Funktioniert Ihr Navigationsgerät nach dem 6. April noch?

8.4.2019

Die Geschichte könnte ein grandioser Aprilscherz sein. Ist sie aber mitnichten, denn nach dem 6. April 2019 könnten vor allem älteren Navigationsgeräte durch eine GPS-Umstellung im schlimmsten Fall unbrauchbar werden. Woran das liegt und welche Navis betroffen sein könnten.

Frau weißt männlichen Fahrer Weg mit Hilfe von Landkarte
Foto: © iStock.com/Jacob Ammentorp Lund

Am 6. April 2019 wird im amerikanischen Satellitensystem GPS laut internationaler Fachmedien eine Zeitumstellung fällig, das sogenannte "Week Roll Over". Der Hintergrund: GPS-Signale von Satelliten enthalten einen Zeitstempel. Dieser wird von mehreren Navigationsgeräte zur genauen Ortung benötigt und speichert die Wochenangabe in einer 10-Bit-Variable. Damit lassen sich maximal 1024 Wochen verarbeiten, also ein Zeitraum von circa 20 Jahren. Und die sind am 6. April 2019 abgelaufen. Die Software setzt dann ihren Zeitstempel von 1023 auf 0.

Das englische IT-Magazin "The Register" spricht hier zwar von einem "Fun Fact", aber die Autofahrer, die ein zwischen 10 und 15 Jahre altes Navigationsgerät nutzen, finden das sicherlich nur bedingt lustig.

Ältere Navigationsgeräte könnten unbrauchbar werden

Denn das beschriebene "Week Roll Over" kann bei manchen, vor allem bei älteren Navigationsgeräten vor Baujahr 2010 Funktionsstörungen verursachen. Teilweise sollen die Geräte sogar unbrauchbar werden. Etwa dann, wenn ein Navi auch das Datum zur Berechnung der Positionsbestimmung verwendet.

Wir fordern deshalb, dass die Anbieter Firmware-Updates anbieten, die die betroffenen Navis wieder voll funktionsfähig machen. Wenn dies in Einzelfällen nicht möglich ist, sollten die betroffenen Kunden zumindest einen freiwilligen Zuschuss zum Kauf eines neuen Navigationsgerätes erhalten.

Das können Sie unternehmen

Sie können die in den Navigationsgeräten verwendete Firmware auf den aktuellen Stand bringen. Natürlich möglichst vor dem 6. April, damit Sie keine Ausfälle oder Probleme bei der Navigation beklagen müssen.

Kleiner Trost für alle Betroffenen: Durch eine Neustrukturierung des GPS-Signals und den Umstieg auf 13 Bit wird der nächste "Week Roll Over" erst in 8192 Wochen fällig. Also in etwa 156 Jahren.

Das sagen die Anbieter über ihre Navigationsgeräte

Wir haben bei zahlreichen Anbietern von Navigationsgeräten eine Rundfrage gestartet und diese um Informationen gebeten, wie ihre Geräte mit dem "Week Roll Over" umgehen und welche Abhilfe es bei Problemen gibt.

Mobile Navigationsgeräte

  • Garmin: Der Anbieter Garmin erwartet "voraussichtlich keine Beeinträchtigungen". Weitere Infos unter: Informationen von Garmin zum GPS-Wochen-Rollover
  • Navigon: "Bei den NAVIGON Navigationsgeräten findet die Kalenderwoche keine Berücksichtigung bei der Routenberechnung. Wir gehen daher davon aus, dass der GPS Week Number Rollover keine Auswirkungen auf unsere Geräte und Apps hat."
  • TomTom: Auf www.tomtom.de können Sie anhand der Modellbezeichnung herausfinden, ob Ihr Gerät betroffen ist und ob es im Fall der Fälle ein Update gibt.

 

