Michael Renner im Interview: Ehrenamtlicher Einsatz für die Bergwacht Ramsau
Von Redaktion Südbayern

Michael Renner ist Bereitschaftsleiter der Bergwacht Ramsau, ausgebildeter Luftretter und Protagonist der BR-Dokuserie „In höchster Not – Bergretter im Einsatz“. Im Interview spricht er über die Herausforderungen eines anspruchsvollen Ehrenamts, den Spagat zwischen Beruf, Familie und Bergwacht sowie die Frage, wie sich viele Notfälle in den Bergen vermeiden lassen.
Als wir mit Michael Renner zum Interview in der Wache der Bergwacht Ramsau verabredet sind, zieht er sich vor dem Dreh noch einmal kurz ins „Kammerl“ (Raum der Einsatzleitung) zurück. Ein letzter beruflicher Anruf, dann tritt er vor unsere Kamera. Solche Rollenwechsel gehören für ihn zum Alltag.
Als Bereitschaftsleiter trägt er Verantwortung für alle Einsatzkräfte der Bergwacht Ramsau, gleichzeitig ist er auch in seinem Hauptberuf in leitender Funktion tätig. Dazu kommen seit dem Erfolg der Serie „In höchster Not – Bergretter im Einsatz“ zunehmend auch Anfragen für Vorträge und Auftritte. Trotzdem spricht er im Interview nicht von Belastung, sondern über Teamgeist.
Interview mit Michael Renner
Michael, du bist Bereitschaftsleiter der Bergwacht Ramsau. Was bedeutet das konkret?
Als Bereitschaftsleiter bin ich für 56 aktive Einsatzkräfte verantwortlich. Dabei geht es natürlich um Einsätze, aber auch um Ausbildung, Organisation und viele Dinge, die im Hintergrund laufen. Die Bergwacht besteht nicht nur aus den Einsätzen, die später in den Medien oder in der Serie zu sehen sind. Dahinter steckt viel Arbeit, die man von außen oft gar nicht wahrnimmt.
Wie viel Zeit muss man durchschnittlich in ein Ehrenamt bei der Bergwacht investieren?
Das ist ganz schwer zu sagen. In den Hochzeiten gibt es für mich in meinen diversen Funktionen sehr viel zu tun – das können schon mal bis zu 20 Stunden pro Woche werden. Es gibt aber natürlich auch Phasen, in denen es deutlich ruhiger ist – sonst würde das nicht gehen.
Es gibt einen Dienstplan, mit dem wir sicherstellen, dass an den schönen Wochenenden nicht alle Einsatzkräfte privat in den Bergen unterwegs sind. Grundsätzlich sollte jede Einsatzkraft zwei bis drei Wochen pro Halbjahr zur Verfügung stehen.
Du trägst sehr viel Verantwortung bei der Bergwacht. Gleichzeitig arbeitest du auch beruflich in einer Führungsposition. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?
Das ist tatsächlich die nahezu unmögliche Aufgabe. Neben meinem Hauptberuf, der Familie und der Bergwacht bleibt manchmal wenig Luft. Dazu kommen inzwischen auch immer mehr Anfragen für Vorträge, Veranstaltungen oder Gespräche im Zusammenhang mit der Serie. Ich muss deshalb immer wieder Prioritäten setzen und akzeptieren, dass nicht alles gleichzeitig geht. Das ist ein permanenter Balanceakt.
„Viele Menschen sind der gewählten Tour am Ende nicht gewachsen.“
Michael Renner, Bereitschaftsleiter, Bergwacht Ramsau©Michael Renner
Die Sommersaison 2026 ist vorbei. Wie haben sich die Einsatzzahlen entwickelt?
Diese Sommersaison war ein Rekordjahr. Wir hatten so viele Einsätze wie noch nie. Gleichzeitig war die Zahl der Schwer- und Schwerstverletzten relativ niedrig. Und es gab keinen einzigen Bergtoten in unserem Dienstgebiet. Das ist die gute Nachricht trotz gestiegener Einsatzzahlen.
