Bremswege im Vergleich

8.10.2019

Wie lang fällt der Bremsweg bei Auto, Motorrad, Wohnmobil, Lkw, Caravan und Van aus? Wir haben untersucht, welche Verzögerungen mit den verschiedenen Fahrzeugkategorien zu erreichen sind.

  • Im Test: Motorrad, Pkw, SUV, Wohnanhänger-Gespann, Lkw, Kleintransporter & Wohnmobil
  • Der ADAC Test zeigt, wie schnell die Fahrzeuge mit 80 km/h zum Stehen kommen
  • Der Pkw hat den kürzesten, der Lkw den längsten Bremsweg

Dichter Kolonnenverkehr birgt wegen der häufig zu geringen Abständen das Risiko von Auffahrunfällen. Besonders gilt dies für Fahrzeuge unterschiedlicher Kategorien, da die erreichbaren Verzögerungen teils erheblich voneinander abweichen. Der ADAC Vergleich zeigt, wie schnell die Fahrzeuge im Ernstfall zum Stehen kommen – vollbeladen und 80 km/h schnell.

Die Testkandidaten

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ADAC Bremstest
VW Golf gegen Motorrad BMW 1200GS: Wer kommt schneller zum Stehen?

Folgende Fahrzeuge schickten unsere Techniker ins Rennen:

  • Pkw: VW Golf
  • Pkw/SUV: BMW X3
  • Motorrad: BMW 1200GS
  • Wohnanhänger-Gespann: BMW X3 mit einem Hymer Carado
  • Kleintransporter: Mercedes Sprinter
  • Wohnmobil: Dethleffs Globebus T4
  • Lkw: DAF XF

Die Ergebnisse

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Bremswege verschiedener Fahrzeuge
So lang sind die Vollbremswege der vollbeladenen Fahrzeuge aus 80 km/h

VW Golf und BMW X3 erreichen mit 23,2 Meter (Verzögerung 10,6m/s²) bzw. 23,5 Meter (10,5 m/s²) ähnliche Bremswege. Wie zu erwarten war, schnitt das Gespann mit einem Bremsweg von 25,2 Metern schlechter ab als der Golf und das BMW-SUV ohne Anhänger. Das Gespann und das Motorrad lagen bei den Bremswegen mit 25,2 Meter bzw. 25,3 Meter in etwa gleich auf. Eher mäßig fielen die Ergebnisse für den Sprinter (28 Meter) und das Wohnmobil (29,8 Meter) aus.

Der schwere Lkw erreichte mit einem Bremsweg von 36,2 Meter und damit einer Verzögerung von 6,8 m/s² zwar durchaus akzeptable Werte, musste sich jedoch den anderen Teilnehmern im Vergleich deutlich geschlagen geben.


Was uns die Testergebnisse noch sagen:

  • Die Höhe der Zuladung hat physikalisch keinen Einfluss auf die Bremsweglänge. Sie wird eher von der Lage des Gesamtschwerpunktes der Masse bestimmt, also der Positionierung der Zuladung.
  • Dass Pkw und SUV die besten Verzögerungen erreichen, liegt vorrangig an den technisch weit entwickelten Fahrwerken, Bremsen und Reifen. Pkw und teilweise auch SUV bieten mit ihren Grundauslegungen bzw. -konzepten und Geometrien die besten Voraussetzungen für kurze Bremswege.
  • Für Motorräder ergibt sich durch ihr ungünstiges Verhältnis zwischen Radstand und Schwerpunkthöhe eine obere Grenze, die nicht von der Leistung der Bremsen oder Reifen beeinflusst wird. Es besteht die Gefahr instabiler Fahrzustände bis hin zum Überschlag.
  • Auch Kleintransporter und Wohnmobil zeigen ein ungünstiges Verhältnis von Radstand zu Schwerpunkthöhe. Deswegen ist die Verzögerungsleistung nicht nur von Bremsen und Reifen bestimmt.

