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Der ADAC

Sim-Racing: 24 Stunden im virtuellen Cockpit

Der Sim-Racing-Simulator im ADAC Ortsclub Scuderia Augustusburg Brühl
Leon Harhoff im Sim-Racing-Simulator des ADAC Ortsclubs Scuderia Augustusburg Brühl ∙ © ADAC Nordrhein/Christopher Köster

In der Corona-Krise ist Sim-Racing für viele Motorsportler und Fans eine willkommene Alternative. Der Kölner Leon Harhoff fährt schon seit Jahren digitale Rennen und lernt am Computer vieles, was ihn auf der echten Nordschleife besser macht.

Leon Harhoff öffnet die Tür zum Brühler Clubheim zwar mit wachem Blick, aber auch mit deutlichen Augenringen. „Ich bin am Wochenende mit drei Kollegen ein 24-h-Rennen gefahren. Digital natürlich.“ Das erklärt einiges, denn es ist erst Dienstag, viel Schlaf konnte der 23-Jährige nicht nachholen. Ohne Präsenzveranstaltungen an der Hochschule kann der Kölner Student der Fahrzeugtechnik seine Zeit in der Corona-Krise selbst einteilen, Motorsportveranstaltungen finden leider auch nicht statt. Daher widmet sich Leon ganz seinem zweiten Hobby: dem Sim-Racing (kurz für „simulated racing“), also dem elektronischen Motorsport.

Leon hat sich schon immer für Motorsport begeistert. Erst im Fernsehen und auf der Playstation, später wurde es ernster und er stieg selbst ins Auto. Seit 2014 fährt er für seinen ADAC Ortsclub Scuderia Augustusburg Brühl zunächst Kart-Slalom, dann Gleichmäßigkeitsprüfungen und nun die Rundstrecken-Challenge Nürburgring (RCN). Parallel dazu ist er vom bloßen Zocken an der Konsole ins Sim-Racing eingestiegen, wo Rennautos realitätsgetreu mit Lenkrad, Pedalen und Fahrersitz gesteuert werden.

Für den Einstieg kommt es nicht auf teures Equipment an. Es macht schon mit einem normalen Lenkrad richtig Spaß.

Mittlerweile ist Sim-Racing für Leon ein durchaus ernsthaftes Hobby geworden. Er fährt unter anderem im ADAC Digital Cup, seine Lieblingsstrecken sind die Nürburgring Nordschleife, Spa und Zandvoort. „Für mich es keine Spielerei. Es ist realistisch, sehr anspruchsvoll und erleichtert einem den Einstieg in die Realität. Außerdem baut beides aufeinander auf: Am Computer lerne ich Dinge, die mir auf der Strecke helfen, und durch Rennen auf der Strecke werde ich auch virtuell besser.“ So fasst Leon die Stärken beider Welten für sich zusammen.

Auch Rapper Smudo ist begeisterter Sim-Racer

Und das sieht nicht nur der Kölner Student so, sondern zum Beispiel auch der bekannte Rapper Smudo von den Fantastischen Vier. „Ich habe Ende der Neunziger mit dem Klassiker Grand Prix Legends angefangen“, sagt der Hobby-Motorsportler im ADAC Podcast unterwegs.NRW: „Und irgendwann habe ich Bücher über das Rennfahren und Fahrphysik gelesen. Das hat mich dann im Simulator besser gemacht. Damit bin ich wiederum zum echten Motorsport gekommen und jetzt bin ich von beidem total angefixt.“

Das ist auch das Ziel der Scuderia Augustusburg Brühl und vieler weiterer ADAC Ortsclubs. „Natürlich ist SIM-Racing eine neue Form der Jugendförderung. Aber wir wollen jeden bei uns auch irgendwann auf die Rennstrecke bringen – und jeder, der am Simulator gefahren ist, will auch selbst auf die Rennstrecke”, sagt Scuderia-Jugendwart Leon Harhoff.

Wer es selbst ausprobieren möchte, kann in einem Simulation-Center (wie etwa Sim4Race, u.a. in Köln, Düsseldorf, Bonn, Siegburg, Mönchengladbach und Neuss) vorbeischauen und dort gegen Bezahlung in einem Motion Simulator fahren – der rüttelt einen auch ordentlich durch. Dort wird auch der ADAC Digital Cup ausgetragen. Deutlich günstiger und geselliger geht es in den vielen ADAC Ortsclubs zu. Daher hat die Scuderia Augustusburg Brühl für rund 2000 Euro einen Simulator angeschafft, auf dem die Mitglieder nun rege trainieren.

Sim-Racing im ADAC Ortsclub

Hier seht ihr, welche ADAC Ortsclubs in Nordrhein-Westfalen Sim-Racing anbieten.

Und wer sich gleich einen eigenen Home-Simulator anschaffen möchte, dem empfiehlt Leon einen PC oder eine Playstation, die Rennsimulationen Assetto Corsa oder iRacing und natürlich Lenkrad und Pedale. „Es kommt nicht auf teures Equipment an. Es macht schon mit einem normalen Lenkrad richtig Spaß“, sagt Leon. „Ein Profi-Simulator macht es dann nur einfacher, wirklich schneller zu werden. Dort bekommst du von Lenkrad, Pedalen und vom Sitz einfach viel mehr Feedback.“ Und wer will, kann sich – wie Leon zu Hause – auch noch von einem auf drei Bildschirme erweitern. „Für die bessere Rundumsicht.“

In Corona-Zeiten sitzt Leon natürlich deutlich mehr im heimischen Simulator. Etwas anderes geht nicht. Das gefällt auch seinem berühmten Sim-Racing-Kollegen Smudo. „Ich bin seit 23 Jahren Sim-Race-begeistert. Und dass sich dieses Mal die Welt andersherum dreht, der Realsport zum Sim kommt und dort ein Publikum findet, lässt mich als Unterhaltungskünstler, der in Corona-Zeiten ja ein großes Publikums-Defizit hat, nicht kalt.“ Doch natürlich vermissen Smudo und Leon das echte Rennfahren und die echte Nordschleife. Benzingeruch und G-Kräfte können letztlich durch nichts ersetzt werden.

ADAC Digital Cup

Der ADAC Digital Cup ist die Sim-Racing-Meisterschaft des ADAC. Bei der dritten Auflage im Winter 2019/2020 haben nahmen insgesamt 75 Teams aus bundesweit elf ADAC Regionalclubs teil, Tendenz steigend.

Teilnahmeberechtigt sind alle ADAC Ortsclubs im ADAC e.V, sofern sie Zugang zu einem Center mit den für die Meisterschaft zugelassenen Simulatoren haben. Gefahren wird u.a. auf dem Nürburgring, in Laguna Seca und Spa-Francorchamps.

Christopher Köster
Redakteur ADAC Nordrhein
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