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Anti-Gaffer-Film ist der Internet-Hit

12.1.2018

Über acht Millionen User haben den Kurzfilm "Schaulustige – Sei kein Gaffer" schon im Internet gesehen. Besonders das ebenso überraschende wie schockierende Ende sorgt für Diskussionen. Wir zeigen Ihnen das Video und haben mit den Filmemachern gesprochen

Ein junger Mann steht vor einem ausgebrannten Auto, auf dem Boden liegt eine verkohlte Leiche. Der Mann lächelt und knipste mit seinem Smartphone ein Selfie. Mit diesen Bildern provoziert der Kurzfilm "Schaulustige – Sei kein Gaffer" seine Zuschauer.

Entstanden ist er im vergangenen Sommer an drei Drehtagen mit Hilfe jeder Menge ehrenamtlicher Helfer auf einem alten Kasernengelände in Osnabrück. Die Idee dazu hatten Elena Walter, 25, und Emanuel Zander-Fusillo, 28, von der Agentur Blickfänger aus Dortmund. "Wir hatten das Gefühl, dass die Fälle von Gaffertum oder gar Angriffen auf Rettungskräfte in letzter Zeit deutlich zugenommen haben", berichtet Elena Walter, die mit ihrem Agentur-Partner auch das Drehbuch geschrieben hat.

Gaffer filmten ein sterbendes Baby

Das zeigen auch aktuelle Fälle aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin: In der Nacht vor Heiligabend wurde auf der A4 bei Klettenburg ein sechsjähriger Junge aus einem Kleinwagen geschleudert und von einem anderen Fahrzeug überrollt, einen Gaffer griff die Polizei auf, als er es sich auf dem Standstreifen bequem gemacht hatte, um die Rettungsmaßnahmen zu beobachten. Anfang des Jahres filmten und fotografierten Schaulustige im Landkreis Hof die Rettungsarbeiten nach einem Verkehrsunfall, bei dem ein vier Monate alter Säugling starb. Vorläufiger Tiefpunkt war der Jahreswechsel: Allein die Berliner Feuerwehr zählte 57 Angriffe auf ihre Einsatzwagen, acht Beamte wurden sogar körperlich attackiert – beim Ausüben ihrer helfenden Arbeit.

"Mit einem Klick kann man die ganze Welt erreichen und jeder kann so selbst zum Reporter werden": Diese neue Möglichkeit ist einer der Gründe, warum anscheinend immer mehr Fotos und Videos von Unfallopfern entstehen, vermutet Elena Walter. Und genau für die Sozialen Medien, in denen jeder alles veröffentlichen kann, wurde der Kurzfilm gedreht. Walter: "Uns ging es darum, möglichst viele Leute zu erreichen und auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen." Das ist zweifellos gelungen.

Knapp 30 Leute arbeiteten an dem Vier-Minuten-Video, neben dem Filmteam und Schauspielern auch Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr Osnabrück Stadtmitte. Unterstützt wurde der Film unter anderem vom Osnabrücker Bürgerverein Wüste und der Sparkasse Osnabrück. Ein Projekt das zum Nach- und hoffentlich auch zum Umdenken führen kann.

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Text: Stefan Sielaff

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