Wenn Ampelmännchen Geschichten erzählen
Von ADAC Redaktion Hessen-Thüringen

Bei Grün gehen, bei Rot stehen – Ampelmännchen sind wegweisende Erscheinungen im Alltag und zentral für die Sicherheit auf den Straßen. Doch neben der Verkehrssicherheit spielen sie immer häufiger eine zentrale Rolle bei der regionalen oder kulturellen Identifikation.
Das Ampelmännchen und seine Entstehung
Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Zahl der Fahrzeuge besonders in den Städten stark zu. Um die davon ausgehende Gefahr für Fußgänger zu reduzieren, wurde 1933 die erste Ampel speziell für Fußgänger in Kopenhagen in Betrieb genommen. Vier Jahre später folgte in Berlin die erste deutsche Ampel, die für Fußgänger eingesetzt wurde – ausgestattet mit einem roten und grünen Leuchtfeld analog der normalen Fahrzeugampel. Erst in den 60er Jahren kam es dann zum großen Durchbruch des Ost-Ampelmännchens, dank der Entwürfe des deutschen Verkehrspsychologen Karl Peglau.
Heute gibt es in Deutschland zwei grundlegende Arten von Ampelmännchen: Ein eher schlichtes und dünnes „Euro Ampelmännchen“ in den westlichen Bundesländern und das dickere „Ost-Ampelmännchen“ mit Hut in Gebieten der ehemaligen DDR. Darüber hinaus haben viele Kommunen die klassischen Silhouetten neu interpretiert: So gibt es Ampelfrauen mit Zöpfen und Kleidern, Ampelpärchen sowie regionale Motive, Wahrzeichen und historische Persönlichkeiten.
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Regionale Einflüsse im Verkehrsgeschehen
Wer die Augen aufhält, findet in vielen Städten in Hessen und Thüringen kleine Besonderheiten an der Fußgängerampel. Nicht jedes Motiv kann jedoch einfach so als Ampelmännchen genutzt werden. Voraussetzung ist, dass die Verkehrssicherheit mit neuen Figuren gewährleistet bleibt: so müssen die Motive gut erkennbar und einheitlich gestaltet sein. Während das grüne Männchen eine eindeutige Laufbewegung zeigt, muss das rote Männchen klar „Stopp“ anzeigen. Abweichende Ampelfiguren benötigen eine Sondergenehmigung. Diese wird meist befristet erteilt.
Obwohl die kreativen Ampelmännchen häufig die Stadtgeschichte oder Kultur der Region aufgreifen, sind manche von ihnen über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Darunter zum Beispiel der King of Rock ’n’ Roll, Elvis Presley, der gleich in zwei hessischen Orten auf Ampeln vertreten ist: in Friedberg und Bad Nauheim. Die Gebrüder Grimm zieren unterdessen in Hanau Fußgängerampeln. Um die Besonderheiten der einzelnen Figuren und ihre Entstehung zu zeigen, gibt es in Erfurt sogar eine Ampelmann-Tour. Zeitweise konnten in der Stadt bis zu elf verschiedene Figuren entdeckt werden. Von Weihnachtsmännern über Wanderer und Rollstuhlfahrer haben die Erfurter schon viel gesehen.
Heute sind die Ampelmännchen nicht nur ein Stück Zeitgeschichte, sondern echte Kultobjekte und werden gerne auf Mitbringsel, Postkarten, T-Shirts oder ähnlichem verwendet.

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Interessante Fakten rund um die Fußgängerampel
1. Überquerung im Laufschritt
Mit welcher Geschwindigkeit Fußgänger eine Ampel in Deutschland überqueren müssen, ist in der Straßenverkehrsordnung festgelegt. Laut den "Richtlinien für Lichtsignalanlagen" (RiLSA) liegt diese zwischen 1,2 und 1,5 Metern pro Sekunde. Für die komplette Überquerung der Straße bleiben häufig nur 10 bis 15 Sekunden. Für ältere Menschen, kleine Kinder oder Menschen mit Mobilitätseinschränkung ist diese zeitliche Einschränkung eine Herausforderung. In manchen Städten gibt es daher bereits Überlegungen, die Grünphase für Fußgänger zu verlängern.
2. Der geheime Knopf
An vielen Ampel befindet sich unterhalb des gelben Drückerkastens ein zusätzlicher Knopf. Anders als häufig im Internet verbreitet, verhilft das Drücken der Taste jedoch nicht zu einer schnelleren Grünphase, sondern hat einen ganz praktischen Zweck: Wird der Drücker betätigt, wird neben der Grünphase auch noch eine weitere Funktion angefragt. Sobald die Fußgängerampel auf Grün schaltet, ertönt zusätzlich zum visuellen auch ein akustisches Signal. Der versteckte Knopf dient der besseren Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen. Zusätzlich zum Signalton sind manche Drücker ebenfalls mit Pfeilen versehen, die die Richtung vorgeben. Integrierte Halbkugeln auf der Unterseite des Drückers informieren über eine Verkehrsinsel in der Mitte der Straße.

3. Die „Countdown-Ampel“
Auch bei der Ampeltechnik bleibt die Zeit nicht stehen. Mit Hilfe neuer Ampelvarianten wollen Städte ihre Straßen noch sicherer machen. 2025 wurden daher in einigen deutschen Großstädten, wie Berlin und Hamburg, sogenannte „Countdown-Ampeln“ integriert. Sie haben eine zusätzliche Anzeige, die nach Ablauf der Grünphase anhand eines abgebildeten Zebrastreifens oder eines Zahlen-Countdowns aufzeigt, wie lange Fußgänger noch Zeit haben die Straße zu überqueren. Wenn der Countdown abgelaufen ist, schaltet die Fußgängerampel auf Rot und zeigt damit an, dass ein Überqueren der Straße nicht mehr sicher ist.
4. Unerlaubtes überqueren
Egal ob Ampelmännchen, -frau oder Weihnachtsmann, für Fußgänger, die eine Ampelanlage kreuzen möchten, gelten überall die gleichen Vorgaben: Wer über eine rote Ampel läuft und erwischt wird, kann ein Verwarnungsgeld von 5 Euro erhalten.

5. Drücken nur Nebensache
Fußgängerampeln, die den Übergang an einer Kreuzung regeln, nehmen zwar immer den Wunsch zum Überqueren wahr, allerdings reagieren sie nicht immer darauf. An vielen Straßenkreuzungen werden die Rot- und Grünphasen während der Hauptverkehrszeiten automatisch getaktet, um den Verkehrsfluss bestmöglich zu erhalten. Wird der Ampeldrücker in dieser Zeit gedrückt, hat das meist keinen Einfluss auf die Grünphase. Anders sieht es jedoch zu Zeiten mit weniger Verkehrsaufkommen aus. Fußgänger, die dann drücken, bekommen auch schneller grün.
Noch mehr spannende Infos zu den Ampelmännchen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der ADAC Motorwelt mit Regionalbeilage mittendrin in Hessen, Thüringen und Sachsen.



