Hövding 3: Fahrrad-Airbag im ADAC Crashtest

Crashtest bestanden: Der Fahrrad-Airbag entfaltet sich und schützt den Kopf des Stuntman ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Uwe Rattay

Der Hövding 3 löst beim Dooring-Unfall schnell und zuverlässig aus. Aber der Airbag-Helm ist schwer, teuer und schützt nicht bei jedem Unfallszenario.

  • Simulation eines Dooring-Unfalls mit Stuntman

  • Airbag-Kragen nach 80 Millisekunden voll entfaltet

  • Sehr guter Schutz vor Kopfverletzungen

Der Albtraum eines jeden Radfahrers: Ein Autofahrer reißt plötzlich seine Tür auf, der Radfahrer knallt rein oder wird auf die Fahrbahn geschleudert. Solche Dooring-Unfälle sind sehr gefährlich und kommen immer häufiger vor. In der Crashanlage des ADAC Technikzentrums Landsberg wird dieses Szenario nachgestellt, um den Airbag-Helm Hövding 3 zu testen.

Nach 80 Millisekunden ist der Fahrrad-Airbag entfaltet

Ausgelöster Airbag-Helm Hövding 3 an einem Stuntman
Sehr guter Kopfschutz: Stuntman Wilk nach dem Crash mit geöffnetem Hövding 3 ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Mit 18 km/h fährt Stuntman Paul Wilk auf die geöffnete Autotür zu, prallt mit seinem Fahrrad gegen die Tür, hechtet drüber und landet nach einer Rolle vorwärts auf dicken blauen Gymnastikmatten. Im Flug hat mit einem lauten Knall der Hövding ausgelöst, umschließt und schützt seinen Kopf – optisch erinnert der entfaltete Airbag an eine Trockenhaube für den privaten Gebrauch.

Crashtest bestanden: Der Hövding 3, so heißt die neueste Version des Airbag-Kragens für Radfahrer aus Schweden, funktioniert. Auf den Aufnahmen der Spezialkamera erkennt man im Zeitraffer, dass sich der Airbag komplett geöffnet hat, als Stuntman Wilk etwa drei Viertel seines Saltos hinter sich hat. "Der Airbag hat sich innerhalb kürzester Zeit, nach 80 Millisekunden, voll entfaltet", sagt Michael Peuckert, ADAC Projektleiter für Produkttests.

Airbag-Helm schützt nicht in allen Unfallszenarien

Eine Untersuchung der Universität Straßburg* bescheinigt dem Hövding einen sehr guten Schutz vor Kopfverletzungen. Das kann ADAC Experte Peuckert bestätigen: "Wenn ich nach vorn oder zur Seite falle, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auslöst und schützt, sehr hoch." Gut sei auch, dass der Hövding sich sehr schnell entfaltet. "Allerdings schützt er nicht in allen Unfallszenarien so gut wie ein Helm", schränkt Peuckert ein, "zum Beispiel beim Crash mit einer Lkw-Tür oder einem Lkw-Spiegel." Hier seien herkömmliche Fahrradhelme eindeutig besser als ein Airbag, der sich ja erst entfalten muss. Peuckert: "Der Helm ist immer da, bietet sozusagen ab Millisekunde 0 vollen Schutz."

Hövding 3: Alternative zum klassischen Fahrradhelm

Der Hövding 3 ist eine Alternative zum klassischen Fahrradhelm: Eine 837 Gramm schwere Hightech-Halskrause, deren Sensoren die Bewegungen des Fahrers registriert, sich bei einem Unfall öffnet und laut Hersteller via Bluetooth sogar Freunde verständigen kann. Schutz, der seinen Preis hat: ab circa 300 Euro. Der schwedische Hersteller verspricht, dass Kunden, die ihren Hövding nach einem Unfall einschicken, 100 Euro Rabatt auf die unverbindliche Preisempfehlung (350 Euro) für den neuen Helm bekommen.

Fahrrad-Airbag: Stärken und Schwächen

Der Hövding 3 wurde im Rahmen des großen ADAC Fahrradhelm-Tests außer Konkurrenz getestet und erhält daher kein ADAC Urteil. Aber einige Erkenntnisse haben die Tester natürlich gewonnen. "Ein spannendes Produkt mit einer sehr hohen Schutzfunktion vor Kopfverletzungen, wenn er sich voll entfaltet hat", sagt Peuckert, der auch bei der Ausstattung Stärken sieht. So lässt sich der Airbag-Kragen auf den Halsumfang des Trägers einstellen, man kann den Bezug wechseln, der Akkustand wird per LED angezeigt und eine App ist verfügbar.

Stuntman sonst beim Bergdoktor im Einsatz

Paul Wilk macht gefährliche Situationen berechenbar, bereitet sich akribisch auf seine Stunts vor. "Ich sammle alle Infos, entwickle eine Idee und stelle mir dann vor, wie es sein muss." In der ADAC Crashanlage macht er sich mit dem Fahrrad vertraut, übt immer und immer wieder den Aufprall an die Tür, den Hechtsprung, die Rolle vorwärts und die Landung auf den Gymnastikmatten.

Der Österreicher Wilk, 27, aus Linz, war früher Leistungsturner. Heute macht er Dinge, die in TV-Serien wie den Bergrettern oder dem Bergdoktor gefährlich aussehen: in den Bergen abstürzen, sich mit dem Auto überschlagen oder Treppen runterfallen.

In der ADAC Crashanlage klappt alles wie geplant: Der Airbag des Hövdings löst aus, entfaltet sich rechtzeitig vor der Landung auf der Gymnastikmatte. "Ich habe trotz der Ohrstöpsel einen lauten Knall gehört und einen Schlag auf den Hinterkopf gespürt", erzählt Wilk, "aber alles hat super funktioniert, der Airbag ist aufgegangen und die Landung war einwandfrei."

Als größte Schwäche sehen die Tester, dass der Airbag-Kragen bauartbedingt nicht in jeder Unfallsituation schützen kann. Dazu kommen der im Vergleich zu Helmen (zwischen 35 bis 200 Euro) mit rund 300 Euro hohe Anschaffungspreis und ein sehr eingeschränkter Tragekomfort. "Er wirft Falten beim Engerstellen", berichtet Peuckert, "und ist nicht bequem."

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Christof Henn
Redakteur
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