Top 5: Südtirols schönste Passstraßen

Passstrasse mit vielen Kehren
Lindwurmstraße: Die heutige Trasse am Stilfser Joch wurde zwischen 1820 und 1826 erbaut. Im Bild ist die berühmte Nordostseite zu sehen ∙ © ADAC/Rasmus Kaessmann

Enge Kurven, schwierige Kehren und starke Strecken: Wir stellen fünf spektakuläre Pässe südlich des Brenners vor: Stilfser Joch, Grödner- und Sellajoch, Pordoijoch und Campolongo. Dazu: Tourenvorschläge mit Aussichtsgarantie.

Passkontrollen sind selten geworden in Europa. Und das ist ja auch gut so, wenngleich sich gerade in Südtirol ein solcher Check dringend mal empfeh­len würde. Die Region, die man von Norden kommend meistens über den Brenner erreicht, verlangt geradezu danach, sich die Pässe einmal genauer anzusehen. Wir zeigen fünf anspruchsvolle Passstraßen in den Dolomiten.

Stilfser Joch: Von Prad nach Bormio

Ein rotes Auto fährt auf einer Passstrasse, auf den Bergen liegt Schnee
Stilfser Joch ∙ © ADAC/Rasmus Kaessmann

Das Joch, nach dem Col d­’Iseran in Frankreich der zweithöchste asphaltierte Gebirgspass der Alpen, verbindet Südtirol mit der Lombardei. Die kurvenreiche Straße ist eine Herausforderung – wer noch keine Erfahrung mit Passkehren hat, sollte sich zunächst an eine andere Tour wagen. Oben angekommen, blickt man auf die fast 4000 Meter hohen Gipfel der Ortlergruppe. Diese höchsten Berge der Ostalpen gehören mit den angrenzenden Tälern bis hinab in den Vinschgau zum Nationalpark Stilfser Joch. Auf der Passhöhe gibt es Cafés, Kioske, Hotels und Restaurants. Achtung: Beim Stilfser-Joch-Radtag am letzten Samstag im August oder am ersten Samstag im September wird der Pass für den motorisierten Verkehr gesperrt. Das Stilfser Joch war Schauplatz legendärer Rad­zwei­kämpfe. Daran erinnert ein Gedenkstein für Fausto Coppi, den fünfmaligen Sieger des Giro d’Italia.

Daten & Fakten



Höchster Punkt

2757 m

Anzahl der Kehren

87

Streckenlänge

54 km

Schwierigkeitsgrad

mittel bis sehr anspruchsvoll

Mautpflicht

keine

Wintersperre

Dezember bis Mitte Juni

Höhenmeter bergauf

1570 m

Höhenmeter bergab

1867 m

Maximale Steigung

14,8 %

Durchschnittliche Steigung

7,3 %

Maximales Gefälle

13,5 %

Durchschnittliches Gefälle

7,2 %

Karte & Höhenprofil

Sellajoch: Von Wolkenstein nach Canazei

Ein rotes Auto fährt auf einer Passstrasse vor einem Bergpanorama
Sellajoch ∙ © ADAC/Rasmus Kaessmann

Der Pass verbindet das Grödner Tal in Südtirol mit dem Fassatal im Trentino. Im Sommer ist hier viel los, da das ­Sellajoch Teil der ­beliebten Sella Ronda ist, der Schleife um den Sellastock. Die Passstraße selbst ist relativ anspruchsvoll – flache Stücke und lange Geraden gibt es kaum. Achtung: Im Juli und August wird der Pass mittwochs von 9 bis 16 Uhr für Fahrzeuge mit ­Verbrennungsmotor gesperrt. Elektrofahrzeuge, Fahrräder und Busse des ­öffentlichen Nahverkehrs dürfen die Straße ohne Einschränkung nutzen. Wer es einrichten kann, fährt die Strecke im Frühsommer oder Herbst.

Vom Passo Sella Dolomiti Mountain Resort (2180 Meter), dem früheren Sellajochhaus, führt eine Stehgondelbahn im Sommer in die Langkofelscharte zur ­Toni-Demetz-Hütte (2681 Meter). Auf der Terrasse wird Hausmannskost serviert, das Panorama gibt’s gratis dazu.

