Im Bad eingesperrt: Wie der ADAC Matthias G. befreite
Von Roman Breindl

So schnell beginnt der Albtraum: Matthias G. wollte sich in einer kleinen Toilette die Hände waschen. Danach ließ sich die Tür nicht mehr öffnen. Wie ihm der ADAC aus der Misere half, erzählt er hier.
"Es stand in unserer vermieteten Wohnung ein Wechsel an. Als der bisherige Mieter im Urlaub war, durfte ich in die Wohnung und wollte ein paar Kleinigkeiten reparieren, bevor die Interessenten die Wohnung am selben Tag besichtigen. Alles ganz entspannt. Dachte ich.
Vor den Reparaturen wusch ich mir die Hände in der kleinen, innen liegenden Toilette. Dabei störte die Tür, die ich etwas zur Seite schieben wollte. Sie fiel ins Schloss, was mir zunächst noch keine Gedanken machte.
Ein folgenreicher Moment
Als ich die Tür öffnen wollte, reagierte die Klinke nicht: Die Tür ließ sich nicht öffnen. Ich rüttelte an der Klinke – nichts tat sich. Dann versuchte ich die Tür an der Klinke anzuheben, weil ich dachte, sie hätte sich vielleicht verkantet. Auch das half nicht. Dann drückte ich die Tür nach unten und versuchte am Ende sogar, die Tür als Ganzes zu heben, um sie zu öffnen. Aber die Tür gab keinen Millimeter nach.
Es hätte natürlich schlimmer sein können: Am Freitagnachmittag in einem Aufzug festzusitzen ist sicher unangenehmer. Immerhin verfügte ich ja über eine Toilette und fließendes Wasser. Allerdings war ich alleine in der Wohnung, eingeschlossen in einer fensterlosen Toilette, und in absehbarer Zeit sammelten sich potenzielle Mieter vor der Wohnungstür. Ich würde ein merkwürdiges Bild abgeben.
Trickreich wie MacGyver
Zwar hatte ich mein Handy dabei. Aber der altersschwache Akku zeigte nur rund 20 Prozent. Zunächst verständigte ich meine Frau, die am anderen Ende der Stadt arbeitete und gerade in einem Termin war. Dadurch konnte sie mir zunächst nicht helfen.
Ich musste versuchen, mich selbst aus meiner misslichen Situation zu befreien. Tatsächlich suchte ich in der kleinen Toilette nach Werkzeugartigem und löste nach einer gewissen Zeit auch einen Stift an der Türverkleidung. Ich fühlte mich kurz wie MacGyver – nur ohne Erfolg.
Die Rettung: Schlüsselnotdienst
Bei meinem zweiten Anruf mit mittlerweile nur noch 10 Prozent Akku fiel meiner Frau ein, dass wir in unserer ADAC Premium-Mitgliedschaft auch den Schlüsselnotdienst haben. Allerdings forderte der Callcenter-Mitarbeiter einen Nachweis, dass ich berechtigten Zugang zu dieser – meiner – Wohnung hätte.
Immerhin wartete nach ungefähr 20 Minuten der Mitarbeiter des Schlüsselnotdienstes vor der Wohnungstür, meine Frau dagegen brauchte ausgerechnet an diesem Tag fast eine Stunde, um die Wohnung mit einschlägigen Unterlagen zu erreichen. Diese Zeit nutzte ich, um mit den verblieben Akku-Prozent aus dem Klo heraus die Termine mit den möglichen Mietern zu verschieben. Bis das Handy ausging.
Ein leichter Druck von außen
Als meine Frau die Wohnung erreicht und den Nachweis erbracht hatte, ging alles ganz schnell: Der Mitarbeiter des Schlüsseldienstes öffnete in Sekunden die Wohnungstür. Mit einem leichten Handdruck auf die Außenklinke der Klo-Tür öffnete er auch diese.
Offenbar hatte nur die Innenklinke keine Verbindung mit dem Schließmechanismus gehabt. Ich war nach fast zwei Stunden frei, und die Befürchtung des Schlüsseldienstes, die Tür möglicherweise mit Gewalt öffnen zu müssen, war nicht eingetreten.
Heute ist die Türklinke repariert. Zudem ist die Wohnung wieder in guten Händen. Und ich wasche mir seitdem die Hände mit deutlich mehr Respekt vor Türklinken."