Zwischen Organisation und Cockpit: Kathrin Götzenberger über ihre besondere ADAC 3 Städte Rallye 2026

Von Redaktion Südbayern

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Motorsport in atemberaubender Landschaft: Die ADAC 3 Städte Rallye 2026. ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © ADAC Südbayern/KLrallyefotos

Die ADAC 3 Städte Rallye ist zurück. Nach drei Jahren Pause lockte das Motorsport-Highlight rund 15.000 Zuschauer in die Region und bot spannenden Rallyesport auf höchstem Niveau. Mitten im Geschehen war auch Kathrin Götzenberger: Sie unterstützte die Veranstaltung erstmals von Beginn an organisatorisch und ging gleichzeitig als Copilotin selbst an den Start. Im Interview erzählt sie von ihrer Doppelrolle, ihrem überraschenden sportlichen Erfolg und den besonderen Momenten des Rallye-Wochenendes.

Mit 58 Teams, zwölf Wertungsprüfungen und rund 170 Wertungskilometern feierte die ADAC 3 Städte Rallye nach dreijähriger Pause ein gelungenes Comeback. Trotz wechselhafter Bedingungen und Regen am zweiten Veranstaltungstag sorgten spannende Duelle entlang der Strecke für beste Rallye-Unterhaltung. Den Gesamtsieg sicherten sich Hermann Neubauer und Ursula Gaßner im Toyota Yaris GR Rally2 vor Albert von Thurn und Taxis und Jara Hain sowie Philip Geipel und Jennifer Lerch.

Für Kathrin Götzenberger war die diesjährige Ausgabe jedoch in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Die Mitarbeiterin der Sportabteilung des ADAC Südbayern war nicht nur in die Organisation eingebunden, sondern nahm gemeinsam mit ihrem langjährigen Fahrer Christian Allkofer selbst an der Rallye teil.

Kathrin Götzenberger - eine dunkelhaarige Frau mit Brille

„Die 3 Städte Rallye fühlt sich mittlerweile fast wie ein Heimkommen an.“

Kathrin Götzenberger, Rallye-Copilotin und Referentin in der Sportabteilung des ADAC Südbayern©ADAC Südbayern

Interview mit Kathrin Götzenberger

Kathrin, du warst bei der ADAC 3 Städte Rallye als Copilotin am Start. Wie bist du zum Rallyesport gekommen?

Ich bin seit 2010 als Copilotin im Rallyesport unterwegs. Angefangen hat alles an der Seite meines Vaters, mit dem ich meine ersten Rallyes gefahren bin. Seit 2012 sitze ich neben Christian Allkofer im Rallyeauto. Wir sind nicht nur auf den Wertungsprüfungen ein eingespieltes Team, sondern auch privat ein Paar.

Früher waren wir deutschlandweit bei verschiedenen Rallyes und Meisterschaften, beispielsweise im ADAC Opel Rallye Cup, erfolgreich unterwegs. Mittlerweile konzentrieren wir uns hauptsächlich auf Veranstaltungen bei uns in Bayern. Mit Kind, Christians Rennsporttechnik-Firma und meinem Job in der Sportabteilung ist unsere Freizeit ziemlich begrenzt. Von März bis November sind wir eigentlich fast jedes Wochenende in irgendeiner Form im Motorsport unterwegs.

Wie erfolgreich verlief eure Teilnahme in diesem Jahr?

Tatsächlich waren wir erfolgreicher, als wir selbst erwartet hatten. Mit unserem Renault Clio F/R3 ART konnten wir uns den zehnten Platz in der Gesamtwertung sichern – direkt hinter den deutlich leistungsstärkeren Rally2-Allradfahrzeugen. Außerdem waren wir das schnellste Fahrzeug mit Frontantrieb. Mit diesem Ergebnis sind wir natürlich mehr als zufrieden.

War es deine erste ADAC 3 Städte Rallye?

Nein, ganz und gar nicht. Die 3 Städte Rallye hat für mich mittlerweile schon eine lange Tradition. 2012 bin ich dort zum ersten Mal gestartet und dieses Jahr war es bereits meine neunte Teilnahme.

Was begeistert dich am Rallyesport?

Ganz klar: zunächst einmal die Geschwindigkeit. Aber was mich am Rallyesport mindestens genauso fasziniert, ist die unglaubliche Präzision und das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Beifahrer.