Daten & Fakten



Höchster Punkt

2218 m

Anzahl der Kehren

322

Streckenlänge

23 km

Schwierigkeitsgrad

mittel

Mautpflicht

keine

Wintersperre

keine

Höhenmeter bergauf

651 m

Höhenmeter bergab

740 m

Maximale Steigung

11 %

Durchschnittliche Steigung

6,8 %

Maximales Gefälle

9,2 %

Durchschnittliches Gefälle

6,4 %

Karten & Höhenprofil

Grödner Joch: Von Wolkenstein nach Corvara

Zwei Radfahrer fahren eine Passstrasse hinauf
Grödner Joch ∙ © ADAC/Rasmus Kaessmann

Die Passstraße, von beiden Seiten aus gut befahrbar, ­ver­bindet Wolkenstein in Gröden mit Corvara im Gadertal. Der Ausblick vom höchsten Punkt aus ist eine Sensation: im Süden der Brunecker Turm am Sellamassiv, im Norden die Cirspitzen, im Westen der Langkofel und im Osten die ­Fanesgruppe. Die Strecke ist Teil der Sella Ronda, schwingt Richtung Westen um die Sellagruppe herum und mündet in die Rampe zum Sellajoch. Auf der Passhöhe gibt es Sou­venir­läden, ein Hotel und ein Rifugio mit Sonnenterrasse.

Übrigens: In Gröden und dem Gadertal sprechen ­eini­ge ­Bewohner noch Ladinisch, eine selten gewordene Variante des Rätoromanischen. Die dreisprachige Beschilderung auf ­Italienisch, Deutsch und Ladinisch ist hier selbstverständlich.

Daten & Fakten



Höchster Punkt

2121 m

Anzahl der Kehren

31

Streckenlänge

21 km

Schwierigkeitsgrad

mittel

Mautpflicht

keine

Wintersperre

keine

Höhenmeter bergauf

581 m

Höhenmeter bergab

599 m

Maximale Steigung

11 %

Durchschnittliche Steigung

5 %

Maximales Gefälle

12,6 %

Durchschnittliches Gefälle

6,6 %

Karte & Höhenprofil

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Campolongo-Pass: Von Corvara nach Arabba

Ein rotes Auto fährt auf einer Passstrasse
Campolongo-Pass ∙ © ADAC/Rasmus Kaessmann

Er ist der niedrigste der vier Pässe rund um den Sella­stock. Die Straße steigt hinter Corvara schnell an und trifft im ­Süden auf die Große Dolomitenstraße im Skiresort Arabba in Belluno. Immer im Blick: der imposante ­Marmolata-Gletscher.

Auf der Passhöhe selbst gibt es mehrere Hotels und Einkehrmöglichkeiten. ­Wanderrouten führen hinab nach Corvara und Arabba ­sowie hinauf in die Sella.

Daten & Fakten



Höchster Punkt

1875 m

Anzahl der Kehren

19

Streckenlänge

10 km

Schwierigkeitsgrad

leicht bis mittel

Mautpflicht

keine

Wintersperre

keine

Höhenmeter bergauf

314 m

Höhenmeter bergab

243 m

Maximale Steigung

7,4 %

Durchschnittliche Steigung

6 %

Maximales Gefälle

5,9 %

Durchschnittliches Gefälle

5,6 %

Karte & Höhenprofil

Autotouren-Vorschläge für Südtirol

Sella Ronda

Diese 101 Kilometer lange Tour umfasst vier Pässe, und zwar das Grödner Joch (im Norden), den Campolongo (Osten), das Pordoijoch (Süden) sowie das Sellajoch im Westen. Die Route ab Wolkenstein, beginnend mit dem Sellajoch entgegen dem Uhrzeigersinn, gilt unter Kennern als beste Wahl. Zu bewältigen sind insgesamt etwa 60 Kilometer, die mit einer durchschnittlichen ­Steigung von 6 Prozent und einer maximalen von 11 Prozent relativ moderat wirken – zumal recht lang gezogene Kurven und Spitzkehren die Fahrt erleichtern.

