Hilfe aus der Luft: Ein Blick hinter die Kulissen von Christoph Murnau

Von Redaktion Südbayern

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Ein Rettungshubschrauber der ADAC Luftrettung bei einem Einsatz in den Bergen. Ein Teammitglied in rotem Overall steht auf der Kufe des Hubschraubers.
Als Windenoperator steht Peter Schellig beim Windeneinsatz in luftiger Höhe auf den Kufen des Hubschraubers und sorgt dafür, dass die Bergung mit Rettungswinde korrekt und sicher abläuft.© ADAC Luftrettung

Wer an Luftrettung denkt, hat meist den Hubschrauber vor Augen. Was viele nicht sehen: Hinter jedem Einsatz steht ein eingespieltes Team aus unterschiedlichen Berufsgruppen, das rund um die Uhr dafür sorgt, dass Hilfe schnell und sicher ankommt. Einer, der dieses System seit Jahrzehnten kennt, ist Peter Schellig.

Als Stationsleiter der Luftrettungsstation an der BG Unfallklinik Murnau trägt er Verantwortung für einen der wichtigsten Luftrettungsstandorte Deutschlands. Im Interview gibt er Einblicke in seinen Tagesablauf und erklärt, warum erfolgreiche Luftrettung niemals die Leistung Einzelner ist.

Mehr als nur fliegen: Interview mit Peter Schellig

Peter, du bist Stationsleiter von Christoph Murnau und selbst Teil der Hubschraubercrew. Was genau sind deine Aufgaben?

Ich sage immer: Ein Stationsleiter sorgt in erster Linie dafür, dass die Stimmung an der Station gut ist. Wenn die Menschen gut zusammenarbeiten, Probleme offen ansprechen und sich aufeinander verlassen können, dann merkt man das am Ende auch im Einsatz.

Darüber hinaus sind meine Aufgaben sehr vielfältig. Wir haben hier am Standort rund 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich kümmere mich um Personalthemen, organisatorische Aufgaben, Ausbildungsfragen, Abstimmungen mit Partnerorganisationen und viele weitere Dinge, die im Hintergrund laufen.

Gleichzeitig fliege ich selbst regelmäßig im Hubschrauber mit. Unsere Crew besteht immer aus einem Piloten und einem Windenoperator (TC HHO) der ADAC Luftrettung, sowie einem spezialisierten Notarzt und einem Notfallsanitäter (TC HEMS) der BG Unfallklinik Murnau.

Welche Aufgaben übernimmst du bei einem Einsatz?

Ein wichtiger Teil besteht darin, die Lage zu erfassen und Informationen zusammenzutragen. Anders als in der klassischen Fliegerei machen wir uns bereits auf den Weg, während noch Informationen eingehen – sonst würden wir zu viel Zeit verlieren.

In meiner Funktion als Windenoperator bin ich für die Rettungswinde verantwortlich und unterstütze die Crew bei der Einsatzvorbereitung und Lagebeurteilung.

Christoph Murnau gilt als Deutschlands Windenhubschrauber Nummer eins. Welche Rolle spielt die Rettungswinde bei euren Einsätzen?

Die Rettungswinde eröffnet uns Möglichkeiten, die es sonst nicht gäbe. Gerade im Gebirge oder in schwer zugänglichem Gelände ist eine Landung oft nicht möglich. In solchen Situationen können wir trotzdem Patienten erreichen oder Einsatzkräfte absetzen.

Gleichzeitig ist das ein Verfahren, das hohe Anforderungen an alle Beteiligten stellt. Deshalb wird regelmäßig trainiert. Man darf solche Einsätze nie als Routine betrachten. Die Sicherheit der Patienten und der Einsatzkräfte steht immer an erster Stelle.

Portrait von Stationsleiter Peter Schellig

„Entscheidend bei der Zusammenarbeit ist, dass alle Beteiligten ihre eigene Expertise mitbringen. Keiner kann einen solchen Einsatz allein bewältigen.“

Peter Schellig, Stationsleiter Christoph Murnau und Windenoperator, ADAC Luftrettung©ADAC Luftrettung

Mit welchen Hilfsorganisationen arbeitet ihr besonders eng zusammen?