Welche Fehler beobachtest du häufig bei Personen, die in den Bergen unterwegs sind?
Viele Menschen sind der gewählten Tour am Ende nicht gewachsen. Die Touren sind bei uns sehr lang, und oft fehlt eine realistische Selbsteinschätzung. Dazu kommen Wetterumschwünge oder Situationen, in denen Touren schlicht unterschätzt werden. Manchmal reicht schon eine Verzögerung und man gerät unerwartet in die Dunkelheit. Darum ist es immer eine super Idee, eine Stirnlampe dabei zu haben.
Hat deine Arbeit als Bergretter dein eigenes Verhalten auf dem Berg verändert?
Natürlich. Wenn man viele Einsätze erlebt hat, verbindet man manche Orte auch mit bestimmten Ereignissen. Man erinnert sich daran, was dort passiert ist. Das macht einen mit der Zeit eher noch etwas vorsichtiger und zurückhaltender.
Was gehört in jeden Rucksack für eine Bergtour?
Das hängt natürlich von der Tour ab. Aber ich als Bergretter würde mir wünschen, dass jeder etwas dabeihat, das im Notfall hilft. Vor allem etwas Warmes. Auch im Sommer kann man nach einem Unfall plötzlich längere Zeit warten müssen. Dann ist man froh über eine zusätzliche Schicht Kleidung. Man sollte immer auch auf Situationen vorbereitet sein, die eigentlich gar nicht geplant waren.
„Wir sind keine Helden. Wir riskieren nicht unser Leben.“
Michael Renner, Bereitschaftsleiter, Bergwacht Ramsau©Michael Renner
Was sollte deiner Meinung nach jeder über die Aufgaben der Bergretter wissen?
Wir machen das ehrenamtlich. Gleichzeitig arbeiten wir hochprofessionell und mit einem klaren Risikomanagement. Wir sind keine Helden. Wir riskieren nicht unser Leben. Wenn eine Situation für die Einsatzkräfte zu gefährlich wird, kann es sein, dass wir zunächst warten müssen. Das gehört zur Realität der Bergrettung dazu. Gleichzeitig freue ich mich über jeden, der unsere Arbeit unterstützt.
„In höchster Not – Bergretter im Einsatz“ auf Erfolgskurs
Die ersten beiden Staffeln der BR-Dokuserie „In höchster Not – Bergretter im Einsatz“ wurden in der ARD Mediathek mehr als 19 Millionen Mal abgerufen. Für die Serie wurden die Produzenten Franz Hinterbrandner und Max Reichel im Oktober 2026 mit dem Blauen Panther in der Kategorie „Bestes Factual Entertainment Format“ ausgezeichnet. In Staffel 3, die 2027 erscheinen soll, wird die Bergwacht Ramsau nicht zu sehen sein – das Team um Michael Renner legt eine Pause ein. Stattdessen rücken Einsätze der Bergwacht Oberstdorf im Allgäu in den Vordergrund.
ADAC Luftrettung: Hilfe aus der Luft
Ob Verkehrsunfall, medizinischer Notfall oder Rettungseinsatz im Gebirge: Die ADAC Luftrettung gehört zu den wichtigsten Akteuren der Notfallrettung in Bayern. Für Einsätze in schwer zugänglichem Gelände stehen in der Alpenregion unter anderem die Windenhubschrauber Christoph 1 München und Christoph Murnau zur Verfügung.
Allein in Murnau kam die Rettungswinde 2025 bei 223 Einsätzen zum Einsatz. Mit ihrer bis zu 90 Meter langen Winde können Patienten auch dort erreicht werden, wo eine Landung des Hubschraubers nicht möglich ist.
Bei alpinen Rettungseinsätzen arbeitet die ADAC Luftrettung regelmäßig mit den Bergwachten in Bayern zusammen.
Mehr Informationen unter ADAC Luftrettung

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