ÖPNV-Tickets 2026: ADAC Studie zeigt große Preisunterschiede

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Von Andrea Steichele-Biskup

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Eine Frau kauft am Ticketautomaten eine Fahrkarte für den ÖPNV in Berlin
Beim Ticket-Kauf für den ÖPNV ist nicht überall Freude angesagt: Die Preisunterschiede in Großstädten sind erheblich© iStock.com/Oleh_Slobodeniuk

Wo fährt man in Bus und Bahn am günstigsten? Wann lohnt sich ein Deutschland-Ticket? Eine ADAC Studie zeigt deutliche Preisdifferenzen beim ÖPNV in deutschen Großstädten.

  • Tickets sind im Schnitt 27 Prozent teurer als vor fünf Jahren

  • Deutschland-Ticket günstiger als Monatskarten

  • Gelegenheits-Nutzer sollten Angebote vergleichen

Tickets im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt um 27 Prozent teurer geworden. Das ergibt die aktuelle Studie des ADAC im Vergleich zur letzten Untersuchung von 2021. Der Preisanstieg liegt damit leicht über der Inflation von insgesamt 22 Prozent über diesen Zeitraum.

Inhaltsverzeichnis

Konkurrenz durch Deutschland-Ticket

Deutlich wird auch: Durch die Einführung des Deutschland-Tickets vor rund drei Jahren – aktuell von über 14 Millionen Menschen genutzt – hat sich das Preisgefüge im ÖPNV stark verändert.

Monatstickets in den untersuchten Städten sind durchweg teurer als das Deutschland-Ticket für derzeit 63 Euro. Es ist für Menschen, die häufig pendeln, vielleicht sogar in verschiedenen Städten, die beste Wahl.

Alle anderen müssen rechnen: Welches Ticket ist das passende für die eigenen Bedürfnisse? Ab wann lohnt sich eine Zeitkarte? Die ADAC Studie zeigt: Das Deutschland-Ticket macht es den Verkehrsverbünden mit ihren klassischen Monatskarten schwer. Doch sie punkten häufig durch weitere Leistungen, zum Beispiel die Möglichkeit, das Ticket zu übertragen, weitere Personen oder das Fahrrad mitzunehmen.

Neben den Monats-Fahrausweisen wurden die Kosten für drei weitere Ticketarten verglichen: Bei Tagestickets gibt es große Preisunterschiede zwischen den Städten, bei Einzeltickets weniger. Wochentickets sind offenbar ein Auslaufmodell.

Die untersuchten Städte und Verkehrsverbünde

Diesmal hat das ADAC Team die ÖPNV-Ticketpreise für Erwachsene in 25 deutschen Großstädten unter die Lupe genommen (mehr zur Auswahl der Städte). Die untersuchten Städte Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Wuppertal sind dabei ebenso Teil eines größeren Verkehrsverbunds (VRR) wie Bonn und Köln (VRS), wie die Übersichtskarte zeigt. Als Geltungsbereich wurde jeweils das (innere) Stadtgebiet gewählt.

ÖPNV-Tickets: Deutliche Preisunterschiede

Die Übersicht "Ticketpreise gesamt" in der folgenden Grafik zeigt die Preisgestaltung in den Städten. Es gibt oft große Unterschiede von einer Ticketkategorie zur anderen: München hat zum Beispiel das teuerste Einzelticket, aber die günstigste Monatskarte.

Ein Städte-Ranking nach Preisen innerhalb der Kategorien Einzel-, Tages- und Monatsticket bietet die Grafik beim Klick auf die entsprechende Rubrik (Häkchen). Am deutlichsten ist die Differenz bei den Monatskarten: zwischen 71,40 Euro in München und 140,50 in Köln und Bonn.

Einzelticket: Nur für Selten-Fahrer

Die Preise für eine Einzelfahrt reichen von 2,90 Euro in Erfurt (die einzige Stadt unter der 3-Euro-Grenze) bis 4,20 Euro in Augsburg und München. Auch in Berlin und Hamburg werden 4 Euro und mehr fällig. Im Schnitt zahlen Passagiere 3,68 Euro.

