A45-Sperrung aufgehoben: Autobahnbrücke Rahmede wieder befahrbar

Von Johannes Giewald, Laura Scherer

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Die A45-Brücke Rahmede bei Lüdenscheid ist seit dem 22. Dezember wieder befahrbar.© Autobahn GmbH

Neubau eröffnet: Knapp mehr als vier Jahre nach der Sperrung der Talbrücke Rahmede der A45 wurde der Neubau am 22. Dezember 2025 freigegeben. Die Sperrung wird damit aufgehoben.

  • Die A45-Talbrücke Rahme war seit dem 2. Dezember 2021 gesperrt

  • Neubau am 22. Dezember eröffnet

  • ADAC fordert: Bautempo bei A45-Brücke darf keine Ausnahme bleiben

Rahmede Brücke der A45: Neubau wird freigegeben

Die neue Rahmede-Brücke der A45 wurde am Montag, 22. Dezember für den Verkehr freigegeben. "Wir entlasten die Anwohnerinnen und Anwohner vom Durchgangsverkehr und stellen die Sauerlandlandlinie A 45 wieder her", sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Ursprünglich war geplant, die neue Brücke der A45 erst Mitte kommenden Jahres zu eröffnen. Damit wurde der ursprüngliche Plan, die Brücke innerhalb von maximal fünf Jahren neu zubauen und zu eröffnen eingehalten.

Nach der Freigabe am 22. Dezember führt der Verkehr aus Nord und Süd zunächst über je zwei verengten Fahrspuren über das erste Brückenbauwerk, das in die spätere Fahrtrichtung Frankfurt führt. Daneben entsteht noch eine zweite Brücke für die Gegenrichtung. Die Fertigstellung dauert noch weitere Monate.

Wie geht es mit dem Neubau weiter?

Abgeschlossen sind die Arbeiten an der Rahmedetalbrücke noch nicht. Bislang ist nur die erste Brückenhälfte fertig. Daneben wird an einem zweiten Brückenteil gebaut. Ende 2026 sollen alle Arbeiten geschafft sein.

Das sagt der ADAC in NRW zum Neubau

Das Bautempo bei der Rahmedetalbrücke darf keine Ausnahme bleiben. „Eine Bauzeit zwischen zwei und drei Jahren muss der Maßstab für zukünftige Brückenersatzbauwerke sein“, sagt Prof. Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC in NRW. "Entscheidend ist, dass der Staat Planung und Bau eines Projekts an einen Auftragnehmer überträgt, der dann auch für die fristgerechte Umsetzung geradesteht. Diese Vorgehensweise spart Zeit, reduziert Kosten und minimiert Schnittstellenprobleme."

Zudem ist der Sanierungsdruck angesichts der maroden Brückeninfrastruktur in ganz Nordrhein-Westfalen immens. "30 Prozent der mehr als 6.000 Autobahnbrücken in NRW sind sanierungsbedürftig», sagt Suthold. "Die Rahmedetalbrücke war nur die Spitze des Eisbergs. Fast jede zehnte Autobahnbrücke in NRW hat ihre geplante Lebensdauer schon überschritten und liegt auf der Intensivstation."

Die 45 ist bis auf Weiteres gesperrt.
Die Talbrücke Rahmede der A45 bleibt monatelang gesperrt.© Autobahn Westfalen

A45-Brücke: Warum wurde die Talbrücke Rahmede gesperrt?

Bei der Überprüfung der Brücke wurden zunächst Verformungen in der Stahlwand festgestellt, die die Tragfähigkeit der Brücke beeinflussen können. Ein Expertenteam hat bei weiteren Untersuchungen im Dezember jedoch weitere gravierende Schäden an der Brücke festgestellt.

Das alte Stahlgerüst wies nicht nur Verformungen und Beulen auf, viele Bereiche des Stahls waren stark korrodiert und hatten Risse, zudem waren ganze Schweißnähte gerissen. Das Endergebnis: Die Brücke konnte nicht saniert werden, ein kompletter Neubau ist notwendig. „Deswegen war die Entscheidung richtig, die Brücke im Dezember zu sperren, so schwerwiegend das für die Menschen in der Region, für Spediteure und Pendler ist“, sagte Sauerwein-Braksiek Anfang 2022. Die großen Verkehrsmengen, aber vor allem auch die gestiegenen Gewichte in den vergangenen Jahrzehnten, seien die wesentlichen Gründe für den Zustand der 53 Jahre alten Brücke.

"Die Situation zeigt, wie dramatisch sich der Zustand der Brückeninfrastruktur in wenigen Jahren verschlechtern kann. Die Talbrücke Rahmede hat 2017 noch die Note drei bekommen und ist jetzt ein Totalausfall", sagt ADAC Verkehrsexperte Suthold. "Brückenprüfungen sollten aufgrund der angespannten Situation zeitlich noch engmaschiger durchgeführt werden als es das Regelwerk vorsieht."

Duisburg, Leverkusen – nun Lüdenscheid: Warum sind so viele Brücken in NRW in schlechtem Zustand?

Viele Autobahnbrücken, auch in Nordrhein-Westfalen, wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren gebaut. Damals hat man Prognosen aufgestellt, wie viel Verkehr in Zukunft über die Brücken fahren wird. Der Lkw-Verkehr ist in den letzten Jahrzehnten allerdings enorm gestiegen. Und Lkw belasten Brücken deutlich stärker als Autos: Ein 40-Tonner belastet eine Brücke so sehr wie 60.000 Autos.

Für die heutige Verkehrslast sind die Brücken daher nicht konzipiert worden, deswegen kommt es immer wieder zu Problemen. "Die Prognosen der Vergangenheit gelten nicht mehr. Der Zustand der Brücken aus den 60er und 70er Jahren verschlechtert sich offenbar noch schneller als man bisher gedacht hat", sagt ADAC Fachmann Suthold.

Experten hatten schon Anfang der 2000er gesagt, dass Brücken und Tunnel der 60er und 70er bald saniert werden müssen. Das Bundesverkehrsministerium hat aber trotz politischem Druck aus Nordrhein-Westfalen erst ab 2016 ausreichend Finanzmittel zur Verfügung gestellt. „Die Politik muss weiter massiv in die Erhaltung und Erneuerung von Brücken investieren. Brücken sind die Achillesferse der Straßeninfrastruktur. Es darf jetzt nicht zu einem Domino-Effekt kommen, wo in NRW eine Brücke nach der anderen für Lkw oder sogar Pkw gesperrt werden muss“, sagt Suthold.

Ähnlich gebaute Brücken der A45 wurden laut Autobahn GmbH derzeit neben den üblichen Kontrollen zusätzlich auf Schäden untersucht. Ende Januar wurde bekannt, dass langfristig 60 Brücken der A45 neugebaut werden müssen. Der Verkehr soll während der Bauphasen weiterlaufen können.

Wie häufig werden Brücken kontrolliert?

Brückenbauwerke in Deutschland werden regelmäßig gemäß entsprechender Norm (DIN 1076) durch Fachleute geprüft. Alle sechs Jahre findet eine Hauptprüfung durch speziell ausgebildete Bauwerksprüfingenieure statt. Einfache Prüfungen erfolgen alle drei Jahre. Zudem sind jährlich Kontrollbesichtigungen durch die zuständigen Straßen- und Autobahnmeistereien durchzuführen. Zusätzlich erfolgen zweimal jährlich Beobachtungen im Hinblick auf augenscheinliche Schäden. Die Bauwerke werden nach den Kriterien Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit bewertet.