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Der ADAC

Tourismus entlang der Autobahn

Das braune Tourismus-Schild der Stadt Wurzen an der Autobahn.
Das Hinweisschild lädt zu einem Besuch der Geburtsstadt des Dichters Joachim Ringelnatz ein ∙ © ddp/Sebastian Willnow

Deutschland ist schön – selbst entlang der Autobahn. Alle paar Kilometer weisen braun-weiße Schilder auf spannende Sehenswürdigkeiten hin.

Lüneburger Heide, Schneewittchenstadt Lohr am Main, Bauhaus Dresden, Ulmer Münster, Museumsdorf Bayerischer Wald. Vielen sind sie entlang der Autobahn schon begegnet: hellbraune Tafeln mit weißer Schrift und Symbolik. In der Straßenverkehrsordnung werden sie als Zeichen 386.3 mit der Bezeichnung „Touristische Unterrichtungstafel“ geführt.

Mehr als 3400 touristische Tafeln gibt es in Deutschland

In manchen Bundesländern kommt alle paar Kilometer ein Hinweis auf eine Sehenswürdigkeit – geschätzt gibt es derzeit bundesweit mehr als 3400 solcher touristischen Tafeln. Ganz besonders viele, etwa 800, stehen in Bayern. Allein an der Urlauberroute A8 München –
Salzburg stehen nach Informationen der Autobahndirektion Südbayern knapp 30 Schilder. Und es werden immer mehr.

Die braun-weißen Schilder sind Ländersache

Eine offizielle Übersicht über alle touristischen Hinweisschilder an Deutschlands Autobahnen gibt es nicht, denn die Aufstellung wird nicht bundesweit gesteuert. Es gelten allerdings bundesweite Richtlinien: beispielsweise für die Gestaltung, Abmessung und Abstände der Schilder untereinander und zu Verkehrszeichen. Für die Umsetzung sind jedoch die Bundesländer zuständig.

Richtlinien für touristische Hinweise an Straßen

1988, als in Deutschland die ersten "Richtlinien für touristische Hinweise an Straßen" in Kraft traten, durfte nur alle 20 Kilometer eine Hinweistafel stehen. Heute ist es möglich, dass alle zehn Kilometer eine Sehenswürdigkeit beworben wird. Außerdem muss sich die Sehenswürdigkeit nicht mehr in unmittelbarer Nähe der Autobahn befinden. In Ausnahmefällen kann auf Ziele mit herausragender touristischer Bedeutung auch bei größerer Entfernung hingewiesen werden. Pro Autobahnabschnitt (zwischen zwei Autobahnknotenpunkten) sollen nicht mehr als zwei Tafeln aufgestellt sein. Dabei soll ein Mindestabstand von 1000 Meter untereinander nicht unterschritten werden. Der Abstand einer Tafel zu sonstigen Beschilderungen soll mindestens 500 Meter betragen.

In der Regel legt eine Kommune einen Entwurf vor und muss ihn sich von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde genehmigen lassen. Auch Verbände und Organisationen sowie in Ausnahmefällen auch kommerzielle Anbieter wie das Spaßbad Tropical Island in Brandenburg können Antragsteller sein. Vor einigen Jahren hatten sich mehrere Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen dafür eingesetzt, mit den braun-weißen Schildern an der Autobahn den Industriestandort NRW zu bewerben.

Gelegentlich werden Vorschläge auch abgelehnt. Zum Beispiel, weil die Sehenswürdigkeit nicht relevant genug ist, weil das Motiv nicht angemessen ist oder es aus praktischen Gründen nicht an der Autobahn aufgestellt werden darf. So wurden Pläne für eine Tafel auf das Höxteraner Weltkulturerbe Corvey an der A33 in Nordrhein-Westfalen aus Platzgründen (u.a. kurze Abfolge von Ausfahrten, Lärmschutzwände, viele weitere notwendige Verkehrszeichen) auf Eis gelegt.

Motive der touristischen Hinweisschilder

Häufige Motive sind: Kultur-, Bau- und Bodendenkmäler, Welterbestätten der UNESCO, Naturdenkmäler, Natur- und Landschaftsschutzgebiete, Erholungs- und Freizeitgebiete oder -einrichtungen. Nicht immer ist eine konkrete Sehenswürdigkeit Motiv der Hinweistafel (wie z.B. die Zeche Zollverein in Essen). Das Ruhrgebiet bewirbt beispielsweise seine komplette Region mit über 50 Städten als Sehenswürdigkeit "Metropole Ruhr" - beispielsweise an der A2 kurz vor Hamm. Zwei Beispiele aus Bayern: die Kulturlandschaften "Hopfenland Hallertau" an der A9 und der "Chiemgau" an der A8.

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Die Schilder wirken: Jeder sechste folgt ihnen zu Sehenswürdigkeiten

Im besten Fall sollen die Tourismusschilder die Reisenden dazu animieren, von der Autobahn abzufahren, um sich die Sehenswürdigkeit einmal aus der Nähe anzusehen. Aber wie viele Autofahrer verhalten sich auch so?

Die Hochschule Harz* hat sich mit dieser Frage beschäftigt und im Juni 2019 eine Umfrage unter Autofahrern gestartet. Zentrales Ergebnis: Die Schilder wirken. Die Erkenntnisse im Detail:

  • Jeder Sechste folgt spontan mindestens einmal dem Hinweis auf ein besonderes Reiseziel auf den braun-weißen Tafeln.

  • Zwei Drittel der Befragten erklären, dass sie sich an konkrete Schilder sowie die darauf abgebildeten Sehenswürdigkeiten, Städte oder Landschaften erinnern können.

  • 4 Prozent der Teilnehmer geben an, sie hätten die Tafeln noch nie wahrgenommen.

  • Zwei Drittel, die einem Hinweis kurzfristig gefolgt sind, sind nach eigenen Angaben bis zu 30 Minuten zusätzlich gefahren.

  • Ein Teil derer, die der Hinweistafel nicht spontan gefolgt sind, haben sich das Ziel für spätere Ausflüge vorgemerkt.

  • 9 Prozent der Befragten finden, dass die Zahl der Tafeln reduziert werden soll.

  • Rund 40 Prozent stimmen sogar für noch mehr Schilder.

  • 50 Prozent sind der Ansicht, dass die Gesamtzahl der Hinweisschilder gleich bleiben soll.

Was hält der ADAC von diesen Schildern?


Nach Ansicht des ADAC sind die braun-weißen Schilder eine Bereicherung, sie lockern lange Autofahrten auf. Stichwort: Heimatkunde im Vorüberfahren. Und wie steht es mit der Ablenkung der Autofahrer im sowieso schon üppigen Schilderwald? Der ADAC sieht darin keine Gefahr, sofern es nicht zu viele Tafeln in zu kurzen Abständen sind. Weil die Schilder eine braune Grundfarbe haben, kann sie jeder Autofahrer sofort von den anderen Verkehrszeichen unterscheiden. Üppige und grelle Werbung am Straßenrand würde deutlich stärker ablenken.

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Katharina Dümmer
Redakteurin
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