E-Auto kaufen – Experten antworten auf Fragen zu Förderung, Ladestation, Kosten uvm.

Heute Tanken morgen laden
Dr. Kurt Reinking (Mitte) und Hermann-Josef Kastenholz beantworten Moderatorin Gabriele Schön Fragen zum E-Auto-Kauf ∙ © ADAC Nordrhein

Wer sich ein E-Auto kaufen will, hat vorab einige Fragen: Wann lohnt sich die Anschaffung eines Elektro-Autos? Stimmen die Reichweiten-Angaben? Dauert das Laden immer noch so lange? Wie kann ich zuhause laden? Und welche Fördermittel gibt es? Im digitalen Live-Talk des ADAC Nordrhein beantworteten drei Elektro-Mobilitätsexperten 60 Minuten
lang wichtige Verbraucherfragen zum E-Auto-Kauf.

E-Auto kaufen: Kosten, Ladestation, Förderung, Ladezeit – Experten beantworten Verbraucherfragen

Die Experten:

  • Manuel Griesmann, ADAC Technikzentrum Landsberg

  • Hermann-Josef Kastenholz, Elektroinnung Köln

  • Dr. Kurt Reinking, Kölner Rechtsanwalt und Autor

Den ganzen Talk finden Sie hier zum Nachschauen:

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC Nordrhein

Die Kernaussagen der Experten im Überblick:

Manuel Griesmann, Experte aus dem ADAC Technikzentrum in Landsberg am Lech

Kostenfaktoren: „Natürlich sind E-Autos teurer in der Anschaffung, aber der Preis kann sich schnell relativieren. Zum einen ist die Wartung deutlich günstiger und man muss weniger Steuern zahlen. (...) Im Schnitt muss man mit 0,36 Cent pro Kilowattstunde rechnen. Je nach Fahrweise liegt der Verbrauch bei etwa 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometern. So lassen
sich die Kosten ganz gut hochrechnen und mit den Spritkosten eines Verbrenners
vergleichen.“

Laufleistung: „Je höher die Laufleistung ist und je günstiger man laden kann, desto schneller rechnet sich der höhere Kaufpreis für ein Elektroauto. 300.000 Kilometer sollten mit einem E-Auto machbar sein.“

Reines E-Auto vs. Hybrid-Modell: „Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist ein Hybrid natürlich teurer, weil das Fahrzeug mit Motor und Batterie zwei Techniken mit sich schleift. Dementsprechend ist auch der Verbrauch höher. Deshalb macht es eigentlich eher Sinn, komplett auf elektrisch zu gehen.“

Fördermittel und Antragsstellung: „Die Förderung ist schon beachtlich und sorgt auch für günstige Leasingraten. Wir empfehlen jedem Käufer, die Förderrichtlinien unbedingt vorab genau anzuschauen. Die Förderung teilen sich der Fahrzeughersteller und der Staat. Daher ist es sehr wichtig, dass der Händler die Rechnung mit ausgewiesenem Herstelleranteil korrekt
stellt. Wird eine falsche Rechnung eingereicht, ist es mit der staatlichen Förderung dahin. Seit 1. Juni ist keine nachträgliche Rechnungskorrektur mehr möglich.“

Umwelt: „E-Autos sind heute in der Regel schon sauberer als vergleichbare Verbrenner-Modelle. Die verwendeten Rohstoffe sind meist recyclebar. Bei Benzinern oder Dieseln ist der
verbrannte Kraftstoff einfach weg.“

Dr. Kurt Reinking, Rechtsanwalt aus Köln, Autor und Referent zum Thema „Autokauf & Leasing“

Fahrweise und Reichweite: „Mit der eigenen Fahrweise kann ich die Reichweite beeinflussen. (...) Es gibt immer mehr unabhängige Ladepunkte, die öffentlich zugänglich sind. Die Erreichbarkeit der nächsten Ladesäule sollte zukünftig kein Problem mehr sein. Ich rate aber dazu, maßvoll zu fahren. Denn auch das Laden ist teurer geworden. Kleine E-Autos haben natürlich auch einen wesentlichen niedrigeren Verbrauch.“

Lebensdauer der Batterie: „Es gibt beim E-Auto-Kauf acht Jahre Garantie auf die Batterie, begrenzt auf eine Laufleistung von zum Beispiel 160.000 oder 240.000 Kilometer. Bei gebrauchten E-Autos sollte man vom Hersteller den Zustandsbericht des Fahrzeugs anfordern, denn es lässt sich schlecht feststellen, wie es der Batterie geht. Generell sind die praktischen Erfahrungen mit den Batterien besser als die noch bestehenden Ängste. Der Batterieleistungs-Verlust ist wesentlich geringer als man befürchtet hat. Bei 300.000 Kilometern Laufleistung wurden Restkapazitäten von mehr als 90 Prozent festgestellt. Und bei der Batterieentwicklung stehen wir noch am Anfang. Forschungen weisen darauf hin, dass demnächst kein Kobalt und Lithium mehr benötigt werden könnte. Momentan sind 90 Prozent der Batterien wiederverwertbar.“

Hermann-Josef Kastenholz, stellvertretender Obermeister der Elektroinnung Köln und Gesellschafter des E-Mobilität-Fachbetriebs Kastenholz

Laden zuhause: „Die herkömmliche Steckdose auf dem Balkon oder in der Garage sollte man nach Möglichkeit nicht zum Aufladen nutzen. Die deutsche Steckdose ist für eine solche Dauerleistung nicht ausgelegt. Beim Ladevorgang entstehen hohe Temperaturen an Kontaktpunkten und das kann zum Brand führen. Mit einer Wallbox kann hingegen nix passieren. Die Box überwacht Zeit und Temperatur und hat eine automatische Abschaltvorrichtung.“

Wallbox-Förderung: „Es gibt eine stattliche Förderung von bis zu 900 Euro von der KfW-Förderbank für die private Anschaffung einer Wallbox. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass man Ökostrom zuhause nutzt. Wenn nicht muss zunächst der Stromtarif darauf umgestellt werden. Das ist zwar etwas teurer, aber auch gut für die Umwelt.“

Laden in der Tiefgarage: „ Inzwischen hat der Gesetzgeber dafür gesorgt, dass auch an Tiefgaragenstellplätzen von Mietern einfacher Ladepunkte eingerichtet werden können. Eine Wallbox mit 11 kW Ladeleistung geht relativ problemlos.“

Gebrauchtwagen-Kauf: „Die Ladetechnik hat sich in den letzten Jahren gewaltig verändert. Ein drei bis vier Jahre altes Auto hat eine alte Ladetechnik, das sollte man bei einem gebrauchten Elektro-Fahrzeug beachten. Das Ladesystem ist ein heikles Thema, da kann die Batterie noch so toll sein. Teilweise haben ältere E-Auto-Modelle zwölf Stunden Ladezeit. Ob man so ein Fahrzeug kaufen möchte, wage ich zu bezweifeln. Deshalb vor dem Kauf nachfragen und gut informieren.“

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