Riemenantrieb am Fahrrad: Leise, sauber, wartungsarm

• Lesezeit: 4 Min.

Von Roman Breindl

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Ein Mann repariert ein Riemenantrieb eines Fahrrads
Riemen statt Kette bietet Radfahrenden viele Vorteile© picture alliance / dpa Themendienst

Riemenantriebe bringen Bewegung in den Fahrradmarkt. Der Antrieb ohne Kette gilt als besonders leise, sauber und wartungsarm – ist aber nicht für jeden die beste Lösung.

  • Ideal für Pendler, Alltagsradler und jedes Wetter

  • Kette besser für sportliche Fahrer mit Fokus auf Effizienz

  • Lebensdauer hoch, aber Nachrüstung meist teuer und selten sinnvoll

Der Riemenantrieb bietet gegenüber der klassischen Fahrradkette mehrere handfeste Vorteile – vor allem im täglichen Einsatz. Aber für wen lohnt sich der Umstieg?

Welche Vorteile hat der Riemenantrieb?

Das Wichtigste vorweg: Der Riemenantrieb braucht kaum Wartung und keine Schmierung. Denn ein Fahrrad mit Riemenantrieb kommt ohne Öl und Fett aus. Daher haftet am Riemen weniger Schmutz als bei einer geölten, feingliedrigen Kette, in der sich gern kleine Partikel sammeln.

Deshalb verschmutzen Riemen weder Hosenbeine noch Hände. Außerdem muss der Riemenantrieb weder gereinigt noch regelmäßig nachgespannt werden.

Unempfindlich gegen Schmutz

Regen, Streusalz, Staub oder Hitze setzen einem Riemenantrieb kaum zu. Während Ketten bei Nässe und im Winter schneller rosten und verschleißen, bleibt der Riemen funktionstüchtig. Das macht ihn besonders für Ganzjahrespendler attraktiv.

Hohe Lebensdauer

Ein weiterer Pluspunkt ist die lange Haltbarkeit. Riemenantriebe erreichen je nach Nutzung bis zu 20.000 Kilometer – etwa zwei- bis dreimal so viel wie eine gut gepflegte Kette.

Da Riemenantriebe besonders gut mit Nabenschaltungen harmonieren, entfällt die klassische Kettenschaltung mit Kassette. Stattdessen kommen Riemenblatt und Riemenritzel zum Einsatz, die langlebiger sind und seltener gewechselt werden müssen als Kette und Kassette. Das erspart neben dem Wechsel der Kette den aufwendigen oder teuren Wechsel von Ritzeln und Kassette.

Leise und gleichmäßig

Riemenantriebe laufen nahezu geräuschlos und ruckfrei. Durch die gleichmäßige Kraftübertragung werden Lastwechsel kaum spürbar. Kein Kettenrasseln, kein Knacken – das Fahrgefühl wirkt insgesamt ruhiger und gleichmäßiger. Besonders im Stadtverkehr und auf längeren Strecken empfinden das viele Radfahrende als angenehm.

Entspannter Start an der Ampel

Ein Vorteil der Kombination aus Riemenantrieb und Nabenschaltung zeigt sich besonders im Stop-and-Go-Verkehr: Während bei einer Kettenschaltung der Gangwechsel nur während der Fahrt möglich ist, lässt sich bei einer Nabenschaltung auch im Stillstand schalten. Wer an der Ampel im falschen Gang steht, kann diesen noch korrigieren – und danach ruckfrei und kraftvoll anfahren. Das sorgt für entspanntes Fahren ohne Krachen oder Kettensprünge.

Pendler lieben Riemen

Der Riemenantrieb ist besonders interessant für:

  • Alltags- und Pendelradelnde, die ihr Fahrrad täglich nutzen

  • Menschen, die bei jedem Wetter unterwegs sind

  • Radfahrende, die wenig Zeit oder Interesse an Wartung haben

  • Fahrerinnen und Fahrer von City-, Urban-, Trekking- und Reiserädern

  • E-Bike-Nutzer, bei denen Effizienzverluste kaum ins Gewicht fallen

Ein Fahrrad mit einem Riemenantrieb wird auf einer Straße gefahren
Unter anderem für Alltags-Pendler ist der wartungsfreie Riemenantrieb sinnvoll© Shutterstock/Canetti

Gerade im Winter sparen Riemenantriebe viel Pflegeaufwand. Eis und Straßenschmutz machen der Kette zu schaffen – dem Riemen dagegen kaum. Der Riemenantrieb funktioniert zuverlässig wie ein Haushaltsgerät. Einmal eingestellt, liefert er über lange Zeit konstante Leistung, ohne dass regelmäßig nachjustiert oder nachgeschmiert werden muss.

Wann ist eine Kette die bessere Wahl?

Nicht ideal ist der Riemenantrieb für sportlich ambitionierte Bio-Bike-Fahrer, bei denen maximale Effizienz im Vordergrund steht. Eine Kettenschaltung ist etwas wirkungsgradstärker als eine Nabenschaltung mit Riemen. Im Alltag oder bei E-Bikes fällt das kaum auf – bei sportlicher Fahrweise mit reiner Muskelkraft jedoch schon. Wer schnell, sportlich oder mit Fokus auf Leistung unterwegs ist, fährt mit einer klassischen Kette besser.

Wo Riemenantriebe üblich sind

Am häufigsten findet man Fahrräder mit Riemenantrieb bei:

  • City- und Urban-Bikes

  • Trekking- und Reiserädern

  • vielen E-Bikes

  • hochwertigen E-City- und E-Trekkingrädern

Auf Riemenantrieb umstellen?

Detailaufnahme des Riemenantriebs eines Fahrrads
Wer selbst auf den sauberen Riemenantrieb umsteigen möchte benötigt einen teilbaren Rahmen© iStock.com/Anze Furlan / psgtproductions

Ein Umbau auf Riemenantrieb ist grundsätzlich möglich – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Besonders wichtig ist der teilbare Rahmen. Da der Riemen nicht geöffnet werden kann, muss der Fahrradrahmen teilbar sein. Die Öffnung befindet sich meist im Hinterbau, etwa an der Sitzstrebe oder der Kettenstrebe. Das ist in der Regel nur bei als riementauglich gekennzeichneten Rahmen der Fall. Viele ältere Stahl- oder Alurahmen sind nicht geeignet.

Welche Schaltung bei einem Riemenantrieb?

Riemenantriebe funktionieren nicht mit klassischen Kettenschaltungen. Möglich sind neben Nabenschaltungen auch Pinion-Getriebe, also Tretlager-Getriebe. Außerdem ist eine exakte Riemenspannung notwendig. Für diese korrekte Vorspannung braucht das Rad eines der folgenden Systeme:

  • verstellbare Ausfallenden

  • Exzenter-Tretlager

  • spezielle, rahmenspezifische Spannsysteme

Umbau lohnt sich selten

Zwar ist ein Umbau technisch machbar, er ist jedoch aufwendig und teuer. Müssen zusätzlich Rahmen, Schaltung oder Laufrad geändert werden, ist ein Neukauf meist wirtschaftlicher.