Abenteuer auf dem Wasser: Urlaub mit dem Hausboot

Ein Hausboot auf der Havel im Sonnenuntergang
Die Natur ganz für sich haben: Hausboot-Ferien ∙ © ADAC Motorwelt/Christian Kerber

Hausboot-Urlaub ist voll im Trend. Die schönsten Reviere, was ein Bootstrip kostet und was es zu beachten gilt. 

  • Kein Bootsführerschein nötig

  • Landgänge sorgen für Abwechslung

  • Fahrgebiete in Deutschland und im Ausland

Navigieren, festmachen, schleusen – beim Hausboot-Urlaub darf jeder mal in die Rolle des Kapitäns schlüpfen. Ob in Frankreich oder Holland, Berlin oder Brandenburg: Urlaub auf einem "schwimmenden Camper" ist ein Erlebnis – allein, zu zweit oder mit der ganzen Familie. 

Schippern ohne Bootsführerschein

Das Hausboot von der Seite, wie es die Havel entlangfährt
Gemächlich: Mit zehn bis zwölf km/h gleitet das Boot übers Wasser ∙ © ADAC Motorwelt/Christian Kerber

Entspannt die Natur genießen, während das bungalowähnliche Boot sich gemütlich über Seen, Flüsse und Kanäle vorwärtsschiebt. Und zum Übernachten dort Halt machen, wo es einem am besten gefällt. Mit der etwas anderen Urlaubsart kein Problem – und für jeden möglich. Hausboote sind Fortbewegungsmittel und Unterkunft in einem und können fast bedenkenlos ohne besondere Erfahrungen oder Vorkenntnisse gemietet werden. 

In der Regel wird kein Bootsführerschein benötigt: Boote, die über einen Motor mit maximal 15 PS verfügen, dürfen führerscheinfrei gefahren werden. Die Reviere, in denen die meisten Hausboote angeboten werden, sind bewusst so gewählt, dass auch Anfänger keine Probleme mit der Navigation und der Kontrolle auf dem Wasser bekommen. Auch international gibt es viele Reviere, in denen kein Bootsführerschein nötig ist.

Informationen für Bootssport-Einsteiger gibt es hier

Nach kurzer Einweisung geht es los

Damit bei An- und Ablegemanövern sowie unterwegs auf dem Wasser möglichst keine Fehler passieren, gibt es zu Beginn des Trips eine mindestens dreistündige Einweisung. Hier werden die wichtigsten Grundregeln und Manöver vermittelt.

Mit der Charterbescheinigung in der Hand kann es dann auch schon losgehen. Die Bescheinigung berechtigt zum Führen des Hausboots in dem jeweiligen Charterrevier. So heißen die Gebiete, die für die Hausboote ausgewiesen sind. Allein in Deutschland sind das über 700 Kilometer befahrbare Wasserstraßen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und im Saarland.

Voraussetzungen für eine Charterbescheinigung

  • Eine ausführliche theoretische und praktische Einweisung (mindestens drei Stunden) durch das Charterunternehmen

  • Die Boote dürfen maximal 15 Meter Länge haben

  • Maximal zwölf Personen sind an Bord erlaubt

  • Eine Höchstgeschwindigkeit von zwölf km/h darf nicht überschritten werden

Wichtig: Die Charterbescheinigung gilt nur für das in ihr bezeichnete Binnengewässer und nur für die jeweilige Mietzeit. Und: Wer sich ein Hausboot mieten will, muss mindestens 18 Jahre alt sein.

Wer einen "Sportbootführerschein binnen" besitzt, benötigt keine Charterbescheinigung.

Keine Angst vor Schleusen

Als sein eigener Kapitän trägt man für verschiedene Manöver die Verantwortung. Dazu gehört auch das Manövrieren durch Schleusen. Doch das ist kein Grund, in Panik zu geraten. Im Rahmen der Einweisung bekommt man von den Anbietern alles Wichtige erklärt. Außerdem kennen die Schleusenwärter die Sorgen unerfahrener Urlauber und helfen gern mit Tipps weiter.

Jedes Revier bietet zudem Touren mit wenigen Schleusen. Wer großen Respekt vor den Manövern hat, kann gezielt nach Routen fragen, die schleusenfrei befahren werden können. 

Der Wohn-, Koch- und Essbereich des Hausboots
Komfort auf kleinem Raum: An Bord eines Hausboots ∙ © ADAC Motorwelt/Christian Kerber

Das passende Boot für jede Tour

Ob allein, romantisch zu zweit, mit der Familie oder mit ein paar guten Freunden: Ein Hausboot-Urlaub funktioniert in jeder Konstellation. Das Modellangebot reicht dabei vom Floß über Kleinboote mit Außenborder bis hin zur 15-Meter-Yacht der Luxusklasse.