Ab Werk verbaute Navigationsgeräte

  • Audi: "Wir haben unsere GPS-Empfänger, die in unseren Navigationsgeräten eingebaut sind, gemeinsam mit dem Hersteller überprüft. Diese Prüfung hat ergeben, dass die eingesetzten GPS-Module nicht anfällig für den 'Week rollover' sind und somit einwandfrei funktionieren werden."
  • BMW: "Nach interner technischer Prüfung und Absicherung mit unseren Zulieferern wird die Funktionalität der von der BMW Group fest verbauten Navigationsgeräte durch den ‚GPS Week Rollover‘ nicht beeinträchtigt.
    Sollten wider Erwarten technische Probleme mit einem Navigationsgerät auftreten, bitten wir die betroffenen Kunden, sich an die entsprechende ConnectedDrive Hotline, eine Niederlassung oder einen Vertragshändler zu wenden."
  • Ford: "Ford-Navigationsgeräte sind von dieser Thematik nicht betroffen."
  • Hyundai: "Die in den Hyundai Modellen eingebauten Navigationssysteme würden frühestens im Jahr 2021 betroffen sein. Dies gilt aber auch nur dann, wenn bis dorthin das Gerät kein Regel-Update erhalten hat. Da Hyundai aber grundsätzlich zu allen Navigationsgeräten für den Kunden kostenlose Updates anbietet, gehen wir davon aus, dass die Kunden auch 2021 keinen Ausfall spüren werden."
  • Kia: "Wenn die aktuelle Software installiert ist, sollte bei den Kia-Navigationsgeräten kein Problem auftreten. Falls ein älteres Gerät Probleme mit dem GPS-Week-Rollover aufweist, kann dieses durch ein Update beim Händler behoben werden."
  • Mazda: "TomTom Navi Box (NB1), Audio Visual Navigation (AVN1) und Alpine (AVN2) haben uns bestätigt, dass diese auch nach dem GPS Week Rollover vom 7. April 2019 vollumfänglich arbeiten."
  • Mitsubishi: „Bei Mitsubishi-Navigationssystemen sind keine Einschränkungen zu erwarten.“
  • Nissan: "Einige der Navigationssysteme, die vor 2007 auf den Markt gekommen sind, könnten von dem Rollover betroffen sein. Aber für diese Systeme wurde bereits seit 2015 kein neues Kartenmaterial mehr veröffentlicht, was die Probleme einschränkt. Generell sollten die Navigationssysteme aber funktionsfähig bleiben und die GPS-Ortung wie gewohnt funktionieren."
  • Peugeot/Citroen: "Wir erwarten bei den werkseitig verbauten Systemen keine Beeinträchtigungen, vorausgesetzt, die Geräte werden auf dem aktuellen Softwarestand betrieben."
  • Renault:
    1. Es handelt sich um die Renault Multimediasysteme R-LINK, R-LINK Evolution und Carminat TomTom. Navigationsgeräte in Fahrzeugen der Marke Dacia sind nicht betroffen.

    2. Ohne Firmware-Update kann es bei den Systemen R-LINK und R-LINK Evolution zu folgenden Problemen kommen:
    - Ausfall der Uhr
    - keine Angabe der voraussichtlichen Ankunftszeit
    - Einfluss auf einige vernetzte Dienste (E-Mails, Wetter)
    - Einfluss auf Fahrzeugvoreinstellungen (Bezahlzeit/Elektrofahrzeuge)
    Beim System Carminat TomTom: Einfrieren der Navigation.

    3. Das Software-Update wird kostenlos über Renault EASY CONNECT für R-LINK und R-LINK Evolution und über die TomTom-Homepage für Carminat TomTom zur Verfügung gestellt.

    4. Weitere Infos auf der Renault-Homepage unter den Rubriken "Service/Zubehör" und "Kundenbereich".
  • Seat: "Nach Rücksprache mit unseren Kollegen im Headquarter bei Seat S.A. können wir Ihnen mitteilen, dass unsere Fahrzeuge bei Seat und CUPRA nicht von dem „Rollover GPS“ betroffen sind."
  • Suzuki: "Es wird sowohl für die aktuellen Geräte von Bosch als auch für die Vorgängermodelle von Garmin keine Probleme im Kontext des GPS Week Rollovers geben. 
  • Subaru: Subaru-Fahrzeuge ab Modelljahr 2010 haben Update-Funktionen im Navigations-  und Entertainmentsystem, sodass Probleme mit dem „GPS Week Rollover“ nicht zu erwarten sind. Sollten an älteren Subaru-Modellen wider Erwarten Fehlfunktionen auftreten, bieten wir zur Beratung und Unterstützung eine Hotline an: +49 6031 606444 oder Homologation@subaru.de.""
  • Volkswagen: "Mit den bei uns im Einsatz befindlichen Navigationsgeräten wird es bezüglich des von Ihnen angesprochenen GPS-Week-Rollover am 7.4. keine Probleme geben! Dies gilt auch lieferantenunabhängig (wir beziehen unsere Geräte ja meist von mehreren Lieferanten)."


    Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de