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– Die besten Bremser im ADAC Autotest (Stand 09/16) –

Kurze Bremswege sind kein Hexenwerk

Der Bremsweg ist im Autotest eine wichtige Messung. Er ist ein entscheidender Sicherheitsaspekt, denn er soll Unfälle verhindern, also die Crashsicherheit erst gar nicht auf die Probe stellen. Wir haben uns aus den letzten vier Jahren die gemessenen Bremswege genauer angeschaut und gravierende Differenzen festgestellt.
Warum einige Meter Unterschied beim Bremsweg entscheidend sind, macht folgendes Beispiel deutlich: der beste Bremser der letzten Jahre war das Porsche 911 Carrera Cabriolet mit 31,3 m, der schlechteste der Citroen Jumper Combi mit 47,8 m, jeweils für die Standardbremsung aus 100 km/h bis zum Stillstand. Diese Zahlen bedeuten: an der Stelle, an der der Porsche steht, rauscht der Citroen mit 55 km/h vorbei. Das eine Auto steht, das andere erlebt einen Zusammenstoß, der schwere Verletzungen für die Insassen bedeuten kann.

Das Fahrzeuggewicht ist nicht entscheidend

Die Länge des Bremsweges ist nicht unmittelbar von der Fahrzeugmasse abhängig. Wenn die Bremsanlage für die höhere Masse ausgelegt ist, können schwere Fahrzeuge auch kürzere Bremswege haben als kleinere, leichtere. So bremst der schwere Mercedes S 500 mit 2.295 kg in 32,6 m von 100 auf 0 km/h und damit genauso gut wie der fast nur halb so schwere und kleinere Mini One D mit seinen 1.220 kg (32,7 m). Beide Werte sind freilich sehr gut.
  • Die Bremsstabilität muss passen
    Bei der Auslegung der Bremsleistung ist nicht nur der Bremsweg, sondern auch die Bremsstabilität sehr wichtig. Diesen Zielkonflikt gilt es möglichst optimal zu lösen. Ein Fahrzeug muss bei einer Vollbremsung stabil bleiben, die Hinterachse darf nicht überbremsen, da sonst das Auto ins Schleudern gerät. Bei Sportwagen mit niedrigem Schwerpunkt und relativ langem Radstand ist dies leichter zu lösen, da die daraus resultierende dynamische Achslastverschiebung geringer ist; es lässt sich mehr Bremsleistung in die Hinterachse einsteuern und den Bremsweg damit verkürzen. Das ist mit ein Grund, warum Sportmodelle in der Summe oft die kürzeren Bremswege erzielen.
  • Verbesserungen der letzten Generationen
    In den letzten Jahren wurden die Bremswege weiter verbessert, auch weil die Reifen optimierte Hafteigenschaften haben. Den Kraftschluss zwischen Auto und Straße muss der Reifen leisten, er stellt daher einen wesentlichen Aspekt für die Bremsleistung dar. Natürlich spielen auch die immer effektiveren ABS-Systeme und Fahrwerke eine wichtige Rolle.
    Die Bremsmesswerte am Beispiel des VW Golf:
    MODELL (Testjahr)Bremsweg
    Golf IV  (2001)39,5 m
    Golf V   (2004)37,5 m
    Golf VII (2013)33,6 m


  • Kurze Bremswege müssen nicht teuer sein

    Sehr gute Bremswege sind nicht mehr nur teuren Fahrzeugmodellen vorbehalten, sondern werden auch schon im Kleinwagensegment und der Unteren Mittelklasse (Golfklasse) erreicht, wenn auch eine entsprechend moderne, leistungsfähige Bereifung vorhanden ist. Dies zeigt die nachfolgende Tabelle, in der ein Mini Cooper oder Seat Leon kürzere Bremswege erzielen als der Supersportwagen Audi R8.

