Beckenbruch in Thailand: ADAC holt 19-Jährigen heim

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Von Christof Henn

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Drei Personen in einem thailändischen Krankenhaus
Calida (li.) und Noah (re.) im Krankenhaus mit Dan, der sich nach ihrem Unfall auf der thailändischen Insel Koh Phangan um die beiden kümmerte© privat

Von aggressiven Affen bedrängt fährt Noah L. auf der Insel Koh Phangan mit seinem gemieteten Motorroller gegen einen Mast und erleidet einen Beckenbruch. Wie der ADAC Ambulanz-Service half und Noah nach Hause holte.

Nach dem Abi möglichst weit weg, herumreisen, Spaß haben, bevor das Studium losgeht: Die ersten zwei Wochen in Thailand laufen für Noah und seine Cousine Calida (beide 19) super, ehe die Reise auf der Insel Koh Phangan mit einem schlimmen Unfall endet.

Affen erobern den Motorroller

"Wir sind mit unserem Motorroller auf einen Berg gefahren und haben am Straßenrand Affen gesehen, darunter ganz viele süße Babys", erzählt Calida. "Dann haben wir angehalten, sind abgestiegen, haben ein paar Fotos gemacht." Die Affen lassen sich fotografieren, erobern aber dann den Roller. Sie suchen in der Ablage im Armaturenbrett nach einem Schlüssel, versuchen den Spiegel abzureißen und lassen Noah und Calida nicht an ihr Fahrzeug. Calida: "Die haben uns böse angefaucht, Zähne gezeigt, kamen drohend auf uns zu, haben uns klar gezeigt, dass sie jetzt den Roller haben."

Von Affen bedrängt gegen Laterne gefahren

Andere Touristen und Einheimische halten an, versuchen, die Affen zu verscheuchen. Am meisten hilft Dan, ein Israeli, der oft auf der Insel ist. Mit vereinten Kräften gelingt es schließlich, die Affen vom Roller zu vertreiben. Noah: "Wir dachten, das ist jetzt unsere Chance, hier wegzukommen, sind auf den Roller gesprungen und losgefahren, bloß schnell weg von den Affen." Calida schaut nach hinten und sieht, dass sie verfolgt werden. "Mehrere Affen sind uns hinterhergerannt, sehr schnell, waren supernah an uns dran."

Noah gibt noch mehr Gas, kommt von der Straße ab. Er verliert die Kontrolle über den Roller, schrammt an einer Felswand entlang und knallt gegen eine Laterne. Der Roller rutscht weg, Calida wird nur leicht verletzt, aber Noah erwischt es schwer. "Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich auf dem Boden lag, Nasenbluten hatte und mich nicht bewegen konnte", sagt Noah. "Das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe."

Aufnahme der thailändischen Insel Koh Phangan
Beliebtes Reiseziel: Die thailändische Insel Koh Phangan© Shutterstock/AsiaTravel/

Tiefe Schrammen am Bein und Beckenbruch

Einheimische, Touristen und Dan kümmern sich um Noah und Calida, versorgen sie mit Wasser. Ein Krankenwagen bringt Noah, der große Schmerzen hat, und Calida in eine kleine Klinik. Das Röntgenbild zeigt Noahs schwere Verletzung: Beckenbruch rechts. Dazu kommen tiefe Schrammen am rechten Bein, Calida hat sich am Knöchel verletzt.

Für die weitere Behandlung werden die jungen Deutschen in eine größere Klinik gefahren. Unterwegs ruft Calida Noahs Vater an, der diesen Whatsapp-Videocall nie vergessen wird. Calida zeigt erst nur sich, will behutsam erklären, dass sie einen Unfall hatten, und dreht dann die Kamera in Richtung Noah, der vor Schmerzen schreit. "Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke", sagt Noahs Vater.

ADAC Ärztin nimmt Kontakt mit Klinik in Thailand auf

Noahs Vater Sigurd L. (ADAC Plus-Mitglied mit ADAC Auslandskrankenschutz) ruft beim ADAC an. "Es ging sofort jemand ans Telefon und hat meine Meldung aufgenommen." Der ADAC Ambulanz-Service hinterlegt schnell die Kostenübernahme in der Privatklinik auf Koh Phangan, eine Ärztin nimmt mit den behandelnden Kollegen in Thailand Kontakt auf.

Sigurd L.: "Der Austausch mit dem ADAC war super, nach ein paar Stunden rief mich die Ärztin an, erklärte mir genau, wie es meinem Sohn geht. Er habe keine inneren Blutungen oder Verletzungen am Kopf, ich müsse mir nicht zu viele Sorgen machen. Der Beckenbruch werde voraussichtlich wieder verheilen, in Thailand sei jetzt nur eine kleine Säuberungs-OP erforderlich." Sigurd L. wird ab sofort ständig über den Gesundheitszustand von Noah informiert: "Dass sich der ADAC so gut gekümmert hat, war eine große Erleichterung."

Ambulanz-Service begleitet Heimflug

Auf Koh Phangan findet Dan heraus, wo Noah und Calida sind, besucht die beiden immer wieder im Krankenhaus, hilft bei der Kommunikation mit Ärzten und Pflegepersonal. Calida: "Dan hat uns ein Ladekabel gegeben, uns Essen geholt, viel mit uns geredet und uns immer wieder besucht. Er war für uns da, das hat uns sehr geholfen."

Zehn Tage nach dem Unfall beginnt die Heimreise von Noah und Calida: Im Krankenwagen mit der Fähre aufs Festland und von dort zum Flughafen Phuket. Dort wartet ein Rettungssanitäter des ADAC Ambulanz-Service mit einem Rollstuhl, im Flugzeug kann Noah in der Businessclass sein Becken im Liegen entspannen. Seinen Gesundheitszustand überwacht der Rettungssanitäter. "Das war super organisiert", so Sigurd L., "bis hin zum Transport vom Flughafen Frankfurt nach Hause."

Der Heilungsprozess bei Noah läuft wie erwartet, der inzwischen 20-Jährige kann wieder alles machen, auch Sport. Mit Dan sind er und Calida immer noch in Kontakt. "Wir haben vor, uns zu treffen", sagt Noah, "Dan möchte gerne mal Berlin sehen." Mit wilden Affen müssen sie dort nicht rechnen.