Luegbrücke: Nadelöhr auf dem Weg in den Süden
Von Redaktion Südbayern

Egal ob Reisende oder Güterverkehr – ein Großteil des Verkehrs in Richtung Italien verläuft über die Brennerroute. Vor allem für Urlauber ist der Brenner der schnellste Weg in den Süden. Doch gerade auf dieser Hauptverkehrsroute droht nun ein Verkehrskollaps.
Bereits seit Jahren ist die Brennerroute an ihrer Belastungsgrenze. Zum alltäglichen Güterverkehr kommen gerade in den Sommer- und Winterferien tausende Urlauber aus ganz Europa, die auf der Brenner Autobahn A 13 unterwegs sind. Die Folgen dieser Belastung: zähfließender Verkehr und nicht selten kilometerlange Staus. Doch auch hinsichtlich der Bausubstanz hat die hohe Auslastung der Route schwerwiegende Folgen.
Besonders deutlich ist das nun an der längsten Brücke der österreichischen Brenner Autobahn A 13 zu sehen, der Luegbrücke. Die im Dezember 1968 fertiggestellte Brücke erstreckt sich auf 1804 Meter zwischen Gries am Brenner und dem Brennersee. Trotz umfangreicher Sanierungen Anfang der 2000er sowie zwischen 2012 und 2014 bleibt die Luegbrücke das Sorgenkind der Brennerroute. Daher hat der heutige Betreiber der Brücke, die österreichische ASFINAG, bereits im Jahr 2019 Pläne für einen Ersatzneubau der Luegbrücke vorgestellt.
Mit derzeit rund 2,4 Millionen Lkw und 11 Millionen Pkw jährlich ist die Luegbrücke eines der am stärksten beanspruchten Bauwerke der Brennerroute. Die 21 Meter breite Fahrbahnplatte wird von insgesamt 48 Stahlbeton-Pfeilern getragen, die zwischen 15 und 55 Meter hoch sind.
Neubau am Brenner unvermeidbar
Im Juni 2022 erklärte die ASFINAG, dass die Brücke irreparabel beschädigt sei. Daher sieht der Plan des Betreibers aktuell wie folgt aus: Parallel zur derzeitigen Luegbrücke wird eine neue Brücke mit zwei Fahrstreifen (inkl. Pannenstreifen) errichtet. Steht diese, soll der komplette Verkehr auf diese Brücke umgeleitet werden und die alte Luegbrücke abgerissen werden. An ihrer Stelle wird eine zweite neue Brücke mit weiteren Fahrbahnen errichtet.
Die geplante Bauzeit für dieses Projekt wird derzeit mit rund fünf Jahren beziffert – Anfang 2025 hat der Neubau begonnen.
Nachdem die Statik der bestehenden Luegbrücke aktuell schon so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, kann der Verkehr ab 2025 in beide Fahrtrichtungen jeweils nur einspurig über die 1,8 Kilometer lange Brücke geleitet werden. Mit den entsprechenden Folgen für den Verkehrsfluss. Um einen kompletten Verkehrskollaps zu verhindern, prüft die ASFINAG Möglichkeiten, zumindest an verkehrsreichen Tag (oder zu Stoßzeiten) zwei Fahrbahnen in Betrieb zu nehmen.
Temporäre Zweispurigkeit
Um an starken Reisetagen eine temporäre Zweispurigkeit zu ermöglichen, testete die ASFINAG bereits im Sommer 2024 für rund zwei Wochen eine neue Möglichkeit, die Belastung für die marode Brücke zu minimieren. Der Plan: Der Schwerverkehr (also alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen) soll auf der Brücke den linken Fahrstreifen benutzen, während Pkw auf der rechten Spur fahren.
Die Ergebnisse der Untersuchung sind positiver als erhofft: Bewegen sich die schwereren Lkw in der Mitte der Brücke, kann an rund 180 Tagen im Jahr die Verkehrsführung flexibel eingerichtet werden und der Verkehr die Luegbrücke je nach Bedarf in Richtung Norden (Innsbruck) und/oder Süden (Brenner) zweispurig befahren. Von dieser Maßnahme dürften vor allem Pkw-Fahrer und damit Urlauber profitieren, die an den Hauptreisetagen so keine zusätzlichen, kilometerlangen Staus fürchten müssen.
Überwacht wird die bei Zweispurigkeit geänderte Verkehrsführung unter anderem durch in die jeweils rechte Fahrbahn implementierte Waagen, die das Gewicht der Fahrzeuge prüfen. Sollte ein Fahrzeug über 3,5 Tonnen wiegen, sorgt ein Ausleitungssystem dafür, dass es die Brücke nicht passieren kann. Erst nach einer Kontrolle wird das Fahrzeug auf der dann richtigen Fahrbahn auf die Brücke geleitet.
