ADAC Monitor: So zufrieden sind Menschen mit der Mobilität in mittelgroßen NRW-Städten

Münster liegt vorn, Oberhausen ist Schlusslicht: Der ADAC Monitor „Mobil in der Stadt“ 2026 zeigt große Unterschiede bei der Zufriedenheit mit der Mobilität in NRW. In fast allen untersuchten NRW-Städte fällt der Gesamtindex niedriger aus als 2021. Mönchengladbach verbessert sich deutlich.
Münster führt den bundesweiten Vergleich von 29 mittelgroßen Städten an.
Oberhausen fällt von Platz acht auf den letzten Rang zurück.
Baustellenmanagement, Parkgebühren und das Miteinander im Verkehr sorgen für Kritik.
ADAC Monitor "Mobil in der Stadt" 2026: So schneiden die NRW-Städte ab
Wie zufrieden sind Menschen mit ihren täglichen Wegen – im Auto, mit Bus und Bahn, auf dem Fahrrad oder zu Fuß? Das hat der ADAC in 29 mittelgroßen Städten untersucht. Zehn davon liegen in Nordrhein-Westfalen. Befragt wurden Einwohner sowie regelmäßig einpendelnde oder zu Besuch kommende Menschen.
Nur Münster schafft es aus NRW in die bundesweiten Top Ten. Bielefeld und Bochum liegen im Mittelfeld. Sechs NRW-Städte finden sich im unteren Drittel des Vergleichs. Dennoch bleibt der Gesamtindex in neun der zehn untersuchten NRW-Städte positiv: Dort überwiegen im zusammengefassten Ergebnis die zufriedenen gegenüber den unzufriedenen Bewertungen.
Grafik gesamt
Der Index gibt dabei an wie groß der Anteil der Menschen ist, die überwiegend zufrieden mit der Mobilität sind, gegenüber denen die überwiegend unzufrieden sind. Beispiel Münster: Hier waren 43 Prozent der Menschen überwiegend zufrieden und 11 Prozent überwiegend unzufrieden, daraus ergibt sich der Index von 32. Bei einem Wert von 0 wäre der Anteil zufriedener und unzufriedener Einwohner/Pendler mit der Mobilität in einer Stadt oder einer Fortbewegungsart gleich groß.
Münster: Spitzenplatz bei der Mobilitätszufriedenheit

Münster erreicht mit +32 den ersten Platz im bundesweiten Vergleich, vor Freiburg und Erfurt mit jeweils +29. Besonders gut fällt das Urteil zum Radverkehr (+45), zum ÖPNV und zum Fußverkehr (jeweils +42) aus. Beim Fußverkehr erzielt Münster sogar den höchsten Wert aller untersuchten Städte.
Der Stadtreport zeigt: 69 Prozent der befragten Radfahrer sind mit dem Angebot an Radwegen zufrieden, nur 4 Prozent unzufrieden. Auch die direkten Wege zu ihren Zielen bewerten viele positiv. Beim Autoverkehr überwiegt dagegen mit einem Teilindex von −2 knapp die Unzufriedenheit. Gegenüber 2021 sinkt der Gesamtindex um drei Punkte.
„Münster zeigt, wie wichtig eine integrierte Verkehrsplanung für eine funktionierende Mobilität in der Stadt ist“, sagt Prof. Dr. Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC in NRW. Entscheidend sei, die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen und Stadt und Umland gemeinsam zu planen.
Oberhausen: Von Platz acht auf den letzten Rang

Oberhausen verzeichnet den stärksten Rückgang unter den zehn untersuchten NRW-Städten. Der Gesamtindex fällt von +26 auf −1, die bundesweite Platzierung von Rang acht auf Rang 29. Damit ist Oberhausen die einzige Stadt im Vergleich mit einem negativen Gesamtindex.
Die Zufriedenheit sinkt bei allen vier Verkehrsarten. Besonders deutlich fällt die Bilanz beim Auto aus: Der Teilindex liegt bei −21. Mit dem Baustellenmanagement sind 60 Prozent der befragten Autofahrer unzufrieden. Auch beim Fußverkehr gibt es Kritik: 47 Prozent bemängeln die Sitzmöglichkeiten entlang der Gehwege, 59 Prozent das regelkonforme Verhalten von E-Scooter-Fahrern.