Die Liste ist relativ lang. Dazu gehören unter anderem Rettungsdienst, Feuerwehren, Polizei, Wasserwacht und hier bei uns in Bayern natürlich die Bergwachten. Je nach Einsatzlage kommen unterschiedliche Partner dazu.

Entscheidend bei der Zusammenarbeit ist, dass alle Beteiligten ihre eigene Expertise mitbringen. Keiner kann einen solchen Einsatz allein bewältigen. Erfolgreiche Rettung funktioniert nur dann, wenn alle Organisationen ihre Stärken einbringen und gleichzeitig als Team zusammenarbeiten mit dem gemeinsamen Ziel, die Patienten bestmöglich zu versorgen.

Wie wird diese Zusammenarbeit koordiniert?

Dafür gibt es klare Strukturen. Die Alarmierung erfolgt über die Leitstellen, vor Ort übernehmen Einsatzleiter die Koordination. Jeder weiß, welche Aufgabe er hat und wer Entscheidungen trifft.

Das ist auch wichtig. Wir sind nicht wichtiger als die anderen, nur weil wir im Hubschrauber sitzen. Wir haben uns genauso unterzuordnen wie alle anderen auch. Wenn eine Einsatzleitung eine Entscheidung trifft, dann wird diese umgesetzt. Genau das sorgt dafür, dass auch komplexe Einsätze sicher abgearbeitet werden können.

Viele Menschen sehen nur die Einsätze. Wie viel Vorbereitung steckt tatsächlich dahinter?

Sehr viel. Ohne Ausbildung und regelmäßiges Training wäre Luftrettung auf diesem Niveau gar nicht möglich. Gerade die Windeneinsätze erfordern eine intensive Vorbereitung.

Wir trainieren regelmäßig unterschiedliche Szenarien und arbeiten dabei auch mit Partnerorganisationen zusammen. Ziel ist, dass im Ernstfall jeder Handgriff sitzt und die Abläufe funktionieren. Man darf sich niemals darauf verlassen, dass eine Situation schon irgendwie gutgehen wird.

Wie hat sich die Luftrettung in den vergangenen Jahren verändert?

Die Technik hat sich enorm weiterentwickelt. Die Hubschrauber sind leistungsfähiger geworden, die medizinische Ausstattung moderner. Gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen.

Heute ist die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationen noch wichtiger geworden. Die Einsätze sind häufig komplexer als früher und verlangen ein hohes Maß an Abstimmung.

Portrait von Stationsleiter Peter Schellig

„Aber das eigentliche Erfolgsgefühl entsteht, wenn am Ende alle wieder gesund nach Hause kommen.“

Peter Schellig, Stationsleiter Christoph Murnau und Windenoperator, ADAC Luftrettung©ADAC Luftrettung

Letzte Frage, Peter: Du bist seit fast 30 Jahren Teil der Luftrettung. Was begeistert dich bis heute an deinem Beruf?

Am besten gefällt mir, dass man morgens nicht weiß, was der Tag bringen wird. Jeder Tag ist anders. Jede Alarmierung bringt neue Herausforderungen mit sich.

Und dann gibt es die Momente, in denen man von einem Einsatz zurückkommt und sich ziemlich sicher ist, dass man einem Menschen tatsächlich helfen konnte. Vielleicht sogar das Leben gerettet hat. Das sind besondere Augenblicke.

Aber das eigentliche Erfolgsgefühl entsteht, wenn am Ende alle wieder gesund nach Hause kommen: die Patientinnen und Patienten, die Einsatzkräfte am Boden und die eigene Crew. Wenn das gelingt, dann war es ein guter Tag.

Windenhubschrauber Christoph Murnau: Unverzichtbar im bayerischen Alpenraum

Als Deutschlands Windenhubschrauber Nummer eins kommt „Christoph Murnau“ regelmäßig dort zum Einsatz, wo andere Rettungsmittel an ihre Grenzen stoßen. Allein 223 der 1.222 Einsätze im Jahr 2025 wurden mithilfe der Rettungswinde geflogen. Gerade im bayerischen Alpenraum hat sich die Winde zu einem unverzichtbaren Instrument der Luftrettung entwickelt.

Mehr Informationen auf Christoph Murnau und ADAC Luftrettung.