In allen Städten lohnt sich ein Tagesticket ab drei Einzelfahrten, sogar schon ab zwei in Bielefeld, Hamburg, Karlsruhe, Stuttgart und in den sechs untersuchten Städten des Ruhrgebiets (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr).

Die Tarifsteigerungen seit 2021 bewegten sich zwischen 19 und 38 Prozent. Die Leistungen unterscheiden sich geringfügig: Einzeltickets sind in vielen Städten zeitlich begrenzt gültig, meist zwischen 60 und 180 Minuten. In aller Regel sind Umstiege und Fahrtunterbrechungen möglich, Rund- und Rückfahrten aber nicht. Manche Städte erlauben Passagieren die kostenfreie Mitnahme von Kindern.

Tagesticket: Der Tag ist nicht überall gleich lang

Bus und U-Bahn in Berlin
In Berlin ist das Tagesticket mit 11,20 Euro am teuersten © iStock.com/golero

Am günstigsten fährt man mit dem Tagesticket in Bielefeld: 6,70 Euro – die einzige Stadt im Test unter sieben Euro. Am anderen Ende steht Berlin mit 11,20 Euro. Die 10-Euro-Marke reißen auch München, Leipzig, Augsburg und Nürnberg. Im Schnitt kosten Tagestickets 8,44 Euro. Bielefeld senkte den Preis seit 2021 um 11 Prozent, in Hamburg blieb er praktisch gleich. Die übrigen Verkehrsverbünde schlugen zwischen 5 und 45 Prozent (Frankfurt) auf.

Tagestickets gelten ab dem Kauf bzw. der Entwertung in einigen Städten volle 24 Stunden, in anderen nur bis Betriebsschluss. Teilweise können die Fahrgäste das Ticket auf andere Personen übertragen oder weitere Erwachsene, Kinder, Fahrräder oder Hunde mitnehmen.

Wochenticket: Ein Auslaufmodell?

Wochentickets bieten nur noch 15 der untersuchten 25 Städte an. Vor fünf Jahren gab es diese Fahrschein-Sorte bis auf Hannover und Karlsruhe in allen Kommunen im Test. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg beispielsweise verkauft keine 7-Tage-Karten mehr, sie gehörten laut VBB-Website zu den "wenig nachgefragten Produkten, die im Vergleich zum Deutschland-Ticket nicht mehr attraktiv sind".

Bei den noch vorhandenen Wochentickets gibt es große Preisunterschiede: München ist mit 23,80 Euro eindeutig am günstigsten. Hamburg ist mit 43 Euro kostspielig, erlaubt Nutzern damit aber Fahrten im Gesamtnetz des Verkehrsverbunds. Im Schnitt liegt die Wochenkarte bei 32,46 Euro. Die Preise stiegen in den vergangenen fünf Jahren zwischen 20 und 45 Prozent (Hamburg).

Bei den Wochentickets ist das Startdatum beispielsweise in Augsburg nicht flexibel wählbar, sondern fix auf eine Kalenderwoche beschränkt – aus Sicht des ADAC verbraucherunfreundlich. Wie bei den Tagestickets bieten manche Städte kostenfrei oder gegen Aufpreis zusätzliche Leistungen an, wie die Übertragbarkeit auf andere Personen oder die Mitnahme von weiteren Erwachsenen, Kindern, Fahrrädern oder Hunden.

Monatsticket: Nur für bestimmte Nutzer günstiger

Eine U-Bahn fährt an den Landungsbrücken in Hamburg
Hamburg hat den Preis für Monatstickets erheblich gesenkt© iStock.com/Leonardo Patrizi

Beim Blick auf die Preise erklärt sich der Erfolg des Deutschland-Tickets sofort: Die bundesweite Flatrate für den Nah- und Regionalverkehr beträgt derzeit 63 Euro monatlich. Die klassischen Monatstickets der verschiedenen Verkehrsverbünde starten dagegen bei 71,40 Euro in München und reichen dann bis zum Spitzenwert von 140,50 Euro in Bonn und Köln (Verkehrsverbund Rhein Sieg). Der Mittelwert für das Monatsticket liegt bei 103,33 Euro.