Die Versuche

Alle Fahrzeuge wurden auf ihr maximales, zulässiges Gesamtgewicht aufgelastet. Anschließend wurden mindestens zehn Bremsungen durchgeführt und messtechnisch erfasst. Alle bis an die Grenze des Erlaubten beladenen Fahrzeuge mussten bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h so schnell wie möglich zum Stehen kommen.

Die Versuche fanden auf dem ADAC Testgelände in Kaufbeuren statt. Die Fahrbahnoberfläche der Bremsstrecke war zum Zeitpunkt der Versuche durchgehend frei von Nässe bei Oberflächentemperaturen zwischen 21° C und 33° C. Der Fahrbahnzustand war homogen und schmutzfrei.

Tipp Icon

Versuchsbedingungen beachten

Die Messwerte stehen für den bestmöglichen Fall. Im Verkehrsalltag muss der Fahrer aufgrund von Verschleiß der Bremsanlage, abweichenden Reifen und/oder schlechterer Reibwerte des Straßenbelages durch Nässe und Verschmutzungen auf der Straße schlechtere Werte einkalkulieren.

Fazit: Verlierer mit beachtlicher Leistung

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ADAC Bremstest
Längerer Bremsweg beim Lkw: Dieser muss insgesamt 40.000 kg stoppen

Obwohl der Lkw auf dem letzten Platz landete, ist seine Bremsleistung mit 36,2 Metern trotzdem nicht als schlecht zu bewerten. Immerhin muss der Brummi mit 40 Tonnen Gesamtgewicht mehr als die 11-fache Masse der anderen Fahrzeuge stoppen, die auf lediglich 3,5 Tonnen beschränkt sind.

Kritisch können die verschiedenen Bremsleistungen insbesondere dann werden, wenn Fahrzeuge unterschiedlicher Kategorien die notwendigen Mindestabstände nicht einhalten – wenn etwa ein Motorrad oder ein Lkw zu dicht auf einen Pkw auffährt. Abstands- sowie Auffahrwarner und Notbremsassistenten sollten daher serienmäßig mit an Bord sein – nicht nur beim Lkw.

Tipps und Empfehlungen

Ein ausreichender Sicherheitsabstand ist das absolut Entscheidende, wenn es um die Vermeidung von Auffahrunfällen geht. Daher gilt als Richtwert: Abstand mindestens halber Tachowert in Metern.

Dank ABS und ESP in den Autos ist eine Destabilisierung des Fahrzeugs durch einen beherzten Tritt auf die Bremse in Gefahrensituationen nahezu nie zu erwarten. Eine ungenügend stark durchgeführte Bremsung ist hingegen ein häufiger Unfallgrund. Daher sollte der Fahrer in Gefahrensituationen immer maximal bremsen. Bei Motorrädern helfen Assistenzsysteme wie ABS und Hinterrad-Abhebe-Kontrolle (Rear Wheel Lift-Off Protection).

Geschwindigkeit und Bremsweg hängen physikalisch zusammen. Theoretisch gilt: Verdoppelt sich die Fahrgeschwindigkeit, geht damit eine Vervierfachung des Bremsweges einher.

Die Bremssysteme bzw. Reifen der Kleintransporter und der Wohnmobile weisen gegenüber modernen Pkw deutliche Verbesserungspotentiale auf.

Abstands- sowie Auffahrwarner und Notbremsassistenten sind für die Sicherheit äußerst sinnvoll und sollten bei allen Fahrzeugen mit an Bord sein.

Bremse eines Motorrads

Richtig bremsen mit dem Motorrad

Eine Notbremsung mit dem Motorrad ist immer eine nervenaufreibende Gratwanderung – zwischen möglichst kurzem Bremsweg und nicht blockierendem Vorderrad.

Praxistipps zum richtigen Bremsen

 

Fotos: ADAC/Axel Griesch. Illustration: ADAC

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