Unbewirtschaftete Rastplätze im ADAC Test: Fast jeder zweite fällt durch
Von Kati Thielitz

Defekte Toiletten, Vandalismus und mangelnde Sauberkeit: Der ADAC hat 50 unbewirtschaftete Rastplätze mit WC entlang der großen Reiserouten getestet. Die Ergebnisse sind ernüchternd.
Fast jede zweite Anlage fällt durch
Toiletten oft verschmutzt oder verschlossen
Viele Rastplätze haben sich deutlich verschlechtert
Wer auf der Autobahn dringend eine Toilette sucht, hat oft keine Wahl: Ist die nächste Raststätte zu weit entfernt, bleibt nur der Stopp an einem unbewirtschafteten Rastplatz mit WC-Häuschen. Mehr als 1500 solcher Anlagen gibt es bundesweit. Der ADAC hat nach 2022 erneut 50 Anlagen entlang der 15 längsten Autobahnen inkognito getestet – mit erschreckendem Ergebnis: Fast jede zweite Anlage fällt durch.

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Fast zwei Drittel der Rastplätze haben sich verschlechtert
Im Vergleich zum letzten Test 2022 hat sich die Qualität vieler Rastplätze deutlich verschlechtert. 64 Prozent der Anlagen schneiden schlechter ab als vor vier Jahren, nur 8 Prozent konnten sich verbessern. Während 2022 noch 40 Prozent der Rastplätze die Bewertung "gut" erhielten, sind es nun nur noch 18 Prozent. Kein einziger Rastplatz erreichte im aktuellen Test die Note "sehr gut".
Auch die Autofahrerinnen und -fahrer nehmen den Negativtrend wahr. In einer begleitenden ADAC Umfrage äußerten sich 42 Prozent unzufrieden mit den Gegebenheiten auf unbewirtschafteten Rastplätzen, nur 28 Prozent waren zufrieden. Jeder Dritte hat den Eindruck, dass Sauberkeit und Erscheinungsbild in den vergangenen Jahren schlechter geworden sind.
Größte Schwachstelle: Toiletten

Hauptgrund für das schlechte Gesamtergebnis: die Sanitäranlagen. 62 Prozent der getesteten Anlagen erhielten in dieser Kategorie die Bewertung "mangelhaft" oder "sehr mangelhaft". Besonders ärgerlich für Reisende: Auf mehreren Rastplätzen waren Toiletten geschlossen, obwohl sie auf den Hinweisschildern an der Autobahn angekündigt wurden. Häufig fehlte jeder Hinweis auf die Sperrung – ebenso wie eine Ersatzlösung, etwa in Form mobiler Toiletten. Solche Anlagen fielen in der Kategorie "Sanitäre Anlagen" durch.

Doch auch dort, wo die Toiletten geöffnet waren, fanden die Testerinnen und Tester zahlreiche Mängel. Häufig fehlten Seifenspender, Handtrockner oder Toilettenpapier. Teilweise waren Wasserhähne defekt oder Kabinen nicht abschließbar. Auch die Ausstattung für Menschen mit Behinderung ließ oft zu wünschen übrig. Nur auf 41 von 50 Rastplätzen gab es überhaupt Behinderten-WCs. Davon war nicht einmal die Hälfte bedarfsgerecht ausgestattet.
Aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer ist die Sauberkeit aber das wichtigste Kriterium: 92 Prozent der Befragten nennen saubere Toiletten als entscheidenden Faktor für einen guten Rastplatz.
Parken funktioniert meist, Erholung nicht