Im Vergleich zu 2021 gingen die Tarife um 22 bis 58 Prozent (Duisburg) nach oben. Hamburg dagegen hat den Preis um stattliche 26 Prozent gesenkt, liegt jetzt mit 83 Euro im günstigeren Bereich – eine Reaktion auf das Deutschland-Ticket, wie der Hamburger Verkehrsverbund dem ADAC Studien-Team auf Anfrage bestätigte. Der Geltungsbereich wurde auf das HVV-Gesamtnetz ausgeweitet. Zugleich erreichte die Hansestadt die besten Werte im ADAC Pünktlichkeits-Check bei S- und U-Bahnen.

Kostenlos oder gegen Aufpreis gibt es in einigen Städten diverse Zusatzleistungen. Ob ein Monatsticket im Vergleich zum Deutschland-Ticket überzeugen kann, hängt stark vom individuellen Nutzungsverhalten ab. Preislich ist das Deutschland-Ticket aktuell unschlagbar. Wer jedoch Wert darauf legt, sein Ticket gelegentlich auf andere Personen zu übertragen oder Erwachsene, Kinder, Fahrräder oder Hunde mitzunehmen, kann in manchen Städten mit einem klassischen Monatsticket besser fahren.

Die Verbraucherschützer des ADAC kritisieren, dass Monatstickets in Augsburg, Bremen und in den sechs untersuchten Städten des Ruhrgebietes kein flexibles Startdatum haben, sondern fix auf einen Kalendermonat beschränkt sind.

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Niedriger Preis, gute Leistung: Positive Beispiele

Niedrige Ticketpreise bedeuten nicht zwangsläufig geringere Leistungen, höhere Tarife nicht unbedingt bessere. Auch das stellte das ADAC Team bei der Studie fest. Zwei positive Beispiele:

U-Bahnen stehen an einer U-Bahnstation in München
U-Bahn in München: Die bayerische Landeshauptstadt ist bei Wochen- und Monatstickets am günstigsten, bei Einzel- und Tagestickets dagegen teuer© Shutterstock/Markus Mainka
  • Das Monatsticket in München, mit 71,40 Euro unter allen 25 Städten am günstigsten, ist ohne Aufpreis auf andere Personen übertragbar und damit in der Zone M eine attraktive Konkurrenz zum Deutschland-Ticket.

  • Auch das Tagesticket in Bielefeld ist mit 6,70 Euro am günstigsten, der Preis wurde im Vergleich zu 2021 sogar reduziert. Zugleich handelt es sich um die verbraucherfreundliche Variante, die volle 24 Stunden gilt.

Tipps für ÖPNV-Fahrgäste

  • Für Pendler und regelmäßige Nutzer ist das Deutschland-Ticket preislich unschlagbar.

  • Gelegenheitsnutzer, die in erster Linie für sich allein ein ÖPNV-Ticket (eventuell in mehr als einem Stadtgebiet) benötigen, können schon ab ein bis zwei Fahr-Tagen pro Woche über ein Deutschland-Ticket nachdenken.

  • Wer nur gelegentlich den ÖPNV nutzt und seine Fahrkarte auf andere übertragen oder Erwachsene, Kinder, Fahrräder oder Hunde mitnehmen will, fährt mit klassischen ÖPNV-Tickets meist besser, weil derartige Leistungen häufig inbegriffen oder für einen Aufpreis zu haben sind.

  • Beim Tagesticket prüfen, ob es ab Kauf bzw. Entwertung volle 24 Stunden oder nur bis Betriebsschluss gilt.

  • Beim Wochen- oder Monatsticket checken, ob es ein flexibles Startdatum (Standard) hat oder nur für eine Kalenderwoche bzw. einen Kalendermonat gilt.

  • Weitere Vergünstigungen beachten, etwa für Online- oder Handytickets (z.B. in Bonn, Hamburg, Köln, Nürnberg, Stuttgart).