Mönchengladbach: Deutliche Verbesserung seit 2021
Mönchengladbach ist die einzige untersuchte NRW-Stadt, deren Gesamtindex steigt: von +3 auf +12. Bundesweit verbessert sich die Stadt vom letzten Platz auf Rang 18. Laut Pressemitteilung ist dies der größte Zuwachs an Zufriedenheit im gesamten Städtevergleich.
Vor allem beim Fahrrad (+2 statt −13) und beim ÖPNV (+23 statt +10) fällt die Bewertung besser aus. Auch der Autoindex steigt von −8 auf 0. Zufriedene und unzufriedene Bewertungen halten sich hier die Waage. Handlungsbedarf bleibt: Mit dem Zustand der Radwege sind 39 Prozent der befragten Radfahrer unzufrieden und nur 8 Prozent zufrieden.
Bielefeld und Bochum: Mittelfeld mit Unterschieden
Bielefeld: Gute Werte für Bus und Bahn
Bielefeld erreicht mit +17 Platz elf. Der Gesamtindex liegt nur einen Punkt unter dem Ergebnis von 2021. Hinter dem nahezu stabilen Gesamtbild stehen unterschiedliche Entwicklungen: Beim ÖPNV steigt der Teilindex von +26 auf +31, beim Fahrrad von +13 auf +21. Beim Auto fällt er dagegen von +1 auf −8.
Busse und Bahnen punkten unter anderem bei der Häufigkeit der Verbindungen: 53 Prozent der befragten ÖPNV-Nutzer sind damit zufrieden, 10 Prozent unzufrieden. Autofahrer kritisieren besonders das Baustellenmanagement; 52 Prozent vergeben dafür schlechte Bewertungen.
Bochum: Radverkehr und ÖPNV legen zu
Bochum landet mit +16 auf Platz 14. Gegenüber 2021 verliert die Stadt fünf Indexpunkte. Während sich die Teilindizes für ÖPNV (+26 statt +23) und Fahrrad (+22 statt +17) verbessern, sinken die Werte für den Fußverkehr (+23 statt +38) und das Auto (−6 statt +7).
Beim Fahrrad werden die Breite der Radwege und die zuverlässige Zielerreichung überwiegend positiv bewertet. Autofahrer sehen dagegen unter anderem beim Straßenzustand Probleme: 40 Prozent sind damit unzufrieden, 10 Prozent zufrieden. Auch das Baustellenmanagement und die Parkgebühren sorgen für Kritik.
Aachen, Bonn, Gelsenkirchen, Krefeld und Wuppertal im Überblick
Aachen: Autofahrer deutlich unzufriedener
Aachen kommt mit +10 auf Platz 23. Der Gesamtindex sinkt seit 2021 um drei Punkte. Besonders deutlich verschlechtert sich die Bewertung des Autoverkehrs: Der Teilindex fällt von +2 auf −14. Beim Fahrrad verbessert er sich dagegen von +5 auf +11.
Unter den befragten Autofahrern sind 57 Prozent mit dem Baustellenmanagement und 59 Prozent mit der Höhe der Parkgebühren unzufrieden. Bei Bus und Bahn stehen der zuverlässigen Zielerreichung Probleme gegenüber: 29 Prozent der ÖPNV-Nutzer bewerten Pünktlichkeit und Ausfälle negativ, 23 Prozent positiv.
Bonn: Niedrigster Autoindex im Städtevergleich
Bonn erreicht mit +7 Platz 25 und verliert gegenüber 2021 sieben Indexpunkte. Besonders kritisch fällt das Urteil der Autofahrer aus: Mit −29 weist Bonn laut Pressemitteilung den niedrigsten Autoindex aller 29 untersuchten Städte auf. Der Fahrradindex steigt hingegen von +8 auf +18.
Die Detailergebnisse zeigen die Kritik am Autoverkehr deutlich: 62 Prozent der befragten Autofahrer sind mit dem Baustellenmanagement unzufrieden. 58 Prozent vergeben schlechte Bewertungen für die zuverlässige Zielerreichung angesichts von Staus; nur 9 Prozent sind damit zufrieden.
Gelsenkirchen: Rückgang beim Fußverkehr
Gelsenkirchen liegt mit +10 auf Platz 22. Der Gesamtindex fällt gegenüber 2021 um sechs Punkte. Besonders deutlich sinkt der Fußverkehrsindex von +32 auf +14. Beim Auto liegt er bei −5, beim ÖPNV bei +21 und beim Fahrrad unverändert bei +10.
