Streckenlänge für die Motorradtour: Wie viele Kilometer pro Tag?
Von Magdalena Kosch

Die hohe körperliche Belastung beim Motorradfahren wird oft unterschätzt. ADAC Experten haben wichtige Tipps und Faustregeln für Motorradtouren hinsichtlich Streckenlänge und Fitness zusammengefasst.
Streckenprofil und Fitness beachten
Motorrad-Reisen und -Touren durch landschaftlich reizvolle Regionen stehen für Genuss mit allen Sinnen. Dieser kann jedoch schnell getrübt werden, wenn bei der Routenplanung die Länge der Tagesetappen falsch eingeschätzt wird. Nach Einschätzung der ADAC Fahrsicherheits-Trainer kommt es dabei zwar auf den individuellen Fitness- und Trainingszustand der Fahrerin oder des Fahrers an, dennoch würden sich viele überschätzen und zu lange im Motorradsattel sitzen. Insbesondere wenig geübte Fahrerinnen und Fahrer neigten dazu, ihre Kräfte zu überschätzen und Etappen zu weit auszudehnen.
Körperliche Belastung
Die körperliche Belastung beim Motorradfahren sollte nicht unterschätzt werden. Dass mehr Strecke nicht nur weniger Spaß am Erleben ist, sondern auch ein Sicherheitsrisiko bedeutet, erklären die Experten: Die körperliche Belastung des Motorradfahrers liegt generell erwiesenermaßen im Belastungsbereich von Wettkampfsport. Schließlich summieren sich die Ausführung der Fahrmanöver, die Haltearbeit und der Widerstand gegen den Fahrtwind sowie die permanente Aufmerksamkeit und der Stress im Straßenverkehr.
Im Klartext: Wer zu lange fährt, riskiert nicht nur Aufmerksamkeitsdefizite, die zu fatalen Folgen führen können. Die Herz-Kreislauf-Belastung steigt durch die erhöhte Hormonausschüttung zusätzlich. Treten erste Konzentrationsmängel auf, ist dies ein deutliches Signal dafür, dass bereits zu lange gefahren wurde - regelmäßige und geplante Pausen sind daher dringend zu empfehlen. Der zwei Stunden-Rhythmus aus dem Autobereich kann, je nach Motorrad (mit oder ohne Verkleidung), Streckenbeschaffenheit und Wetter, für Motorradler zu lange sein.
Faustregel für Motorradtour-Streckenlänge
Die Faustregel der ADAC Motorradexperten für die richtige Streckenlänge pro Fahrtag heißt:
auf Autobahnen maximal 700 Kilometer
auf Bundesstraßen maximal 450 Kilometer
auf Landstraßen maximal 350 Kilometer
im Gebirge mit Pässen maximal 250 Kilometer
auf Enduro-Strecken mit viel Schotter maximal 200 Kilometer
Dies gilt auch nur für gutes Motorrad-Wetter: Besonders große Hitze, niedrige Temperaturen oder extreme Temperaturschwankungen sowie Dauerregen erfordern eine Reduzierung der Teilstücke. Gleiches gilt für Fahrten auf Routen mit erheblicher Verkehrsbelastung. Bei hohen Temperaturen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig, um die Thermoregulation des Körpers zu gewährleisten.
Pausen richtig nutzen
Dass die Pausen nur für Tanken, Toilette und womöglich Rauchen genutzt werden, halten die Motorradexperten für gänzlich falsch: Jede Rast sollte zur aktiven Erholung und Regeneration im physischen und psychischen Bereich genutzt werden. Dazu zählen Lockerungs- und Dehnübungen auch in der Kombi, schließlich verkrampfen nicht nur Muskeln an den Beinen, Armen und im Schulterbereich. Auch die Wirbelsäule bekommt trotz aller Federung kaum merkbare Stöße ab. Selbst "Augengymnastik" wie Grimassenschneiden oder Augenrollen hilft: Dadurch wird die Feuchtigkeit im Auge angeregt.
Da entspanntes Fahren die Voraussetzung für gutes und sicheres Motorradfahren ist, raten Fahrsicherheits-Experten zu einer aufmerksamen Selbstkontrolle: Ein guter Indikator für Lockerheit ist eine entspannte Unterlippe. Wer die Lippen zusammenkneift und auf die Zähne beißt, fährt bereits verkrampft. Für kurze Lockerungsübungen zwischendurch empfehlen die ADAC-Trainer, während der Fahrt die Füße bewusst auf den Rasten zu kippen, die Schenkel abwechselnd anzuspannen und zu entspannen sowie Schultern und Kopf anzuheben, zu senken und zu drehen. Zusätzlich hilft es, den Po kurz anzuheben, als wolle man aufstehen.
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