Seit Anfang 2025 tut sich einiges an der Großbaustelle auf dem Brenner. Zuerst wurde die Verkehrsführung für die temporäre Zweispurigkeit errichtet. Dass dieses Konzept zum einen dringend nötig, zum anderen aber auch ein echter Erfolg war, zeigt ein Blick auf die Zahlen. So registrierte die ASFINAG im Jahr 2025 auf der Brennerautobahn 13,6 Millionen Fahrzeuge. Im Vergleich zum Jahr 2024 ein minimaler Rückgang von 4,49 Prozent. Während der Anteil an Lkw um 2,4 Prozent auf 2,4 Millionen anstieg, befuhren 2025 nur noch 10,9 Millionen Pkw die Brennerautobahn – ein Rückgang um sechs Prozent. Insgesamt wertet die ASFINAG dies als Ausdruck eines gelungenen Managements auf der Luegbrücke. Größere Umleitungen des Verkehrs hätten zu einem deutlich höheren Rückgang geführt.
Parallel dazu schreitet auch der Neubau voran. Wie die ASFINAG mitteilte, wird gerade an der Pfeilergründung für die erste neue Brücke gearbeitet. „Die Arbeiten zur neuen Luegbrücke liegen im Zeitplan, wir gehen von einer Fertigstellung Ende 2027 aus. Dann enden auch die notwendigen Einschränkungen auf der Brücke“, erklärt Stefan Siegele, Geschäftsführer der ASFINAG.
In puncto Stau gibt die ASFINAG ebenfalls Entwarnung. Trotz der generellen Einspurigkeit wurde keine Verschlechterung der Stausituation registriert. Dies lag wohl unter anderem an der gestiegenen Anzahl an Fahrverbotstagen für Lkw ab 7,5 Tonnen. Die weiterhin hohe Anzahl an Pkw, die vor allem in den Urlaubszeiten die Brennerautobahn befahren, haben aber natürlich auch 2025 zu zahlreichen Staus geführt. Insgesamt gab es aber kaum Abweichungen im Vergleich zu den Vorjahren. Ausnahmen waren unvorhersehbare Ereignisse wie Sperrungen infolge von Unfällen, die aber nicht mit den Baumaßnahmen und den verbundenen Einschränkungen in Verbindung stehen.
Übersicht über Fahrverbote und Zweispurigkeit
Um alle Verkehrsteilnehmer optimal auf die bevorstehenden Bauarbeiten an der Luegbrücke vorzubereiten, hat die ASFINAG zusammen mit Partnern, Ministerium und Behörden einen Fahrkalender mit den wichtigsten Informationen entwickelt. Neben diesem Werkzeug zur Planung von Fahrten über die Brennerautobahn stehen auf der Webseite des ASFINAG ab sofort auch weitere Services zur Verfügung: Echtzeitinformationen zu Reisezeiten, Prognosedaten, Stautendenzen und Live-Kamerabilder.
„Mit diesem Fahrkalender bieten wir ein vorausschauendes Planungsinstrument, damit sich alle Verkehrsteilnehmer:innen aber auch die Transportwirtschaft gut auf die notwendigen Maßnahmen auf der Luegbrücke einstellen können“, so ASFINAG-Geschäftsführer Stefan Siegele.
Da die Zweispurigkeit auf der Luegbrücke allein nicht reicht, Überlastungen auf der Brennerautobahn zu vermeiden, gibt es zudem auch 2026 zusätzliche Lkw-Fahrverbotstage. In Richtung Süden sind im Vergleich zu den letzten Jahren 14 zusätzliche Lkw-Fahrverbotstage für Fahrzeuge mit mehr als 7,5 Tonnen vorgesehen. Zusammen mit den bisher bereits bestehenden Fahrverbotstagen in Tirol gibt es daher nun in Fahrtrichtung Süden 36 Tage, in Fahrtrichtung Norden 21 Fahrverbotstage.
Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick
Fahrkalender mit allen Informationen und Einschränkungen
Verordnung von Lkw-Fahrverboten
Errichtung von Schrankenanlagen
Zusätzliche Verkehrskameras
Ausbau Anzeigensystem
Europaweite Informationskampagne
Auf der Seite der ASFINAG gibt es weitere Infos rund um die 1,8 Kilometer lange Brenner-Brücke und den aktuellen Stand der Planungen und Bauarbeiten. Hier kann auch der Fahrkalender heruntergeladen werden.