  • Attraktive "Pay as you go" Tarife beachten, bei denen man via Check-in & Check-out nur für die tatsächlich gefahrenen Strecken bis zu einem Preislimit bezahlt – zum Beispiel eezy nrw im Ruhrgebiet (Monats-Limit: 63 €) oder MVVswipe in München (maximal Tagesticket-Preis).

  • Menschen mit niedrigem Einkommen sollten beim Kauf eines Deutschland-Tickets prüfen, ob ein vergünstigtes Sozialticket möglich ist.

Empfehlungen an Betreiber und Politik

  • Das Deutschland-Ticket wurde von Bund und Ländern bis mindestens 2030 finanziell gesichert. Aus Sicht des ADAC sollte es dauerhaft als attraktives Angebot bestehen bleiben. Verkehrsverbünde haben nun Planungssicherheit und können ihr Angebot grundlegend prüfen, um Bedürfnissen der Nutzer gerecht zu werden.

  • Tagestickets sollten 24 Stunden gelten.

  • Wochen- und Monatstickets sollten ein flexibles Startdatum haben.

  • Pay-as-you-go-Tarife: Betreiber und Politik sollten prüfen, wo diese sinnvoll sind – in einigen Städten gibt es gute Erfahrungen. Langfristig wäre eine digitale Bestpreisabrechnung (idealerweise über Länder- und Verbundgrenzen hinweg) sinnvoll, sodass monatlich maximal der Deutschland-Ticket-Preis anfällt.

So lief der ADAC Vergleich ab

In den Erhebungen 2019 und 2021 wurden 21 Großstädte verglichen. Diese waren auch 2026 dabei: Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Dazu kamen Augsburg, Erfurt, Magdeburg und Rostock. Auswahlkriterien waren grundsätzlich ein ÖPNV-Angebot auch auf der Schiene in der Stadt (nicht nur Bus) sowie eine Einwohnerzahl von mindestens 300.000. Erfurt, Magdeburg und Rostock liegen zwar etwas unter dieser Marke. Durch ihre Aufnahme wurden jedoch mit Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern drei weitere Bundesländer abgedeckt.

Für die Recherche hat der ADAC KI-Tools verwendet. Mit deren Hilfe wurden die Ticketpreise im Januar und Februar 2026 auf den Webseiten der Verkehrsverbünde erhoben. Anschließend wurden die Daten jeweils von mehreren Mitarbeitern überprüft und gegebenenfalls korrigiert.

In den Vergleich wurden vier Ticketarten einbezogen: Einzel-, Tages-, Wochen- und Monatstickets – jeweils für einen Erwachsenen und in der Standard-Version. Preissteigerungen der vergangenen fünf Jahre beziehen sich nur auf die 21 Städte, die bereits 2021 in der Erhebung mitliefen.

Zudem haben einzelne Städte in den vergangenen fünf Jahren eine Tarifreform durchgeführt, wodurch sich das Ticketangebot sowie der Geltungsbereich punktuell verändert haben können.

Geltungsbereich der Tickets

Als Geltungsbereich wurde das (innere) Stadtgebiet gewählt. Hier die einzelnen Tarifzonen.

  • Augsburg: Zonen 10+20

  • Berlin: Berlin AB

  • Bielefeld: Preisstufe BI

  • Bremen: Preisstufe I (Bremen)

  • Dresden: Tarifzone Dresden

  • Erfurt: Tarifzone 10 (CityTarif)

  • Frankfurt: Tarifgebiet 5000

  • Hamburg: Hamburg AB, Wochen- & Monatsticket: HVV Gesamtnetz

  • Hannover: Zone A

  • Karlsruhe: 2 Waben, Tagesticket: 3 Waben (2 Waben nicht möglich)

  • Leipzig: 1 Zone/Tarifzone 110 (Leipzig)

  • Magdeburg: Tarifzone 010

  • Mannheim: Stadttarif MA

  • München: Zone M

  • Nürnberg: Preisstufe A

  • Rostock: Tarifzone Rostock

  • Stuttgart: Zone 1

  • VRS (Bonn, Köln): Preisstufe 1b

  • VRR (Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Wuppertal): Preisstufe A