Deutlich besser schnitt die Kategorie "Verkehr und Parken" ab. Zwei Drittel der Rastplätze erhielten hier die Bewertung "gut" oder "sehr gut". Allerdings fehlen auf vielen Anlagen Parkplätze für Wohnmobile oder Fahrzeuge mit Anhänger. Auffällig war zudem, dass die Testenden auf acht Rastplätzen erstmals abgestellte Schrottfahrzeuge entdeckten.
Für eine längere, wirklich erholsame Pause eignen sich die meisten Rastplätze nicht. In der Kategorie "Außenanlagen" gab es im Schnitt ein "ausreichend". Spazierwege fehlen fast immer, Spielmöglichkeiten für Kinder sind praktisch nicht vorhanden. Nur zwei der 50 getesteten Anlagen verfügen über einen Spielplatz (Oberfeld an der A5, Linsenbühl an der A6). Immerhin fanden die Testenden erstmals einen Rastplatz mit eingezäunter Hundewiese (Linsenbühl an der A6).
Sicherheit ausbaufähig
Die "Persönliche Sicherheit" schnitt insgesamt mit gerade noch "ausreichend" ab. Positiv: Auf allen Anlagen gab es Handyempfang; alle Toilettengebäude waren nachts beleuchtet. 40 Anlagen haben einen Notruf, allerdings ist er oft nicht zentral in der Nähe des Toilettengebäudes platziert.
Bei 54 Prozent der Pkw- und Lkw-Parkplätze monierten die Testenden eine nicht ausreichende Beleuchtung in der Nacht.
Vandalismus nahezu überall sichtbar
Ein weiteres Problem: Vandalismus. Auf 48 der 50 getesteten Rastplätze fanden die Testenden Graffiti, Aufkleber oder beschädigte Einrichtungen. Teilweise waren Wegweiser so stark beklebt, dass sie kaum noch lesbar waren.
Nur auf zwei Rastplätzen (Neckarblick an der A81 und Riedbruch Süd an der A20) fanden die Tester keine Anzeichen für Schmierereien oder Zerstörungen. In der Umfrage gaben sechs von zehn Befragten an, Vandalismus auf Rastplätzen bemerkt zu haben.
Fazit: Viel zu oft mangelhaft
Reisende erwarten vor allem saubere Toiletten und ein sicheres Umfeld. Der ADAC Test zeigt: Viele unbewirtschaftete Rastplätze erfüllen selbst diese grundlegenden Anforderungen nicht. Damit Reisende unterwegs auf eine verlässliche Infrastruktur zählen können, besteht bei Instandhaltung, Reinigung und Kontrolle der Anlagen erheblicher Handlungsbedarf.
So wurde getestet
Das ADAC Team hat für den Test 50 unbewirtschaftete Rastplätze mit Sanitäranlagen entlang der 15 längsten Bundesautobahnen überprüft. Sämtliche Anlagen waren bereits im Test 2022 vertreten – bis auf zwei. In beiden Fällen musste von der Selektion aus 2022 abgewichen werden, da die Rastplätze wegen Baustellen nicht angefahren werden konnten. Beide Ersatzanlagen sind Objekte aus dem Test 2018. Alle Plätze befinden sich an den Autobahnen A1 bis A9 sowie den Reiserouten A14, A20, A44, A61, A81 und A93. Jede Anlage wurde einmal zwischen Freitag und Montag zwischen 8 und 18 Uhr beurteilt.
Die Testerinnen und Tester arbeiteten eine umfangreiche Checkliste ab, die sich in die Kategorien "Sanitäre Anlagen", "Außenanlage", "Verkehr und Parken" sowie "Persönliche Sicherheit" gliedert. Im Gegensatz zu 2022 gab es dieses Mal keine Hygieneproben; die Punkte wurden umverteilt auf optische Sauberkeit. Der Beurteilung der Barrierefreiheit wurde die DIN-Norm für die Gestaltung barrierefreier Sanitäranlagen in öffentlich zugänglichen Gebäuden zugrunde gelegt. Die Testphase lief vom 13. bis 23. März 2026. In einem Fall musste der Test am 24. April wiederholt werden.
Ergänzend zum Test hat der ADAC eine Umfrage unter Nutzerinnen und Nutzern von unbewirtschafteten Rastplätzen durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 2002 Personen über ein Online-Panel des Anbieters Nordlight Research befragt. Erhebungszeitraum war Mitte März 2026.