Fußgänger bemängeln vor allem fehlende Sitzgelegenheiten: 39 Prozent sind damit unzufrieden, 8 Prozent zufrieden. Auch der Zustand der Gehwege und die Aufenthaltsqualität werden häufiger negativ als positiv bewertet. Unter Autofahrern ist der Straßenzustand ein Kritikpunkt: 45 Prozent sind unzufrieden.
Krefeld: Radwege stehen in der Kritik
Krefeld erreicht mit +2 Platz 27. Gegenüber 2021 verliert die Stadt sieben Indexpunkte. Der Fahrradindex liegt bei −5. Laut Pressemitteilung ist Krefeld damit die einzige untersuchte Stadt in Deutschland, in der beim Radverkehr die Unzufriedenheit überwiegt.
Besonders kritisch wird der Zustand der Radwege beurteilt: 62 Prozent der befragten Radfahrer sind unzufrieden, nur 10 Prozent zufrieden. Auch das Angebot und die Breite der Radwege werden häufiger negativ als positiv bewertet. Beim Auto liegt der Teilindex bei −13; 70 Prozent der Autofahrer bemängeln den Straßenzustand.
Wuppertal: Autoindex sinkt, ÖPNV und Fahrrad legen zu
Wuppertal kommt mit +7 auf Platz 24. Der Gesamtindex liegt zwei Punkte unter dem Ergebnis von 2021. Beim ÖPNV steigt der Teilindex von +10 auf +14, beim Fahrrad von +12 auf +14. Die Bewertungen für den Fußverkehr und vor allem für das Auto verschlechtern sich hingegen.
Der Autoindex fällt von −4 auf −17. 54 Prozent der befragten Autofahrer sind mit dem Baustellenmanagement unzufrieden. Beim Fußverkehr sorgen unter anderem behindernd abgestellte Fahrzeuge für Kritik: 32 Prozent bewerten diesen Aspekt negativ, 17 Prozent positiv.
Was der ADAC für bessere Mobilität in NRW fordert
Die Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich Menschen ihre täglichen Wege erleben. Besonders häufig sorgen das Baustellenmanagement, Parkgebühren und Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern für Unzufriedenheit. Auch beim Fußverkehr sinkt der Teilindex in allen zehn untersuchten NRW-Städten gegenüber 2021.
Der ADAC in NRW sieht vor allem folgende Aufgaben:
Verkehr gemeinsam planen: Alle Verkehrsarten berücksichtigen und Städte besser mit ihrem Umland vernetzen – etwa durch gute ÖPNV-Verbindungen, Radschnellwege und P+R-Anlagen.
Baustellen besser abstimmen: Sanierungen vorausschauend koordinieren, frühzeitig informieren und Straßen sowie Brücken gezielt erhalten.
Rad- und Fußverkehr verbessern: Durchgängige Radwegenetze, sichere Kreuzungen, gut ausgebaute Gehwege und mehr Sitzgelegenheiten schaffen.
Bus und Bahn attraktiver machen: Zuverlässige, regelmäßige und möglichst direkte Verbindungen sowie bezahlbare Tickets und gute Umstiegsmöglichkeiten anbieten.
Parkraum ausgewogen gestalten: Die Interessen von Anwohnern und Pendlern berücksichtigen; Parkmöglichkeiten sollen erreichbar und bezahlbar bleiben.
Konflikte reduzieren: E-Scooter durch klare Vorgaben und feste Abstellflächen besser ordnen sowie Rücksichtnahme und die Einhaltung von Verkehrsregeln fördern.
„Die Städte müssen deshalb genau hinschauen, wo die Probleme liegen, und gezielt nachbessern“, sagt Suthold.
Der ADAC hat gemeinsam mit dem Münchner Marktforschungsinstitut „komma“ im Juni 2026 insgesamt 11.605 Interviews in 29 deutschen Städten ausgewertet. Pro Stadt waren es rund 400 Interviews. Erfasst wurde die Zufriedenheit mit 66 Einzelaspekten der persönlichen Mobilität.
Teilnehmen konnten Menschen ab 18 Jahren, die in der jeweiligen Stadt wohnen, einpendeln oder sie besuchen und dort im Durchschnitt an mindestens zwei Tagen pro Woche Wege zurücklegen. Die repräsentativ angelegte Online-Befragung wiederholt die Untersuchung von 2021.
Der Monitor misst die subjektive Zufriedenheit der Nutzer. Er ist kein objektiver Infrastrukturtest und bildet nicht sämtliche Städte in NRW ab. Metropolen wie Köln, Düsseldorf, Dortmund oder Essen gehören nicht zu diesem Vergleich mittelgroßer Städte.