Je nach Größe und Ausstattung des Bootes kann man schon für unter 1000 Euro die Woche in See stechen.

Für alle Bedürfnisse und jede Crew-Größe lassen sich das passende Angebot sowie die schönsten Routen und Ziele finden.

Auf der Reise

  • Kofferverbot: Platz ist knapp, also lieber auf Taschen als auf Koffer setzen – diese können an Bord leichter verstaut werden

  • Tagespensum: 30 bis 40 Kilometer sind gut und entspannt machbar

  • Ankern: Nur außerhalb der Fahrwasser und an ausgewiesenen Plätzen

  • Sicherer Hafen: Liegeplätze lassen sich gut über das ADAC Skipper-Portal finden

  • Landgang: Handynetz und Geldautomaten sind Mangelware

Landgänge

An zahlreichen Plätzen kann man mit dem Hausboot ankern und die Landschaft zu Fuß erkunden. So hat man die Möglichkeit, Land und Leute näher kennenzulernen. Viele Routen führen zudem an Sehenswürdigkeiten und interessanten Orten vorbei.

Hausboot fährt auf einem Kanal in der Bretagne in Frankreich
Abenteuer Hausboot: Die Landschaft aus einer neuen Perspektive entdecken ∙ © iStock/Markus Thoenen

Das Ankern ist überall dort erlaubt, wo es nicht verboten ist. Verboten ist es grundsätzlich im Fahrwasser, also dort, wo andere Schiffe regelmäßig entlangfahren, sowie in Naturschutzgebieten.

An Bord befinden sich spezielle Seekarten, auf denen die Gebiete eingezeichnet sind, wo geankert werden darf und wo nicht. Außerdem bekommt man bei der Einweisung erklärt, wo dies erlaubt ist. Die Anbieter gehen dabei auch auf Wünsche ein und stellen Touren zusammen, auf denen möglichst viel zu sehen ist und die für jede Menge Abwechslung sorgen. 

Bestens gewappnet ist man mit der ADAC Trips-App, hier gibt es gute Ausflugstipps für die Landgänge.

Natur erleben: Die schönsten Fahrgebiete und Regionen

Wer in einem Hausboot über das Wasser schippern will, muss gar nicht weit schauen. Viele attraktive Routen liegen direkt vor der Haustür.

Unter Hausboot-Urlaubern besonders beliebt ist die Mecklenburgische Seenplatte im Nordosten von Deutschland mit über 1000 zusammenhängenden Seen. Neben ihrer beeindruckenden Natur, der Müritz und dem UNESCO-Weltnaturerbe Müritz-Nationalpark sowie vielen weiteren Naturparks ist sie das größte vernetzte Wassersportrevier Europas.

Die nördlich von Berlin gelegene Brandenburgische Seenplatte erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit. Zusammen mit dem Ruppiner Seenland, der Havel und den Uckermärkischen Seen verbindet sie gleich zwei Naturparks.

Ein Hausboot auf der Havel von oben
Unterwegs im Hausboot: Die zahlreichen schiffbaren Wasserwege erkunden ∙ © ADAC Motorwelt/Christian Kerber

Wen es in andere Länder zieht, der kommt zum Beispiel in Frankreich auf seine Kosten. Über 8000 Kilometer schiffbare Wasserwege auf Flüssen und Kanälen können hier durchfahren werden – vorbei an einer facettenreichen Landschaft voller kulinarischer Versuchungen.

Besonders beliebt ist der Canal du Midi, er verbindet Toulouse mit dem Mittelmeer. Auf der Route fahren Hausboot-Fahrer unter historischen Brücken hindurch und erleben eine von Frankreichs zahlreichen Weinregionen hautnah. Weitere beliebte Fahrgebiete finden sich unter anderem im Burgund, im Elsass und in der Bretagne. 

Freizeitkapitäne können auch durch die Kanäle, Wasserwege und Seen Hollands fahren. Im Land der Grachten hat das Hausboot eine lange Tradition. Idyllische Natur, Tulpenfelder und romantische Kanäle lassen sich hier erkunden.

Hier gibt es einen Überblick über weitere Fahrgebiete und Regionen im In- und Ausland sowie viele Informationen zum Urlaub auf dem Wasser

Alexander Schnaars
Redakteur
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