© iStock.com/vovashevchuk
  • Kettennietwerkzeug

  • Ein geeigneter Kettenentfetter oder Bremsenreiniger

  • Ein dichter Behälter, der die Kette aufnehmen kann

  • Optional: Isopropanol

  • Wachs (Hot Wax oder Drip Wax)

Schritt 1: Kette abnehmen

Mit einem Kettenschloss dauert das Abnehmen der Kette wenige Sekunden. Falls nicht: Es lohnt sich, einmalig eines zu montieren. Hilfreiche Tipps unserer Experten finden sich hier: Fahrradkette wechseln – So geht's in fünf Schritten!

Schritt 2: Kette reinigen

Dieser Schritt ist der Schlüssel zur perfekten Wachs-Haftung. Die ölige Kette wird in den Behälter oder das Glas mit Entfetter gelegt. Schütteln hilft, den Entfetter gleichmäßig in allen Ecken und Nischen der Kette zu verteilen. Nach wenigen Minuten die Kette herausnehmen, den Entfetter wechseln und die Kette erneut durch Schütteln reinigen. Das sollte so oft wiederholt werden, bis das Lösungsmittel klar bleibt. Wer besonders gründlich sein möchte, spült die Kette am Ende mit Isopropanol. Das entfernt auch die allerletzten winzigen Ölreste. Ideal ist es, wenn die Kette metallisch sauber ist.

Schritt 3: Trocknen lassen

Jetzt muss die Kette trocknen – Wachs und Restfeuchte vertragen sich nicht. Daher sollte die Kette vollständig getrocknet werden. Viele hängen die Kette über Nacht in einen trockenen Keller oder in die Garage.

Schritt 4: Ritzel reinigen

Da sich viele Ölreste in der Kassette sammeln, muss auch sie ausgiebig gereinigt werden. Nach dem Ausbau wird sie mit Entfetter eingesprüht. Nach einer kurzen Einwirkzeit werden mit einer alten Zahnbürste die Ritzel und Zwischenräume gereinigt. Idealerweise kann sie ebenfalls mit Isopropanol nachgereinigt werden. Ein Lappen hilft, sie gründlich zu trocknen.

Kettenblatt und Schaltröllchen müssen ebenfalls von Altöl und Schmutzresten befreit werden. Sie sollten mit Entfetter eingerieben und gründlich mit der Zahnbürste sauber gemacht werden. Gerade die Schaltröllchen müssen intensiv gereinigt werden. Letzte Ölfilme und Schmutzreste werden mit Isopropanol entfernt, bevor diese Teile zum Trocknen abgelegt werden.

Schritt 5: Wachsen

Inzwischen wird der Wachsblock in einem Topf geschmolzen, in dem die Kette Platz findet. Die Kette sollte vollständig eingetaucht und 5 bis 10 Minuten im flüssigen Wachs geschwenkt werden. Nach dem vorsichtigen Herausnehmen – hierbei sind Kabelbinder oder Draht pfiffige Helfer – sollte sie etwas abkühlen. Dann wird sie zusammen mit Schaltröllchen, Kettenblatt und Ritzeln wieder eingebaut. Nach dem Aushärten ist die Kette häufig zunächst etwas steif, da das Wachs in den Gelenken aushärtete. Vor der ersten Fahrt sollte die Wachsschicht daher "gebrochen" werden. Dazu die Kette an allen Gliedern mehrfach durchbewegen bzw. durch alle Gänge schalten und das Antriebssystem laufen lassen, bis sie wieder frei und geschmeidig läuft.

Wie oft muss man die Fahrradkette wachsen?

Je nach Herstellerangaben und Einsatzbedingungen sollte die Kette anschließend etwa alle 150 bis 600 Kilometer nachgewachst werden. In der Praxis reicht es meist aus, die Kette im eingebauten Zustand mit Flüssigwachs nachzubehandeln – ein vollständiges Neuaufsetzen ist nicht bei jedem Intervall erforderlich. Nach Regenfahrten sollte die gewachste Kette mit einem Tuch getrocknet und bei Bedarf neu eingewachst werden.

Für die langlebige gewachste Kette bieten sich zwei Strategien an

  • Regelmäßig komplett heiß wachsen: Die Kette wird ausgebaut, gereinigt und erneut im Heißwachsbad behandelt. Das bietet die maximale Standzeit und sehr saubere Laufkultur.

  • Im eingebauten Zustand mit Flüssigwachs nachpflegen: Hier bleibt die Kette am Rad und wird in regelmäßigen Abständen mit Drip Wax aufgefrischt. Das ist deutlich alltagstauglicher und spart Zeit.

In der Praxis hat sich eine Kombination bewährt: Nach einer vollständigen Heißwachs-Behandlung wird die Kette etwa alle 200 bis 400 Kilometer mit Flüssigwachs nachgepflegt. Nach rund 800 bis 1200 Kilometern – oder wenn die Laufgeräusche zunehmen – folgt erneut die komplette Heißwachs-Prozedur. So bleibt der Antrieb sauber, leise und langlebig, ohne dass der Wartungsaufwand unnötig hoch wird.