Achtung: Zur Hauptreisezeit im Juli und August ist das Sellajoch mittwochs von 9 bis 16 Uhr für Fahrzeuge mit Verbrennungs­motor gesperrt. Nur Anlieger und Elektrofahrzeuge dürfen dann passieren.

Streckenverlauf: Klausen–­Wolkenstein–Grödner Joch–Campolongo-Pass–Pordoijoch–Sellajoch–Klausen

Rundtour Meran: über Jaufenpass und Penser Joch

Dies ist eine mit gut 150 Kilometern relativ lange Tour durch zwei Täler mit Start- und Zielpunkt ­Meran. Interessant ist sie vor allem für Liebhaber historischer Stätten, da sie an vielen Burgen und Schlössern vorbeiführt.

Streckenverlauf: Meran–­St. Leonhard–Jaufenpass–­Sterzing–Penser Joch–Sarntal–Bozen–Terlan–Meran

Gampenpass und Ultental

Relativ wenig befahren ist diese Strecke von Lana über den 1518 Meter hohen Gampenpass bis zum Castrinjoch. Kleine, ländliche Ortschaften dominieren die knapp 100 Kilometer lange Route in der Region Meran.

Streckenverlauf: Lana–­Gampenpass–St. Felix–Fondo–Castelfondo–Laurein–Proveis–Ultental–Castrinjoch

Schlernrunde

Vom Südtiroler Zentrum ­Bozen aus und dorthin ­zurück führt diese Rundtour durch die landschaftlich spektakuläre Bergwelt der Dolomiten. Immer wieder bieten sich hier großartige Ausblicke auf Gipfelkulissen, etwa die Langkofelgruppe. Die gut 70 Kilometer lange Route führt durch malerische ­Ort­schaften wie Kastelruth und ­vorbei an der Seiser Alm, ­Europas größter Hochalm.

Streckenverlauf: Bozen–­Blumau–Schlerngebiet–Völs–Seis– Kastelruth–Panider ­Sattel–St. Ulrich–Bozen

Würzjoch und Pustertal

Besonders für sportlich ­orientierte Autofahrer und ­Motorradfans bietet diese 86 Kilometer lange Tour dank scharf geschnittener Kurven eine ­nette Herausforderung. ­Start- und Zielpunkt ist Brixen. Zu sehen ist ­neben Burgen und Museen der beein­dru­ckende Peitlerkofel. Das Würzjoch markiert mit ca. 2000 Metern den höchsten Punkt der Tour.

Streckenverlauf: Brixen–St. Andrä–Palmschoß–­Würzjoch–Untermoi–­St. Martin–St. Lorenzen–Mühlbach–Brixen

Große Dolomitenrunde

Der Klassiker für alle, die mit dem Auto oder Motorrad die Dolomiten erkunden ­wollen. Auf den rund 150 Kilometern von Auer über Bozen und ­zurück nach Auer überquert man fünf Pässe: den San-Lugano-Pass, das Pordoijoch (mit 2239 Metern höchster Punkt der Tour), den Falzaregopass, den Passo Tre Croci und Colle San Angelo. ­Fotostopp: am auf 1756 Metern gelegenen Lago di Misurina, nordöstlich von Cortina d'Ampezzo.

Streckenverlauf: Auer–San-Lugano-Pass–Pordoijoch–­Fal­zaregopass–Passo Tre Croci–Colle San Angelo–Toblach– Mühlbach–Bozen–Auer

Kleine Dolomitenrunde

Etwa 110 Kilometer lange Tour ab und zurück nach Bozen, die durch das Eggental, das Fassatal und schließlich durch das Grödner Tal führt. ­Gipfelpunkte sind der ­Karerpass und als höchste Markierung das Sellajoch auf 2218 Metern. ­Fototipps: die spektakuläre Langkofel­gruppe, die ­Marmolata, mit 3342 Metern höchster Berg der Dolomiten, und das ­geschützte Naturdenkmal ­Karersee am Fuße des ­Latemarmassivs.

Streckenverlauf: Bozen–Karerpass–Vigo di Fassa–Canazei–Sellajoch–Bozen

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Diese Reportage ist ursprünglich erschienen im ADAC Reisemagazin Südtirol. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des ADAC Verlags.

Text: Marcus Efler

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