Im Rallyesport entscheiden oft Zehntelsekunden. Der Aufschrieb muss stimmen, die Ansagen müssen exakt zum richtigen Zeitpunkt kommen und der Fahrer muss die Informationen innerhalb von Sekundenbruchteilen richtig umsetzen. Dabei ist absolute Konzentration gefragt, denn ein kleiner Fehler kann bereits das Aus bedeuten.

Das Besondere ist für mich dieses blinde Vertrauen zwischen Fahrer und Beifahrer. Man muss sich zu hundert Prozent aufeinander verlassen können. Wenn alles zusammenpasst, jede Ansage sitzt und das Auto perfekt läuft, dann ist das einfach ein unbeschreibliches Gefühl.

In diesem Jahr warst du nicht nur Teilnehmerin, sondern auch als Teil des Veranstaltungsteams eingebunden. Wie war diese Doppelrolle?

Ja, und das war für mich tatsächlich eine ganz neue Erfahrung. Es war meine erste 3 Städte Rallye, die ich von Anfang an auch auf organisatorischer Seite begleiten durfte.

In den vergangenen Jahren war ich zwar bereits als ehrenamtliche Helferin bei der Dokumentenabnahme im Einsatz, aber dieses Mal war ich wirklich von den ersten Planungen bis zur Umsetzung vor Ort mit dabei.

Dadurch habe ich noch einmal einen völlig anderen Blick auf die Veranstaltung bekommen. Es gibt unglaublich viele Aufgaben, Abstimmungen und Herausforderungen im Hintergrund, von denen man als Teilnehmer überhaupt nichts mitbekommt. Erst wenn man selbst mitten in der Organisation steckt, wird einem bewusst, wie viel Arbeit tatsächlich hinter so einer Veranstaltung steckt.

Was macht die ADAC 3 Städte Rallye für dich so besonders?

Für mich ist es vor allem das gesamte Flair und dieses besondere Miteinander. Die 3 Städte Rallye fühlt sich mittlerweile fast wie ein Heimkommen an.

Man kennt über die Jahre so viele Gesichter – egal ob die Helfer an den Wertungsprüfungen, die Sportwarte an den Zeitkontrollen, die Zeitnahme oder die Leute im Servicepark. Man trifft Menschen wieder, die man teilweise nur einmal im Jahr sieht, und trotzdem ist es sofort wieder vertraut.

Dazu kommen natürlich die Wertungsprüfungen selbst. Die Strecken der 3 Städte Rallye sind unglaublich abwechslungsreich, selektiv und anspruchsvoll. Sie verlangen Fahrer und Beifahrer einiges ab – und genau das macht für mich eine richtig gute Rallye aus.

Was wird dir von der diesjährigen Veranstaltung besonders in Erinnerung bleiben?

Da gab es tatsächlich einige Momente. Aber einer ist mir besonders in Erinnerung geblieben, und der hatte ausnahmsweise gar nichts mit dem Rallyefahren selbst zu tun.

Ich war im Vorfeld unter anderem für die Gestaltung des Start- und Zielbogens verantwortlich. Wenn man wochenlang an solchen Dingen arbeitet, unzählige Stunden in Planungen und Abstimmungen steckt und sich zwischendurch vielleicht auch mal fragt, wofür man diesen ganzen Aufwand eigentlich betreibt, dann gibt es plötzlich diesen einen Moment:

Man fährt am Freitagnachmittag auf den Marktplatz nach Hauzenberg zum Showstart, sieht den fertig aufgebauten Startbogen und die gesamte Kulisse – und auf einmal weiß man wieder ganz genau, wofür man das alles gemacht hat.

Das war für mich ein richtig schöner und auch emotionaler Moment.

Warum sollte man sich die Veranstaltung einmal live anschauen?

Was mich immer wieder fasziniert, ist die Begeisterung der Zuschauer. Allein am Freitag haben wir an einer einzigen Wertungsprüfung mehr als 400 Eintrittskarten verkauft. Das zeigt, welchen Stellenwert die Veranstaltung mittlerweile hat und wie sehr der Rallyesport die Menschen in der Region begeistert.

Und genau diese Atmosphäre muss man einfach einmal selbst erlebt haben. Wenn die Rallyeautos mit hoher Geschwindigkeit an einem vorbeifahren und man die Begeisterung der Zuschauer hautnah mitbekommt, ist das etwas völlig anderes, als Bilder oder Videos anzuschauen.

Hinter so einer Veranstaltung steckt unglaublich viel Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen, und darauf können wir wirklich stolz sein.