    MARKEMODELLBremswegTestdatum
    MiniCooper33,0 m4/2014
    AudiA7 Sportback 3.0 TDI ultra33,0 m12/2014
    SEATLeon ST 1.6 TDI 33,1 m2/2014
    PorscheCayman33,1 m5/2013
    VWGolf Variant 2.0 TDI BMT33,1 m8/2013
    MercedesE 400 Cabriolet33,1 m5/2014
    AudiR8 Spyder V1033,2 m9/2013
    Auch wenn die Transporterklasse relativ lange Bremswege (z.B. Citroen Jumper 47,8 m) aufweist, muss das nicht für die ganze Klasse gelten. Der Mercedes V250d benötigt nur eine Vollbremsstrecke aus 100 km/h bis zum Stillstand von 36,6 m. Das bedeutet letztlich, dass die Bremsauslegung und Bereifung maßgebend sind.
  •  Offroad- und Allseason-Reifen als schlechte Wahl

    Allseason-, M+S- oder Offroad-Reifen, wie sie oft für große SUVs und Transporter eingesetzt werden, sind für den Straßeneinsatz bei trockenen und warmen Bedingungen nicht die beste Wahl. Typische Vertreter davon zeigen im Bremsentest deshalb auch unterdurchschnittliche Bremsleistungen.

    MARKEMODELLBremswegReifenherstellerTestdatum
    FordRanger 2.2 TDCi Doppelkabine41,1Good & Year Wrangler HP Allweather M+S 112H6/2012
    FordTourneo Custom 300L1 2.2 TDCi41,4Bridgestone Duravis Light Truck 109/107R6/2013
    ToyotaRAV4 2.0 D-4D42,2Yokohama Geolander G91 102H4/2013
    OpelCombo Combi 1.4 CNG Turbo ecoFlex42,6Pirelli Chrono 99/97T9/2012
    Peugeot2008 120 VTi42,7Good Year Vector 4 Seasons M+S 89V6/2013
    NissanNavara Double Cab 2.5 dCi44,7Continental CrossContact LX (M+S) 110T5/2012
    CitroenJumper Kombi 30 e-HDi 15047,8Pirelli Chrono Four Seasons M+S 112/110S11/2014


  • Spritsparreifen im Nachteil

    Auch rolloptimierte Spritsparmodelle sind im Vergleich zu Modellen mit Reifen, die höheren Grip entwickeln, deutlich im Nachteil. Ein signifikantes Beispiel bietet der Ford Fiesta. Obwohl die beiden Modelle baugleich sind, ist der Bremsweg mit den Energiesparreifen etwa 20 % länger.

    MARKEMODELLBremswegReifenherstellerTestdatum
    FordFiesta 1.0 EcoBoost34,9ContiPremiumContact 2 84V1/2013
    FordFiesta 1.6 TDCi ECOnetic42,4Michelin Energy Saver 82H7/2012

  • Fazit
    Das Gesamtniveau der erzielten Bremswege hat sich im letzten Jahrzehnt kontinuierlich verbessert und ist mittlerweile auf einem guten Durchschnittswert von 36,4 m (Auswertung von über 500 getesteten Fahrzeugen im ADAC Autotest) angelangt.
    Auch bei älteren Fahrzeugen kann man den Bremsweg optimieren, indem man stets auf gute Wartung der Bremsanlage achtet und aktuelle Reifenmodelle mit dem richtigen Luftdruck verwendet. Denn vor 10 Jahren lag der durchschnittliche Bremsweg noch bei etwa 40 m, ältere Fahrzeuge haben also einen Nachteil gegenüber aktuellen. Das könnte bei einer Vollbremsung in einer Kolonne zum Problem werden – eine gute Wartung und genug Sicherheitsabstand lassen einen hier aber auf der sicheren Seite fahren.
    Der große Vorteil ständig verbesserter Bremswege liegt aber in der Gesamtreduzierung der Unfälle und Unfallfolgen. Immer häufiger kommt es erst gar nicht zur Kollision oder die Kollisionsgeschwindigkeiten sind deutlich geringer und damit auch die mögliche Verletzungsschwere.

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